Hennis Jahr in Indien

Zwölf Monate für Straßenkinder in Vadodara

Wieder zu Hause..

Einige mögen sich vielleicht wundern, mich seit Weihnachten in Halle zu sehen.
Urlaub zu Hause? Leider nein..
Aber warum dann zu Hause? Tja, bis jetzt weiß ich es selber nicht genau. Nur, dass das Leben auch hier weiter gehen wird.

Am 14. Dezember erhielt ich die Nachricht meiner vorzeitigen Rückkehr.
Ungeplant, unerwartet und unverstanden. Nur mit dem Gedanken im Kopf, nicht nach Hause zu wollen.
Fing doch gerade alles erst richtig an. Vorfreude auf Weihnachten und Silvester, das Zwischenseminar in Hyderabad, mein Familienurlaub und und und..
Nun bin ich hier und versuche dies alles erstmal zu verstehen.
Meine letzten Tage in Indien waren die unglücklichsten Tage, die ich jemals hatte. Mit dem Gedanken im Kopf, meine Jungs irgendwie im Stich zu lassen, konnte ich mich nicht mehr vor sie stellen ohne das mir die Tränen liefen. So war ich froh die vier Tage in Delhi verbringen zu können bevor ich am 23.12 in den Flieger steigen würde.
So blieben mir zwischen dem Delhi Trip und meinem Abschied zwei Tage in denen ich ein Abschiedsessen mit dem Lieblingsgericht der Jungs organisierte. Diese wussten bis zum Abend des 22. 12 nicht, dass ich gehen würde, denn keiner wusste, wie man es ihnen hätte erklären sollen.
Es gab ja keinen Grund..
So konnte ich am 22., dank einiger Spenden, ein riesiges Essen bestellen, was fast bis auf die letzte Nudel verdrückt wurde.

Wirklich bis auf die letzte Nudel!

An meinem Abreisetag war ein Tagesausflug geplant, was mir den Abschied deutlich einfacher machte. So wurde ich gegen Mittag von einer Rikscha abgeholt und zum Flughafen gebracht. Nach einem tränenreichen Abschied fuhr ich also mit der Rikscha vom Grundstück, als mir einfiel, dass ich meinen Akku in der Steckdose hab stecken lassen.. Da der Rikschafahrer sich weigerte den Weg nochmal zurück zu fahren, stieg ich aus und rannte wieder zurück, und in die Arme der noch da stehenden Jungs (und natürlich mussten alle lachen…).. Als ich dann mein Ladekabel hatte, fiel ich fast noch hin und flitzte (wieder mal mit vielen Lachern) zur Rikscha zurück..
Auch, wenn das lustig klingen mag, und das war es in dem Moment auch, war und bin ich unglaublich unglücklich.
In einem Blogbeitrag einer ehemaligen Volontärin habe ich gelesen, dass diese beim Abschied von ihrer Familie riesige Tränen geweint hat, doch ein Abschied von den Jungs, ein Abschied für immer, ist unendlich trauriger.
Ich möchte mich bei Euch bedanken, bedanken für Eure Kommentare, Spenden, Briefe, lieben Worte und Gebete. Ich habe meine ganze Liebe, meine Geduld, meinen Mut und Zuversicht an Dev, Suraj, Vijay, Jaydeep, Kuldeep, Prince, Mahendra, Ravi und alle anderen gegeben.
Deshalb möchte ich mich für Eure Rückendeckung bedanken.

Auch allen Spendern möchte ich Danke sagen!
Ich hatte mir einiges überlegt, doch diese abrupte Abreise hat meine Möglichkeiten geschrumpft, doch bin ich mit meiner Lösung sehr glücklich.
Da in Indien oft nur Geld, Glück mit dem Familiennamen oder eben die Bildung für ein gutes Leben sorgen, habe ich das Geld dafür gewählt, es in die Bildung der Kinder zu investieren. Viele von den Jungs haben, auf Grund ihrer Vergangenheit, Probleme in der Schule. So kommen fast täglich Logopäden, Psychologen und Nachhilfelehrer. Um diese Betreuung zu ermöglichen und ebenso um das Schulgeld zu bezahlen, dafür habe ich das gespendete Geld genommen.Mit dem neuen Jahr beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Ich werde mein soziales Jahr in Deutschland beenden.
Ich wünsche Euch allen ein gutes und friedvolles Jahr mit viel Liebe und Zuversicht!
Eure Henriette

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1 Kommentar

  1. Thomas Lazar

    Wir freuen uns sehr, Dich wieder wohlbehalten bei uns zu haben 🙂 In Deinem neuen Beitrag schreibst Du sehr eindrucksvoll und ohne Bitternis von Deinen letzten Erlebnissen in Vadodara. Meine Hochachtung dafür!
    Aber als Deine Eltern warten wir nun immer noch auf eine Erklärung von DBV für Deinen vorzeitigen Rückruf. Auch wir haben uns für die gute Sache gewaltig ins Zeug gelegt und mit Dir immerhin weit mehr als 3000 Euro Spenden für Don Bosco eingeworben.
    Wir verstehen Deinen so abrupten Rückruf nicht und fragen uns, was da in einem oder mehreren Köpfen vorgegangen ist. Dich einfach so zurück zu beordern, ohne mit Dir darüber zu sprechen und andere Möglichkeiten auch nur anzudenken halten wir für einen schlechten Stil.
    Mögen sich Dir neue Wege auftun! DBV hat m. E. einiges gut zu machen bei Dir.

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