„Bonsoir, j’aimerais aller au Commissariat Dantopka, c’est combien ?“
„Ca fait 700“
„Non, c’est trop, normalement je paie 400.“
„Ehhh l’essence c’est cher“
„Oui, mais même pas avec le prix d’essence c’est 700, je fais ça presque tous les jours et je ne paie jaimais 700“
„Au mois il faut donner 500“
„Bon d’accord, pour 500 au commissariat.“

Mit ungefähr dieser Konversation beginnt bei uns so ziemlich jeder Marktbesuch – zumindest, wenn alles gut läuft und wir uns auf 400 bis 500 CFA-Francs für die Fahrt von unserem Zuhause in Zogbo zum Markt einigen können. Es folgt eine etwa 20- bis 25-minütige, manchmal auch etwas längere Fahrt auf dem Zem, je nachdem ob es sich um eine entspannte oder turbulente im vollen Straßenverkehr handelt, doch auch da überholen viele Zemfahrer gekonnt von allen Seiten und nehmen jeden Weg als Abkürzung in kauf, bis wir schließlich am Rande des riesigen Marktes, der größte des Landes und mit der größte Westafrikas, ankommen.

Die Baraque

Rike und ich arbeiten sowieso zweimal pro Woche in unserem Marktprojekt der Baraque und sind deshalb regelmäßig dort unterwegs. Und auch das Maison du Soleil liegt direkt am Markt. Unsere Erledigungen verbinden wir deshalb meistens mit der Mittagspause, wenn wir sowieso in der Stadt bleiben müssen, oder erledigen sie auf dem Heimweg.

Inzwischen haben wir eine Art Standardroute, die uns in etwa 20 Minuten von der Baraque bis zur Kantine des Maison de l’Espérance führt. Dieser eigentlich kurzer Weg kann jedoch trotzdem ziemlich anstrengend und eine krasse Reizüberflutung sein.

Man muss sich auf ein ziemliches Gewusel und Hitze einstellen. Überall sind Menschen unterwegs, es wird gehandelt, gerufen, transportiert und verkauft. Immer wieder wird man mit einem „Bonsoir Yovo“ angesprochen oder jemand pfeift einem hinterher, um die Aufmerksamkeit auf seine Waren zu lenken. Manchmal laufen Verkäufer auch mehrere Minuten neben einem her, um einen doch noch vom Kauf zu überzeugen.

Alle paar Minuten versucht außerdem jemand, mit einer riesigen Karre an einem vorbeizukommen, auf der teilweise mehrere hundert Kilo Getreide o.ä transportiert werden. Das kündigt sich meistens durch ein lautes „Ehh, doucement!“ an und dann schaut man lieber das man schnell einen Schritt zur Seite machen kann. Wird aber mal etwas nicht in so einer Karre gezogen, kann man sich ziemlich sicher sein das es auf einer Runden Scheibe auf dem Kopf transportiert wird, ganz egal wie groß es ist.

Eine Sache, auf die man besonders gut aufpassen sollte ist die eigene Tasche die man dabei hat. Die sollte man am besten immer vorne vor dem Körper tragen und gut festhalten. Viele Verkäufer:innen weisen nach jedem kauf nochmal darauf hin, dass wir weiterhin auf unsere Taschen aufpassen sollen, da diese vorallem einem weggerissen werden. Uns ist das bisher zum Glück nicht passier, aber dafür wurde mir erst letzte Woche die Tasche von der Seite aufgeschnitten. Zum Glück haben andere Menschen das schnell bemerkt und waren sofort zur Stelle, sodass der Dieb geflüchtet ist, ohne etwas mitnehmen zu können.

Hat man sich erst einmal an das ganze Treiben gewöhnt, kann man auf dem Dantopka-Markt eigentlich alles finden, was man sich vorstellen kann. Von Obst- und Gemüseständen über Konserven und verschiedenste Getreidesorten bis hin zu Haushaltsgegenständen, Schmuck und Kleidung ist alles dabei. Natürlich gibt es auch jede Menge Streetfood und Getränke, diese werden in kleinen Plastiktüten verkauft, die einfach zugeknotet werden und zum Trinken beißt man dann ein kleines Loch hinein.

Durch die riesige Auswahl bekommt man auf dem Markt deutlich mehr und oft auch bessere Qualität als in den Supermärkten. Diese haben häufig ein ziemlich begrenztes Sortiment und sind teilweise fast leer. Wenn es ein Produkt gibt, dann meistens nur in sehr kleinen Mengen, vielleicht drei bis fünf Stück. Außerdem sind die Preise im Supermarkt in der Regel etwas höher. Dafür muss man dort nicht verhandeln, weil die Preise bereits am Regal stehen.

Auf dem Markt sieht das anders aus. Die Verkäufer:innen nennen einem zunächst einen Preis, von dem man grundsätzlich erst einmal ordentlich heruntergehen sollte. Denn den tatsächlichen Preis bekommt man eigentlich nie direkt genannt. Wenn jemand dann allerdings viel zu schnell auf das eigene Gegenangebot eingeht, weiß man hinterher meistens: Jetzt haben die Verkäufer gerade ein ziemlich gutes Geschäft gemacht.
Wir schlagen uns inzwischen, glaube ich, ganz gut. Zumindest glauben wir, dass wir bei vielen Produkten mittlerweile eine ungefähre Vorstellung davon, was sie tatsächlich kosten sollten.

Damit ihr euch einmal vorstellen könnt, in welchen Größenordnungen sich die Preise hier bewegen, habe ich ein paar Produkte und Gerichte zusammengestellt, bei denen wir mittlerweile glauben, den üblichen Preis zu kennen:

ProduktPreis
Ananas100-150F
Quarkbällchen25F
Papaya150F
1kg Reis500F
12 Eier1000F
Portion Ignam Pilé mit Erdnusssoße, Fleisch und Käse1000F
Baguette 125F
Kleine Packung Kekse100F
Limo im Beutel100F

Umrechnungskurs: 660F = 1€

Bisher haben wir wie gesagt mit unserer Standard Route nur einen Bruchteil des Marktes gesehen, jedoch reicht das schon das wir letztes Wochenende ein paar anderen weltwärts Freiwilligen als Guide schon den Markt zeigen konnten und wir auch schon Stammkunden bei unserem Bananen oder Ananasstand sind und wir begrüßt werden wenn wir vorbeikommen. Und auch hört man immer öfter schon jemand „Tata Marie, Tata Rike, Bonsoir!“ rufen, da handelt es sich dann um Mädels die bei uns in der Baraque sind. (Hier sagt man spätestens ab Mittags nur noch Bonsoir zur Begrüßung, denn Bonjour ist wirklich nur für den morgen gedacht wenn man gerade aufgestanden ist).