Hallo!
Schön, dass DU meinen heutigen Beitrag liest! Das DU dabei bist, darüber freue ich mich wirklich sehr : ) Herzlich Willkommen!
Am Mittwoch vor einer Woche, also am 20.11. waren wir morgens mit Père Jean-Pierre bei den „Petites Soeurs“, um dort mit den zwei der drei Schwestern Gottesdienst zu feiern. Sonntag ging es dann nach Save, wie ich schon in meinem letzten Beitrag angekündigt habe. Ein ganz anderes Geschehen. Und von meinen Erfahrungen an diesen beiden Tagen möchte ich dir heute erzählen.

Petites Soeurs

Bisher hieß es immer, wir könnten nicht mit zu den Schwestern, denn sie hätten nicht genug Platz für Besucher.
Beim Abendessen am Dienstag Abend wurden wir dann aber auf einmal von Jean-Pierre gefragt, ob wir ihn nicht am nächsten Tag begleiten wollen würden. Na klar, warum auch nicht?! Eventuell müssten wir im Salon sitzen, meinte er. Okay…? Was heißt das jetzt? Werden wir schon sehen, dachten wir uns.

Und so ging es Mittwoch morgen um sechs nicht in die Kapelle, sondern eine Straße entlang und in ein Viertel, das wir noch nicht kannten. Mittlerweile waren wir da mal spazieren und wissen jetzt, was dort so abgeht ; ) Wir kamen an lauter klitzekleinen Häuschen vorbei und in eins davon gingen wir rein. Damit habe ich nicht gerechnet. Das Haus hatte keinen Zaun, keine Mauer, kein Tor und war insgesamt echt klein und süß. Ganz anders als alle Häuser von Kommunitäten, in denen wir bisher waren.

Beim Reinkommen wurde uns klar, WIE klein das Haus tatsächlich ist. Wir kamen in einen kleinen Raum, in dem vorne ein niedriger Tisch mit Bank und Hocker standen und hinten nochmal ein höherer runder Tisch mit drei Holzstühlen. Damit war der Raum auch quasi schon voll. Es gab rechts zwei Türen, gegenüber eine und hinter uns die Haustür. Links gab’s auch noch einen Durchgang.
Die Kapelle war ein kleiner Raum, in dem vier Stühle, ein mini-kleiner Altar und ein Tischchen mit Tabernakel drauf standen. Für uns wurde noch ein fünfter Stuhl in den Raum gestellt. Damit war es aber nicht mehr möglich, durch zu gehen. Die Nachbarin, die manchmal mittwochs zum Gottesdienst kommt, saß vor der Tür im Salon.

Rike saß am Fenster und konnte in den schönen Garten der Schwestern schauen. Ich saß an der Wand auf der anderen Seite des Raumes – und trotzdem saßen wir gefühlt halb nebeneinander : )
Während der gesamten Feier wurde sehr leise gesprochen. In dem kleinen Raum ist auch nichts anderes nötig, es war sehr angenehm. Ganz ruhig und klein.

Nach der Messe luden uns die beiden Schwestern ein, dass nächste Mal mit ihnen einen Kaffee zu trinken. Wir müssten uns nur vorher anmelden.
Das machen wir bestimmt mal. Die Frauen sehen wir morgens immer, wenn wir in die Paroisse gehen. Da feiern sie nämlich an jedem Tag, der nicht mit -g endet Eucharistie ; )

Save

Sonntag ging es dann nach Save zusammen mit Père Léon. Dort wohnt eine deutsche Schwester, die uns eingeladen hatte, sie und ihre Mitschwestern zu besuchen und mit ihnen zu frühstücken. Da sagen Rike und ich sicher nicht nein! Frühstück ist immer eine gute Idee.
Gut nur, dass wir schon zugesagt hatten, bevor Père Léon uns mitteilte, wann es für uns SONNTAG losgehen sollte. Um 5.45 Uhr wollte er starten! Ahhhh, mein geliebter Sonntag! Der einzige Tag zum Gammeln und Ausschlafen, da läuft er…
Egal, ab und zu geht das auch mal. Rike musste sich zwar ein bisschen Gezeter meinerseits anhören, aber als wir dann erstmal unterwegs waren, wurde es besser.

Die Sonne morgens um kurz vor sechs bei mir aus dem Fenster.
Bei dem Licht steht man doch gleich viel lieber zu dieser nicht humanen Zeit auf : )

Willkommen bei den Gefängnis-Schwestern

Angekommen warnte unserer Pater uns vor. Der Gottesdienst wurde in der Kapelle der „Soeurs Visitandine“ gefeiert. Der eine oder die andere denkt sich jetzt bestimmt: „Visitandine kommt bestimmt von visiter und das heißt besuchen.“ Ja, aber nein. Punkt. Früher war es wohl tatsächlich so, dass die Schwestern die Armen, Bedürftigen und Kranken besucht haben. Heute aber leben sie völlig zurückgezogen ohne viel Kontakt zu anderen Menschen.

Die Kapelle ist L-förmig. Auf der einen Seite vom L sitzen die Schwestern (blau umrandet), dann kommt ein Zaun mit Törchen. In dem Punkt, wo sich die beiden Balken schneiden, ist der Altarraum (grüne Markierungen). Im anderen Balken sitzen die Besucher (rosa umrandet).

Meine wunderschöne Skizze.
Ich hoffe, du wirst schlau draus : )

Man kann die Schwestern nicht sehen, außer man steht im Altarraum oder geht an den Altarraum, quasi an die vordere rosa Linie, um die Kommunion zu empfangen. Père Léon meinte schon im Auto, wir sollen mal um Ecke schauen, wenn wir nach vorne gehen. Haben wir auch gemacht. Die Schwestern tragen lange schwarze Gewändern und zwischen Kinn und Hals ist weißer Stoff. Auf dem Kopf tragen sie weiße oder schwarze Hauben. Man sieht von ihnen nichts außer dem Gesicht.

Außerhalb des Geländes sieht man die Schwestern wohl nur, wenn sie krank sind und zum Arzt müssen oder Holz kaufen. Sie sind aber eigentlich Selbstversorger.
Essen sieht man die Frauen nicht. Es ist ihnen untersagt, in der Gesellschaft von anderen zu essen. Père Léon frühstückt sonntags nach der Messe dort – alleine und vor einem Zaun. Denn auch das gehört zum Leben der Schwestern Visitandine. Egal, wer sie besuchen kommt, zwischen ihnen steht ein Zaun.
Wenn Père Léon mit einer der Schwestern spricht, dann sitzt er auf der einen Seite des schwarzen Zauns, der mit etwa bis zur Schulter reicht. Die Schwester sitzt auf der anderen Seite. Man kann durch den Zaun durchschauen, aber es trennen einen dicke Metallstangen vom Gegenüber. Gleiches gilt übrigens auch für Familienbesuche. Es ist also weder möglich, die Eltern zu umarmen noch sie bis zum Tor zu begleiten.

Zu Besuch

Nach der ein-einhalb-stündigen Messe liefen wir mit der deutschen Schwester und ihrer Mitschwester zum Wohnhaus. Dort bekamen wir eine kurze Führung über das Gelände und dann ging es durch die Küche in den Speiseraum, wo an einem Tisch acht Plätze gedeckt waren. Auf diesem Tisch standen so leckere Sachen – da hat die Emma sich aber gefreut : ) Es gab Wurst von den Tieren der Schwestern, Quark, Butter und Marmelade, alles selbst gemacht. Käse und einen Toaster hatten die Frauen auch. Halleluja, damit wurde das frühe Aufstehen für die Messe aber locker wieder gut gemacht.

Wir wurden eingeladen, mal bei den Schwestern zu schlafen, mit ihnen zu tanzen und zu essen. Da freuen wir uns schon drauf. Das wird bestimmt lustig ; )

Welcome Vacances

Sonntag Nachmittag fand dann bei uns im Oratorium die große „Welcome Vacances“ Party statt. Ja ja, ich weiß. Das ist frenglisch, aber es ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Schwöre!
Jedenfalls sollte das Spektakel ursprünglich draußen stattfinden, aber der Regen ließ den Plan ins Wasser fallen – wortwörtlich hihihi ; ). Also wurde schnell alles im Grand Salle aufgebaut und die Kinder und Jugendlichen kamen rein gelaufen. Alle setzten sich auf die Bänke und warteten gespannt auf das Programm.

Für die Stimmung war es besser, dass wir drinnen waren, denn so wirkte der Applaus lauter als draußen. Und das konnten wir dringend gebrauchen, denn irgendwie war die Motivation und die Bereitschaft zum Feiern nicht gerade überragend. Auf die Bühne sind nur ganz wenige freiwillig gegangen und Stimmung und den Applaus haben hauptsächlich die Novizen, der Moderator und wir fabriziert.

Zum Schluss wurde dann Platz geschaffen und in der letzten halben Stunde tanzten alle Kinder vorne wild durcheinander. Das war ein heilloses Chaos, aber durchaus schön anzuschauen. Um sechs haben wir sie dann rausgeschmissen, die Bänke wieder an den Wänden gestapelt und die Technik weggeräumt. Damit war das Fest auch schon zu Ende. Es war echt laut zwischendurch, immer unruhig, auch wenn andere aufgetreten sind, aber na ja. Das ist wohl so, wenn viele junge Menschen in einem Raum sind und das Programm, sagen wir mal, nicht ganz so stramm ist.

Heute sind wir auf einer Hochzeit, von der ich euch dann nächste Woche berichten werde. Da gibt’s dann auch wieder passende Fotos, aber es ist ein bisschen schwierig, von einem Kloster, scheuen Schwestern oder in einem Raum voller Kinder, Fotos zu machen. Darum hab ich diese Woche leider nur ein einziges. Ich gelobe Besserung ; )

So, das soll’s auch gewesen sein von mir – zumindest für diese Woche.
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Wir hören uns nächstes Wochenende wieder : )

Bis dahin
Deine Emma