Ich hatte ja gesagt, dass es diesmal nicht so lange dauern soll, bis der nächste Blog veröffentlicht wird und außerdem habe ich die Weihnachtsferien noch gar nicht fertig erzählt. Deshalb geht’s jetzt weiter.

Wir spielen Handball

Etwa fünf Minuten Fußweg vom Jungsfoyer entfernt gibt es einen Sportplatz. Aber nicht irgendeinen Sportplatz, sondern einen ganz besonderen. Einen, der unter anderem die Markierungen eines Handballfeldes hat. Schon als wir im Oktober zum ersten Mal daran vorbeifuhren, erwähnte ich Père Jonathan gegenüber, dass ich große Lust hätte, den Kindern diesen Sport näherzubringen.

Er hatte es nicht vergessen: Kurz vor Weihnachten kaufte er vier kleine Fußbälle, die wir als Handbälle nutzen konnten (richtige Handbälle findet man hier nicht, dafür ist dieser Sport hier nicht bekannt genug). Und am zweiten Weihnachtstag (hier ein ganz normaler Tag) durfte ich das erste Handballtraining im Foyer anleiten.

Da das Feld mit den Markierungen besetzt war, improvisierten wir und hielten das Training im Hof des Jungsfoyers selbst ab. Wir stellten die beiden kleinen Fußballtore (tatsächlich haben sie eine gute Größe für Handballtore) auf, malten den Sechs-Meter-Kreis und die Sieben-Meter-Linie mit Kreide auf den Boden und Père Jonathan gab mir eine Trillerpfeife, die er einem der Jungs am Vortag abgenommen hatte. So war das dumme Ding wenigstens zu etwas nütze, statt uns nur das Trommelfell zu zerstören.

Beim ersten Training ging es nur um die Basics: passen, dribbeln, Torwurf. Katja half mir dankenswerterweise beim Anleiten der Kinder und auch Gladys gab sich Mühe (springen üben wir noch ;)). Spaß! Beide haben mich als Co-Trainerinnen tatkräftig unterstützt.

Am nächsten Tag war ich zunächst überhaupt nicht erbaut von der Idee, wieder Training zu geben. Das lag aber nicht am Training selbst, sondern an den Umständen. Es war nämlich Kinderweihnachten (dazu hier mehr) und aufgrund des Trainings sollte unsere Mittagspause ausfallen. Und das, obwohl wir doch sowieso schon unter massivem Schlafmangel litten!

Anpfiff

Etwas grummelig fuhren wir also ins Foyer. Dort wurden wir bereits erwartet und nach ein paar Aufwärmübungen ging es direkt los. Meine schlechte Laune war wie verflogen, ich war voll in meinem Element. Wir übten wir passen, dribbeln und Torwurf, doch diesmal fügten wir noch richtiges Angriff- und Abwehrtraining hinzu.

Und zum krönenden Abschluss spielten wir ein richtiges Spiel. Die Teams wurden eingeteilt, ich wiederholte noch einmal die Regeln und dann – Anpfiff! Es war ein wirklich schönes Spiel!!! Nicht nur vom Können (die älteren Jungs hatten bereits eine beeindruckende Ballkontrolle), sondern vor allem vom Miteinander her. Wenn ich als Schiedsrichterin pfiff, akzeptierten sie es ohne Beschwerden, beide Teams spielten auch als solche und die Großen achteten darauf, dass auch die Kleinen zum Zug kamen. Ich war wirklich stolz! Gladys und Katja waren es auch und nahmen ihre Doppelrolle als Fans und Kommentatorinnen sehr ernst.

Die restlichen Ferien haben wir noch so manches Handballspiel gespielt. Nur leider nie auf dem richtigen Feld, das war immer besetzt. Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden und es findet sich bestimmt noch ein Zeitpunkt dafür.

Übrigens wurde während der Ferien nicht nur Handball gespielt: Fußball spielen die Jungs sowieso, wann immer es geht, und Père Jonathan bot auch mehrmals Basketballtraining an. Außerdem erfreut sich „Schweinchen in der Mitte“ besonderer Beliebtheit.

Basketballtraining

Rausfeiern statt reinfeiern

Von Silvester und Neujahr werde ich nicht weiter berichten, das hat Gladys bereits ausführlich getan. Dazu hier mehr.

An dieser Stelle sei nur gesagt, dass Reinfeiern ein hier unbekanntes Konzept ist. „Rausfeiern“ kommt schon eher vor. Will heißen: Neujahr wird nicht etwa am 31. Dezember bis in den 1. Januar hinein gefeiert, sondern am Abend des 1. Januars und dann feiert man so lange, wie man eben feiert. Das kann leicht auch bis nach Mitternacht gehen. Gleiches gilt für ande

re Feste, zum Beispiel Geburtstage.

An dieses Prinzip hielten Katja, Gladys und ich uns übrigens ebenfalls, als wir am 28. Dezember Katjas Geburtstag feierten. Denn abgesehen von einem kleinen Geburtstagstanz der Mädchen haben wir an ihrem Geburtstag selbst nicht wirklich gefeiert. Erst abends machten wir es uns gemütlich, bestaunten die Sterne und quatschten noch bis tief in die Nacht hinein.

Am nächsten Tag (ein Montag und damit unser freier Tag) konnten wir ausschlafen und vor der Glotze zu Mittag essen (Frühstück fiel aus, dafür waren wir zu lange liegengeblieben). Wir hatten nämlich sturmfrei: Unsere Pères und Frères waren in Cinkassé ganz im Norden Togos bei einem Treffen aller Salesianer Togos.

Während sie also irgendwelche wichtigen Dinge besprachen, ließen wir uns von Fidèle mit Kinder-Essen (Pommes, Würstchen und Kochbananen) verwöhnen.

Ich finde ja, dass wir uns das verdient hatten. Immerhin hatten wir die Tage davor massiv Überstunden gemacht. Klar, mit den Kindern zu feiern macht total viel Spaß, aber es ist auch einfach anstrengend. Besonders für die Ohren, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier feiern ohne laute Musik und Tanz ein Ding der Unmöglichkeit ist. Grundsätzlich liebe ich die ausgelassene Stimmung, es ist so wunderbar lebendig! Doch hinterher bin ich froh um kleine Momente der Stille.

Auch den Kindern tat nach den vielen Festen die Rückkehr in den Alltag mit mehr Struktur gut.

Die Welt ist elefantastisch

Unser erster freier Tag des neuen Jahres hingegen war alles andere als alltäglich. Während die Kinder am 5. Januar wieder zur Schule gingen, machte Père Jonathan mit uns einen Ausflug in den Nationalpark von Tchamdè. „Damit Katja auch was von Karas Umgebung sieht.“

Vom Eingang des Parks wurden wir acht Kilometer mit einem Safari-Auto zu einem kleinen Gebäudekomplex gefahren. Dort wurden wir bereits von einigen Rangern erwartet. Diese erzählten uns ein bisschen über die Geschichte des Nationalparks und – viel wichtiger – über ihre beiden Elefanten. Wir erfuhren, dass es sich um zwei Elefantenkühe handelt, beide 22 Jahre alt und aus Burkina Faso stammend. Um ihren Nahrungsbedarf von täglich mindestens 150 kg pflanzlicher Materie zu decken, legen sie durchschnittlich 20 km am Tag zurück.

Endlich durften wir uns den majestätischen Tieren nähern. Genauer gesagt näherten sich die Elefanten uns. Neugierig lief die eine Elefantendame auf uns zu. Die andere inspizierte währenddessen das Auto, mit dem wir gekommen waren. Ich hatte ja gewusst, dass Elefanten ein unglaubliches Gedächtnis haben, aber dass sie sich auch Dinge über Automechanik merken, war mir neu.

Die neue Auszubildende des Automechanikers

Die andere Elefantenkuh war inzwischen bei uns angekommen. Dadurch, dass ich etwas erhöht stand, waren unsere Augen auf gleicher Höhe und keine zwanzig Zentimeter von einander entfernt. In dem Moment musste ich an meine Mama denken, denn Elefanten sind ihre absoluten Lieblingstiere. Ich wünschte, du wärst dabei gewesen, liebe Mama!

Ich bin verliebt 😍

Während wir mit dem einen Tier Fotos machten, schlich sich das andere von hinten an und erschreckte Gladys. Gladys ist zwar allgemein schreckhaft, doch die Elefantendamen liefen tatsächlich auch sehr leise – obwohl sie beide ca. 3 Tonnen (!) wiegen.

Der König der Savanne im Gefängnis

Nachdem wir eine Stunde bei den Elefanten gewesen waren, fuhren wir weiter zu den Löwen. Die taten mir allerdings ziemlich leid, denn sie waren in einem Gehege eingesperrt. Irgendwie hatte ich es mir safari-mäßiger vorgestellt und nicht so wie im Zoo.

Auf dem Rückweg waren wir uns einig: Die Löwen hätten wir uns sparen können, aber die Elefanten waren ein unvergessliches Erlebnis!

Einkaufen wie zu Hause

Am nächsten Tag machten wir uns morgens auf den Weg, um Katjas Busticket für die Rückfahrt nach Lomé zu kaufen. Außerdem wollten wir zum Supermarkt. Mein erstes Mal in einem richtigen Supermarkt in Togo (die China Mall in Lomé mit Père Jonathan, um Sachen für die Kinder zu kaufen, zählt nicht)!

Katja war etwas enttäuscht von unserem Champion (mit Abstand am meisten verbreitete Supermarktkette in Togo und der einzige Supermarkt Karas), ihr war das Angebotregal zu klein. Gladys und ich hingegen waren einfach dankbar, dass es überhaupt einen Supermarkt hier gibt. Mit Preisschildern!

Und ich musste lachen, als ich eine Aufschrift auf Niederländisch sah: „Vuilniszakken“. Da waren doch tatsächlich Müllsäcke der Colruyt-Eigenmarke. Genau die Dinger, die bei uns zu Hause unter der Spüle liegen! Ob mein Bruder die wohl bei diesem Wocheneinkauf auch auf der Liste stehen hatte?

Christus mansionem benedicat

„Stern über Bethlehem…“ summte ich den ganzen 6. Januar leise vor mich hin. Ansonsten war alles wie immer: Keine Sternsinger, keine Galette des rois… – irgendwie schade. Nicht einmal in der morgendlichen Messe wurde es angesprochen, schließlich wurde ja am Sonntag vorgefeiert, weil es hier kein Feiertag ist.

Abends hatte ich, als mich die Mädchen beim Lernen um Kreide baten, eine Idee: Sternsingen geht hier zwar nicht, aber wenigstens den Segen könnten wir doch an die Tür schreiben. Also erzählte ich nach dem Abendessen den Mädchen von unseren Traditionen für den 6. Januar und fragte sie, ob sie Lust hätten, das Haus zu segnen. „Ja!“, hieß es von ihnen. Also sprachen wir ein Gebet – wir beteten, dass die Mädchen sich nicht mehr um Nichtigkeiten streiten. Direkt nach dem Gebet gab es Streit, weil sie sich nicht entscheiden konnten, wer den Segen an die Tür schreiben sollte. So viel zu dem Thema. Wie gut, dass es genug Türen für alle gab…

Gladys und ich haben nach dem Abendessen auch noch unsere Zimmer gesegnet und damit ein Stück Heimat hierher gebracht.

Damit genug für heute und euch eine gesegnete nächste Zeit! Erzählt gerne in den Kommentaren, was bei euch gerade so los ist. Und auch über eure Spenden freue ich mich total! Spenden könnt ihr einfach über diesen Link.