Ein Jahr in Mansa, Sambia.

"Wenn du mutig genug bist 'Lebewohl' zu sagen, wird das Leben dich mit einem neuen 'Hallo' belohnen." (Paulo Coelho)

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Freiwilligendienst mit 26?

Im letzten Eintrag versprach ich mehr von meinen Eindrücken und Erlebnissen der ersten Wochen sowie der Arbeit im Oratorium zu erzählen. Das habe ich auch nicht vergessen und werde es euch nicht all zu lang schuldig bleiben.

Doch ich habe in den letzten Tagen vermehrt gespürt dass es ein anderes Thema ist welches ich mit euch teilen möchte.

Jetzt noch ein FSJ?“ oder auch: „Katharina, willst du nicht mal arbeiten?“

Gern gefolgt von Fragen und Vorträgen zur Rente, meinem Leben allgemein oder auch simplen Vorurteilen und Zuschreibungen welche von „verantwortungslos“ bis „faul“ reichten.

Aber auch mutig hat man mich genannt. (Was für mich zugegeben witzig ist da das was viele meiner Freunde derzeit machen: sich ein Leben aufbauen, Haus kaufen, Familie gründen, für mich viel mutiger erscheint.)

Was mich antreibt

Um näher auf das Thema einzugehen ist es wohl von Nöten kurz etwas über mich zu erzählen. Einen kleinen Einblick erhaltet ihr bereits auf der Seite „Das bin ich“.

Meine bisherige Biographie kann man wohl kaum als klassisch bezeichnen. Ich habe das Fachabitur Gestaltung gemacht, dann Soziale Arbeit studiert, inklusive Praktikum in Ghana und bin nach meinem einjährigen Anerkennungsjahr für 5 Monate in Afrika gewesen. Dann ging die Jobsuche los. Bevor ich meinen letzten Job fand entschied ich mich für einen Freiwilligendienst im Ausland.

Warum? Zunächst habe ich mein Herz bereits 2014 an Afrika verloren, bin aber allgemein an verschiedenen Ländern, Kulturen und deren Lebensweisen interessiert. Auch glaube ich dass Auslandserfahrungen nicht nur mich persönlich bereichern sondern ebenso die Menschen welchen ich begegne, aber auch meine Mitmenschen zu Hause.

Denn es ist doch so, nicht jede*n zieht es in die Ferne. Und nicht jede*r hat die Möglichkeiten und ich bin mir bewusst dass mir viele Privilegien die Tür hierfür öffnen.

It’s time for parents to teach young peaople early on that in diversity there is beauty and there is strength“

-Es ist Zeit für Eltern jungen Menschen früh beizubringen dass in Vielfalt Schönheit und Stärke liegt-

(Maya Angelou)

Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und das nicht erst seit gestern. Nein, auch nicht erst seit 2015 als das Thema Flucht und Migration durch viele in Europa ankommende Menschen vermehrt in den Fokus gerückt ist.

Leider sind die Medien vor Allem durch negative Berichte geprägt. Dies schürt Angst und Unsicherheit. Doch wo ist der Raum für die unendlichen Möglichkeiten die sich ergeben?

Es ist ein Thema das mir sehr am Herzen liegt und über welches allein ich wahrscheinlich einen gesamten Blog verfassen könnte. Nicht zuletzt durch meine Arbeit mit unbegleiteten Minderjährigen Geflüchteten und Familien habe ich in Deutschland einen Eindruck der Lebenswelten erhalten und bin nicht selten verzweifelt und mit einem Gefühl der Ohnmacht nach Hause gekommen.

Ich wünsche mir dass wir das Potenzial in den Unterschieden erkennen, aber auch die Gemeinsamkeiten nicht vergessen sodass sich ein schönes und bereicherndes Miteinander ergeben kann.

Das Land Afrika

Natürlich handelt es sich bei Afrika um kein Land sondern einen Kontinent mit über 50 Ländern sowie einer unermesslichen kulturellen und sprachlichen Vielfalt. Erinnere ich mich an meinen Geschichtsunterricht zurück haben wir jedoch über Afrika lediglich in Verbindung mit Sklavenhandel gesprochen. Und auch ansonsten sind die Verknüpfungen meist negativ behaftet. Fragt euch selbst, welche Bilder euch als erstes in den Kopf kommen. Ich persönlich habe unglaublich schöne Erfahrungen auf diesem Kontinent machen und wundervolle Menschen kennenlernen dürfen. Es ist mir daher natürlich ein Anliegen das negativ geprägte Bild dieses Kontinents zu verändern.

Freiwilligendienst nach dem Studium?

Es war für mich eine recht spontane Entscheidung mich für den Freiwilligendienst zu bewerben denn wie viele von euch wahrscheinlich auch dachte ich immer, dass diese Tür nur Leuten offen steht die gerade ihre Schule beendet haben. Dann fand ich heraus, dass die Altersbegrenzung bei 28 liegt. Das war im Dezember und Don Bosco Volunteers hatte die Bewerbungsfrist bis Ende Dezember verlängert.

Diese unglaubliche Chance musste ich ergreifen.

Ja, ich verstehe die Zukunftsgedanken, die Ängste und Bedenken bezüglich Arbeit und späterer Rente. Hierzu möchte ich vor Allem zwei Dinge sagen

  1. An die Zukunft denken ist wichtig und wer mich kennt weiß, dass ich kein Mensch bin der nur in den Tag hinein lebt. Doch ebenso weiß niemand was der morgige Tag bereit hält und ob man ihn erleben wird. Es klingt wie eine Floskel doch es ist MEIN Leben welches ich für unbestimmte Zeit auf dieser Erde verbringe und nur ich muss, oder darf, dieses leben. Nur ich kann für mich entscheiden was mich glücklich macht. Was mich bereichert. Wonach ich strebe. Was mein Sinn ist.
  2. Es mag planlos erscheinen, nach Spaß und einem lockeren Leben ohne Gedanken an morgen. Doch ich weiß, dass ich beruflich in einem interkulturellen Kontext tätig sein möchte. Hierfür ist es nicht nur erforderlich, dass ich nach meiner Rückkehr ein Masterstudium absolviere sondern auch ausreichend Auslandserfahrung mitbringe. Doch gar nicht so Gedankenlos, oder?

Ich wünsche mir, für mich, aber auch für alle die sich vielleicht für einen ähnlichen Weg entscheiden: Sorgen sind normal und sie bedeuten, dass man den Menschen etwas bedeutet. Auch Unverständnis und Fragen sind natürlich. Doch bitte, fragt und versucht die Beweggründe zu verstehen bevor ihr Urteilt.

Und falls Du mit dem Gedanken spielst einen ähnlichen Weg einzuschlagen: Sei mutig Deinen eigenen Weg zu finden und ihn zu beschreiten. Er ist abseits der Hauptstraße gelegen? -so what?!

Fazit

Neben meinen persönlichen Interessen und beruflichen Beweggründen glaube ich dass Reisen uns näher zusammenbringt. Aber auch für die „zu Hause gebliebenen“ können die Eindrücke eine Bereicherung sein. Ein Freund und Sozialarbeiter den ich vor drei Jahren in Togo traf sagte auf die Frage, was er von Freiwilligen in Afrika halte:

„Ich glaube es ist eine gute Sache, denn sie werden wieder in ihre Länder zurück gehen und das Bild Afrikas dort verändern.“

Es ist für mich ein sehr persönlicher Beitrag in welchem ich, obwohl er nun so lang geworden ist, viele Themen angerissen habe die mir am Herzen liegen. Auf einige davon werde ich im laufe des Jahres sicherlich noch näher eingehen.

Meine erste Amtshandlung in meinem Zimmer. So habe ich (fast alle) meine Lieben auch in der Ferne immer bei mir.

Zum Schluss möchte ich meine Familie und Freunde nicht unerwähnt lassen denn es könnte so rüber kommen als hätten sie mir Steine in den Weg gelegt. Dem ist jedoch ganz und gar nicht so und ich bin unfassbar dankbar Menschen an meiner Seite zu haben denen mein Glück am Herzen liegen, die mich auf meinem Weg unterstützen und auffangen wenn ich falle.

Übrigens

Ihr könnt euch noch bis zum 31.Oktober bei Don Bosco Volunteers für einen Freiwilligendienst im Ausland bewerben. http://www.donboscovolunteers.de

Und für alle die es nicht erwarten können mehr von unserem Leben in Mansa zu erfahren empfehle ich den Blog meines Mitvolontärs Gregor der außerordentlich fleißig neue Einträge verfasst.

Bis bald, dann auch mit Geschichten und Fotos aus Mansa.

Eure Katharina

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Thema von Anders Norén.