Rike und Ruanda

Ein Listen- und Termintaktermensch in einer buhoro buhoro-Welt

Ohne Dom, ohne Ring, ävver mit vill Sunneshing

-der Titel meines obligatorischen Beitrags als Kölnerin weit weg vun Kölle während der Karnevalszeit. Ich bekomme Einiges mit, was gerade so in Köln los ist; über Freunde, Fotos, Videos und Nachrichten. So geht das Thema Fastelovend auch dieses Jahr nicht komplett an mir vorbei. Und trotz der großen Entfernung, habe ich auch hier Ohrwürmer von Karnevalsliedern, jedes Basketballauftitschen im Oratorium erinnert mich an das Intro von „Immer immer widder“ von Cat Ballou und zwischendurch sitze ich etwas frustriert vor meinem Amstel-, Mützig- oder Skolbier und überlege mir, wie mir jetzt wohl ein Kölsch schmecken würde.

Bis jetzt habe ich mich hier im Blog glaube ich gut zurück gehalten, was das Thema Köln angeht. Dafür muss ich jetzt einmal raushauen ; )

Köln und sein Lokalpatriotismus macht es einem nicht leicht, überhaupt kein Heimweh zu haben. Und so kommt es auch, dass ich vor allem nun in der Karnevalszeit öfter mal an Kölle und die ganzen lieben Menschen denke, die dort leben. Es gibt zu viele Karnevalslieder und Lieder anderer Bands aus Köln, die über die kölsche Kultur, den Karneval, die Liebe zur Stadt und dem Vermissen, wenn man mal weg ist, singen, als dass ich dadurch nicht manchmal an viele Sachen erinnert werde, die ich dort erlebt habe.

Et jitt kein wood, dad sagen könnt wat ich föhl wenn ich an Kölle denk

„Et jitt kein Wood“ – Cat Ballou

Hier muss ich Cat Ballou Recht geben. Meine momentane Gefühlslage bezüglich Köln ist echt ein großer Haufen an nicht beschreibbaren Gedanken und Gefühlen. Ich probier‘s aber trotzdem mal, einige von diesen Gedanken runterzuschreiben ; )

Es gibt viele Erinnerungen, die ich mit Köln, mit Mülheim, mit dem Karneval verbinde.

So zum Beispiel auch unseren ersten Sketch, den wir bei unserer Gemeindesitzung aufgeführt haben. Das hat mir nicht nur gezeigt, wie gerne ich eigentlich auf der Bühne stehe und in irgendeiner Weise mit dem Publikum in Kontakt trete, sondern auch, dass ich in der Lage bin, Sachen zu organisieren. Dass ich es schaffen kann, Menschen zu motivieren, Probenpläne aufzustellen, gemeinsam mit Freunden die nötigen Texte zu lernen und ein Bühnenbild zu basteln.

Dann natürlich die Karnevalszeit an sich: für mich immer eine kunterbunte Zeit mit vielen aneinander gereihten lustigen Terminen und Zeit zum Feiern mit Freunden aber auch mit völlig Fremden. Vorbereitungen in meiner alten Schule an der Thusneldastraße für den Schull- und Veedelzoch (Grüße gehen raus an die KaVo!), Proben und Planungstreffen für unsere Sketche bei den Gemeindesitzungen, Karnevalskostüme selber basteln, alle möglichen verschiedenen Karnevalssitzungen und -züge mitnehmen und die Versuche, meine Freunde in einem Wirrwarr an Jecken zu finden.

Diese Vorstellung, „bald“ wieder am Rhein zu sitzen ist dann wiederum aber auch komisch. Ich fühle mich hier in Rango wohl, habe die Kinder echt ins Herz geschlossen und unsere Salesianer und Aspiranten fast genauso dolle. Ich wusste zuerst gar nicht, was ich mit diesem Gefühl der Vertrautheit und Freude machen sollte, das mich überkam, als wir Anfang der Woche nach 2 Wochen Zwischenseminar und Ferien wieder in der Kommunität, bei uns zu Hause, angekommen sind! Mir macht die Arbeit Spaß und ich habe die Möglichkeit, eine so interessante und andere Kultur als die kölsche und deutsche kennenzulernen und entdecke immer mehr faszinierende Orte in Huye und in ganz Ruanda. Der Gedanke, dass ich mich in 6 Monaten schon wieder von diesem ganzen Abenteuer verabschieden muss, wirbelt alles in meinem Kopf so richtig durcheinander.

Da ist einerseits dieses warme Gefühl, wenn ich an meine Familie und meine Freunde denke, an das, was ich schon alles in Köln erlebt habe und was mich geprägt hat (an dieser Stelle mal ein fettes Dankeschön!).  

Und andererseits ist da das Lächeln der Kinder, wenn ich auf ihre Frage, ob ich mit ihnen spielen möchte einwillige oder der Stolz, der sich sichtbar auf ihren Gesichtern breitmacht, wenn sie etwas verstanden haben, was wir schon länger geübt haben, sie den Ball höher als je zuvor in die Luft katapultiert haben oder sie ein schweres englisches Wort aussprechen können. In diesen Momenten weiß ich auch, dass ich hier gerade richtig bin.

Da seht ihr mal, was so alles in meinem Kopf los ist ; )

Solche Gedanken kommen immer ganz unerwartet, packen und schleudern mich dann in mein „Köllejeföhl“- ein komischer Mischmasch aus Wärme, Heimat, Dankbarkeit, mit einer Stadt und den dort lebenden oder dort herkommenden Menschen so krass verbunden zu sein, aber auch mal mit nem anderen Blickwinkel: meine Distanz zu Köln lässt mich auf das ganze Gewusel auch mal anders schauen: ist der janze Driss, der während der Tage fabriziert und durch die Straßen geschleudert wird, wirklich nötig? Müssen es manche Leute so übertreiben mit dem Trinken?

Naja, auf jeden Fall kommt das Alles immer ganz plötzlich; wenn ich an einen Freund oder eine Freundin denken muss, eine Nachricht aus der Heimat bekomme oder irgendwelche Lieder höre, die mir dann in genau dem Moment doch sehr nahe gehen. Hier wäre zum Beispiel auf jeden Fall „Tommi“ von AnnenMayKantereit zu nennen. Pünktlich zum Sessionsstart am 11.11.2019, hat die ehemalige Schülerband aus Köln einfach ein Lied über Heimweh und die Verbundenheit zu Kölle rausgehauen.

Es gibt so viele Lieder, in denen darüber gesungen wird, wie toll Kölle doch ist und, dass man nie dort weg möchte. In „Tommi“ wird das mal von ner anderen Seite betrachtet. In dem Lied geht es darum, dass es gut ist, gerade weg von der Heimat zu sein- auch wenn man dadurch Heimweh bekommt- um die Welt zu erkunden und so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln. Und dann, irgendwann, wenn das genug ist, dann geht’s wieder nach Hause nach Köln, um hier „zum letzten Mal von Vorne“ an zu fangen. Meiner Meinung nach, eine schöne Aussage, die auch nicht von diesem „nur Köln, sonst nirgendwo hin“-Bild geprägt ist.

Da wo mer zesamme grossjeworde sin

Da ziehn‘ mer alle irgendwann wieder hin

Damit die Kinder die mer krieje könn

alle in Kölle jebore sin

„Tommi“- AnnenMayKantereit

Ich weiß zwar nicht, ob das genau auf mich zutrifft. Ob mein letztes Mal von Vorne Anfangen in Köln sein wird, aber es ist auf jeden Fall eine schöne Vorstellung. Das Lied spiegelt zwischendurch doch ganz gut meine Gedanken zu Köln wieder, die Lust, sich mal wieder an den Rhein zu setzten, Karnevalslieder zu schmettern oder über die Mülheimer Brücke zu fahren und dabei auf der linken Seite den Dom zu sehen. Okay, jetzt hab ich schon zu lange über ein einziges Lied geredet…Hört es euch einfach mal an!

Ich glaube, „die Sache mit Köln“ befindet sich noch im grünen Bereich. Klar, denke ich manchmal an meine Freunde und den Karneval. Wird die KaVo (das Karnevals-Vorbereitungsteam meiner alten Schule) es an der Thus schaffen, rechtzeitig alle Kostüme für den Schull- und Veedelszoch fertig zu stellen? Welche Leute sind dieses Jahr beim Lachenden Liebfrauenhaus (copyright ist mir egal, das war der ursprüngliche Name und so bleibts auch! ; ) ) aufgetreten? Wie lang muss wohl dieses Mal auf den Rosenmontagszug gewartet werden? Aber wie gesagt, auch hier gibt es genügend Sachen, die mich beschäftigen, die mir Freude machen und die mich hier wohl fühlen lassen.

Wieso ihr hier bei einem Auslandsfreiwilligenblog rumlungert und statt krasser, authentischer und neuer Erfahrungen aus Ruanda dieses Gedankjedöns zu Köln lest, fragt ihr euch? – Naja, weil das dazu gehört. Durch die Konfrontation hier mit einer für mich ganz anderen und neuen Kultur, muss ich einfach auch oft an die Sachen denken, die ich schon erlebt und für selbstverständlich gehalten habe.

Nun bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als Emma (die nicht ganz versteht, was gerade mit mir los ist ; ) hab dich aber trotzdem lieb!)  mit Karnevalsliedern zu nerven und ihr dieses Köln-Gefühl zu erklären (die Wise Guys waren so nett und haben das mit dem Erklären mit „Weil ich ein Kölner bin“ auch schon mal versucht- schaut bei meiner Playlist vorbei!), in meinem Zimmer meine Karnevalsplaylist so richtig auf zu drehen und zu versuchen, den Brüdern zu erklären, was Kölsch ist und inwiefern das anders schmeckt als ihr heißgeliebtes SKOL….

Nein Spaß, ein Jahr kann ich wohl auch ohne Köln und den Karneval auskommen. In der Zwischenzeit gibt es hier ja auch mega viel zu erleben, zu sehen, zu entdecken, zu spielen, zu helfen, zu unterrichten und zu lernen. Und dafür bin ich definitiv dankbar. Ich werde nun bald meinen eigenen Französischkurs starten, den ich auf Englisch einmal die Woche während der Oratoriumszeit halten werde. Das Englischunterrichten in der TVET School fängt nun langsam auch richtig an  und mit dem (Straßen-)Kinderprojekt „Ejo Heza“ jeden Samstag haben wir auch so Einiges zu tun. Emma und Ich gehen immer mehr in den Sportarten hier auf und können so langsam unsere erlernet Basketball- und Volleyballskills raushauen und Ich entdecke immer mehr interessante Wege und Ecken auf meinen nun hoffentlich zur Routine werdenden Joggingrouten. Außerdem werden jetzt die ganzen Ideen, Anstöße und Perspektiven, die wir vom Zwischenseminar mitgenommen haben, angegangen und umgesetzt.

In diesem Sinne:

Murabeho und Kölle Alaaf

Rike

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interessante choses, komische choses, lustige choses

  1. Avatar

    Ute

    Liebe Rike,
    Karneval kannst du nächstes Jahr wieder feiern, das läuft nicht weg 🙂 Aber ich kann dich sehr gut verstehen. Allerdings erlebst du jetzt etwas ganz Einmaliges. Vielen Dank, dass du uns daran teilhaben lässt. Vielen Dank auf für deine Karte, die heute angekommen ist. Viele liebe Grüße
    Ute, Anne und Guido.

  2. Avatar

    Sabine

    Liebe Rike, es ist so schön, deine Gedanken zu lesen! Ich denke viel an dich und drück dich! Deine Sabine

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