Benni in Indien

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im Partybus mit 28 Salesianern in spe

Hallo an alle da draußen!

Hier in meinem Freiwilligendienst lässt der Alltag bisher noch auf sich warten, denn spontan erfuhr ich, dass die SchülerInnen in den folgenden 10 Tagen in ihren Familien in den holidays sind. Das heißt sowohl das Boys‘ Home als auch die Grundschule(n) (meine Hauptarbeitsplätze) sind geschlossen.

„Und was soll ich in dieser Zeit machen?“ – „Don’t worry!“ bekam ich als Antwort. Und tatsächlich geschieht hier in diesem Projekt sehr viel unvorhergesehen (für mich zumindest). Anstatt euch also von meinem Alltag zu berichten, in den ich zwar schon reinschnuppern konnte, kommen hier die Erlebnisse der letzten Woche.

 

Ich ging – mittlerweile schon daran gewöhnt – nichtsahnend meinen Weg von meinem Zimmer dorthin, wo das Herz VEMBUs pulsiert, zum Hauptgebäude. Und so entdecke ich die 28 jungen Männer (teilweise sogar jünger als ich), die hier als sog. „pre-novices“ für knapp zwei Wochen ein Programm zu ihrer Ausbildung zum waschechten Salesianer bekommen. Dank ihnen war hier den ganzen Tag etwas los: vormittags gibt es Vorträge zu verschiedenen kulturellen, gesellschafts- und sozialpolitischen Themen. Kastensystem, Regierungsversagen und Umweltverschmutzung stehen auf dem Tagesplan. Am Nachmittag gab es dann ein „Folks and Arts Training“, während dem tamilische Songs und Tänze gelernt und einstudiert wurden.

awareness programs

Das Highlight des Tages wartet jedoch am Abend auf die Truppe: alle werden in einen Bus gezwängt und erst in einem der umliegenden Dörfer wieder rausgelassen. Mit lauten Trommeln bewaffnet zieht man durch Gassen und Straßen, um die Leute über das „awareness programme“ zu informieren.

„You have to join us, Mr. German! You’re the main attraction!“, wurde mit gesagt.

Und dem ist tatsächlich so: vor allem die Kinder begegnen mir in diesen Dörfern mit Neugier, Freude und manchmal Furcht… Aber auch die Erwachsenen reagieren sehr freundlich, wenn ich sie mit meinen Brocken Tamil „Vanakkam. Vangar!“ (Hallo. Komm mit!) begrüße und wollen Selfies mit diesem exotischen Typen, der in ihr Dorf spaziert, machen. Unter einer der wenigen Straßenlaternen im Dorf sammeln sich alle animierten Interessierten, um traditionelle Tänze mit Stöcken und Tüchern, zwei kleine Theaterstücke und Songs zu betrachten.

Dieses Format habe ich bei den vier Malen, die ich dabei sein durfte, wirklich schätzen gelernt. Die Menschen, die man so erreicht sind sehr arm, leben in ihren Dörfern recht abgeschieden und fühlen sich von den verantwortlichen Politikern alleine gelassen. Im Mantel der Dorfattraktion will man jedoch auch erzieherisch auf die Leute einwirken und informieren über Gefahren wie Alkohol, soziale Ungleichheit durch das Kastensystem und Plastikmüll.

Zum Titel: nach Ende dieser Programmen werden auf dem Rückweg die Boxen im Bus (alle Busse in Indien fahren nachts mit Partybeleuchtung) ordentlich aufgedreht und tamilische Charts wummern durch das Fahrzeug und die Landschaft. Es wird ordentlich mitgegrölt, mitgesungen und mitgetanzt 😀 Diese Atmosphäre zwischen Seminar und wilder Klassenfahrt ist sehr belebend!

Ich bin sehr froh und glücklich darüber, dass ich dabei sein darf und Tamil Nadu und dessen Bevölkerung mit all ihren Problemen noch ein Stück authentischer wahrnehmen darf!

In den Pre-Novices habe ich auch gute Gesprächspartner und Tamil-Lehrer gefunden. So durfte ich von ihnen schon einiges über indische Mentalität und Kultur lernen. Aber dieses kulturelle Lernen funktioniert natürlich in beide Richtungen und ich bin froh einige Vorurteile über Deutsche und Deutschland aus dem Weg räumen zu können: „Hitler good fellow in Germany? No casts in Germany? Fights between Protestants and Catholics?“.

Nach den ersten sechs Tagen gingen die baldigen Ordensbrüder in 3er- und 4er-Gruppen in verschiedene Dörfer, um tagsüber bei diversen Arbeiten mitzuhelfen, wie z.B. Arbeit auf einer Salzplantage, Müllsammlungen etc. Auch hier durfte ich vorbeischauen und ein bisschen mitanpacken: zwischen zwei Dörfern wurde der Straßengraben vertieft und dank der tatkräftigen 28 Helfer konnten alle schneller aus der brennend heißen Sonne, die mir hier meinen ersten Sonnenbrand beschert hat. Die Leute fragten und freuten sich, warum und dass ich ihnen bei der Arbeit helfe. Am nächsten Tag durfte ich mit auf die Saltplantagen und bei der Salzgewinnung zusehen und mithelfen – eine tolle Erfahrung.

Ich bin dankbar für die sicherlich außergewöhnlichen und einzigartigen Erlebnisse und Begegnungen, die ich hier machen darf.

Viele Grüße in den Herbst!!!

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