Helloooo, im Januar ist viel passiert, also wird das hier ein etwas längerer Beitrag als normalerweise. 🙂

Nein ich freue mich nicht über -40°C

Als wir angekommen sind wurde mir erzählt das es ein verhältnismässig warmer Winter werden könnte, EISKALT BELOGEN HABEN DIE MICH, ICH STEH KURZ VOR DEM ERFRIERUNGSTOD!!!!!!!

Ja, es waren tatsächlich -40 °C. Jetzt fragt ihr euch zurecht, wie viele Schichten man bei sowas anzieht oder ob man einfach gar nicht das Haus verlassen soll. Meine persönliche Lieblingsmethode war es, das Haus nicht zu verlassen, aber jeder geht hier mit den Temperaturen anders um. Father Paul zum Beispiel hat mir beim Frühstück unendlich begeistert seine Wetter-App gezeigt und mir erzählt, dass die Temperaturen, seit er in der Mongolei ist, einen neuen Rekord gebrochen haben. So richtig konnte ich mich darüber ja nicht freuen.

Das war allerdings auch der kälteste Tag hier in Ulanbaatar, und seitdem wird es auch wirklich wärmer. Mit -30 °C ist es ja auch geradezu kuschelig warm, da dürfen auch mal die Heizungen ausfallen. Im Haus war es trotz strombetriebener Heizungen trotzdem so kalt, dass ich dazu übergegangen bin, mit Wolldecke arbeiten zu gehen. Mit einem von den Lehrern verstehen wir uns besonders gut, und der fand meine Aktion mit der Wolldecke auch besonders lustig. Ich bin mir sicher, sein Gedankengang war ungefähr: Ha, der Deutschen ist kalt … schwach!

Die Jungs aus dem Caring Center hatten jetzt fast den ganzen Januar Ferien. Dadurch haben wir echt viel Zeit damit verbracht, fernzusehen und irgendwelche Spiele zu spielen.

An den etwas wärmeren Tagen haben wir auch Ausflüge gemacht, wie Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren.

Solange man in Bewegung bleibt, sind die Temperaturen gar nicht so schlimm. Beim Schlittschuhlaufen habe ich den Tag damit verbracht, irgendwelche Kinder vom Boden aufzuheben und ihnen die Schuhe wieder richtig zuzubinden. Beim Schlittenfahren habe ich irgendwann angefangen, die Kinder samt Schlitten den Hügel wieder hochzuziehen. Wenn das aber nicht mehr hilft: Stutenmilch ist wirklich gut zum Aufwärmen und schmeckt dazu auch noch. Vor allem: Je öfter ich sie trinke, desto besser schmeckt sie mir.

Би багш (Bi bagsh)

Ich bin Lehrer

In der Mongolei hat vor Kurzem ein neues Halbjahr begonnen, und die Don-Bosco-Schwestern haben uns gebeten, einmal pro Woche beim Englischunterricht an ihrer Schule am Stadtrand zu helfen. Eine Woche bevor es losging, sind wir zusammen mit Father Paul zu den Schwestern gefahren. Dort hat er uns genau erklärt, wo wir aussteigen müssen und in welche Busse wir jeweils umsteigen sollen. Ich war natürlich überzeugt, dass das überhaupt kein Problem wird … Ich muss ja nur einmal umsteigen.

Alle, die mich kennen, zweifeln auch jetzt zurecht an mir. Natürlich habe ich es nicht geschafft, an der richtigen Haltestelle auszusteigen, und natürlich war ich über eine Stunde zu spät.

Ich bin insgesamt dreimal falsch ausgestiegen und jedes Mal eine Station weitergelaufen, in der Überzeugung, dass ich auf gar keinen Fall schon wieder falsch liege. Ja, äh, doch. Aber immerhin habe ich es zur Arbeit geschafft – ohne einen Nervenzusammenbruch.

Davon abgesehen war der Tag eigentlich ganz gut. Ich habe es dann auch geschafft, den richtigen Bus zurückzunehmen. Ich glaube aber, am meisten Spaß an dieser Aktion hatte Brother Andrew. Am Anfang hat er noch so getan, als hätte er sich Sorgen gemacht – nur um mich den Rest der Woche auszulachen.

Unterrichten macht auch tatsächlich mehr spaß als ich am Anfang gedacht hätte. Ich gebe auch seit Neuestem Englischnachhilfe bei den Jungs im Caring Center. Das ist eigentlich immer ganz witzig –bis mir jemand eine frage zur Grammatik stellt. Meine Standart Antwort lautet: Ich kann dir nicht sagen wie das geht das musst du wissen. Ich weiß es jetzt nicht aber Confidence is key.

Одоо би чиний дүү (Odoo bi chini duu)

Jetzt bin ich dein kleiner bruder

Die Lieblingsbeschäftigung von den Jungs besteht aktuell darin mir die haare zu machen oder durch meine handy Galerie zu gehen. Da gibt es zwar meiner Meinung nach nix spannendes zu sehen aber wenn es sie glücklich macht von mir aus.

Meistens schauen sie sich die Bilder aus der Mongolei an oder suchen die Fotos, die ich im Projekt gemacht habe, damit sie sich gegenseitig auslachen können. Einer der Jungs fand aber mein Leben in Deutschland besonders spannend und hat bei jedem Bild gefragt, wer das ist. Bei einem Bild von mir und meinem kleinen Bruder war er besonders fasziniert. Nachdem er mir irgendwann endlich geglaubt hat, dass mein kleiner Bruder wirklich größer ist als ich, hat er mich angesehen, mir seinen Arm um die Schulter gelegt und gesagt: „Jetzt bin ich dein kleiner Bruder“.

Gerade wegen der großen Sprachbarriere ist das Frustpotenzial oft hoch. Solche Momente erinnern mich an schlechten Tagen daran, dass mein Verhältnis zu den Jungs trotzdem nicht darunter leidet.

Das don bosco fest

Am 31. Januar ist der Don-Bosco-Tag. Dieser wird hier zweimal gefeiert: einmal gemeinsam mit der Schule und dem Day Caring Center und einmal mit der Community und dem Caring Center in Schovo.

Bei der Veranstaltung in der Schule haben viele Schüler*innen etwas vorgetragen und getanzt. Außerdem haben die Klassen, die dort eine Ausbildung zur Schneider*in machen, eine Modenschau organisiert, um ihre Arbeit vorzustellen.

Da Lizzi und ich von den Schülern jeweils einen Deel bekommen haben, mussten wir auch mitlaufen. Ich sag’s mal so: Model werde ich mit Sicherheit nicht mehr in diesem Leben.

Ich habe das Ganze auch nur überlebt, weil ich zwanzig kleine Fans in der ersten Reihe hatte, die mich von Anfang bis Ende angefeuert haben.

    Es gab auch diverse Preisverleihungen für verschiedene Sportarten und eine Verlosung. Außerdem gab es einen Wettbewerb, bei dem die Teilnehmenden Gruppen ein Poster von Don Bosco machen mussten. Ich würde ja jetzt gerne behaupten, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mehr als zehn Minuten in mein Bild investiert – aber das wäre gelogen. Zum Glück kann Lizzi richtig gut malen und hat dafür gesorgt, dass das Caring Center trotzdem gewinnt.

    Beim Fest mit der Community sind wir früh morgens losgefahren, um in den Gottesdienst zu gehen. Der war auf Mongolisch, also habe ich nichts verstanden, aber er war trotzdem richtig schön. Am Ende wurde sogar noch jemand getauft, was für die Mission natürlich etwas ganz Besonderes ist.

    Die Feier an sich war aber nicht so spannend. Ich fand die Fahrt zurück eigentlich viel lustiger. Wir haben Musik gehört und ich habe meine Handschuhe und meinen Schal an diejenigen verliehen, die ihre Sachen verloren hatten.

    Би монгол хэл мэдэхгүй (Bi mongol hel medekhgui)

    Ich kann kein Mongolisch

    Seid fast vier Monaten lerne ich jetzt mongolisch, und so ganz langsam mache ich Fortschritte. Ich mein abgesehen von meiner mongolisch Lehrerin die nerven aus stahl besitzt hab ich auch die besten Mongolisch Nachhilfe Lehrer die man sich wünschen kann.

    Ich benutze zwar immer die gleichen drei Wörter, aber das reicht anscheinend. Einer von den Jüngeren hat mich vor kurzem gefragt, seit wann ich denn Mongolisch kann. Ich kann zwar kein Mongolisch, aber immerhin wissen die Jungs, wie sie mir helfen können, die Motivation aufrechtzuerhalten.