Anna in Bolivien

meine Zeit in Santa Cruz

Tag ein, Tag aus

Alltag – ein Wort, das sich für mich, wenn ich zum Beispiel an den Alltag meiner Schulzeit zurückdenke, eher langweilig anhört. Nach einem Monat hier in Bolivien weiß ich aber, dass das gar nicht der Fall sein muss. Denn auch hier hat sich bei mir so langsam mein Alltag eingestellt. Ich weiß mittlerweile, was ich auf der Arbeit zu tun habe, habe mich an meine Arbeitszeiten und die Temperaturen gewöhnt und muss nicht mehr jedes Mal staunen, wenn ich über unseren Markt laufe. Trotzdem wird mir hier nicht langweilig, weil es jeden Tag etwas Neues zu entdecken, zu lernen oder zu erleben gibt.

Der Kleinste unserer Jungs 🙂

Zusammen mit Charli arbeite ich von Montag bis Donnerstag von 14 bis 21 Uhr mit der jüngeren Hälfte unserer Jungen, die 5-12 Jahre alt sind.

Den freien Vormittag gut zu nutzen ist nicht ganz leicht, wenn man weiß, dass niemand einen daran hindern kann, so lange zu schlafen wie man will. Mittlerweile bekommen wir das jedoch schon ziemlich gut hin! Meistens schlafe ich ungefähr bis halb 8, stehe dann auf, dusche mich und mache mir mit den anderen ein leckeres Frühstück. Da wir direkt neben einem großen Markt wohnen, gehen wir dafür auch manchmal davor noch frisches Obst oder eine Avocado einkaufen.
Im Anschluss daran haben wir Zeit Dinge wie Einkaufen, Waschen, Tagebuch schreiben, Kochen usw. zu erledigen. Das ein oder andere Mal machen wir einen kleinen Abstecher in die Stadt oder lassen die Minuten einfach an uns vorbeistreifen um zu entspannen.

Auf dem Weg zum Hogar

Später machen wir uns auf den Weg ins Hogar. Es ist nur ein kurzer Fußmarsch, meistens sind wir jedoch ein bisschen spät dran, so dass wir uns beeilen müssen… 😀

Die Arbeit
14:00-17:45 Uhr:
Wenn wir ankommen, sind die meisten Kinder noch in der Schule, die bis 18 Uhr geht. Eine Hand voll Jungs sind jedoch im Hogar, da sie entweder noch nicht zur Schule gehen oder vormittags Unterricht haben. Unsere Aufgabe ist es, uns um sie zu kümmern und sie zu beschäftigen. Wir basteln, machen Armbändchen, spielen Fußball oder haben einfach nur so Spaß zusammen.

Wir beim Basteln eines Memories

In dieser Zeit fällt auch an manchen Tagen das Sortieren der Kleidung an. Jedes Kleidungsstück ist mit einem Namen beschriftet und diese gilt es zuzuteilen. Am Anfang war es wirklich etwas kompliziert, aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, es fällt uns schon viel leichter und die Jungs gehen uns auch gerne mal zur Hand – da macht das Ganze gleich doppelt so viel Spaß!

 

Das Endergebnis 

17:45-19:00 Uhr:
Da die Jungs um 18 Uhr Schule-Aus haben, gehen wir alle zusammen um Viertel vor sechs los, um sie abzuholen. Sind alle eingesammelt, geht es für uns in Richtung Dormitorios (die Schlafräume der Jungs), da die Schulkleidung aus und Alltagskleidung angezogen werden muss. Direkt danach gibt es bis 19 Uhr eine Aktivität für die Kinder. Jeden Tag steht etwas anderes auf dem Plan – ob Sport treiben, spielen, Film schauen oder Rosenkranz beten. Hier haben wir auch die Möglichkeit, uns selbst etwas Kreatives einfallen zu lassen, was wir dann alle zusammen machen können!

Der Essenssaal

19:00-20:00 Uhr:
Ertönt die Klingel um sieben Uhr, gibt es endlich das lang ersehnte Abendessen. Dabei helfe ich beim Austeilen des Essens und Abräumen des Tisches, an dem ich immer mit 7 Jungs zusammen esse. Nach dem Essen ist kurz Zeit noch ein wenig zu toben und zu quatschen.

20:00-21:00 Uhr
Dann geht es für die Jungs auch schon ab unter die Dusche. Für mich bedeutet das, jedem Jungen einen Klecks Shampoo auf den Kopf zu geben und zu schauen, dass sie unter der Dusche keinen Quatsch machen! Nach dem Duschen geht es früher oder später ab ins Bett, was natürlich nicht immer freiwillig geschieht. Wir lesen noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor und gehen dann von Dormitorio zu Dormitorio, um noch mit den Jungs zu reden, ein kurzes Gebet zu sprechen oder von kleinen Armen erdrückt zu werden und schließlich um den Jungs Gute Nacht zu sagen. Dieser Teil des Abends ist immer besonders schön.

Im Dunkeln machen wir uns auf den Weg nach Hause, wo wir noch mit unseren Mitvolontären den restlichen Abend verbringen können, bevor wir ins Bett fallen!
Freitags ist unser freier Tag, den wir alle zusammen genießen dürfen. Wir machen Ausflüge, fahren in die Stadt, backen und kochen oder entspannen einfach einen ganzen Tag. Das braucht man auch mal! 🙂

Über das Wochenende werde ich in einem anderen Blogeintrag schreiben. Da die Kinder dort keine Schule haben, läuft an diesen Tagen alles etwas anders ab!

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Überblick darüber geben, was ich hier den ganzen Tag so mache!

Ganz liebe Grüße aus Bolivien

Eure Anna

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10 kleine Momente

  1. Venera Herschel

    Liebe Anna,
    obwohl wir dich Zuhause sehr vermissen und du eine große Lücke hinterlassen hast, freuen wir uns immer wieder sehr, wenn wir hören, lesen und sehen wie gut du dich eingelebt hast, wie sehr dich die Arbeit mit den Kindern erfüllt und wie gut ihr euer neues eigenständiges Leben in der Gemeinschaft meistert 🙂
    Wir denken ganz fest an dich!
    Mama & Papa

  2. Andrea u. Fabian

    Liebe Anabdieses schönen Blog-Beitrag, der in der Tat einen schönen Überblick über den Tagesablauf, aber auch über die Freuden und Herausforderungen gibt.

    Gottes reichen Segen!
    Andrea und Fabian

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