So ereignisreich und abenteuerlich der April war, umso gemäßigter war der Mai – im positivsten Sinne. Die Tage waren gefüllt mit dem üblichen Arbeitsumfeld, den ein oder anderen Ausflügen oder Veranstaltungen und natürlich den allersüßesten neugeborenen Hundewelpen.

Endlich ist auch bei uns der Frühling angebrochen! Die Sonne scheint, es hat sogar geregnet und die Temperaturen erreichen nichtmal mehr nachts den Minusbereich. Aus dem Fenster in eine grüne Baumkrone zu blicken verursacht bei mir eigentlich immer ein Lächeln. Und dass es in der Mongolei laut plärrende Spatzen gibt, habe ich auch erst kürzlich mitbekommen.

In unseren freien Tagen haben Rahel und ich weiter die Stadt erkundet. Es ist wirklich ein ganz anderes Gefühl, wenn es wärmer draußen ist. Es sind viel mehr Menschen unterwegs, alles wirkt freundlicher und auf dem zentralen Platz finden jetzt regelmäßig Messen und Bazare statt. Wir waren mehrmals im Kino und haben uns letztens den Winterpalast angeguckt. Es gibt auf jeden Fall noch einiges auf meinem Erkundungsplan.

Frühling ist auch bei unseren Hunden und Hasen angebrochen. Wer regelmäßiger von mir hört, bekommt zurzeit eigentlich nur Fotos von Tierbabys zugeschickt. Acht kleine Welpen tapsen jetzt durch das Grundstück und haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Hier zu leben ist wirklich gefährlich geworden: Regelmäßige Nahtoderfahrungen durch Zuckerschock. 

Wo wir beim Thema Zuckerschock sind:

Rahel und ich haben uns bei den Brüdern durch regelmäßiges Kuchenbacken richtig beliebt gemacht. Ob es daran liegt, dass wir uns inzwischen richtig gut mit unseren Mitbewohnern verstehen oder allein an unserer sonnigen Präsenz, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall fühlt es sich schon ein bisschen wie Familie an. Br. Andrew liefert sich mit uns die besten Wortgefechte, Fr. Paul unterstützt mit Lebensweisheiten und ich glaube, Br. Krzysztof kann uns ganz tief in seinem Herzen doch ganz gut leiden. 

Wer aber wirklich inzwischen zu Familie zählt, sind die Jungs. Eigentlich lustig, dass wir immer noch so wenig verstehen, aber uns super miteinander verständigen. Ende des Monats fand hier ein großes Spendendinner statt. Dafür haben die Jungs seit unserer Rückkehr Mitte April tanzen und singen geübt. Als am Abend dann alle in ihren Kostümen vor den Gästen standen, war ich schon sehr stolz. Die Lieder kann ich inzwischen zwar nicht mehr hören, aber bei den Tänzen haben wir sehr enthusiastisch im Hintergrund mitgetanzt – sehr zum Amusement von Br. Andrew. 

Gleichzeitig wurden Bilder und Kerzen verkauft, die die Jungs in den Tagen davor gemacht hatten. Also naja, ein paar. Manche wussten gar nicht, dass sie ein Bild gemalt hatten und waren der festen Überzeugung, dass ICH es eigentlich gemacht habe. Komische Meinungen haben die manchmal.

Und dann gab es immer wieder diese kleinen und großen Aktionen und Veranstaltungen, von denen wir – wenn‘s gut kommt – meistens einen Tag vorher erfahren. Wir waren zusammen im Zirkus, Rahel und ich mussten einen furchtbar stinkenden Hund waschen und ich wurde beim Sportturnier der Lehrer spontan in das Volleyballteam aufgenommen (wir haben bis morgens halb zwei gespielt…).

An einem anderen Tag sind wir nach Shuvuu gefahren – ein Dorf ca. eine Stunde außerhalb von Ulaanbaatar, wo die Salesianer eine Gemeinde gegründet haben. Dort werden wir auch im Sommer für einige Zeit sein. Dieses Mal haben wir aber erstmal Kartoffeln gepflanzt. Als Rahel und ich vor acht Monaten (mein Gott, schon so lange!) gerade in die Mongolei gekommen waren, war eine der ersten Aktionen, in Shuvuu Kartoffeln zu ernten. So schließt sich also der Kreis. Das Highlight war aber das Eis am Ende des Tages. Außerdem haben Rahel und ich uns angeguckt, wo wir im Sommer, wenn die Jungs in Shuvuu sind, schlafen werden. Im Haus muss zwar noch ein bisschen was gemacht werden, aber ich freue mich jetzt schon auf die Zeit dort.

Wir bekommen ja regelmäßig Übersichten von unseren Spenden und ich wollte nochmal danke sagen für alle, da da schon einige Beträge in den Topf geworfen haben. Leider ist dieser Topf aber noch nicht ganz voll. Deshalb würde ich mich nochmal sehr freuen, wenn ein bisschen mehr dazu kommt. Denn selbst, wenn wir über das Spendenziel hinausschießen, kann das Geld in andere Projekte der Salesianer gesteckt werden.

Ich bin sehr dankbar, für alles, was bereits gekommen ist und noch kommen wird!