Köllumbien - Jan Wachendorf

Jeck in Medllín

Ferien, Weihnachten, Sylvester und co.

Hallo zusammen,

Jetzt sind schon wieder über zwei Monate seit dem letzten Eintrag vergangen und als Grund kann ich ganz ehrlicherweise nur Faulheit angeben. Trotzdem werde ich jetzt versuchen die Geschehnisse und meine Beobachtungen einigermaßen chronologisch wiederzugeben.

Der November verlief bis auf die letzten Tage ohne besondere Ereignisse. Neben den Ausflügen, die ich noch im letzten Blog beschrieben hatte gab es nichts besonderes zu berichten, die Arbeit verlief wie immer und bis Ende November blieb das auch so. Das erste große Event war dann das Festival de Talentos, hier in der großen Sporthalle der Ciudad Don Bosco. Die Kinder aus allen verschiedenen Einrichtungen (auch einige aus Derecho a Soñar) sorgten für tolles und unterhaltsames Programm, mit Tänzen, Musik und Schauspielen. Eine Jury aus professionellen TänzerInnen, MusikerInnen und SportlerInnen bewertete das ganze und zeigte zum Schluss auch noch etwas aus dem eigenen Repertoire. Alles in allem eine sehr gelungene Aktion an der die Kinder viel Spaß hatten und an der nachher auch noch jeder, der wollte, auch wenn er nicht im Wettbewerb war, teilnehmen konnte.

Am 30 November fand die Feier der Angestellten statt, ebenfalls in der Sporthalle. Die Kinder fuhren zusammen mit den Erziehern zu einer nahegelegen Finca und wurden dort bespaßt, sodass Ciudad Don Bosco nur für die Arbeiter leer stand (die Erzieher hatten einige Tage später noch ihre eigene Feier). Nach der Messe zum Anfang ging es in die Halle, wo es ein leckeres Essen und Getränke für alle gab. Währenddessen lief ein großes Gewinnspiel, in welchem die Volontäre enorm  absahnten und drei Kissen und eine Mikrowelle mit nach Hause nahmen (diese hat Diego dann an die Küche gegeben).

In der Nacht erlebten wir den großen, feierlichen Eintritt in den Dezember mit, der sich wie ein zu frühes Sylvester beschreiben lässt. Überall waren die Menschen auf den Straßen, man hörte viel Musik und um Null Uhr stiegen die Raketen in die Höhe. Von unserem Aussichtspunkt, direkt neben der Ciudad Don Bosco, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die ganze Stadt hat, sahen wir ein tolles Schauspiel vieler Raketen.

Mit dem Eintritt in den Dezember habe ich es dann übrigens auch endlich geschafft meinen großen Traum der Weihnachtsdeko zu verwirklichen, sodass wir am Abend des 1 Dezember mit allen Volontären die Küche und den langen Flur mit Lichterketten, Girlanden, Christbaumkugeln und vielen anderen Dekorationen geschmückt haben. Doch trotz der vielen Bemühungen, Weihnachtsmusik und Dekorationen muss ich als Fazit leider festhalten, dass ich bei 30°C, Sonnenschein und Pool nicht wirklich in Weihnachtsstimmung kommen konnte. Dennoch vermerke ich die Dekorationen als meinen größten Erfolg in der Volontärsgemeinschaft.

Die Dekoration, zur Weihnachtszeit ist hier in Medellín ohnehin ein enorm großes Thema. Wo man auch hinsieht sieht man Lichterketten an jedem Haus, große Krippen in jedem Sträßchen und auf jedem Platz. Doch die Weihnachtsstimmung ist eine ganz andere! Dem Wetter und der Kultur entsprechend sind die Weihnachts- und Adventslieder nicht ruhig und besinnlich, sondern sehr auf Fiesta ausgelegt. Auch die Beleuchtungen sind keine sanften und stillen Lichter, sondern blinken die ganze Zeit und geben die Partystimmung vor.

Der einzige wirklich ruhige besinnliche Moment, den ich mitbekommen habe war meiner Meinung nach der Abend des siebten Dezember. Die Tradition der „Noche de las Velitas“ (Nacht der kleinen Kerzen) ist eine der meistbeobachteten Bräuche Kolumbiens. Die Menschen erleuchten viele kleine Kerzen, in vielen verschiedenen Farben und feiern so den Tag der Jungfrau Maria.

Im Dezember sind wir in der vom 10. bis zum 14. mit allen Volontären und unseren Koordinatoren James und Leyre in die Kaffeezone Kolumbiens gefahren, die im Zentrum des Landes liegt. Dort kamen wir nach vielen Stunden Busfahrt zwar sehr k.o. an, wurden jedoch sofort wieder wach: Untergebracht waren wir nämlich in einer sehr schönen Finca Don Boscos, ausgestattet mit Pool, Sportplatz und Volleyballfeld. Dort lebt eine sehr liebe Familie, welche die Finca instand hält und die sich auch um uns kümmerte, das Essen für uns zubereitete und grundsätzlich immer ansprechbar war. Noch am Abend des ersten Tages, sind wir dann zu den etwa eine Stunde entfernten „termales“ (heiße Quellen) gefahren und haben dort einen angenehmen Abend genossen. Am Dienstag fuhren wir dann in den „Parque de Café“, einen nahegelegenen Freizeitpark, und am Mittwoch blieben wir zu Hause und hatten einen entspannten freien Tag, den wir hauptsächlich auf dem Basketballfeld und im Pool verbrachten. Mit dem schlimmsten Sonnenbrand den ich je hatte fuhren wir dann am Donnerstag nach Salentó, ein schönes kleines Dorf in Nähe, ähnlich wie Guatapé, doch natürlich sehr auf den Kaffeeverkauf angelegt, was mir ganz recht kam.

Während des Urlaubs mit James und Leyre kam uns Volontären die Idee, im Anschluss die Kaffeezone noch einen kleinen Kurzurlaub fürs folgende Wochenende in Jericó einzulegen. Jericó ist ebenfalls ein kleines Dorf und liegt etwa auf halber Strecke zwischen unserer Finca und Medellín. Als wir dann am Freitag also mit James und Leyre den Rückweg antraten haben die uns irgendwann rausgelassen und wir fuhren mit einem Bus den letzten Rest bis nach Jericó. Dort sind wir in einem sehr schönen Hostel untergekommen, in dem wir viele Menschen aus Europa und auch einige Deutsche trafen. In Jericó waren wir ein bisschen wandern, sind im Fluss schwimmen gegangen und hatten grundsätzlich eine sehr schöne Zeit. Auch hier waren die unzähligen Weihnachtsdekorationen nicht zu übersehen. Auffällig war auch, dass viele dieser Dekos nicht einmal etwas mit Weihnachten zu tun haben müssen (zumindest verbinde ich sie nicht mit Weihnachten): Während es zwar einige Christbäume und dicke rote Kerzen zu sehen gab, fand man am gleichen Ort auch Flamingos, Enten oder Papageien (alles aus Lichterketten geformt). Es geht, soweit ich das beurteilen kann, viel mehr darum aus Lichterketten möglichst viele bunte und beeindruckende Bilder zu schaffen. Diese müssen nicht direkt weihnachtlich sein, die Weihnachtsstimmung soll schon durch die Lichter allein hergestellt werden.

Nach einer anstrengenden langen Busfahrt kamen wir dann Sonntag abends wieder in Medellín an. Da „Derecho a Soñar“ um diese Zeit schon in Pause ist und nur noch wenige der Mitarbeiter da sind (aber dann nur in der Oficina arbeiten) war es in den darauf folgenden Tagen unsere Aufgabe in Ciudad Don Bosco zu helfen wo Hilfe gebraucht wurde. Das heißt, das wir die Educadores unterstützt haben, viel mit den Jungs gespielt haben und grundsätzlich einfach immer verfügbar waren.

In der Adventszeit beginnen in Kolumbien auch die „novenas“. Diese lassen sich am besten als kleine Andachten beschreiben, in denen einige Gebete vorgelesen werden und viele Lieder gesungen und getanzt werden. Auch in Ciudad Don Bosco gab es in der Adventszeit jeden Tag eine „novena“ die wurden geleitet, von zwei Salesianern, die extra für diese Zeit nach Ciudad Don Bosco kamen. Auch wir haben daran immer teilgenommen und dementsprechend auch den Jungs bei den kleinen Spielchen und Aufgaben die zu erledigen waren geholfen.

Und nach 24 Dezembertagen war es dann endlich so weit. Weihnachten und Heiligabend bedeutete in Ciudad Don Bosco viel Action, Spaß und Programm. Zu Beginn gab es eine kleine Zirkusshow im „Coliseo“, der großen Sporthalle. Hierfür kamen 7/8 Künstler vorbei zeigten verschiedene Tricks, kleine Shows und Tänze. Danach ging es zur ersten Bescherung des Tages über. Jeder Junge erhielt eine Tüte mit einem neuen Kleidungsset, jedoch waren es nicht alles die gleichen, sondern sehr unterschiedlich durchgemischt, sodass auch jeder sein individuelles Geschenk erhalten hatte. Daraufhin ging es dann zum Mittagessen und am Nachmittag ging es für die die wollten in den Pool (es waren ja absurderweise über 30°C), der Rest hat in der freien Zeit Fußball gespielt oder sich sonst irgendwie beschäftigt. Am Nachmittag hatten wir Volontäre mit unseren Koordinatoren und den Salesianern José Luis und Raffael ein kleines Treffen, in dem wir uns gegenseitig einige kleine Geschenke gaben. Ciudad Don Bosco beschenkte jeden der Volontäre dann auch noch mit einer Weste. Abends war dann die große Weihnachtsmesse, alle Jungs hatten sich ein wenig schick gemacht und freuten sich sehr darauf. Auch ich hatte mich sehr auf Heiligabend gefreut und hatte große Lust auf eine schöne Weihnachtsmesse. Im Unterbewusstsein hatte ich aber dummerweise vergessen, wo ich bin. Das heißt, dass ich (auf eine besinnliche Christmette vorbereitet) von den energiereichen, lauten und mit klatschen begleiteten Song zurück in die Realität gerissen wurde… Die Messe war dann aber natürlich trotzdem sehr schön, nur nicht so, wie ich es kenne. Nach dem Gottesdienst erhielte die Jungs jeder noch ein Geschenk: Alle bekamen Bluetooth-Kopfhörer geschenkt, die sich alle auch sofort begeistert aufzogen und damit herumliefen, was ein sehr lustiges Bild abgab. Mit einer kleinen, letzten „novena“ am Abend endete der programmreiche und sehr schön gestaltete Tag dann auch.

Um den Dezember dann vernünftig abzuschließen kommen wir jetzt natürlich auch noch zum Schlusspunkt: Sylvester und Neujahr. Auch an diesem Abend, gab es in Ciudad Don Bosco natürlich wieder viel zu feiern. Abends ging es zu einem zweiten Abendessen ins „Coliseo“, es gab eine große Piñata für die Jungs, deren Plünderung brutale Ausmaße annahm. Mit den daraus gewonnen Spielen gab es dann einen netten Abend, alle hatten eine schöne Zeit und spielten viel. Um zwölf Uhr waren alle schon im Haus, daher sind wir zu den Jungs gegangen und haben innen mit ihnen auf 00:00 Uhr runtergezählt.

Das erste, was im neuen Jahr noch nennenswertes geschah war die Ankunft des neuen Direktors von Ciudad Don Bosco. Am 11. Januar war dann der offizielle Amtsantritt von Padre Carlos Manuel Barrios als neuer Direktor. Für uns war es zwar sehr schade, dass Padre Raffael nicht mehr da sein würde, jedoch sind wir auch sehr glücklich mit Carlos, ein sehr netter, sympathischer Typ, der insbesondere in diesen ersten Wochen und Monaten seiner Amtszeit enorm präsent in Ciudad Don Bosco ist und immer wieder anzutreffen ist.

Der Beginn des neuen Jahrs bedeutet auch die Wiederaufnahme der Arbeit in den Barrios mit „Derecho a Soñar“. Der Anfang lief aber auch nur sehr schleppend. Die Kinder wussten nicht wirklich bescheid, dass es wieder losging und kamen dementsprechend nur sehr vereinzelt und das für bestimmt zwei Wochen. Inzwischen ist es aber schon wieder klar geworden das das Programm wieder läuft und die Kinder kommen wieder in der normalen Anzahl.

Seit dem 21. Januar hat „Derecho a Soñar“ auch einen Salesianer im Team. Padre Rodrigo Echandia verstärkt den spirituellen Teil des Programms und ist als Pädagoge auch ein guter Ansprechpartner für die Kinder. Mit ihm hat das Programm auch schnell in jedem Barrio mit der „parroquia“ also der Kirche und Gemeinde des Barrios Kontakt aufgenommen.

 

Zu sonstigen aktuellen Geschehnissen lässt sich noch sagen, dass Leopold und ich am Mittwoch nach Bolivien fliegen, wo wir unser Zwischenseminar mit den anderen Don Bosco Volunteers in Lateinamerika haben werden. Wir freuen uns sehr darauf!!!

Außerdem ist unser Urlaub inzwischen auch schon geplant. Am Abend des 28 Februar fliegen wir nach Santa Marta, an die Karibikküste Kolumbiens. Dort haben wir neben dem Karneval in Barranquilla ein großes Programm geplant, werden einige Dörfer besuchen und für en paar Tage in dem großen Naturpark „Parque Tayrona“ übernachten. Wir werden insgesamt eineinhalb Wochen im Urlaub sein und am 10 März zurückkommen.

 

So, das sollte es fürs erste auch wieder gewesen sein. Ich werde versuchen die nächsten Blogs nicht mehr mit einer solch großen Verzögerung hochzuladen. Vielen Dank fürs Lesen, wie immer freue ich mich über jede kleine Spende.

 

Viele Grüße und eine schöne Woche

Jan

 

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Ereignisreicher Monat

  1. Avatar

    Nathan

    Hi Jan,
    Ich verstehe nur Urlaub und Feiern. Scheint ja echt hart für Euch zu sein.
    Ansonsten liest sich wieder alles sehr spannend. Die fehlenden Bilder kann man sich lebhaft vorstellen. Vielleicht lädt du das nächste Mal ein paar hoch, dann brauchst du nicht so viel Text 😉
    Heute hier in Kölle 4 Grad bei Regen – brrrr.
    Gruß Nathan

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