Seit unserer Ankunft in Ulaanbaatar wurde uns immer wieder vom Sommer in der Mongolei vorgeschwärmt. Besonders vom Land. Und nach drei Wochen kann ich bestätigen: Es wurde nicht übertrieben.

Aber bevor die ersehnten Ferien Mitte Juni angefangen haben, sind noch ein paar andere Dinge passiert.

Rahel und ich haben mit der zunehmenden Wärme nämlich begonnen, unsere Touristen-Runden durch Ulaanbaatar zu drehen. Station eins war dabei die große Chinggis Khan Statue. Die Stahl-Abbildung von Chinggis Khan auf seinem Pferd ist die weltweit größte Reiter-Statue. Das ist aber auch eigentlich alles, was daran spannend ist. Irgendjemandem ist eingefallen, die Statue für einen kleinen Eintritt begehbar zu machen. Eine grandiose Geschäftsidee. Das mussten Rahel und ich auch direkt unterstützen. Auf dem Kopf des Pferdes gibt es dann zwei Aussichten: Das Gesicht von Chinggis Khan oder ein bisschen mongolische Hügellandschaft. War am Ende beides leider nicht so spannend. 

Die zweite Besichtigungstour führte uns ins Chinggis Khan Museum. Wer sich für Kriegsgeschichte interessiert, für den ist das auf jeden Fall was. Für einen Aufpreis kann man dort außerdem die große goldene Chinggis Khan Statue in der Kuppel angucken. Nachdem die letzte Statue Rahel und mich schon so nachdrücklich beeindruckt hatte, waren wir auch sofort bereit, den Aufpreis zu bezahlen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Chinggis Khan in Silber und dann auch noch in Gold gesehen zu haben: DAS hat mein Leben verändert.

Mal ganz ehrlich: wir wurden von jedem ausgelacht, dem wir das erzählt haben. 

Die schönste Attraktion war aber die, für die wir gar nichts bezahlen mussten. Wir hatten schon nach unserer letzten Winterwanderung auf den Bogd Khan beschlossen, im Sommer die gleiche Wanderung nochmal zu machen.  Mit 24°C, Sonne, Aussicht und grünen Waldwegen war das eine unserer besten Ideen.

Auf dem Rückweg wollte ich noch unbedingt auf das Zaisan-Monument. Das ist eine Gedenkstätte für im zweiten Weltkrieg gefallene Sowjet-Soldaten. Von dem imposanten Gebilde kann man halten, was man will, aber der Blick über die Stadt ist wunderschön. Meiner Meinung nach lohnen sich dafür auch die dreihundert Stufen, die man vorher hochsteigen muss. 

Aber jetzt zum eigentlich schönsten Teil des Junis: Der Beginn der Sommerferien. 

Den größten Teil der drei Monate langen Sommerferien verbringen die Jungs in Shuvuu. Das Dorf liegt ca. eine Stunde außerhalb von Ulaanbaatar (mit dem Verkehr in UB eigentlich zwei Stunden). Das Grundstück, wo wir bleiben, gehört zu einer kleinen Gemeinde, die die Salesianer gegründet haben. Während die Kinder in Jurten (Gers) schlafen, haben wir das Dachgeschoss des Hauses, in dem die Salesianer ganz zu Beginn der Mission in der Mongolei gelebt haben, für uns. Das Haus ist das höchste im Dorf, hat keinen Blitzableiter und keine funktionale Heizung. Das bedeutet, wenn es nachts kalt wird (die Temperaturen können auch im Hochsommer nochmal unter 10°C fallen), dass wir mit Pullover und Wollsocken in unseren drei Schlafsäcken liegen und wenn es gewittert, einfach beten, dass das Haus schon die letzten 20 Jahre verschont geblieben ist und deshalb auch uns nichts passieren wird. Abgesehen davon ist es einfach toll. Wir haben endlich Mal ein Haus für uns und können von unserer Veranda aus die allerschönsten Sonnenuntergänge ansehen.

In der ersten Woche hatten die Kinder ein kleines Camp, dass die Volos organisiert hatten, die normalerweise jeden Samstag da sind. Unterstützt werden die von der NGO „People Who Smile“, die schon seit längerer Zeit das Caring Center unterstützt. Die Jungs haben ein bisschen Englisch gelernt, es wurde viel gebastelt, gemalt und auch gesungen. Zeitgleich zu den Jungs gab es auch ein Farming-Projekt, bei dem die Leute aus dem Dorf kostenlos über nachhaltige Land- und Bodenwirtschaft lernen konnten. Am Ende wurde sich tränenreich verabschiedet und die Jungs haben Trikots mit ihren Namen drauf geschenkt bekommen. Die hätten uns zu Anfang des Jahres ja viel geholfen. 

Danach hat unser Ferien-Alltag angefangen. Tagsüber helfen wir beim Kochen, putzen oder Wasser holen, spielen ganz viel Fußball, Basketball oder fahren Fahrrad. Dazu kommt hin und wieder etwas Englischunterricht oder kleine Projekte, wie Unkraut jäten oder die Hunde davon abhalten, Essen zu klauen. Es sind einfach Sommerferien aus dem Bilderbuch. Und wenn die Temperaturen stimmen, können wir bald sogar schwimmen gehen.

Nein, ich kann mich gerade echt nicht beschweren.