Tobi in Abidjan

Ein weiterer strassenkinder.de Blog

Die Frage nach dem Sinn

Seit die Schule am 01.Oktober richtig begonnen hat, hat sich der Tagesablauf im Foyer Magone ein wenig verändert. Die Jungs kommen gegen 17:00Uhr aus der Schule, waschen sich danach, damit sie um 18:00 Uhr mit vollem Elan in die „Études“ einsteigen können. In dieses abendlichen Studien werden die im Unterricht erlernten Inhalte noch einmal wiederholt und gefestigt, in meinen Aufgabenbereich fallen momentan die Schüler der CP2, also der zweiten Grundschulklasse. Alle Kinder vom Foyer Magone besuchen ja eine staatliche Schule, demnach finden sie sich auch alle zu den Études ein. Außerdem sind drei Kinder aus dem Erstempfang (Foyer Maman Marguerite) dieses Jahr wiedereingeschult worden, einer in CP2 und zwei in CE1 (dritte Grundschulklasse).Bis letzte Woche hatte ich so noch zwei Schüler, einer aus dem Foyer Magone und einer aus dem Erstempfang, der Romaric heißt. Seit Sonntag hat sich die Klassenstärke meiner schon so kleinen Klasse auch noch halbiert. Was ist passiert?

Sonntags gehe ich mit den Kindern immer in die Messe um Viertel vor 9, die in der „Paroisse St. François d’Assise“ gefeiert wird, also in der Gemeinde St. Franz von Assisi, von der der Direktor des Projektes hier in Abidjan auch der Gemeindepfarrer ist. Um ca. 11 Uhr kehren wir ins Foyer zurück, um noch ein bisschen zu spielen und um halb eins Mittag zu essen. Danach ist wie gewohnt bis um 3 Uhr Siesta. Am letzten Sonntag ging dann ein Teil der Kinder zu den Don Bosco Schwestern ins Village Marie Dominique, um dort Basketball, Fußball u.ä. zu spielen, der andere Teil ging mit mir ins Village Don Bosco, um dort zu spielen. Gegen 16:30 Uhr gerieten die beiden dort mit mir anwesenden Erzieher ein wenig in Aufruhr, da sie bemerkt hatten, dass sich unsere Gruppe, die aus Kindern vom Foyer Magone und Maman Marguerite (also dem Erstempfang) bestand, verkleinert hatte. Wer war wo abgeblieben? Aufgeregt stellten wir fest, dass Romaric, Samuel und Amidou fehlten. Und schon begann die Suche, zunächst im Village, dann in den umliegenden Straßen. Keine Spur von den dreien. Traurig ging ich um 17:00 Uhr mit den Jungs vom Foyer Magone wieder nach Hause, um um 18:00 Uhr wie gewohnt mit den Études zu beginnen. Doch heute war es anders, denn Romaric war nicht mehr da. Und auch Amidou, der die CE1 besucht, war nicht bei den Études, weil er ja am Nachmittag ausgerissen war.

Warum? Warum ziehen diese drei Kinder ein Leben auf der Straße einem Leben in geregelten Verhältnissen vor? Romaric und Amidou waren schon relativ lange (ca.2-3 Monate) im Foyer Maman Marguerite, sonst wären sie ja nicht eingeschult worden. Hatten sie sich immer noch nicht an die Struktur dort gewöhnt? Romaric hatte Spaß am Lernen, besonders in Mathe. Er konnte für die zweite Klasse bereits sehr gut rechnen, hatte aber in Französisch noch ein paar Schwierigkeiten. Somit hatte ich ein Lernspiel für die beiden gebastelt, an dem Romaric sehr viel Spaß hatte. Er hatte mich sogar noch sehr höflich gegrüßt am Sonntag, kurz bevor er uns verlassen hatte, und auf meine Frage, ob er sich auf die Études freue, antwortete er sogar mit Ja.

Die Frage nach dem Sinn wird wohl leider unbeantwortet bleiben. Uns bleibt nur zu hoffen, dass die drei Kinder auf der Straße keine Opfer von Gewalt, Drogen oder sonst was werden und sie vielleicht in der nächsten Zeit wieder im Erstempfang auftauchen. Sicher ist, dass sie dort mit großer Freude von uns empfangen werden.

Vorheriger Beitrag

Was mache ich hier eigentlich?

Nächster Beitrag

Wieso soll ich denn Lesen und Schreiben lernen?

  1. Hey Tobias!
    Das ist ja echt schade! Hier bei uns ist neulich auch ein Junge ausgerissen, aber wir haben ihn bald wiedergefuden und jetzt ist er wieder da.
    Da kann man nicht viel machen, denke ich, mehr als anbieten kannst du es ihnen ja nicht.
    Traurig ist es trotzdem…

    Aber versuch trotzdem, nicht den Mut zu verlieren!

Schreibe einen Kommentar

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@donboscomission.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén