emma in ruanda

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Apax

Am Montag, den 28. Oktober waren wir bei den Apax – die Friendsmissionare. Das ist ein Orden, den es bisher nur in Ruanda gibt, der aber jetzt auch Kommunitäten in anderen Ländern aufbauen darf. Vor ca. vier Wochen (?) wurde dem Orden nämlich mitgeteilt, dass der Papst ihre Gemeinschaft anerkennt. Erst dann waren sie dazu berechtigt, sich international auszubreiten. Wie man sich also denken kann, ist der Orden noch sehr klein.

Gesehen haben wir die Apax, also die Brüder und Schwestern des Ordens schon öfter in der Kirche in Rango, wo sie zur Morgenmesse gehen. Sie haben in ihrer Kommunität hier keinen Pfarrer, der einen Gottesdienst mit Eucharistie feiern darf. Also laufen sie jeden Morgen in die Paroisse, um dort am Gottesdienst teilzunehmen. Man erkennt sie ziemlich gut, denn die Mitglieder der Ordens tragen lange dunkel-türkise Gewänder mit großen, dickperligen (gibt es das Wort? Wenn nein, dann ist es (m)ein Neologismus. Die habe ich in Deutsch auch immer am liebsten gehabt – Neologismus, das klingt so schlau) Rosenkränzen in der Tasche. Die Männer haben hellblaue Hosen unter den Gewändern an.
Vom Sehen kannten wir die Menschen, zu denen wir fahren wollten. Gesprochen haben wir mit ihnen aber noch nicht. Also zumindest nichts anderes außer „Amahoro ya Kristu“ (kinyarwanda für „Der Friede sei mit dir“) während des Gottesdienstes. Die Apax wussten übrigens auch nicht, dass wir kommen werden, aber es hieß, die Kapelle sei groß genug, sodass wir ihnen ohne Vorankündigung einen Besuch abstatten können : )

Wir verabredeten uns mit Pater Rémy, der zum Gottesdienst zu den Apax fahren sollte. Es hieß, um 17.15 Uhr gehe es los, denn um halb sechs sollte der Gottesdienst beginnen. Wir machten uns pünktlich fertig, ich musste mich noch umziehen, weil ich vorher Basketball gespielt hatte und sagen wir mal so, mir war erst SEHR warm und dann SEHR kalt : ) Ehe ich dann trockene Sachen an hatte, wieder draußen und bei Rike ankam, war es auch schon 20 nach fünf. Was soll ich sagen, der Pater spielte noch ganz entspannt Basketball. Um 5.23 Uhr wurden Rike und ich langsam unruhig. Ich bin dann mal auf ihn zugegangen, um ihn zu fragen, ob er an den Gottesdienst denkt. Er kam vom Feld und meinte, er müsse sich noch schnell umziehen, dann könnten wir los. Mein deutsches Pünktlichkeitsherz zog sich gewaltig zusammen. Zwei Minuten bevor der Gottesdienst losgehen sollte, saßen wir dann endlich im Auto.

Der Weg

Was soll ich sagen, der Weg war wohl typisch ruandisch. Vielleicht auch typisch afrikanisch, das kann ich nicht beurteilen. Erst war die Straße noch geteert, dann wurde es dieser rote Sand und als es einen Berg ziemlich steil runter ging, wurde der Weg mit Wasserrinnen verziert. Also keine geplanten Rinnen, eher so durch die Kraft des Regenwassers entstandene. Entsprechend eben auch kreuz und quer über die Straße. Eigentlich wollte Rémy, dass ich fahre. Wie gut, dass ich dankend abgelehnt habe.
Obwohl wir schon viel zu spät waren, hielten wir zwischendurch immer wieder kurz an, weil der Pater mit den Menschen, an denen wir vorbei fuhren, noch ein paar Worte wechseln musste oder wollte…
Wenn ich ehrlich sein darf, und das darf ich, ist ja schließlich mein Blog ; ) hat mich das zu Beginn der Fahrt echt fast wahnsinnig gemacht. Wir waren ja eh schon total spät. Die Messe hätte schon vor zehn Minuten beginnen sollen und der Pater quatschte noch mit allen möglichen Menschen. Ahhhhhhhh!
Aber irgendwann dachte ich: „Was soll’s. Ist ja nicht meine Schuld. Ob Rike und ich pünktlich sind oder ob in China ein Sack Reis umfällt…“ (Herzliche Grüße an dieser Stelle an meine Mama, diesen Satz verwendet sie durchaus mal ; ) ). Ich musste schon ein bisschen über mich selber schmunzeln. Ja ja, meine deutsche Herkunft ist wohl nicht zu leugnen.
Glücklicherweise sind wir dann irgendwann auch lebendig angekommen, obwohl ich zwischendurch sicher war, dass wir das nicht überstehen. Um den tiefen, mit Wasser gefüllten Schlaglöchern auszuweichen, ging es mal ganz nah an den Rand des Weges und somit nah an die Kante zum „Abgrund“ ; ) Dann fuhren wir auf der falschen Straßenseite, auf den uns Motos entgegenkamen oder auch andere Autos. Meine Augen waren mehr geschlossen als offen, aber ich lebe offensichtlich noch. Zurück war es übrigens das gleiche Spektakel nur im Dunkeln und mit angeschaltetem Fernlicht bei uns und den entgegenkommenden Autos.
Um viertel vor sechs kamen wir dann endlich an. Natürlich wurden wir, bzw. Père Rémy auch schon erwartet und freudig begrüßt.

Das Gelände

Wir fuhren durch ein großes Tor auf ein Gebäude aus Backsteinen zu. Das coole war, in die Wand war mithilfe von anders farbigen Backsteinen „APAX“ geschrieben.
Das Gebäude war hufeisen-förmig. Vor den Räumen war ein überdachter Weg. Das Dach wurde von hellblauen Säulen gestützt. Die Fensterrahmen und Türen waren in der gleichen Farbe gestrichen. Es sah sehr harmonisch aus. Das Auto stellten wir hinter jenes der Apax. Und dann fielen mir die ganzen Blumen auf, die vor dem überdachten Weg gepflanzt waren.
Zur Kapelle führte ein kleiner schräger Weg. Und dann ging es durch eine Holztür – mir verschlug es für einen Moment die Sprache. Ich liebe unsere Kapelle hier bei den Salesianern, sie ist sehr schön und gemütlich. Aber die Kapelle der Apax – ich weiß nicht wie ich sie beschreiben kann, damit ihr versteht, WIE schön DIE ist.

Also erst einmal mussten wir die Schuhe ausziehen und neben die Tür stellen. Links von uns war der Altarraum. Auf einer Stufe stand der hölzerne Altar. Daneben ein kleiner Tisch mit einem Bild der Mutter Gottes und angezündeten Kerzen. Hinter dem Altar stand der Tabernakel (dort wird der gewandelte Leib Christi aufbewahrt. Katholiken glauben, dass das Brot der Leib Christi bleibt, wenn er einmal gewandelt wurde). Der Tabernakel war in gewebter Optik. Daneben das ewige Licht – hier ist es fast immer elektrisch betrieben, während in Deutschland fast immer Kerzen genommen werden.
Die Kapelle bestand aus hellen Backsteinen, die Türen aus hellem Holz. Die Decke ist sehr hoch und nicht gerade. Ich glaube, es war eine Art Stern, der dargestellt wurde. Der Boden war auch aus Holz aber mit Muster. Also die Maserung vom Holz wurde zu einem bestimmten Muster zusammengelegt.
Vor dem Altar mit einigem Abstand standen die Stühle, auf denen auch schon die Brüder, Schwestern und Novizen der Apax saßen. Unter den Stühlen war ein Teppich ausgelegt, zumindest unter den ersten beiden Reihen. Es gab zwei Seiten mit Stühlen, dazwischen ein Gang. Auf der Türseite, wie man in der Schule immer gesagt hat, saßen die Männer – und Rike und ich. Auf der anderen Seite saßen die Frauen – und der Keyboardspieler.
Da wir in der dritten Reihe saßen und der große Teppich nicht mehr bis zu unseren Plätzen reichte, bekamen wir einen kleinen Stoffteppich, den wir unter die Füße legen konnten.

Der Gottesdienst

Für uns gab es keine eigenen Bücher, also haben wir bei den Männern links und rechts mit reingeschaut. Der Ablauf war genau der Gleiche wie bei uns, nur mit anderen Melodien für die Psalmen. Der Bruder neben mir war sehr überrascht, dass ich die „Cantique de Marie“ auswendig konnte. Ja ja, so was lernt man hier relativ schnell. Genau so wie Rosenkranz beten, Gebete für Don Bosco und sonstige Gebete, die wir hier täglich brauchen.
Gesungen wurde auf Kinyarwanda, sofern es keine Psalmen waren. Die Messe wurde aber sonst auf französisch gehalten, sodass auch Rike und ich fast alles verstehen konnten.
Bei uns werden die Psalmen immer abwechselnd gelesen, also ein Père oder der Bruder lesen oder singen einen Satz und dann singen oder sprechen die anderen den nächsten. Bei den Apax wurde auch abwechselnd gesungen, aber immer einmal Männer, einmal Frauen. Das war für mich echt ein bisschen verwirrend, weil der Bruder mir das Buch immer dann hingehalten hat, wenn die Männer gesungen haben. Ich habe also einfach durchgesungen – mal hoch und mal tief ; )

Zum Schluss hat uns Père Rémy vorgestellt. Wir mussten nichts sagen, das hat der Pater übernommen. Und er hat auch gleich die Eselsbrücke zu unseren Namen gesagt: „Die beiden heißen Emma und Friederike. Die Kleinere hat den längeren Namen, die Größere den kurzen. Wer ist wer?“ Tja, obwohl es eigentlich ziemlich offensichtlich ist, wer größer und wer kleiner ist, traute sich keiner der Brüder und Schwestern etwas zu sagen. Also stellte Rike sich kurzerhand dicht neben mich, legte ihre Hand auf ihren Kopf, fuhr damit gegen meinen Körper und zuckte die Schultern. Damit hatten wir den Lacher auf unserer Seite. Als dann aber immer noch keiner was sagte, meinte sie ganz trocken: „Emma – Friederike“und zeigte dabei erst auf mich und dann auf sich. Ja ja, wir sind schon Angst einflößend ; ) Zum Schluss gab es reichlich Applaus für uns – aus mir unerfindlichen Gründen. Schön war’s trotzdem : )

Nach der Messe

… und der Anbetung sämtlicher Heiliger zogen wir unsere Schuhe wieder an und gingen raus. Dort wurden wir nochmal von einzelnen Personen herzlich begrüßt, es wurden ein paar Worte gewechselt. Wir mussten ja noch auf den Père warten, denn wir wollten jetzt nicht unbedingt alleine im Dunkeln den weiten Weg laufen – und hätten wir auch vermutlich nicht gedurft. Während wir also warteten, erklärte uns einer der Brüder, den wir auch schon aus den Messen in der Paroisse kennen, dass dieses Gebäude den Novizen gehöre. Auf der einen Seite wohnen die Frauen, auf der anderen die Männer. Die (fertigen) Schwestern und Brüder wohnen in einem eigenen Haus, kämen aber montags, um gemeinsam mit den Novizen Gottesdienst zu feiern.
Bei den Salesianern werden die Frauen woanders ausgebildet als die Männer. Der Orden, mit dem wir im Ausland sind, ist aber auch wesentlich größer. Die Gemeinschaft der Apax baut sich dagegen gerade erst auf. Sie haben aber tatsächlich ziemlich viele Novizen, wie Rike und mir aufgefallen ist. Ich hab sogar gezählt, aber das Ergebnis schon wieder vergessen… Na ja, ist ja auch nicht so wichtig.
Nachdem wir noch ein bisschen geschnackt haben, sämtliche Fragen beantwortet hatten und der Père kam, fuhren wir nach Hause zurück.

Ich muss sagen, ich war echt erschöpft von diesem Tag, denn er war anstrengend und voller neuer Eindrücke, aber es hat sich gelohnt. Und wir wurden eingeladen, nochmal zu kommen. Das werden wir mit Sicherheit tun.

Und schon wieder ein Blogeintrag fertig. Verrückt. Zumal ich auch schon den nächsten fast fertig habe. Manchmal gibt es nicht allzu viel zu berichten und in anderen Wochen passiert dann wieder super viel, dass es zu erzählen gibt.

Weil es mal wieder kein passendes Foto gibt, bekommt ihr unser „Zwei-Monate-in-Ruanda-Foto“
Natürlich in Sonntagsklamotten ; )

Herzlichen Dank für’s Lesen und bis nächsten Sonntag.
Liebe Grüße
Emma

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