Seit meinem letzten Artikel ist schon wieder ein Monat vergangen und sehr viel passiert.
Der Januar war ein spannender Monat mit vielen unvergesslichen Ereignissen wie Pongal und dem Don Bosco Fest.
Die älteren Jungs und ich haben jeden Abend während der Study Time Dekoration für die diversen Anlässe gemacht, die uns diesen Monat erwarten. Am meisten fürs Don Bosco Fest, aber auch für Pongal, den Geburtstag unseres Direktors Father Rico und für eine goldene Hochzeit, die zwei Leute hier gefeiert haben.
Pongal hat mir besonders gut gefallen. Es ist ein Erntedankfest, das überall in Tamil Nadu gefeiert wird, und für das es drei Tage schulfrei gab. Den ersten Tag haben wir zum Putzen genutzt und in unseren Teams draußen ein paar Special Work-Aufgaben erledigt, wie z.B. den Sportplatz von Ästen und Laub befreien oder heruntergefallene Palmenäste zu einer Grube zu schleppen. Wenn man zu viel Energie hat, kann man sich bei der Arbeit, die hier so anfällt, richtig schön in der Mittagshitze austoben. Besonders interessant wird es, wenn man dabei eine Schlange aufschreckt und die Jungs alles stehen und liegen lassen, um sie fachgerecht niederzustrecken.
Wir haben Pongal an zwei Tagen gefeiert. Am Donnerstag den 15.01. war „Thei Pongal“, an dem man für das Essen dankt. Wir haben mit Pulverfarben Mandalas auf den Boden gemalt, Pongal gekocht (das Essen, nachdem das Fest benannt ist), dem Topf traditionellerweise beim Überkochen zugeschaut und Zuckerrohrstangen gegessen. Die Sechsklässler haben mir gezeigt, wie. Man muss die Schale abziehen, den inneren Teil kauen, indem der Sirup drin ist, und den Rest wieder ausspucken. Damit das keine Sauerei ist, haben wir uns in Gruppen draußen übers ganze Gelände verteilt und dort gegessen.
Die Jungs mussten in sieben Spielen in ihren Teams gegeneinander spielen. Da ich unpraktischerweise einen Sari trug, habe ich vor allem zugeschaut, was aber auch sehr unterhaltsam war:
Eins der Spiele bestand daraus, das jemand mit verbundenen Augen einen an einem Seil zwischen zwei Bäumen hängenden Topf mit einem Stock zerschlagen musste, doch einer der Jungs hat statt nach oben eher im Kreis einmal um sich herum den Stock geschwungen, woraufhin alle Hals über Kopf in verschiedene Richtungen auseinandergestoben sind, um nicht getroffen zu werden.
Besonders beeindruckt hat mich das Spiel, bei dem eins der Teams an einem mit Öl eingeschmierten Laternenpfahl hochklettern muss, um etwas von der Spitze herunterzuholen. Als wäre das allein nicht schon schwer genug, durften die umstehenden zwei anderen Teams die Kletterer mit gefärbtem Wasser überschütten. Trotzdem haben diese es beim ersten Versuch geschafft.
Am nächsten Tag haben wir „Mattu Pongal“ gefeiert und damit die Nutztiere, also vor allem Kühe, geehrt. Erst haben wir mal wieder geputzt, sowohl den Kuhstall als auch die Kühe selbst, und sie anschließend angemalt und ihnen Blumen um den Hals gehängt. Die Kühe waren mit der Situation etwas überfordert und die Blumen anscheinend die perfekte Nervennahrung.
Am Samstag haben die Jungs abends für alle gekocht. Jedes Team hatte ein eigenes Essen zugeteilt bekommen, doch letztendlich hat jeder bei jedem mitgeholfen. Wir waren auf dem Sportplatz und haben an drei verschiedenen Feuern unter freiem Himmel gekocht und um 21 Uhr draußen im Dunkeln gegessen.
An einem anderen Tag kam eine Sponsorengruppe von ca. 15 jungen Frauen und Männern. Mit zwei von den Frauen habe ich mich unterhalten, und sie haben mich irgendwann auf meine Haare angesprochen. Sie sind nicht die ersten, die das kommentieren, seit ich seit den Weihnachtsferien kurze Haare habe – auch Father Prabu und ein paar von den Jungs haben was gesagt. Aus irgendeinem Grund ist niemand sonderlich überzeugt, und ich bekomme regelmäßig Dinge zu hören wie „Is this your favorite hairstyle?“ (Skeptischer Blick) oder ein verwirrtes „What?“, während die Person auf meine Haare zeigt. Die meisten Frauen haben hier nämlich weder kurze, noch offene Haare.
Die zwei Frauen, mit denen ich geredet habe, waren 18 und 20, und haben spontan beschlossen, mich aus meinem Bad-Hair-Day zu befreien, indem sie mich frisiert und geschminkt haben und mir einen Punkt auf die Stirn gemalt haben.
Vom 24. bis 26. hat mich Lina besucht, die mit ihren Freunden auf dem Rückweg nach Hyderabad für zwei Tage ins Care Home gekommen ist. Einen Tag haben wir in Salem verbracht und es hat total Spaß gemacht, ihnen die Stadt zu zeigen, besonders von einem View Point in den Bergen, an dem ich auch zum ersten Mal war und wo es eine richtig gute Aussicht gab.
Das Don Bosco Fest am 31.01. war neben Pongal mein Highlight dieses Monats. Die ganze Woche waren alle damit beschäftigt, das Gelände aufzuräumen, zu putzen und zu dekorieren. An den drei Tage vor dem Fest hatten wir nachmittags keine Games Time um stattdessen weiter vorzubereiten. Am Freitag sind sogar alle Collegejungs dageblieben und wir haben zu zehnt die Halle für den Gottesdienst und das Programm geputzt und dekoriert. Das gleiche haben wir im Innenhof, im Speisesaal, im Eingangsbereich, in der Auffahrt und in den Fluren gemacht.
Am Samstag um 18h kamen Gäste (Salesianer, Nonnen und Sponsoren), wir hatten einen Gottesdienst mit elf Priestern, ein richtig gutes Programm von den Jungs inklusive Theaterstück über Don Bosco und ein super beeindruckendes Essen mit sehr viel Auswahl.
Es war richtig schön aber auch ganz schnell vorbei, und die Aussicht, unsere ganze tolle Deko wieder abzuhängen, war ein bisschen traurig.
Nachdem wir den ganzen Januar das Fest vorbereitet haben, gibt es jetzt im Februar plötzlich gefühlt nichts mehr zu tun. Vielleicht ist das auch wirklich so, denn Father Rico hat mit einem anderen Salesianer ausgemacht, dass ich den Februar in einer anderen Don Bosco Einrichtung verbringe. Über diese Gelegenheit, mal etwas anderes zu erleben, freue ich mich sehr. Mal sehen, wie viele Leute mich dort auf meine Haare ansprechen.;)
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