Uni Vorgeschmack à la Kara: Die 1. Vorlesung unseres Lebens
Es ist kurz nach 6 Uhr morgens als Christine und ich am Montag den 08.12. mit schlechtem Gewissen vor der Eingangspforte des Don Bosco Zentrums stehen. Schließlich waren wir schon um Punkt 6 Uhr mit Will verabredet, um gemeinsam zur Uni zu gehen und seiner Rechts Vorlesung zuzuhören. Als er um 6:15 Uhr immer noch nicht aufgetaucht ist, und wir beinahe den Rückweg zu unseren Zimmern antreten, erhalte ich plötzlich die Nachricht von ihm, dass er sich gleich erst auf den Weg zu uns macht. Wir sind erleichtert und müssen darüber lachen, dass wir nach ca. drei Monaten hier in Togo noch immer unsere deutsche Pünktlichkeit beibehalten haben.

Als er ankommt, entschuldigt er sich für seine Verspätung und wir laufen gemeinsam um die 40 Minuten zur Universität Karas. Unterwegs kann ich mir die Frage nicht verkneifen, ob es denn nicht frustrierend sei, in einem Land Jura zu studieren, in dem viele sich keinen Anwalt leisten können. Er verneint und meint: „Wir sind doch die Generation, die einen Unterschied machen muss!“ Wie recht er hat.
Am Campus angekommen, haben wir noch eine halbe Stunde Zeit uns im Vorlesungsaal umzuschauen, bis der Professor eintrifft. Dabei fällt mir auf, dass der Raum ziemlich klein und schlicht ausgestattet ist. Gegenüber der Sitzbänke steht lediglich eine Tafel, ein Schreibtisch und ein Stuhl. Die nächsten zwei Stunden erzählt der Professor und die Studenten schreiben in ihren Heften mit, was ihnen wichtig erscheint. Für die Mittagspause werden wir von Will und seinen beiden Freunden zu Bissap und Beignets eingeladen. Während wir unsere rote Hibiskuslimonade genießen, erzählen die Jungs uns von ihren großen Plänen für die Zukunft. Wie sie sich aufteilen, sodass einer nach Deutschland zieht und der andere nach China, sodass sie gemeinsam handeln und viel Geld für ihr eigenes Land und ihre Familie verdienen können. Sich um seine Familie zu kümmern ist schließlich das Wichtigste!

La fête Immaculée Conception („das Fest der unbefleckten Empfängnis“)
Was die Kinder im Foyer angeht, haben wir am 13.12. nachträglich das Lieblingsfest des Jungsfoyers gefeiert: die unbefleckte Empfängnis. Hierfür haben wir vormittags mit den Kindern eine Menge Sterne als Dekoration gebastelt. Nachmittags wurden Lieder für die Abendmesse eingeübt, welche wir gemeinsam mit Père Jonathan und unserem Direktor Père Cyrille im Foyer selbst gefeiert haben. Danach gab es Reis mit Hähnchen (Highlight!) und eine kleine Limo für jedes Kind. Die Stimmung ist unglaublich gut und wir singen, tanzen und jubeln laut für diejenigen, die beim Tanzwettbewerb am Besten abschneiden.
New Challenge 2026
Mit Wettbewerb geht es für uns und die Großen des Foyers gleich am 19.12. weiter. Diesmal allerdings zum Anlass eines interschulischen Contests im Präsidentenpalast. Dieser nennt sich New Challenge. Hier messen sich zunächst einmal die drei umliegenden Gymnasien in vier Disziplinen: traditioneller Tanz (unglaublich beeindruckend!), Buchstabierwettbewerb, Poetry Slam, und moderner Tanz. Das Lycée Don Bosco markierte dabei den zweiten Platz! Weil der offizielle Start um 21 Uhr allerdings zu 22:30 Uhr wurde und das ganze Unterhaltungsprogramm aus Gesang, Publikumsarbeit und Werbung viel Zeit in Anspruch nahm, waren wir am Ende erst um 02:00 Uhr morgens wieder zurück im Foyer.

Besuch aus Lomé
Am 23.12. gibt es gleich zwei Gründe sich zu freuen: Einerseits geht die intensive Lern- und Prüfungszeit vor den Ferien zu Ende und andererseits kommt mit dem Ferienbeginn auch Katja bei uns an. Meine beste Freundin, die in Lomé genau wie wir auch in einem Foyer arbeitet, und nun die nächsten zwei Wochen bei uns verbringen wird.
Heiligabend selbst wird hier abgesehen von einer Abendmesse nicht sonderlich groß gefeiert, sodass wir tagsüber genug Zeit hatten unser Krippenspiel mit den Kindern vorzubereiten. Wir haben uns aber erlaubt, es ein bisschen an unsere Gegebenheiten anzupassen, um es realitätsnäher zu gestalten. So kommt Engel Gabriel verspätet mit dem Moto Taxi bei Maria an. Es gibt erst mal einen großen Stromausfall und als sie und Joseph sich auf die Suche nach einer Herberge machen, sind diese überfüllt, weil die Cousins aus Lomé zu Besuch sind.

Weihnachten bei 40 Grad:
So richtig Weihnachten gefeiert, wird bei uns also am 25.12. Beginnend mit einer Vormittagsmesse, zu der Christine und ich wie am Vortag auch einen Anlass finden unsere ersten maßgeschneiderten traditionellen Stoffe von hier zu präsentieren. Für unseren Shopping-Ausflug haben wir die Maman des Mädchen Foyers an einem unserer freien Montage um Beratung gefragt und uns letztendlich für den Schnitt „Grande Dame“ entschieden. Zum Mittagessen hat unser Koch Fidèle sich mal wieder selbst übertroffen und die Stimmung hätte nicht besser sein können, als wir und jeder unserer Frères und Pères eine blinkende Weihnachtsmütze vor dem Tischgebet aufsetzt. Es wird viel gelacht, Weihnachtslieder gesungen und am Ende gibt es doch tatsächlich noch eine Bescherung! Die Brüder haben nicht nur für uns beide, sondern auch noch für Katja einen Stoff eingepackt, damit sie sich hier ebenfalls Kleidung schneidern lassen kann!
🥹
Wir konnten es nicht glauben, keiner von uns hatte überhaupt an Geschenke gedacht! Aber bei genauerem Nachdenken wundert es mich wieder kaum, denn ich bin hier regelmäßig erstaunt darüber, wie aufmerksam unsere Communauté ist (Wie beispielsweise, als mein Stoff genau die Farbe hatte, von der ich Père Jonathan zu Beginn ein mal vorgeschwärmt habe!) Ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar mit Christine und ihnen zusammenleben zu dürfen und jeder von ihnen ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich den Gedanken, hier wieder weg zu müssen, regelmäßig verdränge.


Die „Mamans Noël“ kommen im Foyer vorbei!
Natürlich ertanzen wir uns im Foyer wieder unser Abendessen: Diesmal servieren uns die Mädchen des Foyers FouFou. Anschließend wird das Krippenspiel aufgeführt und danach dürfen sich die Kinder über ihre Bescherung freuen. Katja, Christine und ich verkleiden uns als „Mamans Noël“ und verteilen die Geschenke, die wir teilweise selbst und teilweise der Père bezahlt hat. So gab es an diesem Abend abgesehen von einem personalisierten Stofftaschentuch einige Springseile, Puzzles, Puppen, kleines Spielzeug und viele viele improvisierte Plätzchen (ca. 500), mit deren Zubereitung Christine und ich uns die Wartezeit bis zu Katjas Ankunft am 23. versüßt haben. Was für ein Segen, dass ich dieses Jahr Weihnachten mit meiner besten Freundin verbringen durfte!


Um beispielsweise genauere Infos zu unserem Krippenspiel und Katjas Aufenthalt zu erhalten, lohnt es sich wirklich noch ein Mal bei Christines Blog vorbei zu schauen:https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/author/christinegnan/
Und danach heißt es „to be continued“ mit meinem zweiten Blog…
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