Monat: September 2010

So ist das also…

Jana In Gedanken habe ich es mir schon seit Langem vorgestellt und mich so gut wie möglich darauf vorbereitet. Und nun stehe ich auf einmal vor 40 Kindern im Alter von 5 bis 10 Jahren, die mich im besten Fall mit großen, braunen Augen anstarren. WĂ€hrend ich ein Kind beim Bleistiftspitzen unterstĂŒtze, ermuntere ich das […]

Weiterlesen

Prooofe…

von Klara In der letzten Zeit war es nicht mehr so chaotisch. Wir sind jeden Tag zur Schule Sagrada Familia gefahren, um dort am Spanischunterricht teilzunehmen. Die Zeit war sehr schön und im Spanischunterricht wurden wir sehr gut eingebunden. Die Spanischlehrerin Luz hat sich sogar in Freistunden mit uns in die Bibliothek gesetzt und uns […]

Weiterlesen

La vida loca

Jana

Auf dem quietschgrĂŒnen Shirt, das uns unsere Aguablanca-AG geschenkt hat, steht der blaue Schriftzug: Jana und Klara -gonna living the vida loca. Und genau das kam uns beiden nach vielen Stunden voller Turbulenzen und AbsurditĂ€ten in den Sinn, als wir uns in unserer Wohnung heute Abend in unseren CampingstĂŒhlen im Dunkeln gegenĂŒber saßen und vor UnglĂ€ubigkeit nur noch lachen konnten. Doch alles der Reihe nach.

Gestern war es warm. Unglaublich warm. Aber das stellten wir erst fest, als wir ausgerechnet um die Mittagszeit unsere dringlichen EinkĂ€ufe zu erledigen hatten, schließlich waren sowohl der Bauch als auch der KĂŒhlschrank leer. Die sengende Hitze hat uns beide erstmal komplett umgehauen und unser Kreislauf plĂ€dierte lautstark fĂŒr eine Siesta. So schoben wir das plötzliche Wanken und Wackeln des Hauses zuerst auf unseren allgemeinen GemĂŒtszustand. Dabei war es nicht weniger als ein kurzes, harmloses Erdbeben.

Vielleicht sollte ich auch noch erwĂ€hnen, dass unsere direkten Nachbarn uns maltrĂ€tieren. Beinahe jeden Vormittag legt die „Party“-Gemeinde los, spielt laut Musik und probt offenbar fĂŒr den Sonntagmorgen, wo das ganze Spektakel seinen (Dezibel-) Höhepunkt erreicht. Das alles wĂ€re nur halb so erwĂ€hnenswert, wĂŒrde es sich nicht um 7 Uhr morgens ereignen. Die Fenster hier haben nĂ€mlich keine Dichtung, dienen also nur, um das Hineinregnen zu vermeiden und sind dementsprechend lĂ€rmdurchlĂ€ssig. Und dann gibt es da noch einen entzĂŒckenden Monsterhund (ich vermute ja, dass es ein Werwolf ist), der bei Nacht eine erstaunliche Kondition in Sachen Bellen vorweist. In den letzten beiden Tagen hörten wir ihn nicht, denn da hat es gewittert. Es hat die ganze Zeit durchgeregnet! Dazu kamen Donner, wie ich sie in Deutschland ungelogen noch nie erlebt habe. Immer wenn ich durch einen Schlag geweckt wurde, gedachte ich im Halbschlaf unserer neuen Waschmaschine, die auf dem Balkon dem Regen fast ungeschĂŒtzt ausgesetzt war. Aber ihr ist nichts geschehen. Und ich habe dafĂŒr Augenringe bis zu den Kniekehlen.

Unseren zweiten Ferientag haben wir im Zoo von Cali verbracht. Der Satz des Tages: „Was bitte ist denn DAS?!“ (Klara), was sich hauptsĂ€chlich auf lustige Tiere und ulkige Pflanzen bezog. Kaum waren wir wieder zu Hause – fĂ€ngt es an zu regnen. Und jetzt kommt’s (zur besseren Verbildlichung bevorzuge ich einen Wechsel der Zeit):

Es ist etwa 19.30 Uhr, wir sitzen im Wohnzimmer und essen gerade, als es an der TĂŒr lĂ€utet. Ich stĂŒrme also die drei Stockwerke hinunter, öffne wie gewöhnlich mit einem technischen Kniff und einem KĂŒchenmesser die HaustĂŒr, doch niemand außer der gewaltige Regen ist zu sehen.

Ein paar Minuten spĂ€ter wieder dasselbe. Bis wir kurz darauf einem 13-minĂŒtigen Dauerklingeln ausgesetzt sind, das sich lautstark und nicht weniger nervtötend breitmacht.

Unser hilfsbereiter Vermieter Ricardo nimmt sich unserem Problem an, geht in die ohnehin halb ĂŒberschwemmte KĂŒche, wo sich die Klingel befindet, erklimmt einen Plastikstuhl und stellt erstmal den Strom ab, damit wieder Ruhe einkehrt. Dass es nun dafĂŒr dunkel ist, stört nicht weiter. Doch es ahnt ja niemand, dass das den totalen Stromausfall auslöst. Nun geht gar nichts mehr. Also wird das HausmĂ€dchen Ricardos hoch gerufen, um ihm mit einer Taschenlampe zu leuchten, wĂ€hrend er oberhalb unseres KĂŒhlschranks munter an den Stromkabeln herumspielt. Wir versuchen ihm zu helfen, indem wir die Zwiebeln aus dem Weg rĂ€umen und helfen uns, indem wir Schokokekse essen. Schließlich findet er das kaputte Teil und will sofort loseilen, um ein neues zu kaufen. Ich sage ihm, dass wir es auch problemlos eine Nacht ohne Strom aushalten könnten, das alles könne doch auch morgen noch im Hellen repariert werden. Er entgegnet: „Aber es ist kaputt!“, worauf ich mich nur wiederholen kann. „Aber es ist kaputt!“. Nun, das lĂ€sst sich offensichtlich nicht abstreiten.

Wir lassen ihn schnaufend weiterbasteln und lassen uns resigniert in unseren CampingstĂŒhlen nieder, sitzen einfach nur im Dunkeln und warten. Die UnglĂ€ubigkeit gegenĂŒber dieser absurden Situation löst einen Lachkrampf bei uns aus, der noch einige Stunden anhalten wird.

Der Vermieter Ricardo flucht.

Er lÀuft ein paar Mal im Sauseschritt an uns vorbei, die Treppe rauf, die Treppe runter.

Da flackert das Licht und auch die Klingel tönt. Vor unseren Augen wird es hell und wieder dunkel, gleichzeitig sind unsere Ohren wieder dem bisweiligen Klingelsturm ausgesetzt. Also irgendwie fand ich es still, aber dunkel angenehmer.

Wir stellen fest, dass man hierfĂŒr entweder bekloppt sein muss oder es zwangslĂ€ufig wird. Doch dann stabilisiert sich die Lage. Das Licht bleibt an und das Klingeln verstummt. Wir nehmen zur Kenntnis, dass wir nun fĂŒr die eine Nacht provisorischen Strom haben, also sollten wir nie mehr als zwei Lichter gleichzeitig anmachen.

WĂ€hrend ich in die geschaffte und verschwitzte Miene Ricardos schaue, der mir das alles mit Elektrikervokabular zu erklĂ€ren versucht, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie zwei lange FĂŒhler aus dem Abfluss des Waschbeckens hervorragen.

Wir bedanken uns herzlich und aufrichtig fĂŒr die Hilfe, schließen die TĂŒr und eilen hastig zu dem Besucher, einer ĂŒberirdischen Kakerlake. Es bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als den Improvisationsmarathon fortzusetzen. Ich drehe den Wasserhahn auf; die FĂŒhler machen einen Abgang. Und zur Sicherheit sprĂŒhen wir ein garantiert gesundheitsschĂ€dliches Waschmittel nach und verschließen den Abfluss mit einem großen Stein.

Die Einheimischen nennen ihr Land manchmal augenzwinkernd auch LOCOMBIA (loco = verrĂŒckt). Nach allem, was uns in den letzten 48 Stunden widerfahren ist, können wir dieses Wortspiel nur bejahen. OH JA!

-->

Jana Auf dem quietschgrĂŒnen Shirt, das uns unsere Aguablanca-AG geschenkt hat, steht der blaue Schriftzug: Jana und Klara -gonna living the vida loca. Und genau das kam uns beiden nach vielen Stunden voller Turbulenzen und AbsurditĂ€ten in den Sinn, als wir uns in unserer Wohnung heute Abend in unseren CampingstĂŒhlen im Dunkeln gegenĂŒber saßen und […]

Weiterlesen

LĂ€uft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén