Bunt. Bunter. Benin!

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Lernen und lieben und lachen und loslassen

Seit mittlerweile 4 Monaten und 27 Tagen bin ich wieder in Deutschland und so sehr ich während meiner Zeit in Benin Dinge von zu Hause vermisst habe, so sehr vermisse ich nun Dinge aus den Land, welches ich lieben gelernt habe, in dem ich viel gelernt habe, oft ein Lachen geschenkt bekommen habe und dass ich in den letzten Monaten Stück für Stück loslassen musste.

Und darum soll es auch in diesem Blogeintrag gehen. Eine kleine Bestandsaufnahmen darüber ,was ich gelernt habe, was ich an dem Land liebe und das, was mir Freude geschenkt hat.

Was ich gelernt habe:

Ich habe gelernt dankbar zu sein!

Dankbar für meine Familie, die mich immer unterstützt.
Dankbar für meine unbeschwerte Kindheit und all die Freude und Leichtigkeit die ich geschenkt bekommen habe.
Dankbar für meine Freunde und all die wunderschönen Erlebnisse die ich schon  in jungen Jahren erleben durfte.
Dankbar für meine Bildung und dafür was diese mir alles ermöglicht. Dankbar für die Chance in Benin gewesen zu sein (auch wenn es „nur“ sechs Monate waren) und dankbar dafür ein Land und seine Kultur aus einem neuen Blickwinkel kennenlernen zu dürfen.
Dankbar für jedes Hoch und Tief während meines Freiwilligendiensts, weil es mich wachsen hat lassen und ich mich neu kennen gelernt habe.
Dankbar für die Zukunft, die ich haben werde und dafür dass diese es mir ermöglich mir Zeit für mich, meine Interessen, Hoffnungen und Wünsche zu nehmen. Ich könnte noch vieles anführen, da mir jeden Tag aufs Neue Sachen aufgefallen sind die nicht selbstverständlich sind und über die ich versuche mich bewusst zu freuen.

Natürlich gab es auch weniger tiefgehende Dinge, für die ich zurück in Deutschland sehr dankbar bin und dazu gehört auf jeden Fall eine Waschmaschine.

Ich habe eine neue Sprache gelernt.

Mein französischer Wortschatz wäre ohne Benin mit ziemlicher Sicherheit total verkümmert. Nach sechs Monaten kann ich zwar nicht behaupten total fließend zu sprechen, aber ich bin stolz auf das was ich dazu gelernt habe und freue mich jedes Mal riesig darüber mit jemandem französisch zu sprechen.
Naja und ein paar Sätze Fon hab ich auch aufschnappen können, wobei ich mich nicht damit rühmen kann es wirklich zu sprechen oder zu verstehen.

Ich habe viel über mich selbst gelernt.

Über meine Stärken und Schwächen. Habe Seiten von mir kennengelernt, von denen ich vorher nicht wusste, dass sie existieren. Habe meine Grenzen kennengelernt und gelernt welche ich davon doch überschreiten kann.

Ich habe gelernt wie scharf ich essen kann und dass ich doch lieber Farben trage als schwarz.

Ich habe gelernt, dass ich zu einer richtigen früh-ins-Bett-Geherin werde, wenn ich den ganzen Tag auf Achse war und dass Powernaps doch bei mir funktionieren.

Ich habe gelernt mich über die kleinen Dinge zu freuen, wie beispielsweise ein Glas Orangensaft, Wind, ausschlafen, ein witziges Spiel, ein gutes Buch oder auch eine Waschmaschine.

Ich habe gelernt positiver ins Leben zu gehen und mich über das zu freuen, was ich habe, anstatt das zu sehen was ich nicht habe. (Wobei ich gestehen muss, dass mir das im Blick auf unseren Abbruch des Freiwilligendiensts und die frühzeitige Heimkehr leider manchmal nicht so gut gelingt.)

Ich habe gelernt, dass jeder Tag ein Tag zum Feiern ist und dass man immer einen Anlass findet.

Ich habe gelernt spontaner zu sein, nicht immer alles so eng zu sehen und lockerer mit schwierigen Situationen umzugehen.

Was ich an Benin liebe:

Allem voran habe ich die Menschen, die ich dort kennengelernt habe ins Herz geschlossen.
„Meine“ kleinen Babys und die Tatas im Maison du soleil, die mich immer zum Lachen gebracht haben.
Die Jugendlichen und Mitarbeiter im Maison de l`espérance und die vielseitige Arbeit die dort ausgeübt wird.
Die quirligen Mädchen in der Baraque SOS, vor denen ich den größten Respekt habe, da sie in jungen Jahren schon so viel meistern müssen.
Die starken und liebevollen Foyer-Mädels von denen ich gelernt habe, dass Familie nicht durch Blut verbunden sein muss.
Die ganzen Tatas und Fofos, die wir bei ihrer Arbeit unterstützen durften.
Emmanuel, seine Frau Steffi, bei der wir im Restaurant unglaublich lecker gegessen haben und ihre bezaubernde kleine Tochter.


Unseren super, duper Reisführer Euloge, ohne den ich um einiges ärmer an Wissen über Benin gewesen wäre, ohne den wir in der Woche unserer überstürzten Abreise völlig aufgeschmissen gewesen wären und der zu einem echten Freund geworden ist.

Außerdem bin ich unglaublich froh, dass Benin mir noch weitere Freundschaften geschenkt hat.
An dieser Stelle Danke an meine Mitvoluntärin Henneh, die sich immer liebevoll um mich gekümmert hat, wenn ich mal wieder krank war, die mich der Liebe zu Gesellschaftsspielen näher gebracht hat und mit der ich unglaublich viele lustige, traurige und wunderschöne Dinge erlebt hab.
Danke auch an Lea und Jule, die in Porto-Novo waren. Ich bin sehr froh, dass ihr das Team Benin komplett macht und dass ihr euch so oft auf den Weg nach Cotonou gemacht habt und uns besucht habt.
Danke für die tollen gemeinsamen Ausflüge und Reisen, für die gemeinsamen Ananas und Avocado-Picknicks und so vieles mehr.
Ohne euch drei wäre die Zeit in Benin und auch danach nicht dieselbe gewesen und ich möchte keinen Moment mit euch missen.

Nicht nur die Menschen haben Benin zu einem Ort werden lassen, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, sondern auch die ganzen kleinen Dinge die ich jeden Tag gesehen und erlebt habe.

Ich liebe und vermisse die täglichen Motofahrten, die sowohl Abenteuer als auch Entspannung für mich waren.

Mit langen Kleidern ist das Moto fahren oft eine Herausforderung

Ich liebe das unglaublich aromatische Obst, das jedes Mal aufs Neue eine Geschmacksexplosion ist.
Ich sehne mich nach dem Essen, das die Köche und Köchinnen im Ausbildungszentrum produziert haben und nach dem Essen unserer wunderbaren Köchin in Zogbo, die uns immer mit was Vegetarischem versorgt hat.

Ich liebe die vielseitigen und bunten Stoffe, von denen ich zum Glück auch einiges in meinem Kleiderschrank weiß.

Ich liebe das Steinchen-Spiel Awalé, das ich mit den Mädels der Baraque SOS bis zum Umfallen gespielt habe und vermisse sogar die Schummelei der Mädels beim UNO.

Ich habe auch den Verkehrslärm, das Hupen und das Gewimmel auf den Straßen irgendwie lieben gelernt.

Ich liebe den Regen in Benin, bei dem man manchmal denkt die Welt geht gleich unter und die Sonne dort, auch wenn ich sie so manches Mal verflucht habe, wenn mir viel zu heiß war.

Ich liebe es, dass man dort fast überall verhandelt und so oft mit Wildfremden in Kontakt kommt.

Ich liebe den Klang der Tamtam und dass sobald irgendwo Musik ertönt getanzt wird.

Ich liebe die Lockerheit und Gelassenheit der Menschen, von der ich mir gerne eine Scheibe abschneiden würde. Ich liebe, dass man es dort auch mal langsam angehen kann und nicht dauernd alle im Stress sind.

Ich liebe die Fröhlichkeit und Offenheit der Beniner*innen.

Was mich zu Lachen gebracht hat:

Mein tägliches Ziel war es mindestens einmal jemanden zum Lachen zu bringen und mindestens einmal am Tag selber zum Lachen gebracht zu werden (zum Glück war das nicht allzu schwer und ich habe weitaus öfter gelacht)

Es hat mir Freude bereitet zu sehen, wie die Kinder und Jugendliche sich entwickeln und wie sie uns an ihren Lernerfolgen teilhaben lassen.

Ich habe mich gefreut, wenn ich von den Mädels im Foyer in eine stürmische Umarmung gezogen wurde, wenn ich immer und immer wieder unseren Handschlag mit den Markt-Mädels gemacht habe und wenn mir die Babys morgens entgegen gerannt und gegrabbelt kamen und ihre Patschehändchen nach mir ausgestreckt haben.

Ich habe mich gefreut, wenn eine Aktion so geklappt hat, wie ich sie vorbereitet habe und musste auch dann oft lachen, wenn es völlig schiefgelaufen ist.

Ich musste lachen, wenn wir Sonntagabends mit den Präaspirantinnen zusammen saßen und wir, egal wie müde wir alle waren, das Abendessen mit Gesang und Tanz zu einem Fest haben werden lassen.

Nächtliches Fotoshooting mit Mond im Hintergrund

Ich musste lachen, wenn ich mittags meine Marktfreundin getroffen habe und wir wie jeden Tag denselben Smalltalk aus einen Mischung aus Fon, Französisch und Zeichensprache geführt haben.

Ich musste Lachen, wenn ich mit den Kindern und Jugendlichen neue Insider gefunden habe.

Ich wurde von Freude erfüllt, wenn ich gemerkt habe, dass die Menschen um mich herum glücklich sind und wenn ich gemerkt habe, dass ich vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen konnte.

Ich musste lachen, wenn die Kinder quatsch gemacht haben und musste lachen wenn wir gemeinsam Quatsch gemacht haben.

Samstagabend, wenn die Foyer-Mädels sich gegenseitig die Haare gemacht haben musste ich lächeln, weil das immer einer der Momente war, in denen wir sehen konnten wie viel Liebe die Mädchen sich gegenseitig entgegen bringen.

So viele Dinge haben mich zum Lächeln gebracht, dass alles was manchmal auch nicht so gut lief in den Hintergrund rückt.

Der 16. August

Heute am 16. August hätte der ursprüngliche Tag der Abreise und des Abschiednehmens sein sollen. Die Zeit des Zurückkommens war nicht immer leicht, aber die unzähligen Treffen mit den anderen Volos, ob privat oder ganz offiziell beim Rückkehrseminar in Benediktbeuern haben mir sehr geholfen. Wir haben alle in den unterschiedlichsten Ländern, auf verschiedenen Kontinenten gelebt und haben trotzdem in gewissen Punkten ähnliche und auch gleiche Erfahrungen machen können. Sich gegenseitig von seinen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten war sehr spannend, bereichernd und hilfreich, um die sechs Monate in Benin nochmal zu reflektieren, die Situation zu akzeptieren, Abschied zu nehmen und ein bisschen loslassen zu können

Der Versuch selber indische und beninische Gerichte zu zaubern

Der Freiwilligendienst ist zwar nun zu Ende, aber wie ein Don Bosco Bruder in Benediktbeuern einmal sagte: „Immer Volo, immer Volo!“

Mit verquollenen Augen singen wir ein letztes Mal die Hymne des Ausbildungszetrum bei unserem Abschied in Benin
Das letzte Foto in Benin. Wir waren alle ein bisschen übernächtigt…

Enan tché nou wé, Merci und Danke!

Jetzt ist der Zeitpunkt nochmal Danke zu sagen!

Danke Benin, das ich dich lieben lernen durfte.

Danke an alle, die mir diesen Freiwilligendienst ermöglicht haben.
Danke an die, die so fleißig gespendet haben.
Danke an alle, die meinen Blog mitverfolgt haben und mich somit während dieser Zeit begleitet haben.
Danke an meine Organisation Don Bosco Volunteers und für die tolle Vorbereitung und Begleitung.

Danke an alle, die in irgendeiner Weise Anteil an meinem Freiwilligendienst genommen haben.

Jetzt sage ich Tschüss, denn wahrscheinlich war dies mein letzter Blogeintrag.

Mit dem Herzen nun in Deutschland und Benin

Eure Lea

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Thema von Anders Norén.