Ich melde mich mal wieder aus dem immer regnerischer werdenden Bolivien. Die letzten zwei Wochen waren durch verschiedenste Feiertage und Feste geprägt, hier mal ein kleiner Einblick. Begonnen hat alles mit dem „día de la gratitud“, also dem Tag der Dankbarkeit. Zu diesem Anlass gab es einen großen Gottesdienst, zu dem alle Kinder der verschiedenen Projekte hier gekommen sind.

Danach gab es verschiedene Tanzaufführungen, unsere Jungs aus dem Hogar haben als Clowns verkleidet einen Tanz zu dem Lied „La vida es una fiesta“ (Das Leben ist ein Fest) aufgeführt, für den sie die letzten Wochen auch schon fleißig geprobt hatten.

Tanzende Clowns

Nur eine Woche später gab es erneut einen Anlass zu Festlichkeiten, diesmal war es der 27. Geburtstag des Hogars Don Bosco, der am 1. November gefeiert wurde. Den ganzen Tag über fanden verschiedene Spiele statt, und abends gab es neben einem Festessen inklusive riesiger Geburtstagstorte auch noch eine Talentshow. Es war ein richtig cooler Tag, da sowohl bei den Kindern als auch bei den Erziehern eine ausgelassene Stimmung herrschte. Wir Volontäre haben dabei zusammen mit den Erziehern mehr oder weniger spontan einen Tanz aufgeführt. Obwohl wir ihn nur einmal geprobt hatten, hat es erstaunlich gut funktioniert :).

Ein ganz besonderes Fest war ein Tag später der „día de los muertos“, also der Tag der Toten, an dem wir mit allen Kindern des Projekts einen Ausflug zum Friedhof gemacht haben. Obwohl ich mir vor dem Ausflug nicht wirklich vorstellen konnte, was dort passieren wird, hatte ich ganz bestimmt nicht die Menschenmassen erwartet, die wir bei unserer Ankunft schon von Weitem gesehen haben. Vor dem Friedhof war eine Art Jahrmarkt mit Riesenrad und vielen Essensbuden aufgebaut. Auf dem Friedhof haben wir dann zuerst eine kleine Messe gefeiert, und anschließend sind die Kinder über den Friedhof gelaufen, um an den Gräber für die Verstorbenen zu beten. Im Austausch dafür haben sie Süßigkeiten oder Gebäck von den Angehörigen bekommen, das ich brav für die Kinder in einem Müllsack gesammelt hat. Auch wenn mir diese Tradition am Anfang ein bisschen befremdlich vorkam, war es doch sehr interessant, ein Stück mehr von der Kultur hier zu sehen.

Auf dem Weg zum Friedhof

Beten an den Gräbern

Hier reiht sich also im Moment wirklich eine Feier an die nächste, es ist immer wieder schön solche besonderen Tage mitzuerleben und mit den Kindern zu verbringen. In einer Woche beginnen dann auch schon die Sommerferien, die von allen Jungs sehnsüchtig erwartet werden.
Viele Grüße und bis bald,

Antonia