Benni in Indien

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Playlist

Ich habe einen Wunsch: in manchen besonderen Momenten wünsche ich mir Musik. Keine Musik aus Kopfhörern, nein, Musik als Hintergrundmusik. Natürlich mit der jeweils passenden Tragik, Komik oder Tragikomik der Situation. Wie im Film. Gerade in den letzten Wochen, Tagen und Momenten meines Freiwilligendienstes in Vilathikulam, habe ich oft daran gedacht. Welcher Song würde gerade jetzt gespielt werden? I proudly present: den Versuch einer Playlist!

Die letzten Wochen waren eine wahnsinnig intensive Zeit. Wir haben überlegt, wie wir uns von all den Leuten verabschieden können und was wir zurücklassen können. Mal wieder nur einige unvergessliche Momente: (these are the days we won’t regret these are the days we won‘t forget – Avicii )

Die beiden Grundschulen in Kattalampatti und Martandampatti sind nicht besonders reich. Es gibt keine Spielgeräte und wenig Farbe an den Wänden. Unseren inoffiziellen Auftrag, Farbe in die Grundschulen zu bringen, haben wir zum Ende unseres Freiwilligendienstes noch einmal wörtlich genommen. An zwei Tagen malten wir die Kinderhände an, die dann auf die weiße Wand geklatscht werden durften. Es ist zwar nicht perfekt, aber es ist bunt und auf jeden Fall ein Hingucker, ein guter Selfie-Hintergrund und eine Erinnerung an uns!  (I see a (white wall) and I want it painted (green) … – Rolling Stones )

Um uns gebührend indisch zu verabschieden, studierten die Kids der Grundschulen Tänze für eine kleine Abschiedsfeier ein. Neben den tamilischen Tänzen führten sie uns auch die action songs und Tänze vor, die wir das ganze Jahr über mit ihnen gelernt hatte. Mir ging das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, als alle Schüler den Quatsch, den wir immer mit ihnen gemacht haben, nun selber machten 😊. Einer der schönsten Momente in dieser Zeit!!! (தத்லதம் தாங்க தர்லாங்கா பாடல் ஆ உல்லாரா வன்ஹானா பொல்லாதா வெங்கா – Rajinikanth )

Auch von den Tuition-Kids, die ich auch alle ins Herz geschlossen habe, musste ich mich verabschieden. Als Abschiedsgeschenk gab es Bleistifte und Schokolade. Die wenigsten hatten schon verstanden, dass wir am nächsten Tag nicht mehr mit Cricket-Schläger oder UNO-Karten schon am Abend auf sie warten würden… Drum wollten alle unbedingt eine Unterschrift haben. 10 Minuten lang stand ich in einem Haufen Kids, die mir ihr Heft unter die Nase hielten, damit ich meinen Namen hineinschrieb. So müssen sich Rockstars fühlen! 😊 (cause we all just wanna be big rockstars and live in hilltop houses, drivin‘ fifteen cars… – Nickelback )

Byeee, brother!!!

Ein weiterer Abschied war der von meinen Freunden und all den Bekanntschaften eines ganzen Jahres. Mit einigen Jungs waren wir ein letztes Mal am Strand. Mit anderen ein letztes Mal im Parc. Mit einem ein letztes Mal beim Teestand. Auch besuchten wir alle Stände und Shops ein letztes Mal, bei denen wir das Jahr über eingekauft hatten. Selbst dort waren wir bekannt. Die Liste mit den Namen aller Freunde wäre lang, aber jeder hatte für mich eine ganz eigene Beziehung.  (it’s time to say goodbye – Andrea Bocelli )

Irgendwann begannen dann die „letzten Male“: ein letztes Mal zum Strand, ein letztes Mal Bank. Ein letztes mal Eimerdusche, ein letztes Mal Grundschule. Ein letztes Mal aufsteh‘n, ein letztes Mal sapteen. Ein letztes Mal Dossa. Ein letztes Mal „Poidwareen!“ zu Ammaa.  (And there’s a hand, my trusty fiere and gie’s a hand o’ thine and we’ll tak’ a right gude willie-waught for auld lang syne )

Wir können uns rühmen, eine der längsten Rückreisen gehabt zu haben, denn zuerst mussten wir zum Bahnhof und in den Zug – mit 30kg + 7kg + 5kg Gepäck auf dem Rücken. Ich war also ebenmal 40 Kilo schwerer und war froh im Zug zu sitzen. Um mich auch an der Landschaft nochmal satt zu sehen, setzte ich mich in die Tür und ließ Tamil Nadu vorbeiziehen. Apropos satt: mein Plan war es, 3-4 chapatis von Ammaa mitzunehmen und im Zug zu essen – hehe, nein, es müssen mindestens 10 sein!, meinte Ammaa 😊. Der wohl süßeste Moment dieser Zeit! (country (rails) take me home… )

Mit einem Koffer voller lungis, indischen Snacks, Gewürzen und Tee, voller Bücher, einem Handy voller indischer Telefonnummern und Whatsapp-Kontake, einer Speicherkarte mit über 10.000 Fotos und am wichtigsten einem Kopf voller Erinnerungen, Momente und Erlebnisse stieg ich nach 11 Monaten und einer Woche in Indien in das Flugzeug am Flughafen von Chennai, am 15. August 2019, dem 73. Unabhängigkeitstags Indiens. (cause I’m leaving on a jetplane, don’t know (if) I’ll be back againJohn Denver )

In Deutschland ankommen – klar, ich weiß, wie Deutschland ist, wie mein Zimmer aussieht, wie Knödel schmecken, wie grün Wälder und Bäume sind, aber ich habe es verdrängt. Mein Ankommen war also ein großes Erinnern. Wo in Indien Palmen stehen, stehen Fichten und Kiefern. Wo in Indien Straßenstände stehen, stehen Autos. Wo in Indien Kleidervorschriften gelten, gilt Freiheit. Wo in Indien Trubel ist, ist es doch geordneter. Und und und… es ist einfach ne ganze andere Welt! (And now that I’m here again/ Everything looks the same/ but there’s not a doubt that something’s not the way it was/ it’s like you go new eyes… Nicklas Sahl )

Was bleibt? Was bleibt, sind, klar, tausend schöne Erinnerungen an die Zeit mit den Kindern und den Menschen aller Art. Tausend Mal Kinderlachen, tausend Selfies, tausend … Was mir bleibt, ist auch eine andere Sicht auf viele Dinge. Eine andere Sicht auf „Probleme“ in Deutschland, eine andere Sicht auf Indien, das mir so viel gezeigt hat, eine andere Sicht auf mich(?). Ja, es war ne superguteZeit und ich bin sehr, sehr dankbar dafür. Ich kann es echt nur jedem jungen Menschen raten!!!

Jetzt ist es bald soweit, für die nächsten Volos. Auch VEMBU hat Glück, denn Jona und Simon werden hier ihr Jahr verbringen. Wenn es dich interessiert, wie die Geschichte von Vilathikulam weitergeht, schau bei ihnen auf den Blog-Seiten vorbei.

So, das war der letzte Eintrag auf diesem Blog. Danke, dass du vorbeigeschaut hast. Danke für über 3000 Seitenaufrufe!!! Ich hoffe, auch du konntest etwas lernen.

பொயிட்வரேன் !!! நன்றி !!! 🙂

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