Toni und Max in Benin

Erlebnisse und Erfahrungen aus Parakou

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chapter one – Das Praktikum

Um uns auf unseren Freiwilligendienst und die damit verbundenen Aufgaben in Benin vorzubereiten, absolvierten wir Ende Juni, Anfang Juli ein zehntägiges Praktikum in der Don Bosco Einrichtung Regensburg. Die dort bestehende Einrichtung bietet schul- und berufsbezogene Hilfe für Jugendliche und junge Erwachsene an, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren Familien leben können. Außerdem ist die Einrichtung ein offener Jugendtreff und Unterkunft für Jugendliche der Handwerkskammer die im Rahmen ihrer Ausbildung für einzelne Seminare nach Regensburg kommen.

Als wir am ersten Tag mittags in der Einrichtung ankamen wurden wir vom Einrichtungsleiter und zwei weiteren Ansprechpersonen für uns begrüßt. Diese führten uns in der Einrichtung herum und wir besprachen die Ziele und Herausforderungen des Praktikums. Abends aßen wir dann mit den Jugendlichen der Handwerkskammer, wo uns bereits auffiel wie viel schwieriger es ist offen auf die Jugendlichen zuzugehen ohne zu wissen, auf was es hinauslaufen wird. Unsere grundsätzliche Aufgabe bestand nämlich darin, dass wir…naja…also…ja was genau war eigentlich unsere Aufgabe? Obwohl wir doch eigentlich darüber gesprochen hatten wussten wir es nicht genau. Denn die „Freizeit zu gestalten“ von Jugendlichen die ihre Freizeit eigenständig gestalten können und in der Regel auch wollen ist schwerer als gedacht.

Dennoch versuchten wir irgendwie erstmal in Kontakt zu den Jugendlichen zu kommen. „Ihr macht hier ne Ausbildung oder?“ „Ja schon“. Tolles Gespräch dachten wir uns, doch das konnten wir natürlich so nicht sagen. Also probierten wir es weiter mit verschiedenen recht oberflächlichen Fragen, wie: „Was macht ihr denn für eine Ausbildung?“ „KFZ-Mechaniker“.  Ach ja, interessant. Und weiter? Wir wussten es auch nicht. Also aßen wir auf und warteten bis die Gruppe Jugendlicher mit denen wir am Tisch saßen fertig waren und zurück auf ihre Zimmer gingen. Und jetzt? Niemand mehr da mit dem wir irgendwas machen könnten. Als wir gerade unsere Teller aufräumten, kamen doch noch drei weitere Jugendliche. Also noch eine Chance zur „ersten Annäherung“. Wir fragten ob wir uns nicht zu ihnen an den Tisch setzen könnten was sie freundlich bejahten und so kamen wir langsam mit ihnen ins Gespräch. Wir erfuhren von Ihnen, dass sie in den nächsten Tagen vor allem für ihre anstehenden Prüfungen lernen müssten und daher gar nicht so viel Freizeit haben. Allerdings konnten wir sie für den kommenden Tag zum Fußball spielen begeistern. Den restlichen Abend verbrachten wir mit Jugendlichen des Jugendtreffs, unterhielten uns und halfen bei der Gestaltung eines Plakats das ein Mädchen für ihre kommende Suchttherapie gestaltete.

Tatsächlich spielten wir am nächsten Tag, wie ausgemacht, mit den Jugendlichen vom Vortag und vielen weiteren Jugendlichen Fußball. Dort bemerkten wir, wie auch schon beim gemeinsamen Schauen eines Fußballspiels, wie gemeinsame Interessen Menschengruppen jeglicher Art verbinden können.

Ein weiteres Projekt bei dem Jugendliche zusammenkommen sollten, fand am nächsten Wochenende statt. „Wir bauen mit Jugendlichen der Einrichtung aus Paletten eine Sitzecke und zwei Strandkörbe“. So das Motto. Was dabei raus kam sah eher aus wie: „Wir bauen (größtenteils OHNE Jugendliche) aus Paletten eine Sitzecke und zwei Strandkörbe“. Natürlich halfen ein paar Jugendliche mit, doch von den Jugendlichen, die sich offiziell für das Projekt eingetragen hatten, kam tatsächlich nur ein kleiner Teil. Dies war allerdings nicht das erste Mal, dass wir bemerkten, dass ein Angebot, nicht automatisch eine Teilnahme der Jugendlichen bedeute, auch wenn diese zuvor zugesagt hatten. Gerade Angebote, die eine ausführliche Planung und eine frühzeitige Zusage der Jugendlichen in der Einrichtung bedeuteten waren besonders schwierig umzusetzen. Da kamen wir mit spontanen Angeboten, wie „Bock jetzt Fußball zu spielen?“ um einiges weiter. Mit Spontanität auf die Gegebenheiten zuzugehen ist auch eines der Haupterkenntnisse, die wir aus dem Praktikum mitnehmen.

Da dann letztendlich auch der letzte Abend unseres Praktikums gekommen war, hatten wir uns zum Abschluss etwas Besonderes ausgedacht. Wir veranstalteten einen Grillabend mit anschließendem Fußballschauen, zu dem wir alle Gruppen des Wohnheims und die Jugendlichen der Handwerkskammer einluden. Dieses Angebot wurde zu unserer großen Freude auch von vielen Jugendlichen angenommen.

So hatten wir die Chance zu sehen, wie die Arbeit mit Jugendlichen aussehen kann und lernten vor allem spontan und flexibel auf verschiedene Gegebenheiten zu reagieren, anstatt nur am ursprünglichen Plan zu haften. Ebenso hatten wir so schon im Vorfeld Zeit die vorherrschende Mentalität der Salesianer Don Boscos in einer ihrer Einrichtungen besser kennen zu lernen.

So ist der Freiwilligendienst für uns durch das Praktikum noch nähergekommen und die Ausreise kaum noch abzuwarten.





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