Annalus Jahr in Mumbai

Ein Freiwilligendienst im Shelter Don Bosco

Photo? Photo??! – Sightseeing in Mumbai

Mit meinen blonden Haaren und blauen Augen falle ich in Mumbai auf. Das merkt man, wenn Autos einen anhupen, wenn Menschen einen angucken, oder heimlich von uns Fotos gemacht werden. Für mich ist das kein Problem, sondern eher amüsant.

Besonders auffällig war das bei unserer Sightseeing Tour, die wir zusammen mit den Brothers und Sisters vom National YAR Seminar gemacht haben. Das Seminar fand bei uns in Mumbai,  in dem Provincial House, statt. 115 Gäste wurden aus ganz Indien erwartet, um zusammen Lösungsansätze für Jugendliche in Risikogebieten zu besprechen. Am ersten Tag des Seminares gab es zur Eröffnung auch einen Tanz von unseren Shelterjungs, auf die wir natürlich sehr stolz waren. Abgesehen vom Essen haben wir aber nicht viel von dem Seminar mitbekommen, da wir lieber bei den Jungs sein wollten.

Als dann die Anfrage kam, ob wir an einer Sightseeing Tour teilnehmen wollen, war die Freude natürlich groß. Also packten Lotta und ich unseren typisch deutschen Touri-Rucksack zusammen. Perfekt gerüstet waren wir pünktlich um 9 Uhr am Treffpunkt – abgesehen von ein paar Fathers, die noch frühstückten, war aber niemand anderes da. 9:45 Uhr trudelten dann langsam alle ein: In Flipflops oder High Heels, mit kleinem Handtäschchen oder einfach nur einer Wasserflasche in der Hand.  Und dann startete auch schon, eine Stunde später, unser Abendteuer. 19 Leute nahmen in einem kleinen Bus Platz, die Klimaanlage wurde angeschmissen und kurz darauf sind wir auch schon  halb erfroren (zum Glück hatten wir in unserem Rucksack Jacken dabei 😉 ). Nach ein paar Startschwierigkeiten fuhren wir dann sogar los.

Unser erster Halt war ein Geschichtsmuseum, das architektonisch sehr schön war. Weiter ging es, vorbei  am Haji Ali Dargah, an den berühmten Marine Drive, an dem wir vom Wind fast weggefegt wurden. Dort hatten nicht einmal wir mehr die Chance, dem Regen zu entkommen und wurden klitschnass. Das war aber kein Problem, da ja trotzdem 30 Grad waren. Nachdem die Wolken ein bisschen weiter zogen, hatte man von dem Strand aus eine wunderschöne Sicht über die Promenade Mumbais.

Geschichtsmuseum

Durch den chaotischen Straßenverkehr konnte man auf unserer Weiterfahrt auch einen Blick auf das teuerste Haus der Welt werfen. Das ‚Antilia‘ kostet 1 Mrd. US $ und sieht echt hässlich aus. Mit so viel Geld hätte sich der gute Ambani wirklich was Schöneres bauen können.

Vor unserer Mittagspause wartete noch die meist besuchte Attraktion Mumbais auf uns: Das Gateway of India und das Taj Mahal Palace Hotel. Als Lotta und ich vor dem Hotel ein Bild mit unserem indischen Tourguide machten, trauten sich auf einmal alle Inder/innen uns zu fragen, ob wir ein Bild mit ihnen machen können. „Photo?“, „Photo?“, die Frage kam von allen Seiten. Wir machten ein paar Indern eine Freude und schossen Fotos mit ihnen, andere machten „Selfies“ wo wir ganz zufällig mit drauf waren. Das geschah aber alles auf einer netten und niveauvollen Ebene, sodass wir kein Problem mit so viel Trubel um uns hatten. Ein nein wurde auch akzeptiert, und so konnten wir dann auf schnellsten Weg zum Mittagessen, bis unser Bus auf einer sehr  befahrenen Straße stehenblieb. Statt den eingezeichneten drei Spuren fuhren mindestens sechs Autos nebeneinander……… und mittendrin standen wir. Als sich dann auch noch die Handbremse löste und wir langsam bergab rollten, sprach ich mein letztes Gebet, bevor ich womöglich sterben werde, dachte ich. Im Gegensatz zu mir saßen die anderen im Bus quatschend und lachend, sie schien das nicht sehr zu stören. Nach einiger Zeit sprang der Motor, Gott sei Dank, wieder an. Angekommen im Restaurant, mussten wir irgendetwas auf der Karte auswählen, ohne zu wissen, was es überhaupt ist. Wie jedes Essen in Indien, hat es uns sehr geschmeckt und ich war einfach nur froh, nicht mehr in dem Bus sitzen zu müssen.

3 Stationen gab es nach dem Mittagessen noch: Eine wunderschöne Kirche, vor der jedoch sehr viel Elend und Armut war, ein zweiter Strand und als krönender Abschluss wartete ein Markt auf uns. Dort gab es die schönsten Stoffe der Welt und unser Tourguide wich uns nicht von der Seite, sodass wir nicht abgezogen wurden. Das war wirklich sehr nett. Die letzten paar Meter liefen wir dann zu dritt zurück zum Provincial House, da der Bus schon abgefahren war.

Dieser Sightseeing-Tag war sehr eindrucksvoll für mich. Besonders beschäftigt mich im Nachhinein, wie zwischen Armut und Reichtum teilweise nur eine Straße, oder ein Graben liegt. Guckte man auf der einen Seite des Busses heraus, so konnte man die schönsten und modernsten Hochhäuser sehen. Drehte man sich zur anderen Seite, so erstreckte sich ein Meer aus Slums und Häusern, die mit Plastikplanen überdeckt waren, um den Regen abzuhalten. Mumbai ist wirklich eine Stadt der Gegensätze.

Nichtsdestotrotz bin ich sehr froh, hier zu sein. Mumbai ist so eine eindrucksvolle Stadt, das lässt sich gar nicht in Worte fassen. Und dieser Tag hat mir noch einmal gezeigt, wie freundlich die Menschen hier sind. So hilfsbereit und offen, so nett und lieb.

Freut euch schon auf meinen nächsten Eintrag!                      

Bis bald, Eure Annalu   

Vorheriger Beitrag

Drachenfrucht + Kühe= India

Nächster Beitrag

Geburtstag im Krankenhaus

  1. Veronika Kronast

    Wirkich schön geschrieben und das klingt ja super spannend! Da wurdet ihr ja sogar selbst zu einer Attraktion XD
    Lotta und du sehen auf jeden Fall happy aus. Ich wünsch euch noch ganz viele weitere Abenteuer!
    Ganz liebe Grüße aus dem Kosovo, deine Vroni

  2. Emma Dierkes

    Hey ihr zwei süßen!
    Es freut mich zu hören, dass es euch so gut geht und ihr euch einlebt!
    Euer Tour-Guide ist ja ein Schatz, dass er so auf euch aufpasst. Aber er weiß halt, was passieren kann…

    Bis bald in einem neuen Blogeintrag 🤗
    Liebe Grüße aus Ruanda und auch an Charlotte!

  3. Papa

    Für uns unvorstellbar, dass das Antilia ein Wohnhaus für eine Familie ist und sich auf der anderen Straßenseite die Slums befinden. So reich und so arm direkt nebeneinander

Schreibe einen Kommentar

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@donboscomission.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén