In meinem ersten Monat hier in Mansa waren wir schon ein paar mal in der Stadt essen. Die Gründe dafür sind verschieden: Beim ersten mal wurden Daniel und ich willkommen geheißen, ein anderes mal fehlte der Strom zum Kochen und manchmal hat ein Pater einfach Lust auf ein Bier.

Eine schöne Bar, in der es Bier aus dem Kühlschrank und Hühnchen vom Grill gibt, gehört zu den Favoriten der Patres. Die Bar ist meistens gut besucht. Man sitzt draußen, aus den Boxen dröhnt Popmusik und auf den Fernsehern laufen verschiedene Sportarten.

An diesem Ort haben wir schon zum zweiten mal einen ziemlich betrunkenen Mann getroffen, der sich als Zahnarzt in einer örtlichen Klinik vorgestellt hat. Ob das stimmt weiß ich nicht, doch offensichtlich kommt er öfter in die besagte Bar. Nachdem er uns gefragt hat wo wir herkommen, macht er uns wie viele der Leute hier Komplimente, er schätzt die Zielstrebigkeit und Disziplin die wir Deutschen im Leben hätten. Das würde vielen Leuten hier fehlen.

Als Daniel kurz seine Familie zurück ruft, ist er begeistert von der Idee, dass Daniel mit seiner Freundin spricht. Ich erkläre ihm, dass er nur mit seiner Familie telefoniert, doch er lässt sich nicht von seiner Meinung abbringen. „Unsere Frauen wollen unsere ganze Zeit in Anspruch nehmen“, erklärt er mir.

Der Mann verabschiedet sich höflich, sagt dass er uns nicht länger stören wolle und verlässt unseren Tisch, nur um ein paar Minuten später wieder zu kommen. Dieses mal hat er eine interessante Theorie für uns: „Warum sterben die meisten Menschen nachts?“. Ich sage ihm, dass ich keine Ahnung habe.

„Die Bäume produzieren Sauerstoff, den wir zum atmen brauchen“

„Richtig, so wie alle grünen Pflanzen“, antworte ich ihm.

„Aber nur tagsüber. Nachts atmen die Bäume wie Tiere und Menschen, wie du und ich“

„Auch das stimmt“

„Also, warum sterben die meisten Menschen nachts?“

Ich muss lachen. „Ich bezweifle sehr, dass das der Grund ist“

„Aber die meisten Menschen sterben nachts, das könnt ihr nachprüfen. Da könnt ihr jede Statistik fragen, in jedem Krankenhaus!“

„Das kann ja sein, aber bestimmt nicht weil die Bäume nachts den Sauerstoff weg atmen. In Deutschland haben wir ein halbes Jahr ohne grüne Pflanzen, deswegen stirbt dort keiner.“

„Warum sterben die Menschen denn nachts? Dafür muss es einen Grund geben!“

„Ich weiß es nicht“

„Die Bäume atmen nachts Sauerstoff. Das habe ich im Studium gelernt“

„Ja, aber…“

Er lässt sich von uns nicht überzeugen. Irgendwann verlässt er unseren Tisch wieder.

Als er später zurückkommt, beklagt er sich über seine Frau. Sie würde darauf achten, für was zu Hause das Geld ausgegeben würde. „So und so viel für Miete, so viel für Essen, so und so viel für andere Sachen. Verstehst du?“ „Ja“, antworte ich ihm. Er fährt fort: „Ich, ich mag einfach Alkohol. Warum mischen sich die Frauen da ein? Warum müssen sie alles kontrollieren?“. „Weil du sonst das gesamte Geld für Alkohol ausgeben würdest“, gebe ich die offensichtliche Antwort. Er lacht, auch ich muss lachen, er streitet es nicht ab.