Lilli in Indien

Don Bosco Volunteer Blog

Ein Fall für das Krankenhaus

So, wie immer am Ende, rennt die Zeit schneller als ich schreiben kann. Schon in einer Woche fliege ich nach Hause und die Ereignisse überschlagen sich und ich habe in dem ganzen Trubel öfters Schwierigkeiten mich hinzusetzen und einfach aufzuschreiben. Hier mein Krankenhaus-Abenteuer!

Wie alles anfing…

Ich hatte im letzten Beitrag das Krankenhaus angedeutet, in welchem ich zur Behandlung war, wegen den Folgen einer Lebensmittelvergiftung. Die Lebensmittelvergiftung wurde von einem Arzt im Krankenhaus bahandelt, Medikamente wurden eingenommen und wieder abgesetzt und mir hätte es besser gehen sollen- aber nach einem Monat Durchfall, Bauchschmerzen und zum Ende drei Tagen Erbrechen ging es mir GAR NICHT gut. Ich hatte sofort wieder angefangen zu arbeiten, am Anfang ging es noch gut, aber nach drei Wochen Durchfall geht einem physisch echt nicht mehr so prächtig…

Schon beim Unterrichten konnte ich nur noch sitzen, Games Time hatte ich seit ein paar Tagen gemieden- ich dachte es würde nach ein paar Tagen (Wochen?) schon wieder selber weg gehen. Ich bin ein starkes Mädchen, ich bin NIE krank. Tabea hat mir dann sehr deutlich gesagt dass DAS nicht eine normale Grippe ist und ich echt nochmal in das Krankenhaus sollte. Tabea und ich fahren zusammen einen Tag früher von Vimukthi heim, die 2 stündige Fahrt zurück in die Stadt wäre für mich alleine vielleicht zu viel gewesen.

Einlieferservice

Ich lasse mich in das Krankenhaus einliefern, Tabea begleitet mich treu auf Schritt und Tritt. Sie bestellt sofort einen Rollstuhl für mich, da ich schon wieder etwas geschwankt habe beim Gehen. Ein viel zu glücklicher Pfleger springt mit einem Rollstuhl herbei und rollt mich dann mit einem Affentempo -über die weißen Fliesen, unter dem grellen Neonlicht, vorbei an tausend Schwestern und neugierigen Blicken, durch das ganze Krankenhaus- in einen Gemeinschaftsschlafsaal. Dort werde ich dann auf ein sauberes Pritschenbett verlegt.

Selfie aus dem Krankenhaus, damit ich ein Bild für meinen Blog habe!

Nach einer Weile kommt ein Arzt, ich darf auf meiner Pritsche weiterliegen und Tabea muss Fragen beantworten. Sie beantwortet alles richtig, und ich höre aufmerksam zu. Ich vermeide es zu sprechen, wegen der Übelkeit, aber in meinem Kopf mache ich auf jede Frage des Doktors bissige Antworten: Nein, meine Familie hat keine Erbkrankheiten. Nein, ich habe keine Familienangehörigen in Vijayawada, Tabea ist grad meine Angehörige. Nein ich hab keine Allergien! MEINE GÜTE kannst du jetzt mal herkommen und mir Drogen geben damit mein Bauch nicht mehr weh tut??? Und überhaupt?

We are going on a trip

Mein letzter Wunsch geht bald in Erfüllung, denn kaum sind alle wichtigen Fragen des Doktors beantwortet, dreht sich mir mein Magen um. Ich liege auf die Seite gedreht röchelnd über einer Plastikschüssel, während viele meiner indischer Mitleidenden neugierig zu mir rüber schauen. Ein Inder macht schon ein Selfie mit dem kotzenden weißen Mädchen hinter sich. Genießt die Show, da kommt noch mehr. Der Doktor tritt an mein Bett und checkt mich durch. Wie einen Gegenstand checkt er mich durch; Augenlider heben, in Augen leuchten, Zunge zeigen, Atmung hören, … ich lasse alles über mich ergehen, mach die Augen zu und lass mich einfach schlaff. Ich bin SO müde. Als er fertig ist sagt er der Schwester etwas auf Telugu und ich verstehe nur das Wort „Schmerz“. Dann verschwindet der Doktor und eine kleine zierliche Schwester kommt an mein Bett. Tabea sitzt auf der linken Seite von meinem Bett und hält meine Hand, die Schester hantiert zu meiner Rechten herum.

Die Schwester nimmt mir Blut ab und sticht mir dann eine dicke Nadel (Holy Guacamoly das tut weh!) in meinen Unterarm, eine Kanüle. Dann werde ich an den Salzwassertropf gehängt, und die Schwester jagt mir durch einen zweiten Eingang der Kanüle vier kleine Fläschchen von IRGENDWAS in meinen Körper. Ja, ja, hau rein das Zeugs. Schlimmer wird es bestimmt nicht mehr. Tabea schnappt sich meine Krankenakte und fängt fleißig an zu googeln. Der Doktor hat ein komplettes Blutbild, eine Stuhlprobe, eine Urinprobe und einen Ultraschall verordnet. Die verordneten Medikamente, die mir die Schwester rein gehauen hat, sind ein starkes Schmerzmittel, Antibiotika (standardmäßig), etwas gegen das Erbrechen und etwas gegen Durchfall… Nach zwanzig Minuten geht es mir gut. Wiiiiiiirklich gut.

Schmerz ist weg, der Verstand auch

Nach einer Zeit kommt Cara, doppelte Tropenkrankheit-Bezwingerin, Krankenhausexpertin und Flat-Sister, in das Gemeinschaftszimmer reingestampft. Sie kommt um Tabea abzulösen, da bei indischen Krankenhäusern immer jemand bei dem Patienten sein muss. „Caraaaaa!“ rufe ich erfreut und strecke in meinem Bett kichernd die Arme aus. „Ah, sie haben sie schon vollgepumpt? Was hat sie bekommen?“ Cara schnappt sich meine Krankenakte und studiert mit grimmigen Blick was der Doktor aufgeschrieben hat. Ich maaaag Cara. „Ich habe mit der Versicherung geredet, sie übernehmen ein Privatzimmer. Sister! My friend going Private room.“ Uuuuh fancy, danke Caraschnuckiduzi. Kurze Zeit später werde ich in ein kleines Zimmer verlegt, das nur für mich ist, jetzt werde ich auch nicht mehr angeglotzt. Tabea verabschiedet sich für die Nacht und Cara schlägt auf der zweiten Pritsche in meinem Zimmer ihr Nachtlager auf. In den folgenden Tagen schauen ALLE meine Mitvolontäre im Krankenhaus vorbei und übernehmen abwechselnd Tages- und Nachtschichten bei mir im Krankenhaus. Cara hat mir sogar beim Duschen geholfen (da meine Hand mit der Kanüle nicht nass werden darf) und meine Unterwäsche gewaschen. Ein neues Level an Freundschaft.

Schwanger oder nicht schwanger?

Am nächsten Tag werden alle möglichen Tests gemacht. Der Arzt besucht mich jeden Tag zwei Mal und erzählt uns Neuigkeiten, und Cara fragte gleich am nächsten Morgen nach schwächeren Schmerzmitteln. Spielverderberin. Aber sie hat schon recht. Bei den Tests musste ich eine Stuhlprobe und eine Urinprobe abgeben, was doch irgendwie eklig war. Vor allem als ich dann die kleinen durchsichtigen Behälter einem anderen Menschen überreichen musste. Am witzigsten war der Ultraschall, ich wurde in meinem kleinen Rollstuhl in den Bereich der Radiologie hingerollt. Vorne an der Tür zu der Station ist ein großes Plakat, worauf steht: „IT IS FORBIDDEN FOR THE PARENTS TO SEEK KNOWLEDGE ABOUT THE SEX OF THE CHILD. THE CRIMINAL OFFENCE CHARGES UP TO 40.000 RUPEES. PLEASE LET THE DOCTOR KNOW IF YOU ARE (POSSIBLY) PREGNANT.

Ich muss kurz warten bevor ich rein darf, und schaue mir die anderen Wartenden an. Die Frauen vor der Radiologie sind alle schwanger, neben ihnen ihre Ehemänner. Eine alte Frau sitzt auch da und schaut mich an als wäre ich der moralische Untergang, während ich alleine auf meinen Ultraschall warte. Ja, schau nur, ich bin aber nicht schwanger und wenn ich schwanger ohne meinen Partner hier wäre, dann könntest du mich- Mein Pfleger, der die ganze Zeit verträumt aus dem Fenster geschaut hat, schiebt mich in die Radiologie. Meinen Pfleger mag ich wirklich gerne.

Ich lege mich hin und eine Schwester macht mich bauchfrei. Dann kommt ein Arzt herein. Zur Sicherheit gebe ich ihm Bescheid dass ich nicht schwanger bin. Er klatscht kalten Glibber auf meinen Bauch und sagt dann allen Ernstes „We will see.“. Ich wusste nicht ob ich lachen soll oder nicht, aber ich war schon abgelenkt von dem Schauspiel auf dem Monitor. Whärend der Doktor mit dieser kleinen Sonde auf meinem Bauch rumfährt kann ich alles sehen, meinen Magen, meine Leber, meinen Darm und noch weiter tiefer mein Organ, welches SEHR LEER ist.

Es gibt kein Entkommen

Ansonsten ist es im Krankenhaus sterbenslangweilig. Gottseidank habe ich meinen eigenen kleinen Raum, aber selbst da war ich nicht 100%ig sicher vor den neugierigen Blicken. An einem Nachmittag werden zwei kleine Kinder in meinen Raum geschubst. Ihnen folgt eine Putzkraft des Krankenhauses. Sie zeigt stolz auf die Kinder und stellt sie mir vor. Ich lächele höflich, da die Kinder da sind und fordere sie dann sanft auf wieder zu gehen. Ein anderes Mal kommt ein fremder Pfleger(die Schwestern und Pfleger stellen sich immer vor, und das war keiner von meinen) zu mir rein und macht Small Talk mit kleinen Flirtversuchen; den jungen Herren schmeiße ich eher unsanft aus meinem Zimmer. Nach vier Tagen werde ich entlassen: Ich hatte ein Bakterium in meinem Darm dass meine Verdauung ordentlich gestört hat und jetzt durch die folgenden Medikamente weg sein sollte. Und bis jetzt geht es mir auch wieder besser.

Fazit

Ach Gott war ich glücklich wieder aus dem Krankenhaus raus zu kommen. Das indische Krankenhaus war echt nicht so eine tolle Erfahrung, aber ich war dennoch positiv von den Ärzten, meinen Schwestern und Pflegern und dem Krankenhausservice überrascht, SO übel war es jetzt auch nicht. Wo von ich gar nicht überrascht war, aber tausendmal glücklicher geworden bin, waren die regelmäßigen Besuche von den Menschen aus meiner Flatfamily. Die haben mich immer aufgeheitert und mich nie allein gelassen.

Gut ist, das ich aus dem ganzen Schlamassel auch wieder heile raus gekommen bin. So dass ich, in nicht mal mehr einer Woche, nach Hause fliegen kann. Ein Blogeintrag über meine letzte Woche und Abschied von meinem geliebten Vimukthi folgt in Kürze.

Liebe Grüße,

Eure Lilli

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  1. Avatar

    Cara

    Wasche deine Unterwäsche immer gerne und mache auch sonst immer alles für dich. Nochmal lassen wir dich aber nicht so zupumpen meine Liebe:*

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