Lilli in Indien

Don Bosco Volunteer Blog

Hitze- 36 Grad und es wird noch heißer…

Diese Woche ist es hier richtig heiß geworden. Wir alle kennen ja einen heißen Sommer, aber inzwischen hat es bei uns täglich über 40 Grad- seit einer guten Woche. Das schlaucht einen richtig dahin; was sonst noch so bei der Hitze passiert…

Ameisen

Du stehst in der Tür, sitzt unter einem Baum und du wartest keine Minute- zack!- sind sie schon da. Egal wo man hintritt sind diese kleinen Mistviecher, die einem ständig die Füße verätzen. Und normalerweise bewegen sich Ameisen ja zügig-gemütlich, aber die Ameisen hier sind einfach hyperaktiv bei dieser Hitze. Überall haben sie ihre versteckten Löcher, aus denen sie bei Gelegenheit zu Hunderten ausströmen. Ich habe aber inzwischen eine (zugegeben etwas grausame) Methode, um diese Löcher zu schließen- wenigstens die in meinem Zimmer.

Ich sprühe mein Deo in das Ameisenloch damit sie fern bleiben und ich in Ruhe hantieren kann. Dann vermische ich mein Waschpulver mit etwas Wasser und vermatsche es zu einem Brei, den ich dann großzügig in und um das Ameisenloch kleistere. Anschließend lasse ich alles trockenen und die Sache hat sich gegessen.

Große NAchfrage

Ich sitze abends draußen mit ein paar der Betreuer und quatsche ein bisschen. Aus dem Dunkel kommt ein Junge und gibt Durgu sein Handy. Die Frage nach den Wieso wird sogleich beantwortet. „Arre Dubai, my Phone is free now.“ Dubai springt von seinem Sitzplatz unter den Arkaden auf und läuft auf dem Kies unter den Mangobaum hindurch, springt über zwei Mauern und kommt schlittern bei uns an. „Nummer?“ „Five-seven-three-eight-six-seven-nine-one.“ antwortet Dubai wie aus der Pistole geschossen(Zahlen frei ausgewählt). Durga gibt alles brav ein und lässt dann wählen. Dubai nimmt das Telefon eilig entgegen und entfernt sich von der Gruppe. „Chelli?“ höre ich ihn noch sagen. Er ruft seine kleine Schwester an.

Am nächsten Morgen erzählt er mir, er hätte zuerst seine kleine Schwester angerufen- und dann seine Freundin. So ein Frauenheld.

Von den Guten und den Schlechten

Das Gute ist das durch die große Hitze die vielen kleinen Mangos langsam reif werden, die in großer Zahl an den vielen Mangobäumen hängen. Jeden Tag essen Tabea und ich zwei oder drei kleine Mangos. Sooo lecker! Meistens bringen uns die Jungs die Mangos vorbei, manchmal gehen wir auch selber los und pflücken uns selbst welche. Die Mangos hier sind sehr klein und grün wenn man sie vom Baum holt, zuerst muss man sie waschen (wegen dem staubigen Film und dem klebrigen Mangosaft, bei uns wird nicht gespritzt) und dann fünf Tage liegen lassen im Schrank.

Nach dieser Zeit sind sie ein bisschen schrumpelig und gelb. Es gibt nun zwei Methoden diese Mango zu essen. Entweder man knetet und drückt sie eine Weile und macht dann oben ein kleines Loch rein, aus dem man dan zuerst den Fruchtsaft und dann auch ganz einfach das Fruchtfleisch raussaugen kann(Siehe Ich). Oder man schält die saftigen Mangos einfach komplett und beißt rein (Siehe Tabea).

Zu dem Geschmack: Himmlisch. Die Mangos sind süß und leicht säuerlich. Eine kleine Note von Ananas und Kokosnuss ist auch mit dabei. Meistens wenn man sie ist sind sie etwas warm und dann sind sie am besten. Die Mangos sind super saftig und haben sehr viele Fasern, die einem bei der Saugmethode gar nicht stören, aber bei der Schälmethode arg zwischen den Zähnen hängen bleiben. Außen sind sie Grün-gelb, und innen drin safrangelb.

Das Schlechte an der Hitze ist, dass ein Cyclon über dem indischen Ozean entstanden ist, der nun den nördlich von mir gelegenen Bundesstaat Odisha verwüstet. Wir haben von den weitesten Ausläufern des Cyclones eine Hitzefront, Wolken, Gewitter und starke (und vor allem plötzliche) Windstürme bekommen- alles aber nicht so wild. Wofür ich die Hitze ganz persönlich zur Verantwortung ziehe, ist der Hitze Ausschlag, den ich nun seit ein paar Tagen auf Rücken, Brust und Bauch habe. Die kleinen, leicht rosa Punkte jucken wie Flöhe und werden auch nicht weniger. Ich kann aber damit leben.

kleiner Vogel

Ich sitze mit den Jungs bei der Crafts Class unter einem Deckenventilator und male wie jede Woche ein neues Bild. Eine Farbe, ein Pinselstrich, ein Atemzug- fast ein bisschen wie Meditation(und ja, das war ein Anspielung auf Beppo von „Momo“). Ich unterhalte mich mit den Jungs und schaue ab und zu auf wenn sie mir ihre Kunstwerke zeigen wollen. Ist das Bild fertig wird es mit Kleber an die Wand des Esszimmers geklebt. Manchmal weiß ich nicht wer mehr Spaß an der Bastelzeit hat, ich oder die Jungs.

Seit ein paar Minuten  kann ich nun in der Crafts Class das laute Zwitschern eines Vogels hören. An den offenen Fenstern stehen Mangobäume, er sitzt dort bestimmt… Schließlich schaue ich doch auf und bin überrascht den Kleinen im Zimmer zu finden. Er hat sich auf einem aufgehängten Faden niedergelassen und schlägt nun immer wieder mit den zierlichen Flügeln, da der Faden im Wind des surrenden Deckenventilators hin und her schwingt.

Dubai, der Hirtenjunge, hat den kleinen Spatz ebenfalls bemerkt und bittet Tabea lässig ob sie die Tür öffnen kann, damit der Vogel rausfliegen kann. Gesagt, getan. Der Piepmatz fliegt davor aber noch etwas in den Raum und -clonk- mitten in einen der Deckenventilatoren.

Der Vogel schafft es nicht sich in der Luft zu fangen und fällt Flügel schlagend zu Boden. Dubai springt sofort auf und nimmt den Vogel in die Hände. Kundig untersucht er schnell den fedrigen Freund, der ganz klein und braun gesprenkelt ist. Mit offenem Schnabel hechelt er uns zu. Als der Doktor mit seinem Gutachten fertig ist und den Vogel als dumm aber okay befindet, wird der Federling bei der Wasserstation draußen in den Schatten gesetzt- und kurze Zeit später fliegt er weg. Glück gehabt!

Volleyball

Also, ich spiele ja in Vimukthi ziemlich viel Volleyball, obwohl ich mich bei der brütenden Hitze auch gerne davor drücken würde. Es versteht sich dass ich wahnsinnig schlecht bin, aber es ist ja auch noch kein Meister vom Himmel gefallen.

So eine Sache sind zum Beispiel die Aufschläge. Ich habe echt Schwierigkeiten diesen Ball auf die andere Seite des Netzes zu bringen. Egal ob es an Technik oder Kraft liegt, ich hab den Bogen einfach noch nicht raus. Einmal jedoch habe ich es geschafft. Es war pures Glück, als der Ball großzügig über das Netz zu der anderen Mannschaft gesegelt ist. Die Jungs waren genauso verblüfft wie ich. Was hat die Sister an diesem Tag anders gemacht, dass ihr so ein schöner Aufschlag gelungen ist … ? Es muss das gute Hühnercurry von der Amma gewesen sein! Nun ja, diese Entdeckung hat nun die Folge, dass die Jungs nun jedes Mal, wenn ich den Aufschlag versemmele, enttäuscht die Köpfe schütteln und „Today No Chicken Power“ sagen. Auch drohen sie mir an mir ihr Abendessen (und das Frühstück!) zu überlassen, damit ich genug „Power“ für einen Aufschlag habe.

Sonstige Sprüche die beim Spielen fallen:

  • *Ball kommt* „ohshitohshitohshitohshit“ *Ball wird erfolgreich angenommen* „Nice Ball, Lilli! But don’t say bad words!“
  • Jay Ballea! („gesegneter Ball“, vor allem bei Aufschlägen)
  • „Lilli, you are an angel!“ „… no, I am a flower.“
  • Ich habe einen Aufschlag absurd schlecht abgeliefert und laufe nun leicht beschämt an meinen Platz zurück, Tabea lacht scherzhaft „Shame on you!“. Ein Junge checkt den Witz nicht und sagt zu mir „No! No shame on you … you… woman you.“ Mehrere seiner Kumpels drehen sich verwirrt zu ihm um. Ich fande das sehr liebenswürdig.

Im Spielen bin ich aber deutlich besser als beim Aufschlag. Bei dem Match heute stand mir ein relativ guter Gegenspieler hinter dem Netz gegenüber. Er nimmt einen schnellen Ball an und springt kraftvoll nach oben- und tippt dann den Ball ganz sanft an. Dieser fällt nun direkt vor mir herunter, beinahe am Netz entlang. Ich reagiere und schlage den Ball fast im neunzig Grad Winkel nach oben, so dass er bei meinem Gegner auf die gleiche Weise im Spielfeld landet (seeehr viel Glück). Dieser nimmt den Ball an und gibt ihn mir wieder rum auf die gleiche Art zurück. Ich bemerke einen kleinen Unterschied zu den vorherigen Bällen- und bewege mich nicht.

Meine Mannschaft schreit, ich soll den Ball nehmen. Seelenruhig schaue ich dem Ball zu, wie er an mir vorbeifliegt und einen knappen halben Meter neben der Linie auf den Boden schlägt- außerhalb des Spielfelds. Das Schreien der Jungs wird ein Johlen. Wären wir in Europa würden sie wahrscheinlich einen Menschenhaufen machen. In Indien stürmen die Jungs auf mich zu- und schütteln mir jubelnd die Hand. Das Gefühl war trotzdem umwerfend.

Liebe Grüße an alle Zuhause,

Eure Lilli

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  1. Avatar

    Georg Meyer-Berg

    Oh Lilli, hier „im Norden“ 5‘Celsius und kaum Sonne schon seit Tagen. Da hören sich 40‘Grad nicht mehr so fürchterlich an.

  2. Avatar

    Melissa

    Ganz viel chicken-power für die letzten paar Monate
    Lg Melissa & Marcelo

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