Das ist also mein letzter Blogeintrag. Eigentlich sollte ich jetzt von meinen Erlebnissen aus dem letzten Monat erzählen. Aber es fällt mir schwer, von Reisen und Veranstaltungen zu berichten, wenn sich meine Erlebnisse und Gedanken vorallem um die Kinder und den Abschied drehen. Deshalb versuche ich, in diesem letzten Bericht zusammenzufassen, was ich nach diesem Jahr eigentlich fühle, was sich verändert hat und was bleibt. Und versuchen, auszudrücken, was ich alles gewonnen habe.

Ganz am Anfang aber noch ein kleiner Hinweis, der meine gesamte Berichterstattung aus dem letzten Jahr und in Zukunft betrifft: 

Alle meine Berichte spiegeln immer MEINE Sicht auf das Umfeld wider. Und die ist grundsätzlich subjektiv. Weil jeder Mensch anders ist und andere Menschen kennenlernt, macht jeder auch andere Erfahrungen.

Deshalb mein Hinweis: Dieser Blog (oder was ich euch individuell erzähle) ist KEINE objektive oder gesicherte Repräsentation der Mongolei, sondern der Blick einer individuellen Person. Das bedeutet, aus meinem Bericht kann man nicht pauschal ein „typisch mongolisches“ Bild generieren. (Angesichts der vielfältigen Kultur dieses Landes ist das in zwölf Blogeinträgen auch gar nicht möglich.)

Wer wissen will, wie es hier wirklich ist, muss wohl selber herkommen….

Meine Gedanken zu den letzten Tagen mit meinen Jungs:

Schon seltsam, wie schnell das ging. Wie auf einmal aus Monaten Wochen und aus Wochen Tage wurden. Wir haben versucht, diese Zeit so intensiv wie möglich mit den Jungs zu verbringen. In den letzten drei Monaten habe ich noch so viel über jeden Einzelnen gelernt. Ganz nach und nach sind aus irgendwelchen Heimkindern meine kleinen Brüder geworden. Und ich liebe sie von ganzem Herzen. Und das liegt nicht daran, dass jeder ein Päckchen zu tragen hat, bei dem es mir manchmal einfach das Herz zerreißt. Es ist jedes Lachen, jeder Witz, jeden Unsinn, den sie getrieben haben und jeder böse Blick, den ich mir eingefangen habe. Wenn mich jemand fragt, was das Beste an meinem Jahr war, dann werde ich ohne nachzudenken die Jungs nennen.

Natürlich freue ich mich, wieder nach Hause, nach Deutschland zu gehen. Ich freue mich auf meine Familie, meine Freunde und das Leben, was dort auf mich wartet. Aber der Abschied fällt mir trotzdem so, so schwer, weil ich eben auch ein Stück Heimat und Familie in der Mongolei zurücklasse. 

Fr. Paul hat einmal zu uns gesagt:

„Unsere Mission ist es, den Kindern zwei Dinge mit auf den Weg zu geben.

  1. Das Gefühl, dass sie geliebt werden und
  2. die Fähigkeit, andere zu lieben.“

Und für alle, die nach meinen ausführlichen Berichten aus dem letzten Jahr nicht herauslesen konnten, was ich hier eigentlich gemacht habe: genau das. Versucht, Kindern das Gefühl zu geben, dass sie geliebt werden. Und wer hätte gedacht, dass man so viel mehr zurückbekommt.

Und ich glaube, dass das generell die Arbeit eines Freiwilligen von Don Bosco beschreibt.

Das Jahr war voller Höhen und Tiefen und ich habe so unfassbar viel gelernt – über mich selbst und die Menschen um mich herum. Und die Fülle an Marmeladenglasmomenten passt in kein Regal der Welt. Ich bin so, so unfassbar dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte. Ich bin dankbar, dass ich einen Freiwilligendienst machen konnte, dankbar für jeden Menschen, den ich auf dem Weg getroffen habe und dankbar für Rahel, der Einzigen, mit der ich sowas nochmal machen würde. Ich bin dankbar für dieses wunderschöne Fleckchen Erde mit seinen Bewohnern, für die 21 Brüder, die ich nie hatte und für alles, was ich hier lernen durfte. Mein Blick auf die Welt und unsere Gesellschaft hat sich verändert. Genauso wie mein Verständnis von Heimat und Familie. In jedem Aspekt war dieses Jahr eine Bereicherung.

Deshalb will ich mich auch bei euch bedanken: Bei allen Leserinnen und Lesern. Bei allen, die an mich gedacht oder nach mir gefragt haben. Und bei allen, die mich im Gebet oder durch eine Spende unterstützt haben. Dieses Jahr wäre ohne euch nicht möglich gewesen. DANKE für alles!!! 

Die Erlebnisse von denen ich hier berichtet habe bilden nur einen klitzekleinen Teil von dem ab, was wirklich alles passiert ist. Vorallem, was sich zwischen uns/mir und den Jungs entwickelt hat. Die Beziehung zu den Kindern hat aufgrund unserer Sprachbarriere auf einer ganz anderen Ebene stattgefunden, als man das so kennt. Und da wir untereinander einfach weniger Worte benutzt haben, fällt es mir jetzt umso schwerer, das, was uns verbindet in Worte zu fassen. Ich werde etwas brauchen, um anzukommen und alles zu verarbeiten. Aber bitte habt Geduld mit mir. Und hört nicht auf nachzufragen. Denn ich will erzählen: von Timuulen, Mukhlai, Enkhzorig, Ankhbayr, Tuvshintor, Baysa, Uurdmonkh, Batbayr, Bold, Bat-Orshikh, Munkh-Ireedui, Bayrtsolmon, Otgontaivan, Khansuld, Bat-Erdene, Boldbaatar, Otgontugs, Otgonbayar, Arigunbuuvei, Bat-Orgil und Bilguun.