Benni in Indien

Auf geht's!

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Traumreise

      Entspanne dich und geh mit mir auf Traumreise!

„Was soll das denn? Jetzt dreht der völlig ab!!! Hat der zu viele Räucherstäbchen eingeatmet?“, magst du jetzt vielleicht denken, aber die zwei Wochen um Neujahr kommen mir mittlerweile wie ein Traum vor und waren einfach traumhaft, eine Traum-Reise, die wir (Lukas, Leo und ich) durch Indien unternommen haben. Alle Stationen und Erlebnisse aufzuschreiben würde erstens lange dauern (für mich und für dich), zweitens bin ich nicht sicher, ob man unvorbereitet eine so große Portion Indien verträgt. Darum habe ich mich für ein paar intensive Momente dieser zwei Wochen, die ein Werk langer Planung und Organisation waren, entschieden.


soooo viel Tee

der Abenteuerzug

Schließe die Augen und atme tief ein. Du sitzt in einem dunkelblauen Zug mitten in Indien, der sich Stück für Stück die grünen Berge hochschlängelt. Glück gehabt, du hast beim Einsteigen einen Fensterplatz ergattert und kannst nun deinen Kopf in den Morgen-Fahrtwind halten. Lehn dich mal hinaus! Was siehst du? Die Lok, die den Zug (der hier seit 1899 fährt) anschiebt, die Brücken und Tunnel, über und durch die sich der Zug abenteuerlich seinen Weg bahnt, den Nebel im Tal, die Affen und Lianen in den Bäumen. Nach einer Weile entdeckst du die erste Teeplantage, die nicht die einzige bleiben wird. Grün soweit du schaust. Nach 4,5 Stunden Traum kommst du im Bahnhof an, im Bahnhof von Ooty, der „Königin der hill stations“ (von den britischen Kolonialherren eingerichtete Rückzugsorte vor der Hitze), die architektonisch nur noch vereinzelte britische Spuren aufweist, das kolonialzeitliche Erbe vor allem aber durch den massiven Teeanbau weiter pflegt. Auf seiner Höhe von 2250 m wird es den Flachland-Volos vor allem abends ziemlich kalt. Eine gute erste Station, oder nicht?


Spüre deine Mitte und folge mir 😊. Folge mir in einen Jeep. Du sitzt erwartungsvoll mit anderen Touristen vor einem Gebüsch, unwissend, was dich gleich erwartet. „Da!“, ruft dir dein Gehirn zu. Für ein paar Sekunden siehst du ihn, den Tiger und kannst es noch gar nicht fassen. Nur ganz wenige Leute haben heute einen Tiger gesehen, doch du hast Optimismus versprüht. Das Tier taucht nochmal auf und spaziert gemütlich, als wäre es sich seines Status als Attraktion wohl bewusst, über die Straße und wieder ins Gebüsch. Wow! Ein paar Minuten später läuft dir wortwörtlich noch eine Elefantenherde mit Jungtier über den Weg. Nachdem du nun fast allen Vertretern des Dschungelbuchs in die Augen geschaut hast, steigst du mittlerweile bei Dunkelheit mit einem Glücksgefühl im Bauch aus dem Jeep.


Mysuru Palace bei Nacht

Farbenpracht auf dem Markt in Mysuru

Kunterbunte Basare, Paläste hier und dort, der Duft von Sandelholz in der Luft: du bist in Mysuru gelandet! Hier standest du schon im bunt-goldenen Säulenwald des Palastes, standest zwischen 100 laut ratternden Webmaschinen, die Seidensaris in unglaublicher Feinarbeit weben, standest staunend dabei, als live vor dir Räucherstäbchen in Wahnsinntempo gerollt wurden, standest in der Festung von Srirnagapatnam mit ihrer blutigen Geschichte, an dem Platz an dem britische Kriegsgefangene festgehalten wurden, an dem Platz an dem 1799 ein indisches Großreich von den Briten erobert wurde, standest vor der Göttin Chamundeshwari auf dem Chamundi Hill, die von den Hindus tiefgläubig verehrt wird.


Mach dich frei von deinen Sorgen und Ängsten! Es ist Silvester und wo könnte man Silvester besser feiern, als auf dem Vorplatz des Mysuru Palace. Gestern hast du bereits schon hineingeschaut und den Maharaja-Prunk des frühen 20. Jahrhunderts bewundert. Hier wünscht man sich wirklich einmal mit den Fingern schnippen zu können und -ZACK- 100 Jahre zurückzureisen. Spannend ist, dass es sich um eines der ersten Gebäude in Indien mit Elektrizität handelt. Doch nicht nur innen brennen die Lampen – im Gegenteil: an Sonn- und Feiertagen wird der Palast von tausenden Glühbirnen, die am Gebäude angebracht sind, erleuchtet. Wow, ein Märchenschloss! Du stehst mit offenem Mund davor. Zur Feier des Tages spielt das Polizeiorchester Mysuru und neben karnatakischer Musik mischt sich auch ein Wiener Walzer darunter. Apropos Wiener: wie es das Schicksal will, triffst du hier drei (Don Bosco-)Volontäre aus Österreich, die in Bengaluru ihr Freiwilligenjahr verbringen. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 HAPPY NEW YEAR

HAPPY NEW YEAR!!!

und -wusch- das Licht am Palast geht an!!! Darüber knallt das Feuerwerk in allen Farben. Ausgelassene Stimmung unter den Leuten und man wünscht sich gegenseitig ein Frohes Neues.


Ommmm! Du sitzt im Schneidersitz vor drei Statuen. Drei goldenen Statuen. Drei goldenen, sechzig Fuß (ca. 20m) hohen Statuen. Drei goldenen, sechzig Fuß hohen Statuen in einem buddhistischen Kloster. Drei Buddha-Statuen, die hier – in der größten tibetischen Gemeinde in Südindien – einladen, dich hinzusetzen und die Atmosphäre zu genießen.

Die Atmosphäre hervorgerufen durch die buddhistischen Mönche, die draußen herumschwirren, durch Gong- und Trommelgeräusche, durch das Gebäude, das Tibet pur verkörpert.

 


Es ist schon hell, doch die Sonne fehlt noch. Bald geht sie auf und löst die sternenklare Nacht hier mitten im indischen Regenwald ab (noch nie hast du sooo viele Sterne gesehen). Ein toller Ort hier, an dem man in Zelten und Hütten mitten im Nirgendwo wohnt und andere Traveler kennenlernt. Man versucht, dieses Fleckchen Erde und dieses Ökosystem zu bewahren und Reisenden die hiesige Natur zu zeigen. Da, die Sonne geht auf und bescheint das Blätterdach, auf das du gerade leicht frierend von deinem Aussichtspunkt schaust, und die Berge (es sind die Western Ghats), die blau am Horizont stehen.


Du baumelst unter Palmen, über Sand, in der Hängematte und hörst die Wellen an den Strand rauschschschen. Gerade ist die Sonne untergegangen und du hast dich zum Sonnenuntergang zusammen mit einem lustigen Völkchen aus Aussteigertypen, europäischen Rentnern und Pauschaltouristen auf den Felsen verteilt. Über dir schrien wilde Falken, vor dir liegt die Küste Goas, an der täglich Delphine beobachtet werden können, im Hintergrund läuft mal Goa-Musik, mal Entspannenderes. Hinter dir liegt ein gemütlich anstrengender Tag mit Schwimmen im Arabischen Meer, Kayakfahren um Cancona Island, einer Bootstour, auf der du tatsächlich einige Delfine (deine Lieblingstiere!!!) entdeckt hast und Essen 😊. Glücklich baumelst du hin und her, hin und her … zzzzzz 😴😴😴


*schnipps* Hallo?! Wach auf!!! Ist doch keine Traumwelt hier! Hast du dir mal bewusst gemacht, dass du in diesen zwei Wochen mehr gesehen hast, als die Kinder und Erwachsenen aus Vilathikulam vielleicht jemals sehen werden?! Klar, für dich war es vergleichsweise billiger Urlaub mit Unterkunftspreisen unter 10€, aber für Inder ist es trotzdem ein Vermögen, das du ausgegeben hast. Die Leute, die du getroffen hast, das waren Touristen, reiche Inder aus Rajastan, Mumbai oder Bengaluru. Ist dir das aufgefallen? Du hast recht, wenn du festgestellt hast, dass du in Indien mit Geld -im wahrsten Sinne des Wortes – weiter kommst. Die „Indischkeit“ der Touristen hat mit deiner Tour konstant abgenommen! Goa war Indien und irgendwie gar nicht Indien!!! Die Mehrheit der Inder wird das niemals erleben, also nimm es ruhig als riesiges Privileg war, hier rumträumen zu dürfen!!! Auch sieht man in so einem Traum nur, was man sehen will: wo tauchen hier Müllprobleme in den Städten, Armut, Drogenmissbrauch und andere Probleme auf??? …


Abschließend noch ein paar persönliche Worte: diese zwei Wochen waren ein sehr tolles Erlebnis und ich habe es ehrlich genossen, noch mehr von Indien zu sehen (denn bisher sind wir nicht sooo sehr aus Vilathikulam rausgekommen) und diese ganze Vielfalt zu entdecken. Wir haben echt viel gesehen, auch viel Kulturelles, denn, ich denke, diese Chance muss man nutzen und möglichst viel mitnehmen! Indien kann unglaublich schön, atemberaubend, ja „incredible India“ sein, aber man muss sich eben auch bewusst machen, dass es auch andere Perspektiven, andere Orte und Menschen gibt, denen man als „Tourist“ nie begegnet. Für mich war es dennoch gut, Abstand zu gewinnen und mit neuem Schwung ins neue Jahr und die verbleibenden sieben Monate zu starten!

Sweet dreams!!!

Benni

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