Hellooooo, euch interessiert ja bestimmt nichts mehr als mein Zwischenseminar, der darauffolgende Urlaub und mein Leben in einer Ordensgemeinschaft! Genau darum geht es also in diesem Blogeintrag – und auch um den Fakt, dass ich bald zurück nach Deutschland komme.
Aber ich fange mal vorne an.
Zwischenseminar
Ich hatte Anfang April mein Zwischenseminar. Kurz vor dem Abflugdatum haben wir unseren Flug gebucht und sind über Kasachstan nach Kirgisistan geflogen. In Bischkek angekommen, wurden wir erstmal von einem Taxifahrer abgezogen – nicht der beste Start, aber im Nachhinein find ich es trotzdem lustig.
Mein persönliches Highlight war fast schon, dass es warm und grün war. Ich habe nämlich in den letzten sieben Monaten fast vergessen, dass +20 Grad und grüne Wiesen tatsächlich existieren und kein Mythos sind. Crazy, ich weiß!
Schon am Tag nach unserer Ankunft sind wir direkt an den Issykul gefahren (der See, an dem das Seminar stattfand) und haben die anderen Volos kennengelernt, die ebenfalls in Zentralasien ihr Auslandsjahr machen. Es war super schön, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen machen wie ich. Viele Themen kannte ich zwar schon aus den Vorbereitungsseminaren, aber ich konnte trotzdem einiges mitnehmen.
Unsere Freizeit vor Ort haben wir natürlich auch sinnvoll genutzt – ich meine, der See war ja nicht nur zur Dekoration da. Und wenn es schon kuschelige 20 Grad und Sonne hat, kann man ja auch schwimmen gehen. Es war saukalt! Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich beim ersten Mal etwas daraus gelernt hätte, also habe ich das Ganze direkt ein zweites Mal getestet. Es war tatsächlich immer noch saukalt!
Wir hatten auch zwei geplante Ausflüge: einmal wandern in den Bergen und einen Nachmittag im Fairytale Canyon, wo wir frei herumlaufen und nach Belieben auf Felsen klettern durften. Sogar ich bin auf irgendeinen Felsen geklettert – und habe es direkt bereut. Oben angekommen, mit Abgrund rechts und links, fand ich die Idee beschissen. Und was macht man in so einer Situation? Genau – durch den ganzen Canyon nach Felicitas schreien und verkünden, dass man jetzt sterben muss und nie wieder runterkommt. Sie fand das unglaublich lustig und lacht mich bis heute aus, wenn das Thema aufkommt.
Ich würde sagen: Wiederholungsbedarf besteht trotzdem. Egal wie dumm ich mich anstelle – am Ende haben immer alle etwas zu lachen.




Urlaub
Nach dem Zwischenseminar sind wir gemeinsam zurück nach Bischkek gefahren und mussten uns abends von einigen Volos verabschieden, die am nächsten Tag zu einer Reittour aufgebrochen sind. Wir sind noch einen Tag länger geblieben, haben uns fröhlich auf dem Osch-Basar verlaufen und viel zu viel Geld ausgegeben.
Aber jetzt zu der absolut lustigsten – und vielleicht auch dümmsten – Aktion
Wir haben natürlich auch eine Pferdetour gemacht. Vor Ort wurden wir eingewiesen, dass der Weg vor allem im Frühling super gefährlich ist und eigentlich nicht für Anfänger geeignet. Naja… ich habe das einfach ganz entspannt ausgeblendet.
Als es dann zur Pferdeverteilung kam, wurden wir gefragt, wer sich das „bekloppte“ Pferd zutraut. Ähm ja – natürlich habe ich mich gemeldet. Und ich durfte auch ziemlich schnell feststellen, dass es wirklich ein beklopptes Pferd war.
Abgesehen davon, dass wir einigen äußerst gruseligen Steinen ausweichen mussten und bloß niemand zu nah kommen durfte, lief es aber eigentlich ganz gut. Am zweiten Tag sind wir allerdings gleichzeitig mit einer anderen Gruppe gestartet – und wie sage ich das freundlich…. deren Lautstärke hat sehr deutlich gemacht, wie wenig Ahnung sie von Fluchttieren haben.
Dementsprechend gut gelaunt war dann auch mein Pferd. Sobald die Gruppe weg war, lief aber wieder alles entspannt und wir sind gut durchgekommen.
Den Rest des Tages haben wir am Songkul verbracht.
Beim Abendessen haben sich die Tourguides allerdings keine Mühe gegeben, den Rückweg ungefährlich darzustellen. Es ging einen ziemlich steilen, schmalen Weg hinunter, der zusätzlich noch mit Schnee bedeckt war. Meine ernst gemeinte Frage, ob ich nicht einfach absteigen und laufen kann, wurde nur belächelt- Frech!
Ich war eigentlich noch recht zuversichtlich – bis zur Plastiktüte des Grauens. Ich war ungefähr eine halbe Sekunde unkonzentriert, und in dieser Zeit wurden wir von einer lebensgefährlichen Tüte attackiert. Mein Pferd ist durchgegangen und hat zusätzlich noch versucht, mich abzuwerfen.
Ich bin nicht gefallen – und konnte das Ganze fünf Sekunden später schon nicht mehr ernst nehmen.
Im Nachhinein ist die ganze Situation auch ziemlich lustig, und ich konnte sogar mit dem Guide, der mich retten wollte, noch drüber lachen.
Nach dieser Nahtoderfahrung dachte ich: Zweimal passiert das bestimmt nicht am selben Tag. Ähm ja… An der schmalsten und rutschigsten Stelle kam uns eine andere Gruppe entgegen, und wir mussten ausweichen. Mein Pferd war an dieser Stelle vermutlich der festen Überzeugung, dass ich versuche, es umzubringen – und hat mir das bis zum Ende der Tour übel genommen.
Am selben Tag sind wir zurück nach Bischkek gefahren und haben uns von allen verabschiedet, denn für Lizi und mich ging es am nächsten Tag schon weiter nach Kasachstan. Wir hatten unsere Flüge extra so gebucht, dass wir noch einen Tag in Almaty verbringen konnten.
Aber nach diesen zwei Wochen war ich dann auch echt froh, wieder nach Hause zu kommen.

Zurück in Ulaanbaatar
Meine Freude hielt genau so lange an, bis ich gelandet bin – und es geschneit hat. Was soll das?! Ich will jetzt Sommer!
Mal ganz davon abgesehen, dass sich die -5 Grad dreimal so kalt angefühlt haben, nachdem es zwei Wochen lang immer über 15 Grad waren. Father Paul fand das natürlich sehr lustig und hat seinen Lieblingsspruch ausgepackt: „Welcome to Mongolia.“ Dem kann man auch einfach nicht erklären, dass es kalt ist – der freut sich ja sogar über -42 Grad.
Am meisten habe ich mich natürlich gefreut, die Jungs wiederzusehen, die die letzten zwei Wochen damit verbracht haben, Father Paul zu fragen, wo wir eigentlich sind und wann wir wiederkommen. Zuhören üben wir noch.
Nur noch vier Monate
Im Seminar ist uns schmerzlich bewusst geworden, dass schon über die Hälfte unserer Zeit vorbei ist. Das ist ein sooo komisches Gefühl. Als wir dann auch noch die Nachricht bekommen haben, dass unsere Flüge langsam gebucht werden, wurde es erst richtig real.
Den Jungs bringen wir jetzt langsam bei, dass wir nicht für immer hier sind und bald wieder nach Hause müssen. Heute habe ich es dem ersten erzählt – und als er mich gefragt hat, wie lange wir in Deutschland bleiben und wann wir wieder in die Mongolei kommen, ist mir erst richtig klar geworden, wie unvorbereitet ich auf den Abschied bin.
Aber jetzt geht es erstmal darum, die verbleibende Zeit zu nutzen und jede Sekunde mit den Jungs wertzuschätzen.
Wir haben auch schon in der Gemeinschaft erzählt, dass wir bald gehen. Und natürlich kann ich euch Father Pauls Meinung nicht vorenthalten:
„Don’t worry! Give me your passport, I will give it back when the time is right!“
(Macht euch keine Sorgen! Gebt mir euren Reisepass, ich gebe ihn zurück, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.)
Diesmal gibt es aber keine Worte der Weisheit von Father Paul – nicht, dass sie ihm ausgehen.
Dafür habe ich ein anderes, sehr wichtiges Zitat für euch:
„No rice, no food.“ (Father Paul)
Ich weiß – lebensverändernd.


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