13. Oktober 2026

Eine neue Woche hat begonnen und damit sind jetzt offiziell die 4 Wochen hier in Benin geknackt! Den Ablauf der verschiedenen Projekte kennen wir inzwischen schon ganz gut, und langsam entwickelt sich auch eine Routine für unseren Alltag hier. In den Projekten fühle ich mich immer wohler und bekomme besser ein Gefühl dafür, wo und wie wir helfen können.

Unsere Zeit im Foyer verbringen wir vor allem mit der Hausaufgabenbetreuung. Das ist teilweise echt anstrengend, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass es etwas bringt. Oft brauchen die Mädchen einfach jemanden, der sich mit ihnen hinsetzt, sie ermutigt und ihnen hilft, weiterzumachen. Manchmal versuchen sie allerdings auch einfach nur zu raten und abzuwarten, wie wir darauf reagieren. Außerdem sind sie noch ziemlich damit beschäftigt, unsere Grenzen auszutesten und schauen wie weit sie bei uns gehen können, ich hoffe, dass sich das mit der Zeit noch etwas legt.

Gerade freitagabends, wenn wir bei den Mädchen sind, ist immer einiges los und alle sind ziemlich aufgedreht. Besonders dann, wenn es darum geht, welche Musik zum Tanzen aufgelegt werden soll. Grundsätzlich ist es aber total schön, die gemeinsame Zeit mit ihnen zu verbringen und auch mal mit den Mädchen spielen zu können und nicht verpflichtet zu sein sie zum lernen zu ermutigen. Letzten Freitag habe ich mich zum ersten Mal dazu überreden lassen, mit ihnen zu tanzen, und es hat wirklich Spaß gemacht! Es war auch richtig schön zu sehen, wie viel Freude die Mädchen dabei haben. Einige haben mir ihre eigenen Choreografien gezeigt zu verschiedenen Liedern und waren total aus dem Häuschen, als wir gemeinsam versucht haben, ihnen eine Bodywave beizubringen.

Auch in der Baraque läuft es inzwischen deutlich besser. Rike und ich haben zum ersten Mal gemeinsam mit den Mädchen dort gebastelt. Entgegen unseren Erwartungen hat das richtig gut geklappt, und jetzt hängt eine weitere bunte Girlande in dem kleinen Raum auf dem großen Dantopka-Markt.

Endlich im Maison du Soleil

Jetzt war es endlich auch für mich so weit: Ich konnte zum ersten Mal ins Maison du Soleil gehen!

Das Maison du Soleil ist ein Projekt am Rand des Marktes, in dem minderjährige Mütter mit ihren Kindern und einigen Tatas in einem Haus mit Spielfläche und kleinem Garten leben. Das Haus ist für zehn Mädchen mit ihren jeweiligen Kindern ausgelegt. Die Idee dahinter ist, dass die jungen Mütter dort für etwa zwei Jahre wohnen können.

Soweit wir es bisher verstanden haben, kommen die Mädchen häufig schon während ihrer Schwangerschaft dorthin, weil sie aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Familien leben können. Während der Zeit im Maison du Soleil sollen sie Unterstützung bekommen und eine Perspektive für ihre Zukunft entwickeln. Nach den zwei Jahren versuchen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gemeinsam mit den Mädchen, eine Lösung für die Zeit danach zu finden. Wenn es möglich ist, sollen sie zu ihren Familien zurückkehren können. Falls das nicht geht, wird nach einer anderen passenden Lösung gesucht wie bspw eine Adoptivfamilie.

Wir sind vormittags im Maison du Soleil und beschäftigen uns dort hauptsächlich mit den Babys, die alle ungefähr ein Jahr alt sind. Währenddessen besuchen die jungen Mütter das Maison de l’Espérance, eine Ausbildungsstätte, in der sie handwerkliche und praktische Berufe erlernen können, zum Beispiel Seifenherstellung, Backen oder Kochen. Im Laufe des Vormittags kommen sie aber immer mal wieder zurück, zb um ihre Kinder zu stillen.

Unsere Aufgabe ist es vor allem, mit den Kleinen zu spielen, sie zwischendurch zu füttern, danach zu waschen (meistens wirklich nötig) oder sie zum Schlafen zu bringen. Das klappt bisher ganz gut! Eine kleine Herausforderung gibt es allerdings: Wir verstehen die Babys nicht. Sie lernen zunächst Fon, die traditionelle Sprache, die hier gesprochen wird, und für uns ist es gar nicht so leicht zu unterscheiden, ob sie gerade in ihrer eigenen Babysprache brabbeln oder tatsächlich schon Fon sprechen.

Unsere freien Samstage

An den letzten beiden Samstagen haben wir es endlich geschafft, auch ein bisschen mehr von unserer Umgebung zu entdecken. Unter der Woche sind wir durch die Arbeit und die verschiedenen Projekte ziemlich eingespannt, deshalb tut es gut, an unserem freien Tag mal etwas anderes zu sehen und auszuprobieren.

An einem der Samstage waren wir zum Frühstücken in einem Café und haben uns anschließend noch ein Fitnessstudio angeschaut. Ein paar Tage später haben wir es dann direkt ausprobiert. Dort werden täglich verschiedene Kurse angeboten, und wir haben uns zum ersten Mal an Spinning gewagt. Es war eine gute Möglichkeit sich auszupowern und wir waren wirklich richtig fertig danach, aber der funke ist noch nicht so ganz übergesprungen…

Danach haben wir noch einen kurzen Spaziergang am Strand von Cotonou gemacht, der ganz in der Nähe des Studios liegt. Der Strand hat sich gefühlt endlos in die Ferne erstreckt und war komplett menschenleer. Dieses Wochenende waren wir dann an einem kleineren Strand in einer Bucht, an dem man dank der Strandwache auch im Meer baden konnte.

Und was wir sonst noch so gemacht haben? Rike und ich haben uns zusammen sechs Meter Stoff gekauft, weil Adeline, eines der Mädchen aus dem Foyer, das eine Schneiderausbildung macht, angeboten hat, uns etwas daraus zu schneidern. Jetzt haben wir also eine sehr bunte, weite Hose und einen Rock im Partnerlook, die wir sehr gut bei dem immer wärmeren Wetter hier jetzt tragen können :))

Wenn ihr noch andere Bericht hier aus unserem Alltag lesen wollt, könnt ihr auch gerne mal in Rikes Berichte hier reinlesen:

https://blogs.donboscovolunteers.de/rikeinbenin/: Langsam kommt der Alltag