Laura in Ruanda

Mein Jahr im „Land der tausend Hügel“

Warum ich eigentlich in Vietnam und Burundi, aber nicht in Ruanda bin – von Ratschlägen, Fakten und Traditionen Ruandas -Teil 2

Muraho aus Ruanda!

„…psst! Pfeif nicht!“ -Frauen dürfen in Ruanda nicht pfeifen, sonst werden sie zu Männern, sagt man!

Nach dem letzten traurigen und berührenden Beitrag gibt’s heute etwas zum Lachen, Schmunzeln und Staunen!

Als ich Ende September drei Wochen in Ruanda war habe ich einen Eintrag zu kuriosen Beobachtungen, Fakten, Ratschlägen, Fauxpas die man beherzigen sollte und Gewohnheiten der Ruander hochgeladen. Hier findet ihr ihn: https://blogs.donboscovolunteers.de/laurainruanda/2017/09/27/si-tu-ne-manges-pas-lafrique-cest-lafrique-qui-va-te-manger-von-ratschlaegen-fakten-und-traditionen-ruandas-teil-1/.

Nun sind weitere sieben Monate vergangen und es wird Zeit für den 2. Teil dieser Reihe, denn ich habe genug „Material“ gesammelt! Viel Spaß beim Lesen des (un)nützen Wissens! Und ja, ihr habt richtig gelesen: Ich bin eigentlich in Vietnam und nicht in Ruanda! …Spaß beiseite, natürlich nicht! Aber wieso ich das sage, könnt Ihr unten lesen! Lasst mich mit einem Kommentar wissen, was Euch überrascht, schockiert und erfreut!

Los geht’s mit Teil 2!

  1. Seitdem ich in Ruanda bin habe ich schon über 10 Mal „Willkommen in Vietnam“ auf meinem Handy lesen dürfen. Und ungefähr genauso oft „Welcome to Burundi… We wish you have a wonderful journey!“ Vielen Dank, aber ich lebe in Ruanda. Burundi ist (wenn man schnell fährt) in 20 Minuten mit dem Auto von uns zu erreichen, das ist nicht ganz so abwegig, aber wieso mein AldiTalk denn nun auf Vietnam kommt, das weiß ich wirklich nicht, denn Ruanda und Vietnam liegen noch nicht mal auf demselben Kontinent. Ich finde es aber amüsant. 🙂

  2. Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben Zeit!“ Das heißt, die Afrikaner kommen immer zu spät. Viele haben dieses Klischee von „Afrika“ im Kopf. Es hat sich uns aber schon oft bestätigt. Es entpuppt sich also in Ruanda als wahrer Fakt, die Salesianer erzählen uns das auch.

  3. Viele Männer lassen sich den Fingernagel des einen Zeigefingers lang wachsen. Das ist ein Modetrend.
  4. Leichtes Schlagen ist ein freundschaftliche Geste.
  5. Kinder und Jugendliche, die ein weißes Haar haben bezeichnet man als reich.
  6. Wunder Dich nicht! In Ruanda gibt es in Stadtbussen (nicht etwa ein Bus, der von Butare nach Kigali fährt) keine Stopknöpfe für Haltestellen. Klopf stattdessen an die Wand oder die Decke, wenn Du an der nächsten Haltestelle aussteigen möchtest! Oder eben auch zwischendrin, wenn Du Bescheid sagst. Busfahren ist hier sowieso ein anderes Erlebnis, viel spontaner als wir es von Deutschland gewohnt sind und es macht Spaß! Manchmal fangen die Menschen im Bus einfach an zu singen, plötzlich stimmt jemand ein christliches Lied an und alle anderen setzen mit ein, total schön! Außerdem fährt der Bus erst los, wenn er voll ist, wirklich voll, also wenn jede kleinste Lücke mit Menschen, Einkäufen, Bananenstauden etc. ausgefüllt ist. In Butare zum Beispiel füllen sich die Busse aber immer relativ schnell.

    Außerdem sammelt man auch eingespielt und spontan Leute auf der Straße ein, wenn sie dem Busfahrer ein Zeichen geben und man bezahlt während der Fahrt oder beim Aussteigen. (Mototaxis liebe ich aber immer noch)

  7. In Ruanda fängt man mit dem kleinen Finger an zu zählen, wenn die Handinnenfläche zu einem zeigt und mit dem Daumen, wenn die Handoberfläche zu einem zeigt. „Fünf“ zeigt man mit einer Faust, was in Deutschland „Null“ bedeutet. „Null“ zeigt man, in dem man den Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formt und die restlichen drei Finger nebeneinander nach oben streckt oder alle Finger zu einem Kreis zusammentut. Man sagt bei der Geste oft noch „Zero“. „Null“ kann man aber auch mit einer der beiden Gesten vor einem Auge machen, das heißt man schaut durch den Kreis und sagt „Zero“, wobei man das auch macht, wenn man jemanden als „Zero“, als „Null“ bezeichnet. In Deutschland heißt das so viel wie „Perfekt“ oder „Das schmeckt super“
  8. Um zu zeigen, dass etwas leer ist oder auch „zero“, schlägt man die Hände abwechselnd ein paar Mal mit der Handaußenfläche der einen auf die Handinnenfläche der anderen Hand.
  9. Man erwartet „ijana“ (100 RwF), wenn man jemandem das Kompliment macht schön angezogen zu sein: „Wambaye neza“. Für manche ist das selbstverständlich und sie halten sich dann an der ruandischen Tradition fest, wenn man es ablehnt.
  10. Das Wort „Amata“ für Milch kommt von „Mata“, was April heißt, denn im April regnet es so viel wie in keinem anderen Monat des Jahres, weshalb die Kühe mehr Milch geben als sonst. Der Monat April verdient seinen Namen und der dieses Jahres war so regenreich wie lange zuvor nicht mehr.
  11. Der Regen ist Leben. Er kann Ernte hervorbringen, aber gleichzeitig auch vieles zerstören: Überschwemmungen, zu viel Wasser auf Feldern und vor allem Zerstörungen von Häusern und Mauern (so wie bei uns). Wenn es hier regnet, steht alles still, bis es aufgehört hat. Menschen kommen verspätet zur Arbeit, Schüler verspätet zur Schule, die Motos und Busse fahren meist nicht und auch hier bei uns ist nicht viel los. Habt Ihr das gedacht?

  12. Es ist die ruandische Kultur, sich da, wo man gerade ist unterzustellen, „kugama“, wenn es regnet. Es ist dann auch normal, dass man bei Fremden an die Türe klopft und nach solidarischem Unterschlupf fragt.

  13. Man isst auf der Straße aus Solidarität nicht, weil man nie weiß, wann sein Gegenüber das letzte Mal etwas gegessen hat.
  14. Wenn Frauen in Ruanda Ziegen essen sagt man, dass ihnen ein Ziegenbart wächst.

  15. Pfeifen dürfen hier nur Männer. Man sagt die Frauen, die pfeifen, werden zu Männern. Außer nachts, da man sonst die Dämonen ruft.

  16. Dafür dürfen nur die Frauen „Impundu“ machen. Das ist das Schreien einer Frau, laut und schrill, während des Singens in der Messe; es drückt große Freude aus. Früher sagte man, dass dürfe nur eine Frau machen, die keine Unterhose trage. Das ist unter anderem der Grund, weshalb alle (über die Frau) lachen, auch sie selbst. Heute nimmt man das aber nicht mehr so streng, jede Frau, die will (meist aus dem Chor) kann das machen.

  17. Müll verbrennt man hier einfach im Garten, alles!

  18. In Ruanda trinkt man nie aus schon geöffneten Flaschen! Im Restaurant werden nur geschlossene Flaschen serviert und wenn sie schon offen sein sollten, kann man sie problemlos zurückgeben. So ist das in der Kultur Ruandas verankert. Man möchte sicher gehen und präventieren.

  19. Kigali soll zum 2. Singapur und Bujumbura (Hauptstadt Burundis) zum 2. Dubai werden -so die Vision.

  1. Muttermale werden hier als „Abana“ = Kinder bezeichnet. Die Ruander/innen haben zum Teil auch Muttermale, die man aber nicht immer gut sieht. Am Anfang, als wir das noch nicht wussten, waren wir verwundert, warum die Kinder zu uns sagten „Oh, Ihr habt ja viele Kinder!“. 😀

  2. Wenn man sich am Hals kratzt, bedeutet das, dass man „Bierdurst“ hat!

  3. Wenn das Fleisch, das man hier isst, zäh ist, sagt man, die Kuh war sauer als man sie geschlachtet hat.

  4. Kigali ist circa 5mal größer als meine Heimatstadt Bonn -Grüße gehen raus an alle Bonner und Bonner Freunde! <3

Soo, ich hoffe, Euch hat dieser Beitrag gefallen. Ich freue mich über coole Kommentare!

Die Regenzeit ist so gut wie ‚rum und uns geht es super! Die Zeit rast uns aber nur so davon… uns bleiben nur noch 3 Monate in Rango. Jede einzelne Sekunde genießen und Euch noch viel berichten heißt das! Demnächst kommt ein Beitrag zu unserem Alltag und ein anderer zur weißen Hautfarbe! Bleibt dabei und bis dahin viele Sonnenstunden und Gottes Segen!

Lauri

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Kwibuka 24 -Die traurige Vergangenheit Ruandas

  1. Dorothea Heumann

    Hallo, Lauri. Dein Bericht war wirklich zum schmunzeln. Die Ruandaner sind eigentlich zu bewundern. Sie sind rücksichtsvoll, sozial eingestellt, unkonventionell und voller Lebensfreude, lachen und singen gerne. Haben auch Humor und können über sich selber lachen. Wenn ich mir das Foto so betrachte mit Dir und den Kindern. Sie mögen Dich und freuen sich auch, fotografiert zu werden. Nichts Negatives ist zu sehen, offene und ehrliche Gesichter. Die Kinder werden Dir später sicher fehlen und umgekehrt.
    Liebe Grüße von Deiner Oma
    P.S. Vielleicht kannst Du ja später mal ein Buch schreiben unter dem Titel Deines Blogs

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