Mit Don Bosco in Duékoué

Franzi in der Elfenbeinküste

4- Kneif mich mal!

Ja hin und wieder zwick ich mich selbst, weil ich es gar nicht glauben kann, dass ich gerade wirklich in Afrika bin. Ich vergesse oft, dass ich gerade auf einem ganz anderen Kontinent lebe.
Ich fühle mich schon so zu Hause, habe hier meinen Alltag, habe mich gut eingelebt…
Doch an 10 Sachen muss ich mich im Laufe des Jahres trotzdem noch richtig gewöhnen:

1. Unterm Moskitonetz schlafen (in einer Nacht ist mein Moskitonetz runtergefallen, am nächsten Morgen bin ich mit einem dicken verstochenen Auge [Für alle Animal-Crossing-Kenner: Ich sah so aus, als hätte ich ein Bäumchen geschüttelt und  dann istt nicht Geld, sondern das Bienennest heruntergefallen :D] und gefühlten 1000 anderen Moskitostichen aufgewacht.  Das war weniger schön! Also ohne Moskitonetz geht es wirklich nicht.)

2. Die Dusche ist immer kalt (was aber nach einem heißen und staubigen Tag wirklich angenehm ist) und ab und zu leisten mir ein paar Kakerlaken Gesellschaft.

3. Es gibt hier keine Milch, deshalb rühren wir uns jeden Morgen mit Milchpulver, Zucker, Kakao und  Wasser eine heiße Schokolade an. (Auf die erste richtige Milch in Deutschland freu ich mich jetzt schon wieder.) À propros Wasser, das trinken wir nicht direkt aus dem Wasserhahn, sondern erst, nachdem es gefiltert wurde.

4. Eine Müllabfuhr lässt hier auch zu wünschen übrig. Alternative: entweder eine Müllhalde mitten auf dem Markt ( ich glaube, einer hat angefangen, seinen Müll dort hin zu  schmeißen und alle anderen haben es dann auch getan) oder die Menschen verbrennen ihren Müll selber. Man findet leider keine saubren Straßen in Duékoué. Mülleimer sind hier eher ein Fremdwort.  Auf dem Gelände von Don Bosco gibt es eine kleine Feuerstelle, an der auch ich meinen Müll, egal ob Plastik oder Papier, verbrenne.

5. Taxifahren ist hier jedes Mal ein Erlebnis. Die Taxis sind grün lackierte, ALTE Autos, oftmals mit einer komplett gesprungenen Frontscheibe und der Rest des Autos scheint auch jede Sekunde auseinander zu fallen. Die Einkäufe, die wir in den Kofferraum stellen, drohen entweder durch die Löcher im Boden des Autos zu verschwinden oder aufgrund des nicht verschließbaren Kofferraumdeckels während der Fahrt aus dem Auto zu fallen. Und ein kleines Taxi nimmt so viele Menschen mit, wie in ein Großraumtaxi in Deutschland passen würde. Zu Sechst auf der Rückbank zu sitzen, scheint hier keine Seltenheit zu sein.

6. Um 18:30 wird es hier ganz schnell stockdunkel. Nacht. Da blöderweise meine Zimmerlampe alle zwei Tage kaputt geht, tapse ich ab dann im Dunkeln herum  und versuche, mein Bett zu finden 😉

7. Steckdosen, die man einfach nicht gebrauchen kann. Ich habe einmal meinen Laptop in der Steckdose in meinem Zimmer aufgeladen. Danach gab es gleich ein Batterieproblem. Die Spannungsschwankungen sind hier einfach zu groß. Zum Glück haben die Schwestern einen Spannungsregler, deshalb lade ich alle Geräte nun bei ihnen auf. Doch wenn Stromausfall ist – und das passiert jeden Tag mehrmals hier – dann hilft auch das nichts mehr.

8. Mein Zimmer hat 2 Fenster ohne Scheiben. Es gibt nur ein Moskitonetz mit Löchern (zwecklos), ein Metallgitter und Holzladen, die auch Löcher haben.  Deshalb höre ich besonders nachts die ganzen Tiere draußen zirpen und zwitschern, als wären sie alle mit mir in meinem Bett. Und auch die Musik der „Diskos“ dröhnt jede Nacht zu mir herein. Ich fühle mich, als würde ich zelten. 😀

9. Jeden Tag Fisch und Fleisch essen. Für die meisten von uns ist das normal oder nichts besonderes, aber nachdem ich mich nun 4 Jahre lang vegetarisch ernährt habe, hat mich das am Anfang eine Menge Überwindung gekostet. Hier Vegetarier zu sein, ist wirklich unmöglich. Käse gibt es kaum bis garnicht und jeder Koch möchte natürlich, dass man alles probiert. Also Augen zu und durch.

10. Meine Hautfarbe und meine Haare reißen viele Blicke auf mich. Egal wo ich bin, ich stehe augenblicklich im Mittelpunkt. Die Menschen fragen sich, ob das Extensions sind ( viele Ivorerinnen tragen Kunsthaar und Perücken).
Als ich vorhin unterwegs war, höre ich einen Sprechgesang..Der Text lautete: „La blanche, la blanche, la blanche,…“ – Die Weiße. 10 Sekunden später wurde ich von 5 Kindern von allen Seiten umarmt und konnte gar nicht mehr weiterlaufen. Sie wollen einfach nur die weiße Haut berühren.
Meine Hautfarbe hier hat aber einen echt großen Nachteil. Auf dem Markt muss ich für alles mindestens den doppelten Preis zahlen. Da ich mich mit den gewöhnlichen Preisen und dem Verhandeln kein bisschen auskenne, überlasse ich das lieber der Schwester.

Aber ich glaube, das alles ist auch nur eine Frage der Zeit, bis auch diese 10 Sachen sich ganz gewöhnlich anfühlen werden.

 

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Schwarzweiß
Wird es nicht endlich Zeit, damit aufzuhören?
        schwarz – weiß
Ich sehe keinen Unterschied.
Wir sind nicht nur schwarz oder weiß, nicht einfarbig, farblos.
In jedem von uns steckt so viel Leben, so viel mehr als nur eine Farbe.
        Wir sind bunt.
Es wird Zeit, die Schwarzweißbilder in unseren Köpfen zu ersetzen.
Sie sind veraltet, staubig und vor allem unscharf.

Farbbilder – sie sagen so viel mehr, erzählen eine ganze Geschichte. Sie verbinden uns.
Ich bin nicht die Weiße und du bist nicht der Schwarze. Wir sind die Bunten.
        Es gibt keinen Unterschied.

 
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P.S. Auf dem Bild bin ich mit einem Mädchen aus dem Foyer zu sehen. Wir tragen den Pagne, ein großes Stück Stoff, das wie hier z.B. als Wickelrock verwendet werden kann.

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  1. Liebe Franziska!
    Du bist bewundernswert – wie Du mit all diesen Erlebnissen und Erfahrungen umgehst! Besonders schön finden wir Deine Reflektion „Schwarzweiß“. Toll, wie Du das alles in Dein Leben integrierst. – Wir wünschen Dir Freude und Mut für alles Neue, das auf Dich zukommt.
    Liebe Grüße
    Anni und Kurt

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