Einigkeit und Recht und Wasser

Bonjour mes amis,

Comment allez vous? Mir geht´s hier recht gut, wozu ich letzte Woche auch ein paar gute Gründe hatte (auch wenn man die eigentlich nicht immer braucht 😉 ). Ich erzähle euch einfach mal ein bisschen davon: Neben der Arbeit mit den Kindern, Einkäufen und Handwäsche gab es noch ein paar Besonderheiten. Am Mittwoch zum Beispiel waren, yippie, unsere ersten selbstgeschneiderten Kleider fertig (über den ganzen Prozess werde ich nochmal in einem eigenen Blogeintrag berichten). Zudem gab es am Mittwochabend eine Geburtstagsparty für eine der Schwestern 🙂 Und am Donnerstag und Samstag hatten wir zwei ganz besondere Verabredungen:

Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand

Na wer erkennt´s? Das ist der zweite Teil der ersten Strophe der deutschen Nationalhymne, die Valerie und ich am Donnerstag im Maison de l´Espérance lieber nochmal gegoogelt haben. Für den Fall der Fälle. Denn am Abend waren wir zum verspäteten Fest der Wiedervereinigung in der deutschen Botschaft in Cotonou eingeladen. Nach der Arbeit haben wir uns mit unseren selbstgeschneiderten Kleidern in Schale geworfen und uns auf ein Zem geschwungen. Ab die Post durch das dämmernde Cotonou, welches wir nicht oft zu Gesicht bekommen 🙂 Nachdem uns der Zemfahrer auf unseren Wunsch hin abgesetzt hatte, mussten wir feststellen, dass wir noch nicht am Ort der Feierlichkeiten angekommen waren. Wie aus dem Nichts war plötzlich ein Mann neben uns, der uns anbot den Weg zu zeigen. Als wir nach 10 Minuten angekommen waren verabschiedeten wir uns von ihm und traten in eine andere Welt ein: Wachpersonal, Gästeliste, roter Teppich,… Nachdem wir alles erfolgreich passiert hatten, stellten wir uns zu einer kleinen Traube anderer Freiwilliger, die wir teilweise bereits kannten. Von der Organisation Don Bosco sind Valerie und ich allerdings die einzigen in Benin. Nach einem erfreuten „Hallo“ untereinander, erfolgte auch schon die Rede des Botschafters, der ich zugegebener Maßen nur mit einem halben Ohr zuhörte.

Nach einem kleinen Tratsch mit den anderen Volontären zog es uns zum Buffet hin. Kurz darauf konnte man auf einer Wiese neben einem riesigen Zelt eine kleine Gruppe junger Deutscher in einem Sitzkreis vorfinden: Uns Volos mit Reis, Häppchen und Brot. Bon appétit! Es war spannend sich über die einzelnen Freiwilligendienste auszutauschen, die ganz schön unterschiedlich sind. Im Laufe des Abends habe ich mich mit einigen Volos intensiver unterhalten können, aber die Zeit reichte leider vorne und hinten nicht, um mit allen ins Gespräch zu kommen. Als es für Valerie und mich Zeit war „Auf Wiedersehen“ zu sagen, bot uns ein Mitarbeiter der Botschaft, mit dem wir gerade ins Gespräch gekommen waren, an uns mitzunehmen. Es war eine lustige Fahrt mit Gesprächen (auf deutsch!) über beninische vs. deutsche Märchen, Schönheitsideale und Yovo-Rufe. Ups schon kurz nach zehn. Zum Glück nahm es der Portier mit der Pünktlichkeit nicht übergenau und wir konnten gerade noch bevor die Tore (um eigentlich 22:00 Uhr) schlossen ins Don Bosco Gelände schlüpfen.

Venedig, was ist das schon?

„Ah, da sind sie!“ Gegen halb zehn des letzten Samstags treffen Valerie und ich auf Luisa und Lara, die wie wir zwei deutsche Volontärinnen sind und gerade einen Preis aushandeln: für ein Taxi. Nach den üblichen Diskussionen steigen wir in das Auto ein und fahren keine halbe Stunde weiter nach Abomey-Calavi. Unser Ziel ist ein Dorf auf Stelzen: Ganvié. Angekommen organisiert uns der Fahrer einen Guide mit Boot, diesmal übernimmt netterweise er das Handeln. Die nächsten zweieinhalb Stunden verbringen wir vier auf einem roten Boot in Gesellschaft unseres Taxifahrers, des Steuermanns, vier weiteren Touristen aus Westafrika und unserem Guide, der uns alles mögliche über dieses Dorf erzählt. Wir befinden uns auf dem Nokoué-See, das ist derselbe See, der fast an unser Don Bosco Gelände grenzt: Der größte See Benins.

Um zu dem Dorf zu gelangen schippern wir mit dem Boot ein ganzes Stückchen über das Wasser. Links und rechts sieht man Einheimische beim Fischen, sowie Holzstöcke. Diese wurden ins Wasser gesteckt, damit die Fische die verwesenden Holzstöcke futtern können und die Einheimischen sich so keine Sorgen um Fischmangel machen müssen. Für den Eigenverbrauch fischt hier jeder selbst. Die meisten Fische werden allerdings nach Cotonou verfrachtet, um auf dem Markt verkauft zu werden. Nach einer Weile sehen wir dann die ersten Häuser. Man kann sich das ohne Witz so vorstellen, dass JEDES Haus einzeln im Wasser steht. Weil die einzige Möglichkeit von A nach B zu kommen also darin besteht die kleinen Paddelboote zu nehmen oder zu schwimmen, erlernen manche einheimischen Kinder die Fähigkeiten dafür noch vor dem Laufen, was hier weniger relevant ist. Wir fahren durch das 35.000 Seelendorf, in dem es alles gibt was das Herz begehrt: Krankenhaus, Kirchen, ein Hotel, einen Markt (die Ware befindet sich dabei auf einzelnen Booten, durch die man sich durchschlängeln darf),…

Dreimal machen wir während der Tour durchs Dorf Halt: Erst in einem Souvenirlädchen, dann in der Schule des Ortes und dann nochmal in einem Souvenirladen. Apropos Schule: Eine normale Familie hat mindestens drei Boote, denn der Vater braucht ein Boot zum Fischen, die Mutter, um die Fische zu transportieren, und die Kinder, um in die Schule zu kommen. Außerdem helfen viele natürlich schon im jüngsten Alter bei der Arbeit mit. Ein ausgebautes Abflusssystem, Elektrizität etc. findet man hier kaum… Aber dadurch, dass dieses Dorf so abgelegen und anders ist und der besonderen Kulisse mit den vielen kleinen Booten und Häusern, empfinde ich dieses Dorf als sehr meditativ. Noch auf dem Weg über den See zum Festland staune ich darüber, wie den Menschen die Organisation auf diesem ganz anderen Untergrund gelingt.

Das waren meine Erzählungen von letzter Woche! Über das ergreifende Oratorium, dass letzte Woche begonnen hat und nun jeden Sonntag ist, werde ich allerdings ein anderes Mal schreiben.

Grüßt Passau von mir! Teresa

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  1. Anna Gilg

    Woww so beeindruckend! 😮 (Passau sagt LG zurück hihi)

  2. Victoria G

    Hallo, Tete!
    Es freut mich immer wieder deine Beiträge zu lesen. Du beschreibst alles so genau und lebhaft, dass ich das Gefühl habe, selbst dort zu sein. Ich freue mich sehr, dass du dich mittlerweile immer besser auskennst und schon so viel erlebt hast.
    Ich wünsche dir weiterhin so viele tolle Eindrücke und neue Abenteuer! Fühl dich ganz fest gedrückt!
    Bacio bacio 😘

  3. Freya Vila Jurk

    Wunderbar beschrieben, ich habe alles mit großem Interesse gelesen, und freue mich schon auf weitere Erzählungen. Danke dafür und herzliche Grüße, Freya Vila Jurk, Mutter von Dulima.

    • Teresa Stefenelli

      Ich glaub die Erzählungen werden mir hier nicht allzu schnell ausgehen! Vielen Dank für das Interesse!
      Herzliche Grüße

  4. Hildegard Dederer

    Liebe Teresa,
    auch wir freuen uns über Deine Berichte und lesen sie immer gerne!
    Vor vielen Jahren war mein Bruder in Benin, in biologischer Mission hat er über Aflatoxine geforscht.
    Dank Deines Blogs kann ich mir das Land nun viel besser vorstellen.
    Viele liebe Grüße aus dem herbstlichen Passau!
    Hildegard Dederer

    • Teresa Stefenelli

      Ach spannend!
      Freut mich, dass ich euch dieses besondere Land etwas näher bringen kann 🙂
      Ganz liebe Grüße

  5. Anna K.

    Hallo Tete!!
    Das mit der Deutschlandhymne finde ich einen tollen Aufhänger haha!! Freue mich auf den ausführlichen Kleider Bericht demnächst hier.
    Das regnerische Regensburg grüßt dich!!!
    Anna

  6. Teresa Stefenelli

    Hihi danke! Dann bis bald im nächsten Blogeintrag (oder zur Sonntagsaudio) und liebe Grüße an deine nasse Heimat zurück 🙂

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