Einfach ein bisschen Viji – Essen, Bräuche und mehr

Halli Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren Blogeintrag.

Mir geht es sehr gut. Ich habe meinen Rhythmus gefunden und trotz anfänglicher Schwierigkeiten bin ich super froh hier in Vijayawada, Indien gelandet und geblieben zu sein. 

Dieser Eintrag handelt vom Essen, dem Verkehr, den Bräuchen und der Gesellschaft der Stadt in der ich nun seit fast 5 Monaten lebe. 

Anfangs ist mir wichtig zu sagen, dass ich hier ausschließlich über meine Erfahrungen und Eindrücke rede. Indien ist super vielfältig und kann nicht in einem Blogeintrag zusammengefasst werden. Bei mir in Vijayawada wird bspw. mit bestimmten Situationen auf die eine Weise umgegangen und in anderen Teilen des Landes wird die gleiche Situation komplett anders gehandhabt.

Anfangen möchte ich mit dem Essen. 

Zum Frühstück (Tiffin) gibt es meist Dosa, Vada, Baji, Punugulu oder Idli. 

Kurze Erklärung:

  • Dosa: Erinnert beim ersten Blick an Pfannkuchen, ist aber aus Reis-Linsen Mehl. Es kann ohne Alles gegessen werden, aber auch mit einer Art Kartoffel Füllung, Zwiebeln usw.
  • Vada: Sehen aus, wie Donuts sind aus dem gleichen Teig wie Dosa, allerdings werden sie frittiert und sind mit Gewürzen gefüllt
  • Baji: Kleine Bälle, die frittiert werden und aus Weizenmehl bestehen, weshalb sie für uns besonders gut schmecken
  • Punugulu: Hier wird der gleiche Teig wie für die Vada verwendet, aber zu kleinen Bällchen geformt und ebenfalls frittiert
  • Idli: Kleine Ufos aus fermentierten Reis-Linsen Mehl.

Zu all diesen Delikatessen gibt es ein Chutney, also eine Art Dip/Sauce und Frühstücksreis.

Mittag und Abendessen sehen ziemlich ähnlich aus. Die Mahlzeiten bestehen normalerweise aus weißem Reis, Currys, Chappati, Samba und Curd. 

Es gibt super viele verschiedene Currys, da weiß man gar nicht welches man am liebsten mag. Chappati ist vergleichbar mit Naan, welches einige von euch kennen könnten. Es wird zu dem Reis und den Currys gegessen. Samba ist eine Art Suppe die nicht gelöffelt, sondern für den Reis serviert wird. Schlussendlich gibt es fast immer Curd, ähnlich wie Joguhrt, um die Schärfe des Essens auszugleichen. 

Sehr beliebte Gerichte in meiner Gegend sind außerdem Biryani Reis, mit Gewürzen und Gemüse angebratener Reis, Manchurian, kleine Gemüsebällchen und Pakodi, frittiertes Gemüse.

Gegessen wird mit der rechten Hand, die linke Hand wird auf dem Klo verwendet und hat am Esstisch nichts zu suchen. Anfangs ist es gar nicht so einfach mit einer Hand zu essen, aber irgendwann hat man den Dreh raus.

In den Projekten gibt es meist einfaches Essen. Im Shelter bekommen wir zum Mittag Reis, ein Gemüsecurry und Samba, nichts Besonderes aber trotzdem gut. Die Mahlzeiten im Chiguru und Deepa Nivas werden manchmal von Menschen gesponsert, um Geburtstage oder Todestage von Angehörigen zu zelebrieren. Hier bezahlen sie dann das Essen der Kinder, statt das Geld für Geschenke auszugeben. An solchen Tagen gibt es häufig besonderes Essen, bspw. Chicken Biryani oder spezielle Currys. 

Nun weiter zum Verkehr:

Die Menschen fahren hier hauptsächlich mit Tuk Tuks, auch Auto genannt, mit Motorädern, Scooties, Bussen oder mit dem Fahrrad. Auf Scooties kann tendenziell alles transportiert werden, ob Leitern, große Spiegel oder 6 Personen, alles kein Problem. Richtige Autos gibt es vergleichsweise eher wenige. Wir Volontäre bewegen uns hauptsächlich mit unseren Rädern oder Tuk Tuks fort. 

Die Straßen innerhalb der Stadt sind an sich sehr gut, allerdings gibt es sogenannte „Speed Bumps“ -kleine Huggel auf der Straße- um zu verhindern, dass die Menschen zu schnell fahren. Außerhalb der Stadt nimmt die Qualität der Straßen ab, es gibt viele Schlaglöcher und Unebenheiten.

Anfangs war das Fahrradfahren in dem lauten und vollen Stadtverkehr Vijayawadas sehr anstrengend, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es ist sogar sehr spaßig. Jedes Mal ein kleines Abendteuer, fast wie Mario Cart in real life. 

Regeln im Verkehr gibt es kaum welche, vielleicht gibt es einige, aber es hält sich niemand daran. Es geht ein bisschen nach dem Prinzip „Friss oder stirb“ und „Wer zuerst kommt, malt zuerst“. Jeder fährt wie er/sie möchte, trotz Verkehrschaos habe ich bisher wenige Unfälle gesehen. Hupen hat nicht die gleiche Bedeutung wie bei uns in Deutschland. Gehupt wird, um zu sagen „Achtung ich komme“ oder „Geh zur Seite, ich muss durch“.

Trotz dessen achtet jeder ein bisschen auf jeden, sodass es auf irgendeine Art und Weise zu funktionieren scheint. 

Die Bräuche und Gewohnheiten:

Anfangen möchte ich hier mit der Kleidung. 

Die meisten Menschen tragen sogenannte Slippers, bzw. Flip-Flops, viele sind aber auch barfuß unterwegs. In den meistens Shops zieht man vor dem Betreten die Schuhe aus, eigentlich ziemlich schlau, so wird nicht der Dreck von draußen mit hineingetragen. Dies kann allerdings in einem großen Schuhsalat enden, bei dem man manchmal ein bisschen braucht, um das eigene Paar wieder zu finden. 

Zur Arbeit tragen Frauen Saris oder Punjabis, also traditionelle Kleidung. Auch auf Baustellen, in Krankenhäusern oder in den Projekten des Navajeevans wird dies so gehandhabt. Hinzu kommt viel Schmuck, wie Bangels, Armreifen und Fußketten, die bei jedem Schritt klimpern. Außerdem haben viele Frauen einen Nasenpiercing und mehrere Ohrlöcher. Auch kleine Mädchen im Alter von 5-8 Jahren haben bereits Schmuck an der Nase und an ihren Ohren. Es wird viel Gold getragen, je größer und glänzender desto besser.

Männer sind mit Hose und Hemd unterwegs, man sieht nur einige wenige die Lungis, traditionelle Kleidung der Männer, tragen. 

Hier in Indien leben viele Hinduisten, die verschiedene Feste wie das Ganesha – Fest, Diwali, Holi und viele weitere feiern. Zu jeder Feierlichkeit gibt es verschiedene traditionelle Kleidung, mal sind es orangene Trachten, ein anderes mal blaue, es gibt aber auch rote, schwarze oder grüne die abhängig vom Tag getragen werden. Die Feste sind meist zu ehren von den verschiedenen Gottheiten, hierfür werden häufig laute Trommeln, Umzüge durch die Stadt und viel Musik verwendet.

Der bekannte Punkt auf der Stirn, Bindi genannt, steht für das dritte Auge, welches für Weisheit und Spiritualität spricht. Traditionell ist er rot für die Farbe der Stärke. Obwohl er aus dem Hinduismus kommt und ursprünglich nur von verheirateten Frauen getragen wurde, sieht man mittlerweile auch Kinder, Jugendliche und Frauen anderer Religionen einen Bindi tragen.

Eine Tradition, die für mich sehr neu und interessant war, ist das Cake cutting. Hier schneidet das Geburtstagskind einen Kuchen an und wird von allen Beteiigten mit einem Stück gefüttert. An sich eine sehr lustige Angelegenheit, außer wenn man plötzlich fremde Menschen füttern muss oder von Fremden gefüttert wird. 

Mit den Kindern im Shelter hatten wir auch schon das ein oder andere Cake cutting. Diese sind meistens in Kuchenschlachten geendet, wer kann den anderen das größte Stück Kuchen in den Mund stecken. Immer eine sehr spaßige Angelegenheit. Dies ist aufjedenfall ein Brauch, den ich in Deutschland beibehalten möchte.

Die indischen Zeiten bzw. das indische Tempo waren anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Eigentlich kann man kommen und gehen wann und wie man möchte. Im Allgemeinen sind die indischen Menschen vor Ort sehr spontan und flexibel. 

So wurde bspw. geplant den Republic Day (ein Feiertag, um die Unabhängigkeit Indiens zu zelebrieren) im Shelter zu feiern. Hierfür haben wir extra gebastelt, die Boys haben einen Tanz alleine, einen mit uns Volontären vorbereitet und sich sehr darauf gefreut die Kinder aus anderen Projekten bei sich willkommen zu heißen. Schlussendlich wurde trotz wochenlanger Vorbereitung die Feier im Shelter einen Tag vorher abgesagt. Anna, Pauli und ich (das Shelter-Workteam) sind trotzdem dorthin gegangen und haben mit ihnen Kekse gegessen, Chai getrunken und versucht den Tag etwas interessant zu gestalten. Trotz dessen waren sie natürlich enttäuscht weil niemand gekommen ist.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass ein komplett anderer Lebensstil geführt wird, es gibt wenige Ähnlichkeiten zur bekannten deutschen Lebensweise. Dies kann auf der einen Seite sehr anstrengend und verwirrend sein, andererseits bin ich sehr froh darüber eine komplett andere Kultur auf diese Weise kennenlernen zu dürfen.

Derzeit bin ich bei meinem Zwischenseminar in Hyderabad, hier treffen wir uns mit allen deutschen Volontären Don Boscos die 2023/2024 ein Voluntariat in Indien absolvieren. Dazu im nächsten Blogeintrag mehr.

An dieser Stelle möchte ich um eine Spende für die bereits in anderen Einträgen beschriebenen Projekte bitten. Sie unterstützen damit die Kinder, die durch das Navajeevan von klein auf bis ins College die Möglichkeit bekommen betreut zu werden und geben ihnen eine Chance auf eine bessere Zukunft. Hiermit wird auch garantiert, dass in den nächsten Jahren weitere Auslandsfreiwilligendienste stattfinden können.

Wenn ihr Interesse daran habt, die Projekte und meine Arbeit zu unterstützen, findet ihr hier einen Link zu meinem Spendenkonto: https://www.donboscomission.de/volontariat/2023/spenden/hannadierkesindien

Solltet ihr mehr Interesse haben, schaut doch gerne bei meinem Instagram-Account @hannaindien vorbei. 

Liebe Grüße und bis bald.

Hanna

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Eine indische Adventszeit

  1. Monika Klingberg

    Danke für Deine tollen Eindrücke aller Art!
    Ich freue mich sehr – Eli und Roland natürlich auch – dass es Dir jetzt gut dort geht. Wie schön, dass Du die anfänglichen Klippen in ungewohnten Fahrwassern umschiffen könntest. Bzw umlaufen oder mit dem Rad umfahren 😉

    Lecker, lecker, Deine Essensinformationen

    Eure Arbeit dort ist sehr wichtig sozusagen lebenspendend. Weiter so und auch eine gute Zeit miteinander.
    MoKli

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