Notre semaine

Herzlich Willkommen zu dieser Wochenbeschreibung und viel Spaß beim Lesen!

Gegen halb neun geht es los zum morgendlichen Marsch zur Baracke, die sich auf dem großen Markt Ouando befindet. Zu Beginn besteht die Straße aus Sand und eine Art Ton und man kann gemütlich zwischen hupenden Motos und den kleinen Boutiquen entlanglaufen.

Warum hupen Motos?

Es ist eher unüblich, dass die Beniner irgendwo zu Fuß hinlaufen und zwei Weiße wollen bestimmt gefahren werden, deshalb kann man sie ja einfach mal anhupen. Zwischen den Boutiquen, die alles Mögliche verkaufen, verstecken sich kleine offene Bars, in denen zu jeder Uhrzeit zum Tanzen einladende Musik läuft. Außerdem findet man viele verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Frisör, Schreinerei oder Schneiderei am Straßenrand. Das coole daran ist, dass man quasi live dabei ist, da diese Ausbildungen alle offen sind und oft auf dem „Bürgersteig“ gearbeitet wird.

Nicht zu vergessen sind die Tankstellen mit Reparatur nebenan.

Wie sieht eine Tankstelle aus?

Voilà eine Tankstelle

Viele verschiedene Größen von Glasflaschen mit einer klaren gelben Flüssigkeit stehen aneinandergereiht auf einem Holztischchen, daneben hängt ein Trichter mit Schlauch. Folgen wir unserem Arbeitsweg sind auch die kleinen Stände mit dampfenden Töpfen auffällig die sich überall befinden. Hier gibt es oft Reis mit irgendeiner Soße, oder auf dem Feuer neben dem Stand wird irgendwas gekocht oder gebraten, das geht von Maiskolben bis hin zu kleinen runden Kuchen (Beignets). Morgens sitzen hier immer ganz viele Beniner auf Bänken zusammen und genießen ihr Frühstück. Mittlerweile kennt man uns auch schon und an ein paar kleinen Läden und Ständen wird sich freundlich gegrüßt und ein wenig über den Tag ausgetauscht.

Bei der Hälfte dieser endlos langen Straße verwandelt sich der kaminrote Weg in Pflastersein und kommt man zum Ende der Straße trifft man auf eine Baustelle. Klingt zwar nicht so toll, ist es aber, denn diese Baustelle ist für Fahrzeuge gesperrt, jedoch nicht für Fußgänger. Es geht also weiter bis wir am Markt ankommen, auf dem es wirklich fast alles zu kaufen gibt.

Wie lange diese Baustelle noch besteht, wissen wir nicht…

La baraque au marché

Die Baracke öffnet von 09:00 bis 17:00 Uhr, samstags nur vormittags und sonntags ist sie geschlossen. Wenn wir ankommen gibt es erstmal das „Mot du jour“ (Wort des Tages), und es wird manchmal schnell durchgewischt und ein bisschen saubergemacht. Man weiß nie, welche Kids wann anzutreffen sind, denn die Baracke ist für alle Kinder da. Manche kommen jeden Tag, da sie auf der Straße leben, andere nicht so regelmäßig, da sie arbeiten müssen und ab und zu vorbeischauen oder aber eine Pause brauchen. Deshalb wird hier auch ganz viel gespielt. Tischkicker geht immer aber auch Klatschspiele, einfache Kartenspiele und alles was Spaß macht. Getanzt und gesungen wird auch an manchen Tagen und dabei darf die Tam-Tam nicht fehlen. Außerdem gibt es an zwei bis drei Tagen in der Woche verschiedene Themen, Ratschläge und Fragen, die besprochen werden, wie zum Beispiel am internationalen Welthändewaschtag (15.10.) die Körperhygiene in den Vordergrund gerückt wurden. Auch gebastelt und gemalt wird vormittags oft und wir versuchen jeden Tag ein wenig Alphabetisierung, da hier kaum jemand schreiben und lesen kann.

Da sieht man mal wie wichtig Schule ist!

Le grand marché Ouando

Au Centre Magone

Um 12:30 Uhr geht es wieder zurück zum Centre Magone. Die jüngeren Jungs, die im Centre leben, besuchen die Schule auf dem Gelände und haben nur am Vormittag Unterricht. Die Älteren gehen auf das Collège außerhalb des Geländes und haben auch am Nachmittag Unterricht. Da sich hier die Ausbildungen Schweißer, Schreiner und Mechaniker befinden, ist der Weg für die Auszubildenden von hier auch nicht weit. Die Ausbildungsstätten Frisör und Vitrinenbauer liegen außerhalb vom Centre Magone.

 Mittagessen gibt es ungefähr um 13:00 Uhr und daraufhin folgt eine Sieste bis 15:00 Uhr. Für die Collègiens geht die Schule weiter und für die Jüngeren sind wir wieder zuständig, zusammen mit circa zwei Lehrern. Von 15:00 bis 17:00 Uhr werden die Unterrichtsthemen besprochen und wiederholt, Hausaufgeben gemacht und gelernt. Dies findet in zwei Klassenräumen statt, einer für die Älteren und einer für die Jüngeren. Obwohl manche Jungs in derselben Klasse sind, haben sie unterschiedliche Wissensstände deshalb ist es schwierig an jedem Tag für jeden eine Beschäftigung zu finden oder sie zum Lernen zu motivieren. Doch eine Sache kann man hierbei feststellen:

Spielend lernt man!

Nach der Lernzeit ist eine Stunde Freizeit. Und was lieben fast alle Jungs? Fußball! Aber auch tanzen, spielen, Musik und Kartenspiele kommen echt gut an. Manche Kinder gehen in dieser Zeit auch in das Atelier von dem hier lebenden katalanischen Père, in dem sie lernen können wie man Armbänder, Ketten, Ohrringe, Löffel etc. aus Naturmaterialien herstellt.

Gegen 18:00 Uhr muss der Hof gefegt werden und anschließend findet das tägliche Duschen vor dem Abendessen statt. Die Jungs müssen hier wirklich schon viel mithelfen und sind eigenverantwortlich für ihre Wäsche, die oft in dieser Zeit gewaschen wird. Beim Abendessen, gegen 20:00 Uhr, sind dann wieder alle Bewohner des Hauses versammelt. Nach dem „Mot du Soir“ (Wort des Abends) begeben sich die Collègiens zum lernen und Hausaufgaben machen in den Salle des études. Für Lea und mich heißt das:

Gehirn auf Übersetzung Englisch – Französisch einstellen

Stehen keine Schulaufgaben an, lassen wir den Tag gemütlich gemeinsam ausklingen und um 22:00 Uhr heißt es dann „Bonne Nuit“ an alle.

Besondere Tage sind Dienstagnachmittag, da es keine Lernzeit gibt, sondern nur Spielezeit, Donnerstagabend, da wir an diesem Tag für die Pères und uns kochen dürfen und Freitagnachmittag, an dem der Katechismus für die Kinder stattfindet und am 19:00 Uhr Uhr der Rosenkranz gebetet wird.

Verwackelt, aber glücklich!

Das Wochenende

Samstag vormittags ist Putztag und das ganze Haus wird durchgeschrubbt. Was ein Glück, das Lea und ich samstags frei haben, um die Gegend zu erkunden oder uns mit den zwei lieben Volontärinnen aus Cotonou zu treffen. Wobei man auch sagen muss, dass Putzen mit der richtigen Musik und Stimmung voll viel Spaß macht…

Den Nachmittag haben die Bewohner im Centre frei und der Fernsehraum ist geöffnet, ein wahres Highlight für alle hier, da das wirklich nur am Wochenende der Fall ist.

Sonntags um 09:00 Uhr findet der Gottesdienst in der Kirche auf dem Gelände statt und jeder Gottesdienst lohnt sich allein wegen dem Chor, der immer in Begleitung von Trommeln, Rasseln und Geklatsche von der ganzen Gemeinde ist. Außerdem sieht man hier immer die wunderschönsten bunten Klamotten mit den verschiedensten Stoffen, die man bewundern kann, wenn man dann doch die französische Predigt nicht versteht. Danach ist immer viel los, weil alle noch lange verweilen, bei dem Stand von der Farm einkaufen oder aber in die Chorprobe gehen, so wie wir.

Am Nachmittag soll von 15:00 Uhr bis abends das Oratorium stattfinden, bei dem Basketball, Volleyball, Fußball, Tanzen und Basteln angeboten wird. Für das Basteln sind Lea und ich zuständig. Durch ständigen Regen, der sich immer den Sonntag ausgesucht hat, ist das bis jetzt noch nicht passiert, aber die Sportgruppen waren trotzdem schon jeden Sonntag da.

Abends gibt es dann das große gemeinsame Essen mit allen Bewohnern aus dem Centre Magone. Zurzeit sind das um die 50 Leute:

18 Schüler (10 – 17 Jahre), 8 Auszubildende (18 und älter), ungefähr 16 Pränovizen, die von einem Père und einem Frère ausgebildet werden, drei weitere Pères und ein weiterer Frère, Lea und ich, oftmals plus irgendwelche Gäste…

Gekocht wird immer über dem offenen Feuer und am Wochenende von den Jungs.

Quand tu mange le riz, tu ris!

So das ist unsere Woche, wobei jede Woche ein bisschen anders ist und die oben beschriebenen Zeiten nicht immer eingehalten werden. Wenn man eine Verabredung zu einer bestimmten Uhrzeit hat, kann man eigentlich gleich eine halbe Stunde später hingehen und damit rechnen, dass man trotz der Verspätung noch warten muss. Hier ist alles echt entspannt.

Ça peut aller, danke fürs Vorbeischauen und eine angenehme weitere Zeit an alle!

Eure Jule

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„Doucement, doucement!“

  1. Avatar

    martin hohler

    Bonsoir mes cheres,
    vraiment, ca me plait beaucoup!
    Ich freue mich sehr von euch zu lesen und hoffe, dass es euch super gut geht. Genießt die Zeit und die Sonne, hier wirds ja solangsam echt super kalt.
    Trinkt ein Beninoise für mich mit und grüßt den Père Aurelien von mir!
    Ganz viele Grüße Martin le petit blanc

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