1. Oktober 2026
Ich habe gerade ein ruhiges Plätzchen gefunden und mich mit Mückenspray eingesprüht. Da dachte ich, ich berichte mal wieder, was in den letzten Tagen und Wochen so passiert ist.
Mein letzter Eintrag ist schon wieder fast zwei Wochen her. Ich muss also ein bisschen weiter ausholen, denn inzwischen ist schon wieder ziemlich viel passiert …
Anfangen möchte ich direkt mit unseren ersten richtigen Arbeitstagen.
Mitten im Gewusel vom Markt
Als wir das erste Mal wirklich weit aus unserem geschützten Gelände herauskamen, wurden wir direkt ins kalte Wasser geworfen. Claudine, die Tata (so werden hier alle Betreuerinnen und Mitarbeiterinnen in den sozialen Einrichtungen genannt, also wir auch, Fofo ist dann das männliche Pendant dazu), die zusammen mit Fofo Frank die Baraque auf dem Markt leitet, kam zu uns und nahm uns direkt für ein bis zwei Stunden mit in das Projekt mitten im Gewusel des Marktes.
Dort war noch nicht besonders viel los, denn die meisten Mädchen kommen erst ab etwa 12 Uhr. Das eigentlich Spannende war also eher die Fahrt mit dem Zem dorthin.
Mit einem gekonnten Schnalzen hat Claudine direkt zwei Fahrer angehalten und der Preis für die Strecke bis zum Dantokpa-Markt verhandelt. Bis man sich auf einen akzeptablen Preis geeinigt hat, muss man manchmal ein bisschen warten und zur Not andeuten, dass man wieder geht. Meistens klappt es dann, dass man den Standard Preis zumindest annähernd bekommt.


Es war ein total ungewohntes Gefühl, überhaupt hinten auf einem Motorrad zu sitzen in solch einem Verkehr. Aber nachdem die ersten Minuten vergangen waren, man sich langsam an die rasante Fahrweise gewöhnt hatte und ein bisschen ausblenden konnte, wie viele Fahrzeuge von allen Seiten auf einen zukommen, konnte man die Fahrt tatsächlich genießen. Dabei bekommt man ganz unterschiedliche und beeindruckende Seiten von Cotonou zu sehen.
Am Rand des Marktes angekommen, liefen wir das letzte Stück zu Fuß zur Baraque. Der Weg führte uns durch das Gewusel aus unglaublich vielen Ständen und Menschen bis zu einem Platz, der meistens komplett mit Autos zugestellt ist. An einer Seite befindet sich dann die Baraque.
Der Name passt tatsächlich ganz gut: Eigentlich ist es nur ein kleiner Container, in dem kleine Schulbänke aufgestellt sind. Direkt daneben gibt es auf der einen Seite das Gegenstück für die Jungs vom Markt und auf der anderen Seite einen kleinen Klassenraum, dort finden einmal am Tag Alphabetisierungskurse statt.
Auch wenn es sich nur um einen kleinen Container handelt, ist dieser mit unglaublich viel Liebe dekoriert. Die ganze Decke hängt voller selbst gebastelter Girlanden und an den Wänden kleben Bilder und andere gebastelte Sachen, die sich dort wohl über die letzte Zeit angesammelt haben.
An diesem Tag war bisher nur ein Mädchen da. Wie die meisten Mädchen, die auf dem Markt arbeiten und dann über Mittag für ein paar Stunden zum Ausruhen und Spielen vorbeikommen, konnte sie kein Französisch. Also erklärte sie uns das afrikanische Spiel Adji, indem es uns einfach zeigte, wie es funktioniert.

Dabei werden Samen – oder hier meistens Steine – auf einem Spielbrett mit zwei Reihen aus jeweils sechs Mulden verteilt. Von dort aus werden sie immer im Uhrzeigersinn weiterverteilt. Wenn man es schafft, den letzten Stein in bestimmten Feldern zu platzieren, darf man die Steine des Gegners als Punkte einsammeln. Adji ist eines der Spiele, die wir dort am häufigsten spielen, neben Skyjo und UNO Flip.
Ein paar Tage später waren wir noch einmal dort, diesmal mit deutlich mehr Mädchen. Alle waren mit unglaublich viel Ehrgeiz und Energie dabei. Für uns war das allerdings auch ziemlich anstrengend: Der Geräuschpegel war sehr hoch, und es kam das eine oder andere Mal zu Streit. Dabei ist sogar einmal ein Hocker durch den Raum geflogen …
Zu Besuch im Espace Eveil
Am Dienstag ging es für uns ins Espace Eveil, eine Grund- beziehungsweise Vorschule. Die Kinder dort sind vom Alter her eher im Kindergartenalter.
Ich fand es total beeindruckend, als wir zum ersten Mal in die „Klasse“ kamen: Ungefähr 50 Augenpaare von drei- bis fünfjährigen Kindern, die brav an ihren Minitischen saßen, die gerade einmal bis zu unseren Knien reichten, blickten uns entgegen und begrüßten uns einstimmig im Chor. Während wir dort waren, und auch bei unseren Besuchen danach, haben Rike und ich vor allem zugeschaut, welche Übungen und Spiele Tata Carmen mit den Kindern machte.
Es wird viel gesungen, es werden kleine Papierkügelchen gebastelt und sortiert, und die Kinder üben zum Beispiel, Punkte zu malen. Sie lernen also ähnliche Dinge wie Kinder in deutschen Kindergärten. Allerdings hat das Ganze hier schon deutlich mehr den Charakter von Schulunterricht.
Das Ziel ist es, den Kindern spielerisch Französisch beizubringen, da sie bisher hauptsächlich die hier traditionelle Sprache Fon sprechen und sie schon ein bisschen für die Grundschule vorzubereiten.
Am Mittwoch wäre ich eigentlich zum ersten Mal im Maison du Soleil gewesen. Daraus wurde allerdings nichts, denn es hatte schon den ganzen Morgen wie aus Eimern geschüttet, sodass man kaum nach draußen konnte.
Das war dann aber auch eine Erfahrung für sich! Bereits am Tag zuvor hatte uns eine Lehrerin erklärt, dass es öfter vorkommt, dass viele Schülerinnen und Schüler an Regentagen nicht zur Schule kommen. Die Straßen sind dann nur noch schwer befahrbar, und gerade mit dem Motorrad kommt man kaum noch voran.
Unterricht an der Ecole Alternative

Am Freitag haben wir uns vormittags in den Unterricht der Stufe Niveau 1 an der Ecole Alternative gesetzt und zugeschaut.
Für uns gab es dabei noch nicht besonders viel zu tun, da die Lehrerin selbst mit der Vorbereitung von Materialien beschäftigt war und die Kinder vieles eigenständig erledigten.
Ab nächster Woche werden wir dann jeweils für einen halben Tag mit einer Klasse basteln. Welche Klasse das ist, wird von Mal zu Mal wechseln, sodass wir nach und nach verschiedene Gruppen kennenlernen. An der Schule gibt es jetzt seit neusten auch eine Kantine, so das die Schüler:innen dort Vormittags kostenlos Essen bekommen können. Das wird von einer Gruppe Tatas und Foyer Mädchen die Köchin werden immer frisch zubereitet und in Dosen verteilt.
Abends im Foyer


Anschließend an unseren Vormittag an der Ecole Alternative sind wir nachmittags im Foyer gewesen bei den Mädchen die wir inzwischen schon ganz gut kennen. So wie ab jetzt jeden Freitag sind wir auch länger als 18h geblieben. Wir haben die Gruppe zum beten im Salon begleitet und danach mit ihnen gegessen. Ich würd sagen es war unser erstes wirklich traditionelles Essen was auch so zubereitet wurde (in einem riesigen Topf über einem Feuer am Nachmittag mit den Kindern vom Foyer) und dann natürlich auch mit den Händen gegessen wurde.
Unser freier Tag oder so
Unser Wochenende beziehungsweise unser freier Tag am Samstag begann ziemlich langsam und nicht wie geplant mit waschen und putzen, denn schon seit dem früh morgens lief bei uns im Haus kein Wasser mehr. Als sich auch über Mittag nichts daran änderte, holten wir uns schließlich Eimer um mit denen Wasser an einem Wasserhahn draußen an einem anderen Haus zu holen. So konnten wir unsere geplante Putzaktion doch noch durchführen.
Bis wir damit fertig waren und auch noch auf dem nächstgelegenen Markt eingekauft hatten, war es allerdings schon dunkel. Und damit war unser freier Tag auch schon wieder vorbei …
Viel freie Zeit blieb uns da dann also nicht mehr. Unter der Woche kommt das bisher auch eher kurz, da wir im Moment noch ziemlich gut ausgelastet sind und unsere Routinen v.a. mit kochen, einkaufen und putzen noch für uns finden müssen. Was ich jedoch schon für mich gefunden habe, ist der Schulhof von dem College hier, dort kann man abends noch ganz gut kleine Runden laufen gehen und wenn man früh genug dran ist, sieht man manchmal noch einen hübschen Sonnenuntergang :))



Soviel also erstmal zu unserer ersten Arbeitswoche. In dem nächsten Eintrag erzähle ich dann noch ein bisschen mehr von unseren Erlebnissen hier, unter anderem auch von unserem ersten kleinen Ausflug :))

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