Helloooo, also ich weiß ja nicht wie es euch geht aber ich finde die letzten Monat gehen viel zu schnell vorbei! Der Mai war nicht sonderlich ereignisreich, das hält mich aber natürlich nicht davon ab eure Unterhaltung des Tages zu sein! Naja aber damit dieser Blogeintrag zumindest ein paar spannende informationen enthält, habe ich Mai und Juni zusammengefasst.
Schulabschluss
Da ich öfter gefragt werde, was mit den Jungs passiert, sobald sie die Schule abschließen, versuche ich es anhand dieses Beispiels zu erklären:
Einer der Jungs hat vor kurzem seinen Schulabschluss gemacht und ist alt genug um aus dem Caring Center auszuziehen.
In der Mongolei ist der Wehrdienst verpflichtend. Soweit ich es aber verstanden habe, kann dieser jedoch aufgeteilt werden damit man ihn mit dem Studium vereinbaren kann.
(Wenn euch das ganze Thema brennend Interessiert könnt ihr hier nochmal nachlesen.)
Dieser Junge hat also seinen Wehrdienst zumindest schon teilweise absolviert und fängt nach dem Sommer mit seinem Studium an. Währenddessen hat er die Möglichkeit bei seiner Schwester zu wohnen, und er darf das Caring Center noch ab und zu besuchen. Ganz auf sich allein gestellt sind die Jungs nicht direkt, da die Mitarbeiter die ersten drei Jahre noch Kontakt halten dürfen und einmal im Jahr einen Kontrollbesuch machen.
Natürlich ist jede Situation unterschiedlich, aber ich, aber ich hoffe ich konnte alle fragen beantworten.
Für alle anderen hieß das Ende des Schuljahres allerdings, Prüfungen zu schreiben, und da meine Mathekenntnisse genauso fantastisch sind wie mein Mongolisch war ich keine große Hilfe.
Also habe ich den Mai eigentlich nur damit verbracht, bei den Vorbereitungen für ein Spendendinner zu helfen. Dafür mussten die Jungs tanzen und singen lernen, und Lizi und ich haben Bilder gemalt, die wir dann verkaufen konnten. Äh, Ich meine natürlich: Die Jungs haben gemalt und wir haben assistiert.
Bei dem Verkauf haben dann Lizi und ich geholfen. Dabei habe ich sogar ein ganz neues talent entdeckt: Br. Andrew dinge andrehen, die er weder will noch braucht, und dann auch noch Geld dafür verlangen.

Sehenswürdigkeiten
Für Lizi und mich war der Mai wirklich ziemlich langweilig. Da wir unsere Zeit aber nicht nur mit Serien schauen, Kuchen backen und Mongolisch lernen verbringen wollten, haben wir uns endlich daran gemacht, einige Dinge zu besichtigen, die man hier „unbedingt gesehen haben muss“.
Meiner Meinung nach lohnt es sich auf jeden Fall, zur Reiterstatue zu fahren. Allerdings finde ich, dass es sich nicht unbedingt lohnt, noch einmal extra zu bezahlen, nur um die Chingis-Khaan-Statue aus nächster Nähe zu sehen. Der Ausblick ist zwar sehr schön, aber der zusätzliche Eintritt ist meiner Meinung nach nicht nötig.
Wir wollten uns aber auch das Chinggis Khaan National Museum anschauen, was mit Sicherheit noch spannender ist, wenn man Mongolisch kann oder ein Handy hat. Es lohnt sich aber trotzdem, da viel auf Englisch übersetzt ist, aber eben nicht alles.
Und auch diesmal dachten Lizi und ich, dass es sich voll lohnt, extra zu bezahlen, und man bestimmt etwas lernen kann, wenn man eine weitere Chinggis-Khaan-Statue, aber diesmal in gold, sieht. Ähm ja, also es ist sehr beeindruckend, aber man kann es sich sparen.
Am Ende steht ihr in diesem Raum und erörtert, ob ihr schon wieder gehen könnt oder ob ihr noch ein bisschen länger die Luft atmen müsst, damit sich der Aufpreis auch lohnt.
(Bilder machen kostet übrigens auch extra, weshalb ihr leider selber googeln müsst wie diese statue aussieht.)


Sommerferien in Shuvuu
Bevor die Sommerferien angefangen haben, sind wir mit den Jungs für einen Tag aufs Land gefahren, um Kartoffeln zu pflanzen. Ich meine, die nächsten Volos müssen ja auch beschäftigt werden. Nicht, dass denen langweilig wird.
Die Jungs verbringen ihre Ferien auf dem Land, und da der Weg zwischen einer und vier Stunden dauern kann, haben wir hier eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen, in der wir unter der Woche wohnen.
Hier gibt es zwar keine Heizung, aber man könnte meinen, dass das im Sommer auch nicht nötig ist … ES SEI DENN, ES WIRD GANZ SPONTAN WIEDER KALT!!!!!
Ja, also Lizi und ich haben uns die letzten drei Tage fröhlich den Allerwertesten abgefroren, aber es wird wieder besser.
An warmen Tagen verbringen die Jungs aber auch ganz viel Zeit damit, zu gärtnern, Fahrrad zu fahren oder Fußball zu spielen. Wir haben auch ganz in der Nähe einen richtigen Fußballplatz, auf dem die Kinder abends manchmal zusammen mit den Brüdern spielen.
Die sehen zwar unschuldig aus, aber der Schein täuscht. Ich dachte nämlich am Anfang, ich kann ja keinen 80-jährigen Priester umrennen, nur um an den Ball zu kommen, aber dann zieht der mich einfach ab als hätte er sein leben lang nix anders gemacht.
Lizi und ich haben auch damit angefangen, den Jungs Gruppenspiele beizubringen, und jetzt werde ich auch noch von einem Haufen Kinder regelmäßig über das ganze Grundstück gejagt. Manchmal sind die dann auch so nett und sagen mir, dass ich ganz schön schnell bin, was mit Sicherheit als Kompliment gemeint ist, aber ich wurde trotzdem von einem Achtjährigen gefangen.



Die Zeit vergeht zu schnell
Unsere Beziehung zu den Kindern wird immer besser, da wir die Sprache langsam können und wirklich von morgens bis abends fünf Tage die Woche auf einem Haufen sitzen. Das macht den Gedanken daran, dass ich in zwei Monaten wieder in Deutschland sitze, aber nicht unbedingt einfacher.
Ganz besonders schwer fällt es mir, die Jungs darauf vorzubereiten, dass wir nicht für immer da sind. Gerade als wir das erste Mal erwähnt haben, dass wir gehen, haben die Jungs zuerst gefragt, ob wir Urlaub machen, und bei der genaueren Erklärung meinte der Jüngste nur: „болохгүй“ (bolokhgüi), was so viel heißt wie: „Du solltest nicht/ Du darfst nicht“
Sonst versuchen wir den Jungs auch ganz oft zu sagen, dass wir bald gehen und dass es neue Volos gibt, aber wenn die Jungs dann Dinge sagen wie: „Би чамайг маш их санана“ (Bi chamaig mash ikh sanana), was bedeutet: „Ich werde dich sehr vermissen“, oder „Та заримдаа ирэх үү?“ (Ta zarimdaa irekh üü?), was bedeutet: „Kommst du uns manchmal noch besuchen?“, will ich eigentlich alle meine Pläne über Bord werfen und als Englischlehrer für immer hier bleiben.
Auch die Beziehung zu den Brüdern wird immer besser. Es ist ein bisschen so, als würde man bei fünf Onkeln wohnen, die einem unbedingt etwas beibringen wollen, aber zwei von ihnen machen sich immer über alle anderen Anwesenden lustig, einer hat das unstillbare Verlangen, uns irgendetwas über unser eigenes Land zu erklären, einer hört sich das Ganze an und der fünfte ist eigentlich nur körperlich anwesend. Und in der Mitte sitzen Lizi und ich und können eigentlich nur lachen.
Gehen lassen wollen die Brüder uns aber auch nicht und ihre Methoden, um uns hier zu behalten, sind wirklich kreativ. Br. Andrews Ansatz ist zum Beispiel, uns dauerhaft zu erzählen, dass wir überhaupt nicht gearbeitet haben und die ganze Zeit nur im Urlaub waren und deswegen noch drei Monate länger bleiben müssen.
Oder um es in den Worten von Fr. Paul zu sagen: „Give me your passport, I will give it back when the time is right.“ (Gebt mir euren Reisepass, Ich gebe ihn zurück wenn die richtige zeit gekommen ist.)
Jetzt ist aber auch wieder gut mit dem ganzen Drama, ich hab ja auch noch zwei Monate Zeit, um mich von Kindern für blöd verkaufen zu lassen, und wir haben nur noch einen Urlaub vor uns. Sonst wird unsere restliche Zeit hier den Kindern gewidmet.


Damit wir aber nicht mit einem so traurigen Thema abschließen, habe ich endlich wieder eine Weisheit von Fr. Paul für euch:
„Just because you like it, doesn’t mean that it’s good for you.“
(Nur weil du etwas magst, heißt das nicht, dass es auch gut für dich ist.)
Ich fand, das war eine sehr schöne Weisheit, die man auf viele Lebenssituationen beziehen kann. Er zum Beispiel hat Chicken Nuggets, Reis und den Leib Christi in dieser Predigt verglichen, aber wenn man das ignoriert, ist das ein sehr weiser Ratschlag.
Soooo, das war’s von mir für diesen Monat. Ich melde mich vielleicht oder eher nicht in vier Wochen wieder.
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