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...kann man sich schon mal Anton

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…vom Ankommen und Zuhause sein

Liebe Leser, endlich finde ich mal wieder Zeit um euch alle mit einem neuen Blogeintrag aus Medellín zu grüßen. Es wird mittlerweile immer schwerer, genau zu sagen, wie viele Tage ich jetzt schon in Medellín lebe – jedoch eindeutig genug, um die „Schnuppertage“ voller herzlicher „Bienvenidos“ für absolviert zu erklären. Momentan bin ich dabei die Stadt und meine Arbeit kennen zulernen. Alles Dinge über die ich gerne berichten würden, wo mir aber momentan noch der tiefere Einblick fehlt, um diese wirklich genau erklären zu können. Deshalb werde ich euch heute einfach mal zeigen, was die letzten Wochen los war und wie leicht es mir fällt mich hier zuhause zu fühlen.


Wenn es dann doch noch NICHTMAL Vier Wochen sind

Barrio Carpinelo

Was bisher geschah? Nach dem wir in unserem „Haus der Volontäre“ dann noch kräftig Unterstützung durch die „Austriacas“ (zwei österreichische Volontärinnen, die dann doch nicht aus Australien stammten) bekommen hatten und wir eine Woche Intensivkurs hinter uns hatten, stand der Besuch Papst Franziskus‘ in Medellín an. Für mich, wie wahrscheinlich für tausende auch, eine sehr berührende Nacht mit dem Gottesdienst am nächsten Tag, der wirklich nochmal Weltjugendtags-Feeling aufkommen ließ. Und schließlich haben auch wir damit begonnen in unserem Projekt „Derecho a Soñar“ zu arbeiten. Um erstmal alle „Barrios“ (also die Viertel in denen das Projekt aktiv ist) kennen zulernen, begleiteten wir also die letzten zwei Wochen die Sozialarbeiter in die verschiedensten Teile der Stadt. Ein besonderes Highlight war aber der „dia del amor y amistad“: Ein Tag der ganz im Sinne der Liebe und Freundschaft steht. Ein Tag der in Kolumbien am 16. September gefeiert wird und sich dem kommerziellen Pendant Valentinstag entgegenstellt um wirklich von allen gefeiert werden zu können, da er eben nicht nur den Liebenden vorbehalten, sondern besonders auch für alle Freundschaften, ist. Also Appell an alle: Den Valentinstag einfach mal ausfallen lassen und sich nächstes Jahr am 16. September auf die wirklichen Werte konzentrieren.

Zuhause ist..?

Für jeden auf jeden Fall irgendwie anders. Ich meine aber mittlerweile ganz gut zu wissen, dass sich mein „Zuhaus sein“-Gefühl ganz auf Musik, Glauben und dem Kontakt zu Mitmenschen stützt. Und so fällt es mir sehr leicht mich auch in der „Ciudad Don Bosco„, die so vielen Menschen ein Zuhause gibt, Zuhause zu fühlen. Denn Musik ist überall, ob als Pausenklingeln, beim Tanzen lernen oder in der Musikklasse, präsent. Mir persönlich geben die Gebetszeiten mit Impulsen der Salesianer, sowie die Sonntagsmesse, das Gefühl wirklich in Kolumbien angekommen und mit den Menschen verbunden zu sein. Die Gespräche mit Kollegen, Kindern und Freunden sind aber das Wichtigste und natürlich sind die „Sprachschwierigkeiten“ noch immer präsent, doch ist es nicht viel erfüllender zu merken, dass man sich auch ohne Worte versteht?

unsere Zimmertür

Rassismus

Als letzten Punkt, der heiß diskutiert aber mir persönlich sehr wichtig ist, möchte ich meine Sichtweise, mit der ich das Freiwilligenjahr erlebe, in Bezug auf Rassismus, beleuchten. Generell kann man Rassismus, als eine Übertragung von Vorurteilen (egal ob negativ oder positiv) auf eine bestimmte Gruppe Personen, definieren. Man könnte also selbst den Umstand, dass ich die Möglichkeit besitze jetzt in Kolumbien zu sein, nur weil ich deutscher Staatsbürger bin, schon als Rassismus werten.

Ich sehe mich nicht als Tourist in Kolumbien, sondern als ein Freiwilliger in einer weltumspannenden, christlichen Organisation. In dieser habe ich nicht die Aufgabe vorhandenes Unrecht abzubauen oder (Vor-)Urteile zu transportieren. Nein ich ergänze die Arbeit der Mitarbeiter vor Ort, schenke meine Zeit um meinen Horizont und den meiner Mitmenschen zu erweitern. Ich glaube nicht an Rassenunterschiede, sondern an eine Menschheit, die gemeinsam auf einem Planeten lebt, welcher von unterschiedlichen geografischen Einflüssen, geprägt ist. Natürlich erwische ich mich manchmal, dass ich Dinge mit Deutschland vergleiche, auch weil es oft ein beliebtes Smalltalk-Thema ist, aber an interkulturellem Austausch kann ich nichts negatives sehen.

Ciudad Don Bosco


Insgesamt möchte ich also unterstreichen, dass dieser Blog nur meine (beeinflusste) Sichtweise darstellt, ich damit keine rassistischen Vorurteile und kolonialistische Überlegenheiten transportieren möchte und ich im Endeffekt allen Menschen dankbar bin, dass ich hier sein kann.

Anton

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