Von Marlene bis Benin

Fufu und Fernweh

Landeanflug- Bitte anschnallen!

Mit einem leisen Klingeln erscheint das grelle Symbol mit dem Gurt über den Köpfen der Fluggäste: Landeanflug- Bitte anschnallen! 

Zwischen diesem Moment und der tatsächlichen Landung gibt es immer eine kurze Zeitspanne. Musik aus, Buch weg, alles bereits gut im Handgepäck verstaut. Schuhe an, Fenster hoch und anschnallen. 

Genau so „überbrückend“ fühlt sich die Zeit hier in Benin gerade an. Unser Abschied wurde bereits gefeiert, es ist keine Schule mehr, die Pères sind weg, sowie ein Großteil der Kinder- und wir sind immer noch hier. 

Doch die Zeit neigt sich jetzt final zum Ende- herzlich willkommen zu meinem LETZTEN Blog aus Benin!!!

Bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland sind es nur noch wenige Tage und ich werde jeden Tag aufgeregter. 

43. Woche

Die Woche gab’s nichtsdestotrotz ein großes Highlight: ein Tagesausflug mit allen Kindern nach Ouidah! Durch unseren Spendenkreis stehen jedem Volontär 300€ Projektgeld zu, dass wir beantragen können. Der Tagesausflug war Matildes Projekt und ein voller Erfolg! Um 8 Uhr standen die drei gemieteten Busse auf dem Hof und nachdem diese fertig beladen waren konnte es losgehen. Mitkommen durften nicht nur die Jungs aus unserem Foyer, sondern auch die Kinder aus Catchi, sowie die Jungs und Mädchen, die in unsere Grundschule hier gehen. Nach Ouidah fährt man etwa 3 Stunden. Unser erster Stop war das Port de Non retour am Strand, sowie die Arena, in der damals das große Vodoo-Festival stattfand. Vor Ort fragten die Kinder neugierig, was es mit dem Denkmal auf sich hat und mir wurde bewusst, wie wenig sie über die Geschichte der Sklavenarbeit wissen. So erklärte Père Arnaud die Bedeutung des Port de Non retours- Tor ohne Wiederkehr- für alle, wodurch der Ausflug auch bildungstechnisch für die Jungs bereichernd war. Für viele war es das erste mal in Ouidah und somit ein großer Tag: einer der Kleinen hat sich extra seinen schicksten Anzug mit Krawatte angezogen und die Älteren machten fleißig Fotos von allem!

Danach ging es weiter in ein Museum, indem westafrikanische Künstler*innen zu spannenden Themen ausstellten. 

Wieder rein in die Busse, nächster Halt: Python Tempel. Nachdem unser Guide einige Dinge über die Geschichte der Python und des Tempels erzählt hatte, durfte jede*r der/die wollte, sich eine der Schlangen um den Hals legen lassen. Einige der Kinder waren ganz mutig und wollten unbedingt zuerst, andere wiederum hatten unfassbar Angst und waren umso stolzer am Ende, als sie sich dann doch getraut hatten. 

Auch der Basilika, der ersten Kirche Benins, statteten wir noch einen Besuch ab, bevor es weiterging. Wir besuchten eine Farm, die zu unserem Don Bosco Foyer in Porto-Novo gehört und durften dort alle Tiere und Felder angucken. Später wurden die mitgebrachten, riesigen Reistöpfe aus den Bussen geladen und zusammen im Sand gegessen. Satt und zufrieden war dann Zeit zum Spielen: es wurde an Brettspiele gedacht, zum Fußball spielen wurden auch die feinsten Hosen hochgekrempelt und beim Verstecken spielen fand einer der Kleinen ein Eidechsenbaby sowie ein Ei, dass alle sehr faszinierte. 

Der letzte Stop des Ausfluges war der Strand, an dem die Kinder sich ordentlich austobten. Einer hatte entdeckt, dass es im Sand nur so von gut getarnten, kleinen Strandkrabben wimmelte und so holten alle ihre Plastikflaschen und die wilde Jagd begann. Einer präsentierte mir am Ende seine fast bis zum Rand gefüllte Flasche mit Krabben: „Die Flasche stell ich zu Hause in meinen Schrank und füttere die Krabben. Irgendwann sind sie so groß, dass ich sie essen kann.“ Verstohlen warf mir Père Arnaud einen belustigenden Blick zu. „Gute Idee.“ Manche Sachen muss man aus Erfahrungen lernen.

Zum Abschluss gab’s noch Kekse und Ananassaft für alle und dann hieß es: ab nach Hause! Während auf dem Hinweg noch alle wild und aufgeregt  durcheinanderquasselten, erfüllte auf dem Rückweg ein schnarchender Chor meinen Bus. 

Viele Sachen in Ouidah hatte ich schon gesehen, trotzdem war der Tag für mich sehr besonders. Zu sehen, wie aufgeregt die Kinder waren, zu sehen, wie besonders solche Erlebnisse für sie sind- das ist sehr rührend. Andererseits ist es auch ein komischer Gedanke zu wissen, dass ich in meiner Zeit hier in Benin öfter in Ouidah und am Strand war, als die meisten Kinder in ihrem bisherigen Leben. Umso schöner, dass solche Projekte möglich sind!

Am nächsten Tag ging’s dann weiter mit meinem Schwimmkurs, der durch die Regenzeit leider in dieser Woche öfter ins Wasser fiel (Achtung Wortwitz). An diesem Tag schüttete es ausnahmsweise mal nicht die ganze Zeit. Trotzdem ist es durch das bewölkte Wetter und den Wind im Wasser doch sehr kühl. „Nein, mir ist nicht kalt“, behaupteten die Kinder mit klappernden Zähnen im Schwimmbecken, während sie zitternd meine Armbewegungen nachmachten. Spaß hatten trotzdem alle. Abends, beim täglichen Kartenspielen, erzählte mir dann eines der Kinder, in den Osterferien habe er das mit dem Schwimmen noch nicht richtig begriffen gehabt. „Jetzt hab ich’s verstanden, ich habe Fortschritte gemacht!“. Ein sehr schönes Feedback!

Am Wochenende habe ich mich dann mit ein paar deutschen Freiwilligen aus Ghana getroffen, die vor ihrer Rückkehr nach Deutschland noch ein paar Tage in Benin verbrachten. Wir aßen an der Lagune zu Abend und spazierten dann im der Dunkelheit zurück nach Hause- sehr schön nochmal neue Leute kennenzulernen und sich über seine Projekte und Erfahrungen austauschen zu können. Wir verstanden uns so gut, dass sie am nächsten Morgen zum Frühstücken zu mir kamen und wir den Vormittag gemeinsam verbrachten. Zuerst zeigte ich ihnen alles auf dem Gelände, wobei uns zwei Kinder stolz die Küken im Garten zeigten, für die sie verantwortlich sind. Danach machten wir einen großen Spaziergang an der Lagune entlang und klapperten die üblichen Sehenswürdigkeiten ab. Diesmal wirklich für mich zum letzten Mal…

44. Woche

Während es am Montag ohne Pause regnete, ließ sich am Dienstag zur Abwechslung mal wieder die Sonne blicken und so machten Matilde und ich morgens einen großen Spaziergang zur Markthalle in Porto-Novo. Langsam ist es nämlich Zeit sich um Souvenirs zu kümmern. Außerdem kauften wir eine große Tonne für ein bisschen Ordnung für die Spiele der Kinder. Nach einem schnellen Mittagessen ging’s dann weiter ins Schwimmbad. „Wenn ich schwimme, sehen meine Beine aus wie die von einem Frosch.“ Der Vorsatz den Kindern richtig schwimmen beizubringen rückte dann jedoch immer mehr in den Hintergrund, nachdem die Kinder anfingen sich aus Reifen und Schwimmnudeln kreative Boote zu bauen und sich vor Lachen nicht mehr einkriegten. 

Da Père Arnaud am nächsten Tag abends in den Urlaub fahren sollte, war am Mittwoch der letzte Schwimmkurstag. Mittags wurde noch der Geburtstag einer Bekannten der Kommunität bei uns gefeiert, bevor ich das letzte Mal auf die Ladefläche des Pickups kletterte. An dem Tag gab’s zwar ausnahmsweise kein Nieselregen, trotzdem aber auch keine Sonne und so klapperten die Kinder wieder fleißig mit den Zähnen- nur Père Arnaud war nicht kalt. „Ich hab bei dem Geburtstag einfach genug Bier getrunken, das hilft gegen die Kälte.“ Man muss sich nur zu helfen wissen. 

Wir hatten viel Spaß- turnten und tauchten umher, sprangen vom Beckenrand- bis der Beckenboden auf einmal näher war, als eingeschätzt und meine Stirn etwas zu euphorisch begrüßte. Besser hätte ich den Kindern nicht demonstrieren können, wie wichtig ihre Schwimmflügel sind. Unter Adrenalin machte ich den kompletten Kurs noch zu Ende und ging nachmittags sogar noch spazieren und einkaufen. Als ich dann vor Schwindel und Übelkeit am Abend kaum mehr aufstehen konnte, beschloss ich, dass ein Besuch im Krankenhaus am nächsten Morgen vielleicht keine schlechte Idee sei. Diagnose: Gehirnerschütterung! Aus meinen Plänen am Wochenende das große WM-Finale in Cotonou zu gucken und Zeit am Strand zu verbringen, wurde so also eine Woche Bettruhe.

Da vor allem meine Augen wehtaten verbrachte ich die meiste Zeit mit Hörbüchern, telefonieren oder schlafen, was dann ab der kommenden Woche nicht mehr so einfach war: 

45. Woche

Eines der Don Bosco Zentren aus Cotonou hatte ein Ferienprogramm für dessen und unsere Kinder geplant- auf unserem Gelände. So schliefen in dieser Woche circa 40 fremde Menschen zusätzlich auf unserem Gelände. Von Sportangeboten, Musikunterricht und kreativen Angeboten- das Programm schien für die Kinder echt cool zu sein. Nur wäre es schön gewesen, wenn auch nur ein einziger auf die Idee gekommen wäre die FSJler darüber zu informieren. Es wäre nicht nur eine schöne Gelegenheit gewesen selber etwas anzubieten oder sich einzubringen, alleine auf den Trubel in der Woche hätte ich mich gerne eingestellt. Vor allem, dass die Jugendlichen um 5 Uhr morgens begannen vor meinem Fenster  ohrenbetäubend Musik zu hören und nicht vor 2 Uhr nachts damit aufhörten. Besonders mit Gehirnerschütterung war das keine wirklich erholsame Woche. 

Von so vielen jungen Männern umgeben zu sein, die alle sehr interessiert an dem weißen jungen Mädchen waren, hat dann das Fass zum überlaufen gebracht. Mit der Belästigung auf den Straßen komme ich mittlerweile geradeso zurecht- sich in seinem eigenen zu Hause aber nicht mehr wohl zu fühlen, ist was anderes…

In der Zeit machte übrigens der neue Präsident von Benin ein Überraschungsbesuch im Foyer hier, den ich mit der Köchin vom Küchenfenster aus neugierig beobachtete.

Ein bisschen besser ging’s mir dann am Mittwoch, an dem ich mit Matilde mittags ein neues Salat-Restaurant ausprobierte und abends die Zeit nutzte, die letzten To Dos auf die letzten Wochen aufzuteilen. Mit welchen Projekten wir die Kids noch bespaßen können und welche Sachen wir noch/ nochmal zum letzten Mal machen möchten- das werden volle Tage!

Donnerstag Mittag holte uns ein Freund von Matilde mit seinem Auto ab. Yousri arbeitet bei eine der Baufirmen, die für die großen Projekte in Porto-Novo zuständig sind. So unter anderem für das große Voodoo-Museum, an dem ich schon oft vorbeigefahren und traurig war, dass dieses erst nach meiner Rückkehr fertig sein wird. Umso dankbarer war ich für die Gelegenheit die Baustelle besichtigen zu dürfen. Das Gebäude ist inspiriert an den Lehmhütten im Norden in Togo, die ich auf einer meiner Reisen besichtigt habe. Mit Warnwesten, Helmen und sogar unfallsicheren Schuhen durften wir jeden Raum bestaunen- die Ausstellungshallen, die Restaurants und Cafés auf dem Dach. Nach den Bauplänen und dem, was schon fertig ist, wird das richtig schön! 

Doch damit nicht genug: im Anschluss fuhren wir zu dem neuen Regierungsgebäude von Porto-Novo, was ich architektonisch fast noch beeindruckender fand. Das Gebäude ist inspiriert an dem Gefühl unter einem Baum zu sitzen, das durch große Beton-„Äste“ dargestellt ist. In der Mitte befindet sich eine riesige runde Rampe in dem Innenhof, der später einmal bepflanzt werden soll. Wir stiegen bis aufs Dach und hatten eine unfassbar schöne Aussicht über meine Bald-Nicht-Mehr-Heimatstadt…

Auch „Ouando“, ein neugebautes Wohnviertel, besuchten wir noch kurz, bevor wir uns von Yousri noch zum Essen gehen einladen ließen.

„Dinge, die ich in meinem FSJ noch machen möchte“ heißt eine Notiz auf meinem Handy. Am Freitag konnte ich dann nochmal ordentlich Aktivitäten abhaken: Früh morgens machten Matilde und ich uns auf den Weg nach Akpakpa und verbrachten den Vormittag auf dem Markt PK3, den ich noch nicht gesehen hatte. Sicher vier Stunden verbrachten wir in der Haupthalle und wühlten uns durch Kleiderhaufen, Taschenstände und Schuhberge- wie lange ich nicht mehr shoppen war… Zum Glück wurden wir auch ziemlich fündig- oder leider? Mal sehen, ob ich alles ohne Übergewicht in meine Koffer kriege…

Die tägliche männliche Belästigung war jedoch nichts im Vergleich zu der auf diesem Markt. Ohne Pause war ich damit beschäftigt fremde Hände von meinem Körper zu schieben und Männern zu erklären, dass sie aufhören sollen uns hinterherzulaufen. 

Wenn ich eins gelernt habe mit diesem Thema umzugehen, ist es alles mit Humor zu nehmen- und an diesem Tag machten sie es mir besonders leicht.

Ausgerechnet an diesem Tag hatte ich nämlich mein Togo-Trikot an, auf das ich mit Gladys und Christine damals in Kara meinen Namen drucken lassen habe. Dummerweise trug ich über meiner linken Schulter aber meine Handtasche. „Arlene, Arlene“, rief es so von überall her. 

Danach zeigte Matilde mir noch eine Eisdiele in Cotonou, wir gingen in die China Mall für einige Besorgungen für kommende Projekte mit den Kindern und landeten zum Kaffe trinken in unserem Lieblingscafé. 

Wie wir so durch die Straßen spazierten, das Klappern unserer neuen hochhackigen Schuhe und der glitzernden Armreifen, der Geruch von unseren Lederhandtaschen und Sonne und mit unseren überdimensionalen Sonnenbrillen auf der Nase. Trotz der Regenzeit ist die Luftfeuchtigkeit seit einigen Tagen niedriger als sonst und auf einmal fühlte sich alles nach Sommer in Deutschland an.

Durch unsere sehr unüblichen Outfits wurden wir übrigens auf einmal wieder wie Touristen behandelt- die Zem-Fahrer verlangten auf einmal doppelt so hohe Preise. „Wir leben hier, wir kennen die Preise.“

An dem Tag wurde außerdem die Abstimmung über die neuen Euro-Banknoten veröffentlicht. Ungläubig mussten Matilde und ich feststellen, dass wir nicht mehr mit Sicherheit sagen können, wie die aktuellen Scheine aussehen…

Zum Tagesabschluss sahen wir uns dann noch den neuen Vaiana-Film im Kino an, bevor es für mich mit dem letzten Bus wieder zurück nach Porto-Novo ging. „Voll der europäische Tag“, meinte Gladys ein paar Tage später am Telefon. So hat es sich auch angefühlt- ziemlich ungewohnt mittlerweile, aber auf jeden Fall ein sehr schöner Tag!

Zurück in Porto-Novo ging’s am nächsten Tag direkt weiter mit viel Action. Übers Wochenende fand in der Stadt nämlich das „Festival des masques“ statt. An verschiedenen Orten  in der Stadt fanden verschiedene Shows statt, ein bisschen wie beim Voodoo-Festival im Januar- nur leider um einiges schlechter organisiert. Dadurch, dass beim Programm keine Zeiten angegeben waren, musste ich am Place Abessan, meiner ersten Station am Samstag, erstmal über zwei Stunden warten. Zum Glück lohnte sich das wenigstens, denn die Show der „Gounouko“-Voodoos war wirklich super. Zu schneller Trommelmusik drehten sich die absurden Kostüme im Kreis und faszinierten mich mit ihren schönen Stoffen. Am Place Houngbo beobachtete ich dann noch eine Zeremonie, bevor ich zum Mittagessen nach Hause fuhr. 

Für das Abendprogramm des Festivals war an der Lagune eine riesige Bühne aufgebaut worden, bei dem an diesem Abend bekannte Künstler sangen. Ich traf dort Maria und Leonie, die Freiwilligen aus Cotonou, und auch Matilde stieß mit ihren Freunden Yousri und William dazu. 

Place Dangbé war Matildes und mein erstes Ziel für den zweiten Festival-Tag. Dort bestaunten wir erst eine chinesische Drachenshow (mein absolutes Highlight!) und im Anschluss zwei afrikanische Tänze aus Nigeria und der Elfenbeinküste. Am Place Migan trafen wir dann William und konnten noch letzte Blicke auf die Egungun-Voodoo-Kostüme erhaschen. 

Als wir abends wieder aufs Festival-Gelände fahren wollten, hatte Matilde leider Fieber und so traf ich mich alleine mit William und einer beninischen Freundin von ihm. Diese gabelte im Laufe des Abends immer mehr Leute auf und so waren wir eine gute Gruppe. Zuerst gab es die große Zeremonie, bei der alle Masken nochmal präsentiert wurden und sogar der neue Präsident anwesend war. Danach aßen wir gemeinsam am Wasser und unterhielten uns stundenlang. Obwohl wir uns alle vorher noch nicht kannten, war es richtig nett zusammen.

Außerdem waren an dem Abend die ganzen Leute von meinem Gelände wieder weg, die erste ruhige Nacht seit langem…

46. Woche

Zu Beginn der darauffolgenden Woche machten sich die letzten trubligen Tage dann richtig bei Matildes Gesundheit bemerkbar. Tagsüber war ich so mit ihr im Krankenhaus und die Abende verbrachte ich, wie gewohnt, mit Spielen oder Fernsehen. Am Dienstag Abend musste ich erfahren, dass mein Lieblingskind am Morgen von seiner Mutter für die Ferien spontan abgeholt worden war. So hatte ich nicht die Möglichkeit gehabt mich zu verabschieden…

Zur Hälfte der Woche lag auch ich dann mit Fieber flach. Das war ziemlich ärgerlich, da ich nicht nur wertvolle Zeit mit den Kindern zum Ende hin verlor, sondern auch unser letzter Grand-Popo-Urlaub so nicht stattfinden konnte. 

Am Freitag ging es uns jedoch zum Glück wieder so gut, dass wir wenigstens nochmal nach Cotonou fahren konnten.

Wir aßen das letzte Mal in unserer Lieblings-Strandbar zu Mittag und erfüllten uns dann einen großen Traum: 

Neben der Strandbar gibt es einen Reiterhof und die Möglichkeit, Ausritte am Strand entlang zu machen. Das letzte Mal Reiten war bei mir vier Jahre her, aber glücklicherweise ist noch einiges hängengeblieben gewesen. Nachdem wir Cisco und Simba, unsere Pferde, geputzt und gesattelt hatten, konnte es losgehen. Wir ritten vorbei an den arbeitenden Frauen auf den Feldern, vorbei an brettspielenden Männern im Sand. Vorbei an den ganzen Kokosnusspalmen, den alten Fischerboten, den Bergen aus zusammengekehrten Muscheln. Von der Seite flüsterten die Wellen und der Sand knirschte leise unter den galoppierenden Hufen.

Der Salzgeruch überdeckte den der Pferde und die Sonne blitze durch die Wolken, wie die Risse im Ledersattel. Dann, irgendwann, ging sie unter, rot und schwer, und hinterließ zum Abschied einen rosanen Himmel. Wäre dieser Anblick auf einer Postkarte abgebildet, würde ich ihn wahrscheinlich für unecht halten.

Zurück am Reiterhof schlürften wir unsere letzte Kokosnuss, bevor uns William schrieb. „Would you like to have Chinese food together tonight?“. 

Eine Stunde später saßen wir in seinem Auto. Gemeinsam mit noch anderen Freunden von William fuhren wir zu einem kleinen versteckten chinesischen Restaurant. Er bestellte ein Gericht nach dem anderen und freute sich unglaublich, dass es uns das Essen seines Landes so schmeckte. Er erzählte über die chinesische Kultur, seine Heimatstadt und brachte uns einige Wörter bei. Bambussprossen, Süßkartoffelblätter, Yasmin-Limonade- insgesamt 13 Platten nahmen letztlich unseren Tisch ein. Ein Bissen mehr und ich wäre vermutlich geplatzt.

Der 1. August ist der Unabhängigkeitstag von Benin und somit natürlich ein Feiertag. Am Morgen gab es die feierliche Kranzniederlegung vom Präsidenten, sowie eine Militärparade.

Zum Frühstücken fanden Matilde und ich eine sehr süße Bäckerei, die nicht nur klasse Kaffe machte, sondern auch fantastisches Gebäck verkaufte und das auch noch für einen unschlagbaren Preis. So gut, dass mir, nach dem ganzen Reis die letzten Monate, ungelogen ein paar Tränen ins Auge stiegen. Mit einem großen Tablett voll von Macarons, Pains au chocolates, … (alles jeweils circa 80 Cent), setzten wir uns auf die Dachterasse des Cafés, wo wir sicher 4 Stunden mit Quatschten und Karten spielen verbrachten. Warum entdecken wir all diese coolen Orte erst jetzt?

Dann machten wir uns auf den Weg zum Place d‘Amazon, an dem sich bereits eine riesige Menschenmenge versammelt hatte. Abends fand hier nämlich ein großes Spektakel statt. Auf einer riesigen Bühne spielte ein DJ nach dem anderen. Scheinwerfer, Strobo, Feuer, und ein Bass, der alles vibrieren ließ. Wir trafen uns mit William und seinen Freund*innen, testeten uns durch die Essens-Stände und sangen zur Musik mit. Dann wurde noch die beninische Nationalhymne gesungen, während ein Feuerwerk nach dem anderen bunt am Himmel explodierte.

Seit 12 Jahren auf den Tag genau ist Père Arnaud nun Père und das musste am Sonntag natürlich gefeiert werden. Eigentlich sei das jedes Jahr eine Familienfeier, aber wir „gehören natürlich auch dazu“. Morgens gab es eine Messe, dann wurde gegessen und ganz viel mit Arnauds unfassbar süßem Neffen gespielt. 

Bevor wir nach Hause fuhren, machten wir noch einen Abstecher bei Arnauds Baustelle und er erklärte uns seine Pläne für die Mietwohnungen, die dort entstehen würden. Das gewonnene Geld investiere er in ein anderes Bauprojekt in Ouidah und der Profit davon wiederum reicht in 4 Jahren für eine Reise nach Deutschland…

Abends hieß es dann: letztes Mal sonntags mit den Kindern essen…

47. Woche

Die letzten Tage sind angebrochen und langsam wird die Zeit knapp. Nächste Woche schon bin ich wieder zu Hause! Meine Koffer stehen schon offen in meinem Zimmer, die ersten Sachen wurden schon aussortiert. Die letzten Tage bastelten und spielten wir nochmal fleißig mit den Kindern, wir kümmerten uns um Abschiedsgeschenke und machten uns Gedanken darüber, wie wir unsere Projekte hier hinterlassen. 

Unsere Lieblingsrestaurants nochmal das letzte Mal besuchen, die letzten Souvenirs besorgen und jede freie Minute mit den Kindern noch genießen. 

Meine Reise ist fast vorbei, das Flugzeug im Landeanflug. Ich bin schon seit einiger Zeit angeschnallt, aber jetzt endlich kommt auch tatsächlich der Flughafen in Sichtweite. So schön die letzten Tage und Wochen gerade auch waren, freu ich mich sehr auf Berlin!

Vielen Dank fürs fleißige Lesen, bis ganz bald und fühlt euch gedrückt!

Marlene

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Sommerferien (2)

  1. Christine

    Ach, Marlene-Maus, mir geht es ganz genauso und du hast so vieles so gut in Worte gefasst! Ich drücke mich momentan vorm Blogschreiben. Wie soll ich das alles denn erzählen, es ist so viel passiert! Ich hab doch gesagt, die Schreib-Fee ist wieder zu dir geflogen…
    Jedenfalls freue mich schon sehr auf unser Rückkehrendenseminar. Bis dahin: Fühl dich ganz doll gedrückt und danke nochmal für deine süße Geburtstagsnachricht! Ich hab dich lieb, „Arlene“ 🥰

  2. Sabine

    Liebe Marlene, was für ein schöner letzter Blog! So viel was du noch erleben durftest den letzten Wochen – und sicher fällt der Abschied nicht leicht…. Wir bereiten hier schon mal die Landung vor, rücken die Möbel wieder an ihren Platz , beziehen dein Bett und sind mindestens genau so aufgeregt wie Du. Wir freuen uns riesig auf Dich! Genieß die letzten Tage in vollen Zügen ❤️ Kuss Sabine

  3. David

    Liebe Marlene, vielen vielen Dank für den tollen Einblick durch deinen Block und wir wünschen dir aufregende letzte Tage und eine gute Rückkehr, wir fahren an dem Tag von Norwegen mit der Fähre zurück nach Dänemark und sehen uns dann ganz bald in Berlin oder am Gohlitz See wieder, viele Grüße, Sabine Nelio, Liam und David

  4. Frederic

    Liebe Marlene, wir freuen uns auch schon sehr, sehr, sehr auf dich. Wir kommen mit Mama, Vincent und Oma und Opa nach Gohlitz. Da wollen wir dich wieder anfassen!
    Guten Heimflug.
    Dein Frederic

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