Ganz spontan wurden Rahel und ich Ende des letzten Monats von einer befreundeten Lehrerin gefragt, ob wir nicht für zwei Wochen einen Englischkurs in der westlich gelegenen Provinz Zavkhan halten wollten. Das wollten wir und sind deshalb ein paar Tage später früh morgens in einen Jeep gestiegen, der uns die ca. 1200km bis in den Khomyn Tal Nationalpark gefahren hat, wo unter anderem Przewalskipferde ausgewildert werden. Takhi, wie die Pferde auf Mongolisch genannt werden, gelten als die weltweit letzten echten Wildpferde. Nachdem in den 1960ern das letzte Fohlen gefangen wurde, galten die Tiere als quasi ausgestorben. Um die 2000er begannen verschiedene Auswilderungsprojekte in der Mongolei – unter anderem auch 2004 in Khomyn Tal. 

Die Fahrt dauerte zwei Tage und die eine Nacht dazwischen verbrachten wir in einem Hotel. Die Fahrtzeit war für mich persönlich jedoch sehr kurzweilig, weil ich die meiste Zeit damit verbracht habe, aus dem Fenster die weite Landschaft zu beobachten:

Um Ulaanbaatar herum ist die Landschaft sehr hügelig und fast überall lag noch Schnee auf den braunen Flächen. Mit der Zeit wird die Landschaft bergiger und die Straße windet sich um steinige Hänge. Dann ist wieder alles flach und weit. Ab und zu passieren wir eine Raststätte oder eine kleine Siedlung. Was fast durchgängig die Landschaft füllt sind Herden von wuscheligen Kühen, Pferden oder Schafen. Vereinzelt sind auch Jurten darunter oder man sieht die Herdenbesitzer auf Pferden oder Mopeds ihre Tiere vor sich her treiben.  

Am zweiten Tag beginnt die Erde sich rötlich zu färben und wir verlassen die asphaltierte Straße. Wir erreichen ein Dorf, wo nochmal getankt wird und dann fahren wir schon durch die ersten Sanddünen. Die Fahrt ist ziemlich abenteuerlich. Mehrmals drehen die Reifen durch oder der Fahrer verliert kurz die Kontrolle über das Lenkrad. Lustig war es aber auf jeden Fall auch.

Nach den Sanddünen erheben sich wieder einzelne Bergketten und Steinblöcke um uns herum. Der Weg ist jetzt vorallem ruckelig und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Nach vier Stunden Fahrt durch die Wildnis kommen wir schließlich am “Takhi Ecolodge” Camp an.

Das Camp liegt auf einer kleinen Anhöhe, von wo man das ganze Tal überblicken kann. In der Mitte fließt der breite Zavkhan River, der noch zugefroren ist. Abgesehen von Herden aus Pferden, Ziegen und Kamelen, die man in der Ferne sieht und einzelnen Vogelschwärmen, wirkt das Tal völlig ohne Leben. Bis auf das leichte Pfeifen des Windes ist es vollkommen still.

Da das Camp auch für Touristen offen ist, sollten wir in einem zweiwöchigen Programm die Rangern und Mitarbeitern in Englisch unterrichten. Mit dabei war zum Glück auch eine Übersetzerin, die uns diese Aufgabe sehr erleichtert hat. Unser Programm war mit sieben Stunden Unterricht am Tag ziemlich eng getaktet. Unterbrochen wurden wir nur von den sehr fleischhaltigen Mahlzeiten. Auch, wenn wir sehr viel jünger als unsere Schüler waren und uns kaum mit ihnen unterhalten konnten, hat es echt gut geklappt und war auch ganz lustig. 

Am 8. März fand kein Unterricht statt, weil in der ganzen Mongolei der Frauentag gefeiert wurde und zu diese Anlass die Frauen aus dem „naheliegenden“ Dorf ins Camp eingeladen wurden. Am Nachmittag wurden in Vorträgen und Präsentationen das Camp und die Arbeit der Ranger vorgestellt. Der Nationalpark ist ja noch relativ jung und wird erst so langsam von Touristen wahrgenommen. Mit der Veranstaltung sollten die Einheimischen eingeladen werden, am Ausbau des Projekts teilzunehmen. 

Nach dem Abendessen fing dann die Feier an, wo Spiele gespielt, getanzt und Karaoke gesungen wurde. Sehr zu Rahels und meinem Leiden liefen einige Frauen durchgängig mit Vodkaflaschen durch die Räume und drückten jedem in ihrem Weg ein gefülltes Schnapsglas in die Hand. Leider hatte uns beim ersten Mal keiner gesagt, dass wir nur nippen und nicht das ganze Glas runterkippen müssen. Das hat die Leute nämlich so beeindruckt, dass wir aus der Nummer nicht mehr rausgekommen sind. 

Am einem anderen Tag haben uns die Ranger auf eine Fahrt in die Berge genommen, wo wir schließlich auch die Takhi sehen konnten. 2004 waren die ersten 12 Tiere von Frankreich aus nach Khomyn Tal transportiert worden und inzwischen leben ca. 160 Pferde in dem geschützten Gebiet. Neben den Takhi-Herden, waren auch ein paar Steinböcke und eine Gazelle zu sehen. Ansonsten vorallem Sand, Berge und Himmel.

Am letzten Tag sind wir früh morgens auf einen naheliegenden liegenden Berg gestiegen, um den Sonnenaufgang zu sehen. Von dort aus konnte man tatsächlich noch weiter ins Land und den Fluss hinunter gucken und wäre es nicht so kalt gewesen, hätte ich stundenlang dort oben bleiben können. 

Schließlich sind wir dann aber zurück nach Ulaanbaatar gefahren, was wir dieses Mal ohne Zwischenstopp in 17 Stunden hinter uns gebracht haben. Wenn unser Fahrer etwas sanfter gefahren wäre, hätten wir das in der Zeit bestimmt auch geschafft, aber ansonsten war es genauso schön, aus dem Fenster zu blicken, wie bei der Hinfahrt. Gegen Mitternacht sind wir schließlich angekommen und wurden am nächsten Tag freudig von den Jungs empfangen.

Das absolute Highlight des Monats war aber, als noch in Khomyn Tal die Temperaturen über die 0°C stiegen und wir bei schönstem Sonnenschein tatsächlich draußen sitzen konnten. Der Winter hat echt lange genug gedauert und inzwischen sitzen wir bei jeder Möglichkeit vor dem Haus und genießen es, dass die Sonne wieder wärmt.