Ein Jahr in Mansa, Sambia.

"Wenn du mutig genug bist 'Lebewohl' zu sagen, wird das Leben dich mit einem neuen 'Hallo' belohnen." (Paulo Coelho)

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„Let’s go to the market“

Ich mache mich auf den Weg, gegen 10 Uhr, denn dann ist es noch nicht so heiß. Kaum trete ich auf die Straße raus höre ich die ersten Kinder meinen Namen rufen -ich begegne zwei Jungs aus dem Oratorium und ein Lachen macht sich auf meinem Gesicht breit.

Gefolgt von den Stimmen der Kinder die aus allen Ecken „Muzungu, Muzungu!“ und „How are you?“ rufen laufe ich die Straße Richtung Markt entlang.

Drei Frauen begrüßen mich auf Bemba: „Mwashibukeni“ (Guten Morgen) – „Eya mukwai (allgemeine Antwort auf Begrüßungen, eine Art förmliche Bestätigung). „Mulishani?“ (Wie geht es Dir?) – „Bwino“ (Gut). Und gemeinsam müssen wir lachen als ich die weiteren Fragen leider nicht beantworten kann und lediglich mit einem Schulterzucken und einem Lachen reagiere.

Am nächsten Gate dann: „Katharina, good morning! Where are you going?“ -Eines der Chormitglieder (hatte ich erwähnt dass ich dem English Choir der Gemeinde beigetreten bin?) ist ebenfalls auf dem Weg zum Markt und bietet mir an mich mit dem Auto mitzunehmen. Eigentlich unnötig da es nur wenige Minuten zu Fuß sind aber es ist eine nette Geste und so steige ich ein. Natürlich erkundigt er sich was ich inzwischen auf Bemba sagen kann.

An der Hauptstraße angekommen sind es nur noch wenige Meter. Überall verkaufen Frauen Tomaten, Zwiebeln und Kohl. An anderen Tagen ist der Weg von Musik begleitet. Überall sitzen Djs vor den Läden und lassen die aktuellen Hits aus den Boxen dröhnen. Heute gibt es keinen Strom und somit auch keine musikalische Untermalung.

Vorbei an der Ecke mit den Taxi-Fahrern die mir ihre Dienste anbieten und versuchen mich mit ihrem sehr charmanten „Hey Baby, how are you? Come, Come!“ in ein Gespräch zu verwickeln betrete ich rechter Hand das Markt-Gebäude. Nach kurzem Small-Talk und Fragen ob ich nicht auch noch Kohl kaufen möchte habe ich was ich benötige und mache mich auf den Rückweg. Wenn man hier etwas kauft, zum Beispielt Tomaten, bekommen man übrigens immer noch ein paar Tomaten kostenlos dazu. Eine schöne Geste wie ich finde.

Anders als in Deutschland wird man hier immer wieder von Menschen begrüßt und nach dem Befinden gefragt und ich weiß jetzt schon dass es mir fehlen wird wenn ich zurück bin.

Es sind diese kleinen Begegnungen die mich immer wieder mit Glück erfüllen. Wie ein Fass voller Freude welches überschwappt. Es ist das gleiche Gefühl welches ich bei der Ankunft am Flughafen spürte.

Fast zu Hause angekommen begegne ich einem weiteren vertrauten Gesicht. Ein junger Mann welcher das Oratorium besucht und außerdem für Father Antonio arbeitet steht am Straßenrand. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und ich freue mich ihn zu sehen. Auf dem Arm hält er seine drei Monate alte Nichte und anstatt zu weinen als ich sie begrüße, wie es so häufig bei kleinen Kindern hier passiert wenn sie eine weiße Person erblicken, lächelt sie und hält meine Hand ganz fest um anschließend minutenlang an meinem Finger zu saugen. Es ist unglaublich wie so ein kleiner Wurm schon so viel Kraft aufbringen kann.

Erfüllt von Freude komme ich zurück und bin bereit für den Tag.

Voller Sicherheit kann ich nun sagen: Ich bin angekommen.

Bis bald,

Eure Katharina.

Übrigens: Da ich bereits einige Male den Stromausfall erwähnt habe. Sambia wird durch Wasserkraft versorgt welche vor Allem im Süden des Landes erzeugt wird. Da wir uns aber am Ende der Trockenzeit befinden ist dementsprechend auch der Wasserspiegel niedrig und der Strom wird täglich für mehrere Stunden abgestellt. Für jeden Stadtteil gibt es hierfür einen Plan auf welchen man sich mehr oder weniger gut verlassen kann.

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Thema von Anders Norén.