Ein paar Kultur- und Sommererfahrungen

Ich habe es im letzten Beitrag schon gesagt, aber Sommer auf dem mongolischen Land ist einfach schön! Neben unserer Zeit in Shuvuu, die gefüllt ist mit Fußball spielen, Fahrrad fahren, mit Hunden spielen und im Fluss schwimmen gehen, haben wir diesen Monat aber auch noch sehr viel anderes erlebt. Von zwei Erlebnissen will ich heute erzählen:

Naadam

Vom 10. bis zum 14. Juli wird Naadam gefeiert – einer der absoluten kulturellen Höhepunkte im mongolischen Jahr. Es ist kurz gesagt ein Sportfestival, dessen Ursprung vor etwa 2000 Jahren liegt. Damals dienten die Sportwettkämpfe zur Schulung von Soldaten, aber auch, um den Zusammenhalt der Stämme zu stärken. Heutzutage hat es zwar keinen militärischen Zweck mehr, aber die Sportarten werden noch traditionell praktiziert. Dazu zählt in erster Linie Ringen, Bogenschießen, und Reiten. Umringt werden die Sportaktivitäten von Festlichkeiten, traditionellem Essen und Gesten. Einige der Jungs konnten über die Feiertage wieder nach Hause und wir sind bei dem Rest geblieben. Da das Heim aber keinen Ausflug zu den Sportstätten unternommen hat, haben wir von Naadam selbst leider nicht viel mitbekommen. Stattdessen wurde ganz viel Twister und Halli Galli gespielt und Filme geguckt. Vielleicht ein anderes Mal.

Das absolute Highlight des Monats war aber das Sommercamp, zu dem wir direkt nach Naadam aufgebrochen sind. Mit den Jungs und einigen Erziehern haben wir eine Art Roadtrip gemacht – meiner Meinung nach die beste Art, das Land kennenzulernen. Jeden Abend haben wir unsere Zelte irgendwo in der Natur aufgestellt und sind am nächsten Morgen weitergefahren. 

Sommercamp

Es folgt ein kleiner Reisebericht:

Der erste Halt war Элсэн тасархай, eine kleine Ansammlung von Sanddünen, auch „Mini Gobi“ genannt. Über eine Stunde lang sind wir mit den Jungs durch den Sand getobt und hatten Riesenspaß dabei, auszutesten, wie man am besten eine Sanddüne herunterkommt. Die Version „unfreiwillig und mit Beihilfe“ hat uns am besten gefallen. Am Ende sahen alle aus wie panierte Schnitzel und hatten bestimmt die Hälfte der Sandberge in unseren Taschen. Oder im Magen. 

Am zweiten Tag sind wir nach Kharkhorum, der einstige Hauptstadt des Mongolischen Reiches, gefahren. Die Stadt wurde 1220 unter Anordnung von Chinggis Khan gegründet und war über lange Zeit hinweg ein Zentrum für Handel, Verwaltung und Kultur. Viel von der einstigen Metropole ist leider nicht übriggeblieben, da sie 1380 von Soldaten der Ming-Dynastie völlig zerstört wurde. Wir haben uns stattdessen die Эрдэнэ Зуу Monastery angesehen – das älteste buddhistische Kloster der Mongolei. Der erste Tempel wurde 1586 gebaut und bis 1872 kamen weitere 61 Tempel dazu. Ca. 1500 Lamas lebten dort. 1937 wurde das Kloster unter der sozialistischen Mongolischen Volksrepublik fast vollständig zerstört. Allein die Mauer und vier Tempel sind erhalten geblieben, die heute wieder eine religiöse Stätte sind und besichtigt werden können.

Für die Nacht und den ganzen nächsten Tag haben wir in einem kleinen Wäldchen direkt am Fluss gecampt. Vormittags sind wir zu Fuß zum Тайхар Чулуу gelaufen, einem großen Felsbrocken, um den sich eine alte Legende rankt. Demnach soll vor langer Zeit eine riesige Schlange die Menschen und Tiere der Umgebung bedroht haben. Bis eine sehr weiser, alter Mongole die Schlange in einem Loch fangen konnte, indem er einen großen Felsbrocken auf die Öffnung schob. Doch erst, als er auch seinen Bogen und den Köcher mit Pfeilen auf den Felsen legte, konnte die Schlange ihn nicht mehr anheben. Vorort konnte man sich auf Pferden oder Yaks spazieren führen lassen. Nachdem wirklich jeder anwesende Erzieher und jedes Kind dem Guide erklärt haben, dass Rahel und ich tatsächlich reiten können, durften wir auch alleine ein bisschen losziehen. 

Nachmittags sind wir im Fluss schwimmen gegangen, haben Badminton und Karten gespielt und abends ein Feuer gemacht. 

Am vierten Tag haben wir an einem See gecampt. Abends haben die Erzieher ein Schaf geschlachtet und über dem Feuer zubereitet. Ich konnte leider nicht zusehen, aber das Tier wurde auf die gängige mongolische Art und Weise geschlachtet, die weltweit einzigartig ist: Man schneidet die Brust des Tieres auf, greift mit der Hand in den Brustkorb und durchtrennt die Aorta. Das Schaf „schläft“ sofort ein. 

Das Zerlegen und Kochen hat ziemlich lange gedauert und es war schon dunkel, als es schließlich Essen gab. Das hatte aber auch seinen Vorteil, weil ich deshalb nicht so genau erkennen konnte, worauf ich herumkaute. 

Am nächsten Tag haben wir die Heimreise angetreten. Vorher aber nochmal Halt an einem alten Vulkan gemacht und eine kleine Wanderung unternommen. (In der Mongolei gibt es genau zwei Vulkane.)

Die letzte Nacht haben wir in Kharkhorin (die Stadt um Kharkhorum) verbracht, wo wir im Vorgarten der Salesianerschwestern schlafen durften. Am nächsten Tag ging es für uns zurück nach Ulaanbaatar und für die Jungs nach Shuvuu. Die Woche war richtig, richtig schön und ich habe die intensive Zeit mit den Kindern total genossen. Aber ich war auch ganz froh, wieder duschen und in einem Bett schlafen zu können.

Das war jetzt sehr knapp zusammengefasst, was im letzten Monat alles passiert ist. Und ich hab noch gar nicht vom größten mongolischen Musikfestival, unserem Reitausflug oder dem Bibelcamp von der Gemeinde in Shuvuu erzählt. Aber wenn ihr darauf Lust habt und noch ein bisschen lachen wollt, könnt ihr Mal bei Rahels Blogeintrag von diesem Monat vorbeischauen:

https://blogs.donboscovolunteers.de/blog/author/rahelquack

Bis zum nächsten Mal!!!

Zum Abschied noch ein kleines Angeberfoto aus Shuvuu…

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Wenn es Sommer wird

  1. Ulla Fricke

    Liebe Felizitas, bei Rahel wurde ich grade schon mit dem Rest eures spannenden Monats versorgt. Ich freu mich sehr für euch, dass ihr nach diesem langen Winter noch so einen tollen Sommer verbringen könnt. Bis ganz bald in Bonn! Liebe Grüße

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