Den Frühling nach Kirgisistan

In diesem Eintrag geht es ausnahmsweise Mal nicht um die Mongolei. Denn: Anfang des Monats sind wir nach Kirgisistan geflogen, weil dort unser Zwischenseminar stattfand. Rahel und ich wollten die Chance nutzen und hatten für die Woche nach dem Seminar noch Urlaub genommen, um uns das Land genauer ansehen zu können. Hier also mein Bericht von zwei Wochen im wunderschönen Kirgisistan!

Unser Start lief leider nicht ganz wie geplant. Für das Taxi vom Flughafen zu unserer Unterkunft in Bischkek wurden wir nämlich ziemlich abgezogen. Das war natürlich ärgerlich, aber am Ende sind wir eben Touristen und bezahlen trotzdem nicht das Gleiche, was wir Zuhause für die gleiche Strecke bezahlen würden. So gesehen war es also okay. Trotzdem mussten wir uns was überlegen, wenn wir in Zukunft halbwegs bezahlbar von A nach B kommen wollten.

Am nächsten Morgen haben wir die anderen Volos getroffen und sind mit ihnen zusammen an den Issyk Kul gefahren – einem der größten und tiefsten (Salz-)Seen der Welt.

Neben uns waren Freiwillige aus Kirgisistan, Kasachstan, Tadschikistan und Georgien dabei. Aus der Mongolei und von Don Bosco Volunteers gab es nur uns. Aber das hat kaum eine Rolle gespielt. Auf den fünf Stunden Fahrt haben wir uns bereits super verstanden. Von den Kirgisistan-Freiwilligen haben wir auch erstmal erklärt bekommen, wie man von den Taxifahrern nicht übers Ohr gehauen wird. Zu unserem Glück stellte sich außerdem heraus, dass ein paar der Volos für die Woche nach dem Seminar eine Reittour gebucht hatten, in die wir uns kurzfristig noch einhaken konnten.

Das Jurtencamp, in dem unser Seminar stattfand, lag direkt am See. Und die darauffolgende Woche war wirklich superschön. Wir beschäftigten uns mit Berichterstattung im kolonialen Kontext, gingen im eiskalten See baden, spielten Karten und lernten Jonglieren. An einem Tag unternahmen wir eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt. An einem anderen Tag besuchten wir den Fairytale Canyon – die asiatische Version des Grand Canyon. Wir konnten einfach frei zwischen den roten Felsformationen herumkrakseln, was ein paar von uns (inklusive mir natürlich) sehr wörtlich genommen haben. Aber die Aussicht war es auch wert. Und dazu das Wetter: Es war zwar etwas kühler, als in Bischkek, aber trotzdem sehr viel wärmer und sonniger als Ulaanbaatar. Aber Rahel und ich sind ja schon bei 15 Grad Temperatur und einer grünen Wiese hin und weg.

Am bereicherndsten am Seminar war aber der Austausch mit den anderen Freiwilligen.  Manchmal nur zu zweit und manchmal in der großen Gruppe hatten wir ganz viel Zeit, Erfahrungen zuzuhören und von ihnen zu erzählen. Natürlich gibt es viele kulturelle Unterschiede zwischen den Einsatzländern, aber es reicht manchmal schon, sich einfach in seiner eigenen Sprache mit anderen Jugendlichen unterhalten zu können. Ich denke, dass ein Zwischenseminar auch dafür gedacht ist und bin sehr dankbar, dass es das gibt.

Das Beitragsbild und das vom Baden wurde übrigens von einem anderen Freiwilligen – Jonas – gemacht. Danke also dafür!!!

Nach der Woche sind wir zurück nach Bischkek gefahren, wo wir zwei Nächte bleiben wollten. Wir sind ewig auf dem riesigen Osh-Bazar zwischen den unendlichen Reihen von Ständen herumspaziert. Es gab alles von Klamotten über Obst und Tee bis hin zu Fahrradzubehör, Reitsachen oder essbaren Steinen (den Erzählungen nach einst getarnte Nahrung/Nährstoffe für Gefangene).

Kurzfristig haben sich unserer Reitgruppe noch zwei weitere Mädels aus dem Seminar angeschlossen und so sind wir am folgenden Tag gemeinsam ein paar Stunden südlich nach Kyzart gefahren, wo die dreitägige Reittor starten sollte.

Mit vier weiteren Teilnehmern und vier Guides sind wir also zum Bergsee Song Kul geritten, der auf ca. 3000m liegt. Als wir am zweiten Tag den steilen Bergpfad über den Pass ritten, waren wir kurzzeitig sogar auf 3500m. 

Die Ausblicke waren einfach wunderschön. Die Berge sehen so anders aus, als das, was ich bisher kenne. Wie mit Weichzeichner bearbeitet. Auf den Hängen grasen Herden von Pferden, Kühen, Schafen oder auch Yaks. Ohne von Zäunen getrennt zu werden, übrigens. Wir konnten auch Murmeltiere entdecken oder große Raubvögel durch die Luft segeln sehen. Es ist wirklich ein einzigartiges Fleckchen Natur und ich habe jede Sekunde genossen.

Zwar war es tagsüber relativ warm, aber der Song Kul war noch vollständig zugefroren und wir mussten auch ein Stück über Schnee reiten. Bei dem steilen Berghang und dem schmalen Pfad hat das so schon Herzklopfen verursacht. Als uns ein Guide dann jedoch erzählte, dass wir den gleichen Pfad am nächsten Tag auch wieder runter müssten, hab ich mich auch nicht mehr so entspannt gefühlt. Die Guides gaben sich auch absolut keine Mühe, den Abstieg weniger gefährlich zu beschreiben. 

Am nächsten Morgen sind wir also alle ein bisschen aufgeregt aufgebrochen und schnell zu jenen hundert Metern gekommen,  in denen wir den engen Pfad direkt am Abhang entlang mussten. (Absteigen stand übrigens überhaupt nicht zur Auswahl.) Und natürlich musste uns auf genau diesen hundert Metern eine Reitgruppe entgegenkommen und die begleitenden Hunde sich im die Haare kriegen. Aber am Ende ist trotzdem alles gut gegangen und wir sind heil wieder im Tal angekommen. 

Ein kleiner Exkurs:

In unserem Fall waren die Pferde alle gut genährt, gesund und die Guides haben sich fürsorglich darum gekümmert, dass sie stets versorgt waren. Zwischen den Touren haben die Pferde auch mehrere Tage “frei” und sind nicht 24/7 unterwegs. 

Mir ist aber bewusst, dass viele Touristenattraktionen mit Tieren kritisch gesehen werden müssen, da das Tierwohl dabei häufig zu kurz kommt. Ich möchte daher diesen Beitrag nutzen, um dem Thema Aufmerksamkeit zu schenken. Reittouren o.ä. können sehr viel Spaß machen und natürlich auch Kulturen näherbringen. Aber das sollte nicht auf Kosten des Tierwohles geschehen. Wenn man sucht, findet man eigentlich immer auch nachhaltige Anbieter, die liebevoll mit ihren Tieren umgehen. Vielleicht kostet das den einen oder anderen Groschen mehr, aber das Geld sollte es auch wert sein.

Für die, die das Thema interessiert, habe ich einen Link zu einem Artikel von WWF angehängt. Man findet leider nicht sehr viel über Reittourismus im Speziellen, aber im Bezug auf Wildtiere schreibt WWF konkrete Hinweise, worauf man achten kann.

https://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/umweltfreundlich-reisen/verantwortungsvoller-umgang-mit-wildtieren-auf-reisen

Weiter gehts mit dem Bericht: 

Wir sind dann also zurück nach Bischkek gefahren, haben uns nochmal auf dem Osh-Bazar verirrt und viel zu viel Geld für Mitbringsel ausgegeben. Am darauffolgenden Abend ging unser Flug nach Almaty, Kasachstan, wo wir uns noch einen Tag lang die Stadt ansehen konnten und schließlich zurück nach Ulaanbaatar flogen.

Zwei Wochen hatten wir in warmen, grünenden Landschaften verbracht, aber kaum traten wir aus dem Flughafen in Ulaanbaatar, fing es an zu schneien. Sagen wir mal so: unsere Freude hielt sich in Grenzen. Aber auch nur kurz, denn die Jungs kamen uns schon freudig entgegen, als wir am nächsten Tag das Caring Center betraten. Ich hatte die kleinen Chaoten schon echt vermisst.

Alles in allem war es wirklich eine wunderschöne Zeit mit nachhaltigen Erfahrungen und einzigartigen Menschen und Begegnungen. Und dafür bin ich sooo dankbar. Ich konnte im Seminar mit etwas Abstand auf meine Arbeit und Zeit hier in der Mongolei blicken. Das hat viel geholfen, um mich zu sortieren, um zu erkennen, was ich vielleicht anders machen kann und mich vorallem neu zu motivieren. Außerdem ist Kirgisistan einfach ein wunderschönes Land, in das ich nur zu gerne nochmal reisen würde. 

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Zwei Wochen im Nirgendwo

  1. Ulla Fricke

    Liebe Felizitas, auf euer Erfahrungen vom Seminar war ich sehr gespannt! Umso schöner, dass ihr eine so gute Erfahrung machen konntet. Wir hätten euch zwar auch sehr gerne in unseren Reihen begrüßt aber der Austausch unter Volos die in ähnlichen kulturellen Kontexten unterwegs sind, kann einfach nicht ersetzt werden. Und so tolle Bilder! Liebe Grüße
    Ulla von Don Bosco volunteers

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