Endlich ist es so weit. Unser erster Urlaub steht vor der Tür. Nach 3 Monaten, 6 Tage die Woche arbeiten, ist man als frisch gebackene Abiturientin eindeutig Urlaubsreif!

Obwohl Antonia und ich normalerweise bis 21:30 Uhr im Hogar bleiben, verlassen wir es heute, am 29. November schon eine Stunde früher. Sprintend geht es durch strömenden Regen nach Hause, der gepackte Rucksack wird aufgesetzt und Ab´ ins Taxi zum Busterminal. Angekommen quälen wir uns durch Menschenmassen, vorbei an schreienden Busanbietern, die ihren Reiseplan verkünden, an Empanadaverkäufern und Reisenden, die wie wir versuchen, noch die letzten Tickets im Bettbus zu ergattern.

Als dieser dann 45 Minuten später als geplant endlich seinen Standplatz in Richtung Cochabamba verlässt, atmen wir auf. Es geht los! Endlich haben die Möglichkeit Bolivien ein bisschen besser kennenzulernen und mehr von diesem beeindruckenden Land zu sehen! Der Weg nach Cochabamba soll durch seine holprigen Serpentinenstraßen nicht der angenehmste sein, doch dank meines tiefen Schlafs habe ich von der fast 12 stündigen Fahrt nicht viel mitbekommen.

Als wir gegen 7 Uhr die Augen öffnen, können wir unseren Augen kaum glauben: Wir sind da, eine riesige Stadt erwartet uns! Naja, eigentlich haben wir keinen blassen Schimmer, was uns erwartet: Ohne große Vorbereitung, geschweige denn einer Buchung waren wir in den Bus eingestiegen. Während wir jetzt in die Stadt reinfahren googeln wir also erst mal schnell „Hotels Cochabamba“…

Google hat mal wieder Recht: Unser Backpackerhostel mitten in der Stadt ist wirklich ein Träumchen! Wir dürfen entspannt ankommen und in der gemütlichen Küche den Reiseführer danach durchforschen, was man in Cochabamba eigentlich alles so machen kann.

Um 11 Uhr machen wir uns dann auf Erkundungstour: Vorbei am Plaza Principal, den unzähligen Cholitas mit ihren bunten Röcken, dem riesigen Markt, dem Stadtsee usw. geht es 4 Stunden durch das Zentrum. Begeistert von den wunderschönen Blicken auf die Berge und den vielen süßen Ecken der Stadt gönnen wir uns eine Mittagspause im Hostel. Nach einem guten Snack geht es hoch zum Christo. Diese schlichte und doch so imposante Christusstatue bewacht ihre Stadt und erst von hier oben wird uns klar, wie riesig sie eigentlich ist. Nie zuvor durfte ich so eine Aussicht genießen!

Dass die Sicht noch besser werden kann, lernen wir erst am Folgetag. Im Parque Nacional Funari, welcher direkt an die Stadt anschließt stehen wir mehr, als wir gehen, aber mit einer guten Ausrede:

Auch wenn wir hiervon kaum genug kriegen können, schickt uns der Sonnenbrand gegen 14 Uhr wieder runter in die Stadt. So bleibt uns noch die Zeit an einer Tour durch den umwerfenden Patiñopalast teilzunehmen, süße Boutiques und Cafés zu besuchen und wieder rechtzeitig im Hostel anzukommen. Wir kochen und bereiten uns auf unsere nächste Nachtfahrt vor.

Als verschlafene Eiszapfen wachen wir nach 8 Stunden Fahrt in der höchst gelegenen Regierungsstadt der Welt auf: La Paz! Obwohl der Sinn einer Klimaanlage im Bus mal wieder komplett missbraucht wurde, ist der Schock groß, als wir aussteigen: „Ach du scheiße, ist das kalt!!“

Mal wieder haben wir nichts gebucht und mal wieder haben wir Glück. Am Terminal weist uns eine Frau auf ein neues Hostel hin: „direkt im Zentrum und nur 40 Bs die Nacht“.Im Schneckentempo schleppen wir uns also den Berg hoch und bleiben nicht nur wegen der schönen Aussicht alle 10 Meter stehen – der Höhe ist das Alter egal!

So geht das dann den ganzen Tag. Zum Glück entscheiden wir uns, an einer FreeWalkingTour teilzunehmen – die Gruppenmotivation lässt einen die Höhe vergessen. 3 Stunden geht es vorbei an Kirchen und Gefängnissen, über Plätze und durch Märkte, auf denen Cholitas für ihre Kräuter gegen böse Geister werben. Wir bewundern diese eindrucksvolle, von wunderschönen Bergketten umgebene Stadt, in der Tradition und Moderne verschmelzen. Nach der Tour nutzen wir die letzten wärmenden Sonnenstrahlen, um in eine der Seilbahnen einzusteigen und einen Blick über das Meer aus Stein und Stadt zu ergattern. 

Als wir schon um 19 Uhr ins Bett fallen, ist der Tag für mich leider noch nicht zu Ende. Bauchschmerzen und Erbrechen lassen mich nicht schlafen und zwingen mich auch dazu, den ganzen Montag im Bett zu verbringen.

Weil ich Dienstag wenigstens kein Fieber mehr habe, nutzen wir die letzten Stunden vor der Rückreise noch, um ein paar Mitbringsel zu shoppen und in einem wunderschönen Café zu essen. Das letzte Mal saugen wir die unvergessliche Aussicht und die dünne Luft in uns auf, bevor es um 16 Uhr wieder in den Bus geht! 22 Stunden Fahrt! Ewigkeiten beobachte ich die immer gleiche, aber wunderschöne Landschaft des  Altiplano. Unbeschreibliche Steinformationen in einer sonst so kargen Ebeneziehen vorbei. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, denn als ich aufwache, komme ich mir vor, wie in einer anderen Welt. Draußen verhaken sich die verschiedensten Gewächse ineinander, man sieht nichts als Grün. Unglaublich, dass all das ein einziges Land sein soll!

Wieder Zuhause schmeißen wir Waschmaschinen an, erledigen die letzten Vorbereitungen und freuen uns nur noch aufs campamento…