Sonntag, 20. September

Heute ist es genau eine Woche her, dass ich meine Sachen gepackt und mich auf den Weg nach Cotonou gemacht habe. Irgendwie fühlt es sich an, als wäre ich gerade erst angekommen und gleichzeitig ist in dieser einen Woche schon viel passiert.

Die ersten Tage sind eher langsam gestartet. Rike und ich hatten viel Zeit, uns einzurichten, mental hier anzukommen und uns aber auch noch auszuruhen und an das neue Klima zu gewöhnen. Sobald wir unten im Hof vor unserem Haus saßen (dort gibt es WLAN :)), dauerte es meistens nicht lange, bis die ersten Mädchen freudig zu uns kamen.

Das Foyer, das ist auch hier auf dem Gelände, ist ein Mädchenheim und bietet momentan rund 40 Mädchen ein Zuhause. Die meisten besuchen vormittags die École Alternative – eine kostenlose Schule für Kinder ab etwa zehn Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen vorher keine reguläre Schule besuchen konnten oder sie abbrechen mussten. Dort können sie innerhalb von drei Jahren ihren Schulabschluss nachholen. Einige der älteren Mädchen machen bereits eine Ausbildung, zum Beispiel zur Friseurin.

In den ersten Tagen haben wir außerdem das Gelände kennengelernt. Wir waren in den Büros und der Verwaltung, haben die eigene Schneiderei gesehen und standen auf der Dachterrasse der Schule. Von dort oben hat man einen richtig schönen Blick über die Umgebung und sieht auch den großen Salzsee der kurz hinter dem Gelände beginnt.

Auch kulinarisch haben wir uns schon gut eingelebt. Fufu, Maniok, Kochbananen, Reis in allen möglichen Variationen und natürlich jede Menge Früchte haben wir probiert. Vieles kennt man zwar aus Deutschland, aber hier schmeckt es trotzdem anders. Die Ananas z.B. ist viel süßer, und wir haben auch neue Früchte probiert, zum Beispiel eine „annona senegalensis“, auch Afrikanischer Zuckerapfel genannt die wachsen hier an einem Baum neben unserem Haus. Außen hat sie eine knubbelige Schale, innen weiches, süßes Fruchtfleisch mit großen Kernen. Mein persönliches Highlight war jedoch glaub einfach, wo ich an einem Vormittag einer Köchin von dem Foyer geholfen habe, Paté für alle Kinder aus der école alternative zu formen und dann anschließend über dem feuer zu fritieren 🙂

Ab morgen startet dann eine neue Challenge für uns zwei, dir müssen selber kochen. Ob wir das genauso gut hinbekommen wie die Köchin der Schwestern-Gemeinschaft, wird sich zeigen. Die wichtigsten Zutaten haben wir zumindest schon besorgt. Dafür haben wir gestern zum ersten Mal richtig das Gelände verlassen und sind mit zwei einheimischen Mädchen zu einem nahegelegenen Markt gegangen. Rike und ich waren erstmal ziemlich überfordert: Schon auf dem Weg an der Straße lang gilt keine der deutschen Verkehrsregeln die wir kennen, die Motorräder vorallem fahren alle Kreuz und Quer, und ohne zu hupen läuft wohl gar nichts… Zum Glück haben die beiden das Verhandeln und Einkaufen für uns übernommen. Ohne sie hätten wir nicht mal ansatzweise gewusst, was die richtigen Preise so ungefähr sind.

Nicht nur das Einkaufen läuft hier anders – auch das Wäschewaschen. Eine Waschmaschine gibt es nicht, also wird alles per Hand gewaschen. Das haben wir am Samstag zum ersten Mal gemacht. Samstags wird wird künftig unser Wasch- und Putztag sein, denn das ist unser freier Tag in der Woche.

Heute Morgen waren wir zum ersten Mal in der Messe. Es war ein katholischer Gottesdienst und vom Ablauf her gar nicht so anders als in Deutschland – aber die Atmosphäre war eine völlig andere. Überall sieht man bunte traditionelle Kleidung, jedes Outfit einzigartig, weil die Stoffe individuell ausgesucht und anschließend maßgeschneidert werden. Besonders schön fand ich die Musik. Es wurde viel mehr gesungen als ich es aus Deutschland kenne, begleitet von einem Chor und einer kleinen Band. Dadurch wirkte der Gottesdienst lebendiger und fröhlicher.

Wenn ich auf diese erste Woche zurückblicke, bin ich sehr zufrieden und merke gerade beim schreiben, was wir alles das erste mal gemacht haben… die ersten Begegnungen mit den Mädchen, den ersten Marktbesuch, das erste Wäschewaschen per Hand, die ersten unbekannten Gerichte und die erste Messe hier in Benin.