Carla in Patagonien

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Vamos!

Die Aufregung am Freitag, dem 7. September 2018, als ich um 16:50 Uhr von meiner Familie zum Flughafen gebracht wurde, war – gering. Das hing vermutlich damit zusammen, dass ich zu dem Zeitpunkt und eigentlich immer noch, nicht realisieren konnte, um was für einen großen Aufbruch und Abschied es gerade ging. Ein Jahr lang würde ich in Argentinien, in der Kleinstadt Villa Regina im Norden Patagoniens, als Freiwillige arbeiten und leben. Dennoch fühlte sich der Abschied eher an, als würde ich zu einem Urlaub aufbrechen und in wenigen Wochen eh wieder vor meiner Haustür in Berlin stehen. Meiner Familie ging es da wohl ähnlich, nur meine Mutter vergoss ein Tränchen.

Eine kleine erste Aufregung verspürte ich, als mein erster Flieger in Amsterdam landete, von wo ich aus mit meiner Mitfreiwilligen Anna nach Buenos Aires weiterfliegen würde. Diese Aufregung hing wohl allerdings eher damit zusammen, dass ich nur 55 Minuten Umstiegszeit hatte, in denen einiges schiefgehen könnte. Doch ein Glück verlief alles glatt, ich fand Anna zeitig am Gate und wir stiegen zusammen in den Flieger. Dank wenig Turbulenzen und großer Müdigkeit, verging die Zeit – ja, wie im Flug^^. Hätten Anna und ich allerdings gewusst, dass zwei unserer Koffer nicht mit uns auf dem Weg nach Buenos Aires waren, hätten wir wohl nicht so entspannt schlafen können. So Allerdings mussten wir am Flughafen Ezeiza nach Stillstand der Gepäckbänder feststellen, dass Anna ihr großer Koffer und mir mein großer Wanderrucksack fehlte. Nachdem wir uns an eine wirklich freundliche Dame, die für das Gepäck von KLM zuständig war, gewandt hatten, stellte sich bald heraus, dass mein Rucksack wohl noch in Amsterdam steckte und kein so schnelles Umsteigen wie ich geschafft hatte. Am Montag würde der Rucksack dann mit dem nächsten Flug aus Amsterdam ankommen. Von Annas Koffer jedoch fehlte bislang jede Spur. Wir bekamen jeweils einen Code, mit welchem wir im Internet den Standort unserer Gepäckstücke verfolgen konnten und mussten wohl oder übel ohne unser Gepäck den Flughafen um 7 Uhr Ortszeit verlassen.

Draußen wurden wir von Hermano Pepe in Empfang genommen, der uns in die Hauptstadt Argentiniens fuhr und uns eine kleine Einführung in Land und Leute gab, wobei er sich stets darum bemühte, dass auch Anna, die nur drei Jahre Schulspanisch hatte, ihn verstand.

An dieser Stelle sollte ich wohl für alle Leser, die mich noch nicht kennen, erwähnen, dass meine Mutter Argentinierin ist und ich so von klein auf zweisprachig aufgezogen wurde. Dementsprechend ist dieser Freiwilligendienst, bei dem es mich, wie es der Zufall wollte, ausgerechnet nach Argentinien verschlägt, für mich nicht nur eine Erfahrung im Ausland, sonders in gewisser Hinsicht auch in meinem zweiten Heimatland, das ich in dem kommenden Jahr von einer ganz anderen Seite kennenlernen werde.

Aber zurück nach Buenos Aires. In der Kommunität der Salesianer, die in den oberen Stockwerken einer Don Bosco Schule untergebracht war, angekommen, wurden wir herzlich „Bienvenidas“ (willkommen) geheißen. Hier, so der Plan nun, sollten wir einige Tage bleiben bis unsere verspäteten bzw. verlorenen Gepäckstücke wieder bei uns wären. So verbrachten Anna und ich die nächsten Tage damit unseren Jetlag auszuschlafen, als Touristen durch die Stadt zu streifen und von den Padres ordentlich durchgefüttert zu werden.

Wir besichtigten den Obelisco, die Avenida 9 de Julio, die Bücherei „El Ateneo“, welche in einem alten Theatergebäude untergebracht ist und vieles mehr. Außerdem lernte Anna fleißig spanisch und ich half ihr dabei so gut ich konnte. Dennoch wurden diese ersten Tage in Buenos Aires ein wenig überschattet vom Verbleib unserer Koffer, welcher uns nach wie vor beschäftigte. Besonders frustrierend war dabei, dass der Code, der uns gegeben wurde, keine Neuigkeiten lieferte und alle Anrufe oder andere Kontaktaufnahmemöglichkeiten, mit denen wir versuchten Mitarbeiter von KLM in verschiedenen Ländern zu erreichen, erfolglos waren. Umso erleichterter waren wir am Montagmorgen, als sich nach erneutem Anruf an die Fluggesellschaft herausstellte, dass Annas Koffer, genau wie mein Rucksack in Ezeiza angekommen waren. Nachdem wir am Abend unser Gepäck dann endlich heil im Empfang nehmen konnten und feststellten, dass Annas Koffer derweil in Paris gewesen war, konnten wir auch endlich unsere Fahrkarten für die Busfahrt nach Villa Regina kaufen. Am Mittwochabend sollte es losgehen, sodass uns noch fast zwei ganze Tage in Buenos Aires blieben, welche wir dann auch aus vollen Zügen genossen – wortwörtlich. Die eine „Subte“ (U-Bahn)-Fahrt, welche wir für vier Stationen in Buenos Aires machten, war ein wirklich einzigartiges Erlebnis. Wir schafften es erst beim dritten Versuch, also erst beim dritten „Subte“, einzusteigen, oder wohl eher uns so reinzuquetschen, dass wir feststeckten und nicht wieder rausfielen. Diese Erfahrung werde ich so schnell wohl nicht wieder vergessen.

Auch eine Demonstration, welcher wir auf dem Weg zur Plaza de Mayo über den Weg liefen, wird mir definitiv in Erinnerung bleiben. Eine Gruppe von „Murgas“ setzte sich hier unter mitreißendem Trommelrhythmus, bunten Kostümen und Tanzeinlagen für die Legalisierung ihrer Straßenkunst ein. Dreimal liefen wir an dieser beeindruckenden Stimmungsbombe vorbei, die uns immer wieder stehenbleiben ließ. Murgas, so nennt man die hiesigen Gruppen an Künstlern, welche an Karneval an Wettbewerben teilnehmen und mit ihrer Kunst auftreten und so für die bunte Vielfalt auf den Straßen sorgen.

 

Ebenfalls in unserem Touristenprogramm durfte natürlich das berühmte „Barrio“ (Stadtviertel) La Boca nicht fehlen. Hermano Pepe führte uns durch die bunte Vielfalt an Wellblechhäusern und Statuen berühmter Argentinier am Rand der Straße El Caminito. Zwar hatte ich gedacht, dass das ganze Stadtviertel  so bunt wäre und nicht nur El Caminito, aber dennoch war dieses Sträßchen ein schöner Anblick. Als Dank für das Führen durch das Stadtviertel, luden Anna und ich Hermano Pepe noch auf einen Kaffee in eines der Restaurants entlang des Weges ein, in dem wir ein paar schöne Tango-Tanzeinlagen genießen durften.

Da am Dienstagabend viele Gäste bei der Kommunität zu Besuch waren, halfen wir außerdem beim Kochen und bereiteten „Tulipas“ vor, ein typisch argentinisches Essen, bei dem eine Masse aus unterschiedliche Zutaten in einem Blätterteigkörbchen serviert werden. In unserem Fall war das eine Masse aus Äpfeln, Walnüssen und Gemüse. Peinlicherweise vergaßen Anna und ich ein Blech der Blätterteigkörbchen im Ofen, sodass sie verbrannten und wir diese nochmal neu formen mussten. Das hat mir auf jeden Fall schon mal Mut gemacht fürs selber Kochen in Villa Regina – ups!^^ Gut geschmeckt haben sie den Gästen am Ende immerhin trotzdem.

Am Mittwochabend wurden wir von einem der Padres zum Retiro, dem hiesigen ZOB gefahren, von wo wir auf die 14,5-stündige Busfahrt nach Villa Regina begannen (die am Ende fast 16 Stunden dauerte). Tatsächlich aber klingt diese lange Busfahrt sehr viel schlimmer, als sie tatsächlich ist. In ca. 65-cm-breiten Sitzen mit Fußlehne und einem Neigungswinkel der Rückenlehne bis zu ca. 135° lässt sich nämlich sehr bequem schlafen.

Und bevor ich jetzt in wenigen Stunden in Villa Regina ankomme und der eigentliche Freiwilligendienst dort beginnt, beende ich diesen Blogeintrag aus dem Bus (zumindest die handschriftliche Version davon, das Abtippen musste ich auf später verschieben). Aber dann sage ich an dieser Stelle: „Hasta pronto!“

  1. Arleen Goerke

    Muy bien Cae. Que aprendas mucho de la tierra de tu mami. Patagonia y en general Argentina es muy linda turísticamente hablando. Cuidate y feliz estadía y aprendizaje.

  2. Tigges

    Bonjour ihr Beiden,
    wir sind super froh, dass eure Koffer heil angekommen sind und wünschen euch jetzt ganz viel Kraft und Motivation für die ersten Tage in Villa Regina.
    Wir grüßen euch aus Kara, Sophie und Jeremias😊

    • Carla Wendte

      Dankeschön euch auch ganz viel Spaß:) wir lesen uns später mal deinen Blog durch, Sophie:) und in der Gruppe von dir jeremias sind wir ja:)

  3. Rüdiger

    Hallo Carla, schön, dass Du mich eingeladen hast, über den Blog ein bisschen an Deinen Erlebnissen teilhaben zu können. Danke! Macht den beginnenden Goldenen Herbst noch angenehmer. Grüße 😎

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