Nachdem ich jetzt vor kurzem zwei Wochen im Süden Afrikas unterwegs war, möchte ich heute mal die Gelegenheit nutzen, um Euch von dem zu berichten was ich außerhalb der Mauern des Projekts bisher so erlebt habe. Nachdem ich bereits mit den Vätern zusammen verschiedene Dörfer unserer Gemeinde besucht hatte, kam ich Anfang Dezember zu Beginn der zweimonatigen Schulferien das erste Mal richtig raus.

Nach der Einweihungsfeier unseres Solarausbildungszentrums, das von der österreichischen Regierung gesponsort worden war, fuhren Simon und ich zusammen mit der zuständigen Enwicklungsarbeiterin und einigen anderen weit in den Norden Ugandas an die Grenze zum Südsudan. Dort liegt in Palabek eins der größten UN-Flüchtlingslager Ostafrikas, in dem circa 50000 Menschen leben. Die allermeisten von ihnen stammen aus dem Südsudan und sind bereits vor vielen Jahren vor dem dort herrschenden Krieg zwischen Rebellen und Regierungstreuen geflohen. Für mich persönlich war es eine extrem neue und intensive Erfahrung zu sehen, wie Tausende und Abertausende von Menschen ihrer Zukunft beraubt unter einfachsten Bedingungen leben müssen und das alles nur, weil in ihrem Land andere Menschen meinen sich bekriegen zu müssen. In dem Lager betreiben die Salesianer Schulen und ein Ausbildungszentrum sowie mehrere Gemeinden. Grund für diese stadtähnlichen Strukturen im Camp ist, dass es bisher leider immer noch keine Aussicht auf Frieden gibt und die Menschen deshalb wissen, dass sie wahrscheinlich noch einige Jahre in Uganda verbringen werden müssen. Gerade deshalb finde ich es bemerkenswert und wichtig, dass in dieser „Übergangszeit“ von vielen Hilfsorganisationen und eben auch den Salesianern ein umfassendes, wenn auch nicht ausreichendes kostenloses Bildungs- und Gesundheitssystem zur Verfügung gestellt wird.
Nach diesem prägenden und auch nicht ganz erholenden Trip kamen wir dann erstmal zurück ins Projekt, wo wir ein paar Wochen im ruhigen Ferienalltag Bombos verbrachten. Als nächstes brachen wir dann vor circa einem Monat auf, um zwei andere Don-Bosco-Volos im Nachbarland Ruanda zu besuchen: Emma und Rike. Abgesehen davon dass ich mich riesig darüber freute die beiden wiederzusehen, da wir uns ja schon von unseren gemeinsamen Vorbereitungsseminaren kannten, war es für mich sehr aufschlussreich mal den Alltag und die Arbeit anderer Freiwilliger kennenzulernen. Da Simon und ich in Bombo bis zu dem Zeitpunkt oft mit einer fehlenden Struktur unserer Aufgabenzuteilung und dem Fehlen eines festen Arbeitsalltags zu kämpfen hatten, fanden wir es sehr hilfreich uns von den beiden ein paar Aufgabenbereiche und Ideen abgucken zu können. Außerdem war es einfach superjeil mal auf ne andere Jecke zu treffen und mit ihr zusammen unser Heimweh durch gemeinsames Grölen von kölschen Liedern zu therapieren (die Rike kütt nämlich uch us Kölle), danke Rike!
Nachdem wir dann nach zwei wunderschönen Wochen zurück waren, die Feiertage und die folgenden vier Wochen wieder ohne besondere Vorkommnisse in Bombo verbracht hatten stand, wunderbarerweise pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres, unser Zwischenseminar in Zambia an (wer auch immer das auf diesen Termin gelegt hat, zu dem ich mich bereits seit zwei Monaten auf die Rückkehr der Schüler gefreut hatte: dankeschön!). Trotz des unglücklichen Timings wurde es aber ein sehr intensives Seminar, das mir persönlich extrem dabei geholfen hat mal über die erste Hälfte meines Freiwilligendienstes nachzudenken und zu reflektieren. Es tat einfach gut, all die anderen Volos wiederzusehen, sich austauschen zu können und Pläne für die nun anbrechende zweite Halbzeit zu schmieden. Wie gut organisiert und durchdacht diese Woche war, wurde mir dabei erst im Nachhhinein so richtig bewusst, und ich bin dem Team echt dankbar für die positive Zeit! Anschließend reisten wir dann zusammen als Truppe noch eine weitere Woche durch Zambia und Botswana, wo wir unter anderem die Victoriafälle bestaunten und eine zweitägige Safari machten.

So kam es dann auch dass ich an meinem 19ten Geburtstag das erste Mal in meinem Leben wilde Tiere aus der Nähe sah- Elefanten, Nilpferde, Giraffen, Paviane, Krokodile… Während dieser Woche habe ich unfassbar schöne Naturphänomene bestaunen dürfen und ich glaube, dass ich mir keinen schöneren Geburtstag hätte wünschen können.
Tja, liebe Leute, jetzt bin ich wieder in Bombo zurück. Ich bin vor genau einer Woche voller Optimismus und Tatendrang in die zweite Halbzeit meines Jahres gestartet. Schon die erste war unglaublich intensiv, lehrreich, aufregend und bereichernd. Mittlerweile bin ich eingelebter, kenne einiges von Land und Leuten, verstehe bereits einiges von der Sprache und fühle mich wohl. Ich bin unendlich gespannt was der zweite Teil meiner Schatzsuche (ich hoffe, Ihr erinnert Euch!) mit sich bringen wird und freue mich dann, nach einem Jahr voller bunter Pyramiden wieder in die Heimat zurückzukehren.
Muweereh Bulungi un ne schöne Fastelovendszick! Euer Tim