Ich kann es noch gar nicht so richtig glauben, aber seit dem 4. März bin ich nun offiziell 6 Monate hier in Benin. Wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich gar nicht so lange an. Klar, irgendwie ist es schon eine lange Zeit, weit weg von meinem Zuhause. Aber nach so einer intensiven Zeit in Benin bin ich dann doch eher hier in Cotonou so wirklich zu Hause. Und das ist ein ganz besonderes Gefühl.

Passend zur Halbzeit fand auch unser Zwischenseminar in Ghana statt. Und da hab ich auf jeden Fall einiges zu erzählen, angefangen bei der Anreise, die schnell zu einem großen Abenteuer wurde…

Schnellste Autofahrt meines Lebens

Fast pünktlich um 8 Uhr fuhr der Bus am Donnerstag Morgen (19.2.) von Cotonou los. Marias und Leonies Backpacker waren gut verstaut im Busbauch und die beiden hatten es sich auf ihren Plätzen gemütlich gemacht. Von der 2. Reihe aus konnten sie das Geschehen sowohl im als auch außerhalb des Busses gut beobachten. Schon beim Einsteigen fiel Leonie auf, dass die komplette erste Reihe besetzt/zugestellt war. Auf der einen Seite Gerümpel auf der anderen Seite ein Mann mit seinem Rucksack… „Naja vielleicht der VIP-Platz.“ Doch das Rätsel um die erste Reihe wurde relativ schnell gelöst. Schon wenige Minuten nach der Abfahrt – wir befanden uns mitten im Morgenverkehr – wurde eine höchst-ausgetüftelte Bettkonstruktion installiert und im nächsten Moment lag besagter Mann aus der ersten Reihe auch schon auf den Sitzen und einem Verbindungsteil im Gang. (Nachher stellte sich heraus, dass es sich um den 2. Busfahrer handelte, der sich für seine bevorstehende Schicht ausruhte…)

Die Fahrt bis zur togolesischen Grenze verlief reibungslos – bis auf vereinzelte Klagen über die Klimaanlage, die viieeeeeeeel zu kalt war… Angekommen an der Grenze mussten alle Passagiere ausnahmslos zu Fuß „nach Togo gehen“. Auf dem Weg wurde immer mal wieder nach bestimmten Dokumenten gefragt (Gelbfieberimpfung, Reisepass, Visum,…) und schließlich wurden wir zu den togolesischen Grenzpolizisten geschickt, um uns einen Einreisestempel abzuholen. Nachdem wir das x-te Formular ausgefüllt und abgegeben haben, hieß es dann erst einmal WARTEN. 30 Minuten vergingen, 1h verging, und so langsam wurden Maria und Leonie ungeduldig. „Der Bus wird doch auch nicht ewig auf uns warten, oder?“ Doch so sehr die beiden den Grenzpolizisten auch nervten, sie wurden jedes Mal wieder zum Warten rausgeschickt. „Der unterschriftgebende Kommissar ist gerade nicht verfügbar!“

Nach langen 2h war es dann soweit. Der heiß begehrte Mann mit der Unterschrift war (aus seiner Mittagspause???) zurück und mit ihm waren im Nu alle Pässe mit Stempel unterschrieben! Hurra!!!! Nichts wie los zum Bus! In der Mittagssonne überquerten wir die togolesische Grenze und hielten Ausschau nach unserem Bus. Wir liefen und liefen, doch weit und breit war kein Bus in Sicht. Und dann kam die bittere Erkenntnis: Die sind ohne uns weitergefahren, und das schon vor über einer Stunde mit unserem Gepäck!!!!!!!!!! Was nun? Auf den nächsten Bus warten? Ein Taxi direkt nach Accra (Ghana) nehmen? Wir überlegten und grübelten…

Und dann hatten wir unseren finalen Plan: Ein Taxi bis nach Lomé (Togo und Zwischenhalt) nehmen und versuchen, den Bus einzuholen! Gesagt getan! Zu sechst quetschten wir uns in das nächste Auto, das anhielt und gaben dem Fahrer eine Anweisung: „Schnell fahren! Wir müssen den Bus mit unserem Gepäck einholen!“ Im nächsten Moment befand ich mich auch schon auf der wohl schnellsten und wildesten Autofahrt meines Lebens, die große Ähnlichkeiten zu einem Videospiel hatte.

Happy End mit Kulturschock

Ja, was soll ich sagen? Unser Plan ist aufgegangen!!! Wir konnten den Bus einholen und in Lomé wieder zusteigen. An der ghanaischen Grenze verlief alles deutlich reibungsloser und nach einem kurzen Gebetsstopp an einer Moschee mit anschließendem Fastenbrechen im Bus erreichten wir gegen 22 Uhr auch unser Ziel: Accra! Von dort ging es mit einem Taxi zur Unterkunft etwas außerhalb von Accra, wo uns die anderen Freiwilligen schon erwarteten. Nach dieser aufregenden Anreise fielen wir dann doch sehr früh ins Bett! Mit einem Kulturschock hatte ich jedoch am wenigsten gerechnet! Die Taxifahrt zur Unterkunft war ich ununterbrochen am Stauen. „Befand ich mich wirklich in Ghana oder doch eher auf dem Mittleren Ring auf dem Weg nach München??“ Die Hauptstadt Ghanas ist nämlich viel weiter entwickelt als Cotonou, schon angefangen bei den Straßen!!! Mehrspurig, geteert und es gibt keine Zems!

ZwiSe mit ganz lieben Menschen

Die sechs Tage Zwischenseminar vergingen wie im Flug! Die Inhalte, die uns vermittelt wurden, waren einfach mega und haben meine Batterien für das nächste halbe Jahr wieder aufgeladen! Auch die Gruppe hat so gut harmoniert, jeder konnte sich öffnen und seine Erfahrungen (sowohl positiv als auch negativ) teilen. Neben thematischen Einheiten gab es auch einen Ausflugstag! Als große Gruppe ging es in die Region des Volta-Deltas. Nach einer Bootstour und Besuchen verschiedener Inseln (Crocodile-Island oder Rum-Island) ließen wir den Rest des Tages am Strand ausklingen. Die Wassertemperatur war zwar nicht unbedingt eine Abkühlung aber das Schwimmen hat mir so richtig gefehlt! Und im Nu waren dann die Seminartage auch schon wieder rum, jedoch nicht die Zeit in Ghana und auch nicht die Zeit mit den anderen Volos! Da wir uns noch nicht trennen wollten, haben wir kurzerhand unsere Urlaubspläne aufeinander abgestimmt, sodass wir 2 weitere Tage als große Gruppe in Accra verbracht haben.

Doch die Urlaubsgeschichten würden diesen Blogbeitrag sprengen! Daher gibt es gleich eine Fortsetzung! Also gerne reinlesen in mein Reisetagebuch…

P.S. Die anderen Volos haben übrigens auch ganz fleißig Blogbeiträge verfasst! Sehr lesenswert!!