Nach Weihnachten sind wir für ungefähr zwei Wochen in den Urlaub gefahren. Es war das erste Mal, dass wir in Ruanda gereist sind und dementsprechend war es sehr aufregend und spannend. Zuerst waren wir für ein paar Tage in Kigali, danach sind wir weiter nach Gisenyi, ein Ort im Westen des Landes am Lake Kivu. Danach ging es wieder nach Rango, damit wir pünktlich zum Ende der Schulferien wieder zurück wären.

Anreise

Wie ich bereits erzählt habe, ging es am 26. Dezember los. Nach dem Mittagessen haben wir uns erstmal von ein paar Leuten verabschiedet, dann ging es zum Busbahnhof in der Stadt, wieder auf der Ladefläche des Jeeps. Am liebsten wären wir so bis nach Kigali gefahren.

Drei der Salesianer mussten auch für ein Treffen nach Kigali, sodass wir zusammen fahren konnten, was gut war, weil Sonja und ich keinen Plan hatten, wie das mit den Bussen funktioniert. Am Bahnhof mussten wir erstmal über eine Stunde warten, weil der Bus den wir eigentlich nehmen wollten, schon voll war. Irgendwann ging es dann aber los.

Die Fahrt nach Kigali dauert etwa drei Stunden. In dieser Zeit habe ich hauptsächlich aus dem Fenster geguckt. Oder ein wenig gedöst. Auf dem Weg wurde es irgendwann dunkel und hat angefangen in Strömen zu regnen. Aber das kennen wir ja schon. Leider hatten wir auch kurz vor Kigali einen längeren Stopp, weil vor uns ein Unfall passiert ist und dadurch die Straße blockiert war.

In Kigali angekommen, war ich überwältigt von der Menge an Menschen, Bussen und anderen Gefährten, die sich am Bahnhof befunden haben. Alleine, weiß ich nicht, wie wir den Ausgang hätten finden sollen. Mit einem Taxi sind wir dann vom Bahnhof zum Provinzialat gefahren. Sonja musste auf meinem Schoß sitzen, weil wir sonst nicht alle ins Auto gepasst hätten.

Im Provinzialat angekommen wurden wir von einem der Salesianer dort begrüßt und haben was gegessen. Das Highlight des Abends war, das erste Mal seit vier Monaten, warm zu duschen.

Kigali

Bei unserem ersten Frühstück in Kigali haben wir einen kanadischen Pfarrer im Rentenalter getroffen, der uns davon erzählt hat, wie er nach Ruanda gekommen ist und wie er in den Nationalparks neue Arten von Orchideen entdeckt hat. Eine dieser Arten, trägt jetzt seinen Namen. Die Orchideen, die im Garten des Provinzialats gepflanzt wurden, hat er uns auch direkt gezeigt. Er hat dann auch darauf bestanden, uns seinen Regenschirm zu geben, weil Sonja und ich, schlau wie wir sind, beide unsere in Deutschland vergessen haben.

Am ersten Tag sind wir viel herumgelaufen und haben uns umgeschaut. Wir waren in einem sehr grünen, ruhigen Park, am Convention Center, das Wahrzeichen der Stadt, haben den zweiten Regenschauer in einem Einkaufszentrum abgewartet und mit Aussicht auf die Stadt zu Mittag gegessen.

Nachmittags sind wir mit dem Moto in die Innenstadt gefahren, wo deutlich mehr los war. Sofort, als ich vom Moto gestiegen bin, wurde ich angesprochen und gefragt, ob ich nicht Klamotten oder Schuhe kaufen möchte. Da Sonja tatsächlich neue Schuhe gebraucht hat, sind wir in eine Art Markt gegangen und haben Schuhe gekauft. Am Ende waren wir sehr stolz, dass wir den Preis deutlich runter handeln konnten. Auch wenn Sonja noch immer zu viel gezahlt hat, war das für uns ein großer Erfolg. Während wir auf die Schuhe gewartet haben, hat eine Frau in dem Laden spontan angefangen mit mir zu tanzen. Trotz der ganzen Zuschauer eine lustige Erinnerung. Danach sind wir weiter durch die Innenstadt gelaufen und haben uns einfach treiben lassen.

Kimihurura Park

Aussicht auf die Hügel von Kigali

Am nächsten Tag haben wir das Kigali Genocide Memorial besucht. Das war eine sehr intensive Erfahrung. Besonders im Gedächtnis geblieben, ist mir ein Raum, in dem Familien von Opfern des Genozids, Fotos ihrer Verwandten aufhängen können. Genauso der sogenannte „Kinderraum“, in dem das Leben einzelner Kinder, die umgebracht wurden, genau beschrieben wird. Auch wenn die ganzen Informationen nicht leicht zu verarbeiten waren, war es uns wichtig, auch über diesen Teil des Landes zu lernen.

Die Innenstadt von Kigali (Blick vom Kigali Genocide Memorial)

Die restliche Zeit sind wir viel herumgelaufen, um so viel wie möglich von Kigali zu sehen. Wir haben einen Freund besucht, sind verloren gegangen und haben uns im Dunkeln die Weihnachtsdeko und die bunte Beleuchtung des Convention Centers angeschaut. Da Kigali deutlich größer ist als Huye, sind wir sehr viel Moto gefahren, um von A nach B zu kommen. Wenn es nicht gerade geregnet hat, macht das enorm Spaß. Wobei ich bei einer Fahrt nicht sicher war, ob ich heil ankomme, da der Fahrer den Großteil der Strecke auf der linken Fahrbahn gefahren ist und den Drang hatte, jeden vor uns zu überholen.

Außerdem waren wir in einem Kunstzentrum, in dem verschiedene Artikel aus recycelten Materialien verkauft werden und haben köstlich gegessen. Kigali hat uns unheimlich gut gefallen, die Stadt ist sehr lebendig und abwechslungsreich. Jetzt kann ich verstehen, warum viele Leute sagen, dass Huye keine Stadt, sondern ein Dorf ist.

Das Convention Center (Hintergrund) mit Weihnachtsdeko

Kigali bei Nacht, im Hintergrund ein Meer aus Lichtern auf den Hügeln der Stadt

Nach vier Tagen sind wir wieder zum Busbahnhof. Diesmal haben wir unsere fetten Rucksäcke auf Motos transportiert, was ein wenig abenteuerlich war, aber funktioniert hat. Am Busbahnhof war, wie bei unserer Ankunft, unheimlich viel los. Überall standen Busse, Autos und Menschen mit Koffern, Taschen und Körben. Allesmögliche wurde verkauft: Armbänder, Brot, Getränke, Gürtel, Ketten, Klamotten, Kopfhörer, Kopfkissen, Ladekabel, Obst, Ringe, Sandalen, Schuhe, Snacks, Süßigkeiten, Uhren und Zahnbürsten. Die Sachen haben die Verkäufer*innen entweder in der Hand oder in Schüsseln auf dem Kopf getragen und den Menschen, die auf die Busse gewartet haben, angeboten. Aus einem Bus, der gerade beim Abfahren war, hat ein Mann, durch das Fenster, noch schnell ein Brot gekauft.

Die Fahrt nach Gisenyi hat ungefähr vier Stunden gedauert, weil wir andauernd in kleine Staus gekommen sind und der Bus um die zwanzig LKWs in riskanten Aktionen überholen musste. Die Fahrt an sich hat sich aber auch schon gelohnt. Wir sind durch grüne, nebelige Gebirge und an den drei Vulkanen vorbeigefahren. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass dort in den Bergen irgendwo Gorillas leben.

Gisenyi

Unsere Zeit in Gisenyi war sehr entspannt. Wir konnten tatsächlich mal richtig ausschlafen. Obwohl gerade Winter ist, war das Wetter fantastisch, sodass wir viel einfach nur am Strand entspannt haben. Das erste Mal in meinem Leben, habe ich gesehen, wie Fledermäuse schlafen. In den Tannen und Palmen am Strand hingen Hunderte von Fledermäuse kopfüber von den Ästen. Die Geräusche, die sie gemacht haben, klangen so ungewohnt, dass wir uns erst gefragt haben, ob Affen oder seltsame Vögel in den Bäumen sitzen. Ein paar Jungs, die uns beobachtet haben, wie wir fasziniert in die Bäume gestarrt haben, haben aus Spaß ihre Schuhe ausgezogen, um damit auf den Boden zu hauen und somit die armen Fledermäuse zu wecken. Dass wir uns um den Schlaf der Fledermäuse gesorgt haben, fanden sie recht amüsant.

Auch in Gisenyi sind wir viel herumgelaufen, um die Stadt zu erkunden. Wir sind zum Grenzübergang mit der Demokratischen Republik Kongo gegangen, um zumindest den Kongo von weitem gesehen zu haben. Es hat uns schon gereizt, die Grenze zu überqueren und uns Goma anzuschauen, aber viele Leute haben uns gesagt, dass das gefährlich wäre. Andere wiederum meinten, es gäbe keine Probleme. Uns war die Aktion dann doch zu riskant, sodass wir in Ruanda geblieben sind und Goma nur von Weitem betrachtet haben.

An der Grenze zum Kongo, die Häuser im Hintergrund, gehören zum Kongo

Auf Lake Kivu haben wir eine Bootstour gemacht. Während die Sonne schon langsam untergegangen ist, sind wir erstmal weit raus gefahren, von wo aus man sehen konnte, das auf dem Land eigentlich nur Berge sind. Die Küste sah fast ein bisschen aus wie Italien, nur das wir hinter der Stadt einen Vulkan sehen konnten.

Ansonsten sind wir noch eine Freundin besuchen gegangen, die uns ihr Viertel und den Markt (an dem nichts los war, weil Sonntag war) gezeigt hat und waren bei heißen Wasserquellen. In der Nähe von Gisenyi, gibt es eine Stelle am See, an dem heißes Wasser aus der Erde kommt und in den See fließt. Dort kann man sich in einen mit Sandsäcken abgesteckten Bereich setzen und den natürlichen Whirlpool genießen. Das Wasser, das direkt aus der Erde kommt, ist um die 70 °C heiß, dort, wo man sich ins Wasser setzen kann, ist es um die 35°C warm. Zur Abkühlung sind wir im See schwimmen gegangen.

Lake Kivu

Bootstour mit Blick auf einen Vulkan

Am Strand

Für Silvester hatten wir eigentlich nichts Besonderes geplant. Wir sind abends in eine Bar direkt am See gegangen und haben dann tatsächlich (unerwarteterweise) in 2023 reingetanzt. Über Goma war um Mitternacht sogar ein Feuerwerk zu sehen.

Zurück nach Hause

Die Rückfahrt war lang und anstrengend, die Aussicht dagegen wie immer fesselnd, bis es dunkel wurde. Zurück nach Rango zu kommen, war ein seltsames Gefühl. Einerseits sind wir nach Hause gefahren, ohne richtig nach Hause zu kommen und andererseits, hat es sich doch angefühlt, wie nach Hause kommen. Alles war so vertraut, die frische Nachtluft, die kalte Dusche und das warme Essen, was in der Küche auf uns gewartet hat.

Das Auspacken habe ich natürlich mehrere Tage vor mir hergeschoben. Jetzt sind die Ferien vorbei und die Schüler*innen sind zurück. Unsere erste Englischstunde haben wir schon gegeben und auch mit Kinyarwanda geht es weiter. Letzten Samstag wollten wir im Oratorium mit ein paar Kindern Badminton spielen. Sonja hat von ihren Eltern Schläger und Bälle geschickt bekommen. Das Netz aufzustellen hat sich als schwierig herausgestellt, weil der Boden zu hart war. Während wir dabei waren die Stangen irgendwie gerade und stabil in den Boden zu bekommen, wurden die Schläger schon fleißig ausprobiert. Dank des Windes ist der erste Ball nach circa 15 Minuten auf dem Dach eines Hauses gelandet. Mal sehen, ob der Regen ihn irgendwann wieder runter spült. Das Spielen hat trotzdem Spaß gemacht. Das Gute an Badminton ist, dass ich bei diesem Spiel tatsächlich die Chance habe, auch mal zu gewinnen.

Badminton

In zweieinhalb Wochen geht es für uns schon wieder raus aus Rango. Wir werden für elf Tage nach Malawi fliegen, für unser Zwischenseminar. Es ist unfassbar, dass die Hälfte der Zeit hier, schon fast vorbei ist.