…Und weiter geht’s mit dem zweiten Teil:

40. Woche
Zurück im Projekt, zurück im Alltag: morgens spazieren und Sachen angucken und nachmittags mit den Kindern spielen. Komisch, wie normal es sich mittlerweile anfühlte, dass Marie hier ist.
Auf unseren Spaziergängen diese Woche kauften wir am Mittwoch ein paar Stoffe, die wir ein paar Tage später in einer Schneiderei abgaben.

Im Haus auf der anderen Seite der Mauer des Geländes sind ein paar neue Kinder eingezogen. Amüsiert beobachteten wir von unserer Terrasse, wie die Kinder mit ihren Stühlchen eine Reihe vor der Betonwand aufstellten- wie im Kino- und mit dieser zu reden schienen. „Was machen die da schon wieder?“ Als ich jedoch zu ihnen ging, stellte ich fest, dass sie sich mit den Kindern auf dem Balkon unterhielten. Das ist nun eine Tradition der Kleinen seit ein paar Wochen. So kann man natürlich auch Freunde finden. Ein bisschen musste ich an den Corona Lockdown denken.
Was neben Klatschspielen bei den Kindern zur Zeit auch sehr beliebt ist, ist Räuber und Gendarm. Donnerstag nach dem Abendessen stellten wir mit über zwei Stunden einen neuen Rekord auf. Räuber und Gendarm wird hier übrigens nicht zum Spaß gespielt. Die ganze Zeit kriege ich Strategie- und Taktikanweisungen zugerufen. Eng an Hauswände pressen, von Schatten zu Schatten huschen, James-Bond-Rollen. Die Banditen werden bis ins Übelste in Fallen gelockt- „Du von links, ich von rechts“. „Zugriff!!“. Sicher 15 Minuten saß ich in einem Busch, ein Kind links, eins rechts, um mich zu verstecken. „Wir decken dich/ Bleib hinter mir. Man findet dich leichter, weil du weiß bist.“ Noch nie drüber nachgedacht, aber da ist was dran.
In einer anderen Runde duckte ich mich mit fünf Kindern hinter eines der Autos und beobachte die vorbeirennenden „Polizisten“. Doch, wieso auch immer, ist in Situationen, in denen man leise sein muss, alles auf einmal lustig. Und so hielten wir uns kichernd gegenseitig die Münder zu, um nicht aufzufliegen und gefangen zu werden.

Übers Wochenende fuhren wir wieder nach Cotonou, wo wir von unserem Hostel aus erstmal vietnamesisch essen und einkaufen gingen. Durch den ständigen Regen klitschnass kehrten wir aber danach schnell wieder zurück und warteten gemütlich im Trockenen den größten Schauer ab.

Von unserem Balkon aus konnte man das Schulgelände einer internationalen französischen Schule erblicken, die uns durch die Modernität der Gebäude sehr interessierte. Als alle Kinder abgeholt waren, fragten wir die Sicherheitsmänner spontan, ob wir mal einen Blick hineinwerfen könnten.
Auf einmal bekamen wir im Gegenzug unserer Personalausweise offizielle Besucherkarten und einen Mitarbeiter, der uns eine ausführliche Tour über das gesamte Gelände gab. Die Schule umfasst einen Kindergarten, Mittel- und Oberstufe und zurzeit ist sogar ein Internat auf dem Gelände im Bau. Staunend besichtigten wir den Fußball-und das Basketballfeld, das schuleigene Schwimmbad – es gibt sogar DREI Fahrradfahr-Übungsplätze und Büchereien auf dem Gelände! Wir durften in jedes Klassenzimmer (jedes Fach hat seinen eigenen Raum) reingucken, in jedes Labor, jeden Aufenthaltsraum für Schüler*innen und in die Mensa. Diese Schule hat eigene Gärtner, die sich um den Schulhof kümmern und einen eigenen Saal für Elternabende- völlig absurd. Wir löcherten den sehr netten Mitarbeiter nur so mit Fragen und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Kann man hier auch ein FSJ machen?“


Danach spazierten wir noch ein bisschen durch die Gegend, einkaufen, Geld abheben… und trafen uns abends mit Gesine und Matilde in einer Pizzeria. Passend zur heutigen Mottoparty in der „Mad Monkey Pizzeria“, servierten uns die Kellnerinnen in hübschen 20er Jahre Kostümen sensationelle Pizzen, die wir uns bei Kerzenlicht und Saxophon-Lifemusik schmecken ließen.

Danach wollten wir uns eigentlich nochmal mit Edwin treffen, der wegen seinem immensen Wäscheberg aber keine gute Laune hatte.
Als wir ihm anboten unsere Hostel-Waschmaschine zu nutzen, ist er vor Freude fast durchgedreht. Sehr nachvollziehbar, wenn man seit 10 Monaten alles per Hand waschen muss. Wenige Minuten später stand Edwin bepackt mit einem großen Rucksack mit seinen gesamten Klamotten dann vor unserer Hosteltür (oder eher der riesiger Rucksack mit Edwin).
Und so startete unser Wäsche-Bar-Hopping. Während die ersten Wäsche trafen wir die anderen aus der WG und Gesine in einer Bar in der Nähe unseres Hostels. Dann zurück, Wäsche raus, Wäsche rein und nächste Bar. Dort unterhielt ich mich mit dem Clubbesitzer, der uns Getränke ausgab, und einer Gruppe stockbesoffener Chines*innen, die Edwin aufgegabelt hatte. Der ein oder anderer Drink zu viel bedingte, dass sie mir beim Reden regelmäßig entgegenkippten und man sie wieder hinstellen musste, ein sehr wilden Tanzstil und vor allem aber eine starke Einschränkung der Intelligenz.
„What’s your zodiac sign?“ „Leo.“ „Cool.“ „What does that mean?“ „Leos like adventure.“ „I like adventure.“ „Oh my God, I like you too!“
Nüchtern zu beobachten jedenfalls sehr amüsant.
Die restliche Nacht wurde sich noch der beste Chawarma Benins einverleibt, Kartengespielt und gequatscht, bis nichts sinnvolles mehr rumkam und uns der Sonnenaufgang mahnend ins Bett schickte.
Am nächsten Morgen wagten wir uns ins Getümmel des Danktopka-Marktes und shoppten einiges an Souvenirs und Zutaten zum Kochen. Unsere eigentliche Mission für den Tag war es aber gewesen, Benin-Trikots aufzutreiben. Da wir auf dem Markt erstaunlicherweise nicht fündig geworden waren, führte unser Weg nachmittags noch nach Calavi. Nachdem Marie so auch die Gelegenheit bekam, die WG anzusehen und wir uns mit einer Portion Atassi gestärkt hatten, fanden wir in einem kleinen Laden, was wir suchten und so ging es schnell zurück ins Hostel: die nächste Wäsche wartete bereits 😉
Als wir zum Public Viewing unsere, mittlerweile, Stammbar betraten, leuchteten uns von allen Seiten neonorangene Trikots entgegen- die Deutschland-Fanbase bestand quasi nur aus uns, was beim Spiel sehen und den Buh-Rufen etwas deprimierend war. Umso zufriedenstellend, dass Deutschland in der letzen Minute noch das 2:1 schoss und alle vorlauten Fans mundtot machte.

Nach einer langen Clubnacht nahmen uns zwei sehr humorvolle Zem-Fahrer mit nach Hause. Wie so oft behaupteten sie bei Ankunft einen anderen Preis, als den, den man verhandelt hatte. Aber statt genervt zu sein, forderte ich sie zu einem Wettrennen um 100 Franc heraus. Nachdem der Zem-Fahrer kläglich scheiterte, musste er sich mit dem eigentlichen Preis zufrieden geben und fuhr davon.

Wenn man mittags erst aufwacht, kann man auch Nudeln zum Frühstück essen, beschlossen wir und so standen Edwin und ich am nächsten Tag in der Hostel-Küche und zauberten Pasta für alle. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal gekocht habe und es gibt nicht viele Sachen, die ich an Deutschland mehr vermisse, als eine eigene Küche.

Wieder einmal machte uns der Regen einen Strich durch die Rechnung an den Strand zu fahren und so spielten wir noch ein bisschen Karten im Hostel, bis es Zeit war, nach Hause zu fahren.
Hätte ich gewusst, was uns an dem Abend noch erwartet, hätte ich vielleicht noch einen Mittagsschlaf gemacht: Es war mal wieder Party angesagt. Doch nicht irgendeine: es war meine eigene Abschiedsparty.
Zusätzlich wurde der Abschied von Frère Julian gefeiert, der nun nach Guinea geht, sowie einer der Älteren, der heute sein Diplom bekam. Außerdem gab es ein paar Kinder, die in eine höhere Klasse versetzt wurden, oder besonders gute Noten hatten, was natürlich auch gefeiert werden musste.
Als Père Jacques sich erhob und Matilde und mich nach vorne bat, wurde es still. Die zwei Klassenbesten der Kinder hatten die Aufgabe bekommen, Reden für uns zu schreiben. Nervös saßen sie schon die ganze Zeit am Rand und übten aufgeregt diese zu lesen.
Schon bei „Chère Marlène“ stiegen mir die ersten Tränen ins Auge und der Kloß in meinem Hals wurde von Wort zu Wort größer- aber lest selbst:


Ich musste mich an die Anfangszeit zurück erinnern, in der ich so oft den Sinn dieses FSJs in Frage gestellt hatte. Diese Worte waren der Beweis dafür, dass ich alles richtig gemacht hatte.
Dann gab’s noch reichlich Geschenke für uns, sogar Marie bekam etwas!
Doch ein bisschen Zeit bleibt mir ja noch und heute sollte gefeiert werden!
So wurde gesungen, gegessen und ausgelassen getanzt bis spät in die Nacht…




41. Woche
Am Montag war nicht so viel los (Spazieren, Einkaufen, Gewürze als Souvenirs besorgen, unsere geschneiderten Kleider abholen, abends wie immer mit den Kindern spielen…)- am Dienstag aber umso mehr!
Am 23.6 wurde hier nämlich der Tag des afrikanischen Kindes gefeiert! Anlässlich gab es eine Veranstaltung in einer Schule in der Nähe, zu der Kinder aus verschiedenen Projekten eingeladen wurden. Es gab viel Animation, natürlich Musik und Tanz, aber im Grunde viele Ansprachen über die Rechte der Kinder. Sogar der Kommissar war eingeladen und sagte ein paar Worte. Falls euch das interessiert, könnt ihr mal auf YouTube vorbeischauen: https://youtu.be/ZxuQlY7a9xA?si=ZsYRJMaBou0QNW8
Sehr stark und wichtig jedenfalls, dass es solche Veranstaltungen gibt!



Nach einer kurzen Pause ging es nachmittags direkt weiter. Jeder mit einer Schwimmnudel um den Hals und Schwimmflügel unterm Arm, kletterten die ersten sechs Kinder ins Auto und durften am ersten Tag meines Sommerferien-Schwimmkurses teilnehmen. Marie und sogar Matilde waren auch dabei. Viele von den Kindern sind über die Ferien nicht im Foyer, deswegen hatten Arnaud und ich diesen Extra-Tag im Schwimmbad für sie eingebaut. Bei manchen konnte man sogar echte Fortschritte seit den Osterferien sehen- primär hatten sie aber, genau wie ich, einfach Spaß am Rumplantschen.


Abends wurde es dann nochmal richtig emotional. Da Matilde am nächsten Tag in den Urlaub fuhr, war es nicht nur ihr letzter Tag mit unserem Direktor, sondern auch mit vielen Kindern, die aus ihren ihren Urlauben erst nach unserer Rückkehr nach Deutschland zurückkommen. Darum organisierte sie ein Abschluss-Lagerfeuer mit den Kindern. Eine gute Möglichkeit auch für mich meine Abschiedsgeschenke zu verteilen und ein paar Worte zu sagen. Meinen Blick verschwommen in die Glut gerichtet und ein paar Kinder in meinem Schoß eingekuschelt, genoss ich irgendwie auch diese bedrückende Atmosphäre. Wie sehr ich die Kleinen alle in mein Herz geschlossen habe…





Dann verteilte die Köchin noch Würstchen für alle.
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Am Mittwoch waren wir zu zweit auf der Lagune in Porto-Novo Tretboot fahren, haben Abschiedsgeschenke für Marie für die Pères gemalt und haben nachmittags noch die Zweigeinrichtung Catchi besucht, in der 8 meiner Kinder zurzeit ihre Ferien verbringen.





Eigentlich ist der Campus hier (laut den Kindern selbst) besser, alleine durch den riesigen Hof und die Möglichkeit Fußball zu spielen zum Beispiel. Doch Père Arnaud meinte, dass die Kinder in Catchi freiwillig dort seien. „Mal Ferien von den anderen“. Mit 40 anderen Kindern zu sein ist also anscheinend auf Dauer auch mal anstrengend.
Maries letzten Tage hier waren durch den starken, andauernden Regen etwas unspektakulär- Donnerstag habe ich mich für meine Uni immatrikuliert (langsam wird’s ernst…) und Freitag waren wir nochmal Eis essen. Außerdem wurde natürlich nochmal die letzte Zeit mit den Kindern ausgekostet, bevor es für uns dann abends zum Flughafen ging. Eine letzte Runde Backgammon, ein letztes Mal Umarmen und dann verschwand Marie auch schon hinter der Sicherheitskontrolle.

Die Zeit zusammen war so schön. Meine Arbeit und die Zeit mit den Kindern macht mir mittlerweile unfassbar viel Spaß, trotzdem fehlt mir in meinem FSJ ein Ausgleich zum Alltag wahnsinnig. Mit Marie war das also perfekt: Wir haben super viel Zeit mit den Kindern verbracht und trotzdem an den Wochenenden in Cotonou viel unternommen und erlebt. Sachen, die ich alleine wahrscheinlich nicht gemacht hätte oder es einfach langweilig gewesen wäre. Doch auch einfach nur zu Hause zu sein und sich zu unterhalten, war so wertvoll.
Ich bin sehr dankbar, dass Marie hier war und der Abschied war natürlich nicht leicht- der Gedanke, dass es aber nur noch sechs Wochen sind, macht es nicht ganz so schwer.
Noch Sechs Wochen
Noch einmal Sommerferien.
Im Folgendem möchte ich gerne einen kleinen Perspektivenwechsel einbauen und Marie auch mal selber zu Wort kommen lassen:
Ich habe die Zeit in Benin sehr genossen. Natürlich stand für mich an erster Stelle, meine beste Freundin nach neun Monaten endlich wiederzusehen – und ohne schlechte Internetverbindung stundenlang quatschen und lachen zu können. Aber darüber hinaus durfte ich so viele schöne Eindrücke sammeln und wertvolle Erfahrungen machen.
Das Verrückteste für uns war eigentlich, wie normal es sich angefühlt hat, gemeinsam in Benin zu sein. Durch den – zum Glück – ständigen Kontakt mit Marlene hatte ich bereits eine Vorstellung davon, wie das Leben dort aussieht: wie die Straßen wirken, wie die Menschen miteinander sprechen und wie gefeiert wird. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, all das selbst zu erleben.
Mein absolutes neues Lieblingsding ist es, Beninerinnen und Beninern beim Reden zuzuhören. Beim Sprechen werden unglaublich viele Emotionen durch kleine Laute ausgedrückt. Während ich diesen Text schreibe, höre ich Frère Eli förmlich „Eh!“, „Ahaaa!“ und „Oop!“ sagen und muss sofort grinsen. Marlene hat sich diese Art zu sprechen inzwischen ebenfalls angeeignet und das macht unsere Gespräche noch einmal tausendmal lustiger.
Mit meinem Französisch bin ich allerdings ziemlich schnell an meine Grenzen gestoßen. Deshalb hat Marlene dankenswerterweise die Rolle der Übersetzerin übernommen. Gerade im Umgang mit den Kindern war das anfangs eine kleine Herausforderung. Sie brauchten ein paar Tage, um zu merken, dass sie mit Französisch bei mir nicht weit kommen. Dafür haben sie umso schneller entdeckt, dass Zeichensprache, Gestik und mich einfach dorthin zu ziehen, wo sie mich gerade brauchten, genauso gut funktionieren.
Ich weiß, dass die Sprache für Marlene am Anfang ebenfalls eine Herausforderung war und es deshalb zunächst schwieriger war, eine Bindung zu den Kindern aufzubauen. Umso schöner war es für mich zu beobachten, was für ein eingespieltes Team sie inzwischen sind. Das hat mich mit unglaublich viel Freude und auch ein bisschen Stolz erfüllt.
Schon die Art, wie die Kinder vom ersten Moment an auf mich zugegangen sind und mich sofort zum Spielen eingeladen haben, hat gezeigt, wie sehr sie Marlene vertrauen. Eine völlig fremde Person so selbstverständlich aufzunehmen und zu akzeptieren, weil sie wissen: „Sie gehört zu Marlene – und Marlene können wir vertrauen“, hat mich wirklich berührt.
Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, die Kinder und Marlene einfach nur zu beobachten. Es wirkte wie eine riesige Geschwistergruppe, in der Marlene längst ein festes Mitglied geworden ist. Mal wird miteinander herumgealbert und auch mal geärgert, mal sitzt ein Kind bei ihr auf dem Schoß und schläft fast ein. Es war einfach schön, Marlene in ihrem „neuen“, aber gleichzeitig so vertrauten Umfeld zu erleben.
Das Spielen mit den Kindern hat unglaublich viel Spaß gemacht. Wir konnten die Spielesammlung um ein paar neue Klassiker erweitern. Domino war mit Abstand der größte Favorit. Aber auch Dobble und Mensch ärgere Dich nicht lagen ganz weit vorne – wobei man gut aufpassen musste, denn geschummelt wurde mit großer Begeisterung. 😉
Ein weiteres Highlight meines Aufenthalts war etwas ganz Alltägliches: Jedes Kind hat eine ganz eigene Art, zur Begrüßung die Hand zu geben. Mit der Zeit habe ich gelernt, welches Kind mir auf welche Weise die Hand reicht. Eine kleine Geste – und trotzdem etwas, das mir besonders in Erinnerung bleiben wird.
Was ich während meiner vier Wochen in Benin außerdem lernen musste, war Geduld. Alles geschieht mit einer Gelassenheit, die mich anfangs fast wahnsinnig gemacht hat. Wenn eine Feier für 18 Uhr angekündigt ist, beginnt sie frühestens um 19 Uhr. Zwischendurch werden unzählige Fotos gemacht oder die Geschenkübergabe dauert eben Stunden, weil jede Person ihren Moment zu einem bestimmten Lied zelebriert. In Benin gehört diese Gelassenheit einfach zum Leben. Ich habe selbst gemerkt, wie ich über die Zeit alles entspannter nehmen konnte.
Zum Schluss noch etwas, das ich ganz besonders genossen habe: Beim Spazierengehen die wunderschönen Stoffe zu bestaunen. Nicht nur die Stoffe, die an den Ständen verkauft werden, sondern vor allem die, die bereits zu Kleidung verarbeitet wurden. Die meisten Menschen tragen farbenfrohe, gemusterte Stoffe, und oft tragen die Mitglieder einer Familie Kleidung aus demselben Stoff. Für mich hatte dieses Bild etwas unglaublich Harmonisches. So sehr ich es liebe, mich durch meine Kleidung auszudrücken und verschiedene Stoffe und Texturen zu kombinieren, war es einfach schön, diese besondere Form von Zusammengehörigkeit in den Stoffmustern wiederzufinden.
Damit, danke dass ich euch hier ein paar meiner Erlebnisse schildern durfte und ich freu mich schon riesig darauf, Marlene in 6 Wochen wiederzusehen!
Danke, dass du da warst, Marie!!!
Erst die Prenovices, dann Marie- Mit den Abschieden ging’s dann aber erst richtig los: ein paar der Kinder, die noch Verwandte haben, verbringen ihre Ferien dort und kommen erst wieder, wenn ich schon wieder in Berlin bin.
Diese Woche musste ich die ersten sieben verabschieden, was nicht leicht war- wie soll das nur am Ende werden?
Sonntags haben wir früher immer mit den Prénovices gemeinsam zu Mittag gegessen. Da diese nun weg sind, werden die Pères manchmal von verschiedenen Familien aus der Umgebung zum Essen eingeladen. Ein reiner Mestungsakt, aber immer sehr nett. So auch an diesem Sonntag. Meist sind das dann natürlich wohlhabendere Familien- sehr spannend mal zu sehen, wie die so wohnen und wie deren Häuser von innen aussehen.
Das gemeinsame Essen mit den Kindern sonntagabends bleibt jedoch zum Glück.
42. Woche
Verflucht sei die Regenzeit!
In Benin ist zurzeit wieder Regenzeit, was mich in meinen Freizeitsaktivitäten fast genauso einschränkt, wie eh schon in Porto-Novo zu wohnen. Doch auch die Möglichkeiten mit den Kindern leidet natürlich. Meistens gucken sie bei den Unwettern Fernsehen, wo ich mich immer ein bisschen nutzlos fühle. Nur die WM-Spiele sind manchmal spannend.
Viel gravierender ist jedoch, dass für Dienstag der Start meines neuen Schwimmkurses geplant war, der wegen des Regens wörtlich droht ins Wasser zu fallen. Denn selbst wenn es ein paar Stunden mal trocken bleibt, ist es ziemlich kühl. Was heißt schon kühl, die Wetter App zeigt mir immernoch 30 Grad an. Eingekuschelt in meinen dicken Pulli grad beim Blogschreiben frage ich mich, wie ich den deutschen Winter überleben soll…
An dem Tag musste ich außerdem wieder schmerzlich ein paar Kinder verabschieden, sowie meinen Direktor…
Die restliche Woche war durch das Wetter ziemlich ereignislos. Am Freitag ließ der starke Regen kurz einmal nach und ich konnte mit einer Gruppe ins Schwimmbad. Die Kinder haben sich auch sehr gefreut- auch wenn sie durch den Nieselregen und Wind mit klappernden Zähnen im Becken plantschten…(„Nein, nein, mir ist wirklich nicht kalt!“) Ich hoffe wirklich, nächste Woche bessert sich das Wetter!


Am Wochenende war ich nochmal in Cotonou und hab dort ein sehr tolles Kino für mich entdeckt und sonst ist das Blogschreiben ja auch immer eine sehr zeitfüllende Beschäftigung 😉
Noch knapp sechs Wochen. Noch einmal Sommerferien.
Aber trotzdem ist in den Sommerferien damals immer viel passiert. Trotzdem sind sechs Wochen nochmal eine gute Zeit. Dadurch, dass so viele Kinder und Pères jetzt weg sind und sogar mein eigener Abschied schon gefeiert wurde, fühlt es sich zur Zeit ein bisschen „überbrückend“ an. Um dieses Gefühl loszuwerden hoffe ich, noch ein paar andere Ferienprojekte realisiert zu bekommen und auch noch ein paar persönliche Highlights für meine Wochenenden zu planen.
Ein letzter Endspurt für die letzten sechs Wochen.
Noch einmal Sommerferien.
Vielen Dank fürs fleißige Lesen (ich freu mich immer unglaublich über jeden Kommentar und von euch zu hören) und fühlt euch gedrückt!
Marlene
Sabine Hilscher
Wow! Noch 6 Wochen… zweimal haben wir uns verabschiedet – einmal war es für ein Jahr und dann für ein halbes und jetzt sind es noch 6 Wochen. Die sehr kurz und sehr lang und sicher ein guter Abschluss sein werden- so wie du das Jahr und die vielen kleinen Abschiede jetzt beschreibst.
Wir freuen uns jedenfalls schon riesig auf Dich- und die Küche auch;-)
Oma und Opa
Danke, liebe Marlene, deine 2 Sommerferienberichte sind so anschaulich, dass wir fast das Gefühl haben dabeizusein. Schön zu wissen, dass unsere Spiele gut angekommen sind und benutzt werden. Schön auch, dass du schreibst ,dass du wohl alles richtig gemacht hast. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Gohlitz. Liebe Grüße Oma und Opa