Die Don Bosco-Einrichtung in der ich den Februar verbracht habe befindet sich in V-Pet (der vollständige Name des Dorfes ist für alle zu lang).
Die Fahrt von Salem dorthin dauert mit dem Zug zweieinhalb Stunden.
Father Thomas, der Direktor in V-Pet, hat mich in Virudhachalam am Bahnhof abgeholt. Bis V-Pet mussten wir noch knapp eine halbe Stunde Auto fahren.
Das neue Projekt könnte sich vom Don Bosco Care Home kaum mehr unterscheiden, denn es ist riesig. Mit einer CBSE School, einer Higher Secondary School, zwei Hostels, zehn Salesianern und unzähligen Angestellten (vor allem LehrerInnen) ist es eine der größten Salesianer-Einrichtungen in der Provinz Trichy und hat trotzdem keine Volunteers. Es war schon Nachmittag als ich angekommen bin und Father Thomas hat mich in der CBSE Schule herumgeführt, wo ich diesen Monat Deutsch unterrichten sollte.
Es gab eine Versammlung mit allen Lehrkräften (nur Frauen), bei denen der Geburtstag von Brother Nirmal gefeiert wurde.
Ich wurde angewiesen, neben Father Thomas und Brother Nirmal auf der Bühne zu sitzen. Daraufhin fand das Programm statt, welches nur zur Hälfte dem Brother gewidmet war, da Father Thomas die Gelegenheit genutzt hat, allen zu erklären, wer ich bin und was ich hier mache.
Danach war der Schultag eigentlich schon vorbei. Beim Abendessen habe ich die Salesianer-Community kennengelernt. Diese besteht aus acht Fathers und zwei Brothers. Das ist neben Brother Nirmal auch noch Brother Sinto, der letztes Jahr im Care Home gearbeitet hat.
Ich erkläre an dieser Stelle mal so gut es geht die einzelnen Bestandteile dieses Ortes:
- Die CBSE (Central Board of Secondary Education) Schule Frans Schlooz School of Excellence ist eine englischsprachige Privatschule der Salesianer Don Boscos, durch die die Gemeinschaft Geld verdient, das andere Projekte wie das Care Home finanzieren kann. Auf dieser Schule sind zur Zeit rund 300 Schülerinnen und Schüler im Alter von Pre-KG bis zur 10. Klasse
- Die Don Bosco Higher Secondary School (DBHSS) ist ebenfalls eine Don Bosco-Einrichtung, die jedoch staatlich finanziert ist. Es handelt sich um eine Schule für Jungs von der 6.-12. Klasse, die sowohl Tamil Medium als auch eine English Medium Sektion umfasst. Diese Schule hat eine Schülerschaft von über 1700 Jungs
- Das Bosco Hostel und das Savio Hostel sind zwei Heime, die wie ein Internat für einen Teil der Schüler der DBHSS funktionieren. Das Bosco Hostel (110 Jungs) bietet für die christlichen Jungs zusätzlich die Teilnahme an den täglichen Gottestdiensten der Salesianer-Gemeinschaft und ähnliches an, während die Nicht-Christen im Savio Hostel (281 Jungs) untergebracht sind
Am Mittwochmorgen hat Father Thomas mich auch noch in jedem einzelnen Klassenzimmer der CBSE vorgestellt und meine erste Deutschstunde war in der fünften Klasse. Ich habe insgesamt alle 5.-9-Klässler (eine Klasse pro Jahrgang) in Deutsch bekommen, was einerseits ziemlich überfordernd war, andererseits aber auch Spaß gemacht hat. Mir ist klar geworden, wie merkwürdig Deutsch für die SchülerInnen klingt, deren Muttersprache ja Tamil ist und die sonst nur Englisch und Hindi lernen.
An der anderen Schule habe ich nicht unterrichtet, doch da ein Teil der dortigen Schülerschaft hier auf dem Gelände in den Hostels lebt, habe ich trotzdem viele Gelegenheiten gefunden, die Jungs kennenzulernen.
Nach Schulschluss bin ich zur Games Time der Jungs dazugegangen und habe beim Fußball mitgespielt. Anschließend habe ich das jeden Tag gemacht, bin abends zur recreation mitgekommen und habe angefangen, für die Mahlzeiten zu den Jungs in den Speisesaal zu kommen. Bei 110 Leuten konnte ich natürlich nicht viele Namen, doch wir haben uns super verstanden.
Da ich ständig im Bosco Hostel war, hat Brother Sinto mich daran erinnert, dass ich auch mal zu seinem Hostel, dem Savio Hostel, kommen soll. Nach und nach bin ich also auch öfter dorthin gekommen und wurde, egal wo ich war, zwangsläufig von den Jungs gefragt, welches Hostel ich lieber mag.
Am Ende des Monats war es schön zu sehen, wie motiviert manche meiner Schülerinnen und Schüler schon ein bisschen Deutsch gelernt hatten. Es war traurig, zu gehen und mich von ihnen, den Lehrerinnen und meinen Jungs zu verabschieden. Andererseits sollte ich wohl auch mal wieder ein bisschen Zeit in meinem eigenen Projekt verbringen.;)
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